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Der Nachname

Der Nachname

Wenn Familienurlaube eskalieren auf gepflegte, deutsche Art.
📅
Jahr
2022
⏱️
Laufzeit
83 Min
🎭
Genre
Array
WhiskyTom
WhiskyTom
118
Reviews
4.2
Ø Rating
6.0
Unsere Bewertung
🎭 Besetzung
Iris Berben
als Dorothea
Christoph Maria Herbst
als Stephan
Caroline Peters
als Elisabeth
Florian David Fitz
als Thomas
Justus von Dohnányi
als René

Der Nachname

Wenn Familienurlaube eskalieren… auf gepflegte, deutsche Art.


Kurzinhalt:
Nach dem aufgeladenen Abendessen in Der Vorname reist die Familie Berger nun gemeinsam nach Lanzarote, um im Ferienhaus von Mutter Dorothea (Iris Berben) ein paar entspannte Tage zu verbringen. Doch Entspannung ist bei dieser Familie ein rares Gut. Kaum angekommen, geraten Stephan (Christoph Maria Herbst), Thomas (Florian David Fitz) und Elisabeth (Caroline Peters) erneut aneinander – dieses Mal geht es um Mutterliebe, Lebensentwürfe und natürlich ums liebe Geld. Dorothea hat nämlich nicht nur eine Überraschung im Gepäck, sondern auch ihren neuen Mann René (Justus von Dohnányi), den niemand so recht einordnen kann. Der Konflikt eskaliert langsam, aber stetig – ganz im Stile des ersten Films, aber mit mehr Sonne und Sangria. Zwischen halbgarer Reue und satirischer Schärfe brechen alte Muster wieder hervor. Jeder will recht behalten, keiner hört zu, und am Ende weiß keiner mehr, worum es eigentlich ging. Statt Tischkanten beißen gibt’s Poolranddrama und Vulkankraterblick. Auch diesmal steht das gesprochene Wort im Mittelpunkt – manchmal witzig, manchmal schmerzhaft nah an der Realität. Und natürlich gibt es wieder Momente, in denen man sich fragt: Ist das noch Fiktion oder schon Familienalbum?


Review:
Der Nachname knüpft direkt an die Dynamik und das Erzählprinzip seines Vorgängers an, verlegt die Handlung aber in ein neues, wärmeres Setting. Die veränderte Kulisse auf Lanzarote tut der Geschichte gut – sie öffnet das Kammerspiel, ohne dessen Intensität zu verlieren. Die Schauspielerinnen und Schauspieler agieren erneut auf sehr hohem Niveau. Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz liefern sich ein pointiertes Wortgefecht nach dem anderen. Besonders gelungen ist die erweiterte Rolle von Iris Berben, die als exzentrische, aber starke Matriarchin neue Impulse setzt. Die Dialoge sind scharf, manchmal messerscharf – allerdings fehlt diesmal etwas die Eskalationstiefe des Vorgängers. Während Der Vorname fast theaterhaft voranschritt, wirkt Der Nachname manchmal etwas zu brav, zu erwartbar. Es fehlt der große Knall, das tabubrechende Moment. Stattdessen setzt man mehr auf leise Töne, was nicht grundsätzlich schlecht ist, aber den Film weniger bissig wirken lässt. Die Haschkeks-Szene mit Herbst und Fitz ist ein klarer Höhepunkt und beweist, dass beide auch im körperbetonten Komikfach glänzen. Leider verpuffen einige Konflikte eher, als dass sie dramaturgisch zu Ende gedacht sind. Die Musik ist dezent eingesetzt, stört nie, prägt sich aber auch nicht ein. Die Kamera nutzt die Landschaft angenehm, ohne ins Postkartenhafte abzurutschen. Der Humor bleibt trocken, oft schwarz, aber manchmal auch allzu gefällig. Immerhin bleibt der Film sprachlich auf sehr hohem Niveau und scheut sich nicht vor intellektuellen Seitenhieben. Dennoch: Wer das erste Dinner mochte, wird auch diesen Nachschlag mit Genuss konsumieren – nur halt mit etwas weniger Pfeffer. Es ist ein Film über das, was unausgesprochen bleibt, aber nicht vergessen wird. Und das erkennt man nur, wenn man genau hinhört. Ein Kammerspiel unter Palmen, das zwar nicht explodiert, aber angenehm gärt.

SOLIDE
WhiskyTom

WhiskyTom

6,0
von 10

Der Nachname ist ein cleverer Nachfolger, der zwar nicht ganz die Schärfe des Vorgängers erreicht, aber mit tollen Dialogen und einer hochkarätigen Besetzung punktet. Das neue Setting bringt frischen Wind, auch wenn die Konflikte teils etwas zu sehr entschärft werden. Dennoch: Ein unterhaltsames Familiendrama mit Augenzwinkern und Niveau.

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