Countdown zum Kinostart
Block 10: Rosenmüllers Auschwitz-Drama, das man aushalten muss ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 5. November 2026 kommt „Block 10″ ins Kino, das vielleicht schwerste deutsche Drama des Jahres: Marcus O. Rosenmüller verfilmt die NS-Sterilisationsexperimente an jüdischen Frauen in Auschwitz, mit Christian Berkel und Axel Prahl in den Hauptrollen.
Ich schreibe diese Vorschau mit einem Kloß im Hals. Auf manche Filme freut man sich nicht, man nimmt sich vor, sie auszuhalten. Block 10 sieht nach genau so einem aus. Die Weltpremiere lief im Sommer 2026 auf dem Filmfest München.
Ein Arzt zwischen zwei Unmöglichkeiten
Block 10 erzählt vom jüdischen Gynäkologen Dr. Maximilian Samuel, der als Häftlingsarzt in Auschwitz zur Mitarbeit an den Experimenten gezwungen wird. Der Film zeigt, wie die SS ihn mit der Ermordung seiner 20-jährigen Tochter erpresst, sollte er sich verweigern. 1943 werden hunderte jüdische Frauen in dem abgetrennten Block 10 eingesperrt.
Das ist die Sorte moralisches Dilemma, an der sich Drama beweist oder blamiert. Kein Ausweg ist sauber, jede Entscheidung kostet. Ich denke an Schindlers Liste, den Maßstab für dieses Thema im Kino, und frage mich, ob Rosenmüller einen eigenen Ton findet oder in dessen Schatten steht. Samuel ist kein Held und kein Feigling, er ist ein Mensch in einer Lage, die keine Menschlichkeit mehr zulässt. Genau da wird es interessant.
Was in Block 10 wirklich geschah
Block 10 war ein realer Gebäudetrakt im Stammlager Auschwitz. Dort betrieb der NS-Mediziner Carl Clauberg ab 1943 Sterilisationsexperimente an gefangenen Frauen. Der Film stützt sich laut Produktion auf Aussagen Überlebender und auf Gerichtsakten, nicht auf freie Erfindung. Das ist bei einem solchen Stoff der einzig vertretbare Weg.
Historisch verbürgt ist auch die Zwangslage der Häftlingsärzte, die der Film ins Zentrum rückt. Sie standen vor einer Entscheidung ohne guten Ausgang: Wer sich verweigerte, riskierte den eigenen Tod, wer mitmachte, wurde Teil des Verbrechens. Der französischen Ärztin Adélaïde Hautval gelang es, sich der Mitarbeit zu verweigern und trotzdem zu überleben; Yad Vashem ehrte sie später als Gerechte unter den Völkern. Genau diese Grauzone zwischen Verweigerung und erzwungener Mittäterschaft ist der moralische Kern, den Block 10 ausleuchten will.
Mir ist wichtig, dass ein Film das nicht zu einem Thriller mit bösem Doktor verkleinert. Die Opfer waren echte Frauen mit Namen. Wer sich in die Zeit einlesen will, findet bei uns starke Nachbarn im Programm: das monumentale Der längste Tag über den D-Day und das jüngere The Six Triple Eight. Block 10 setzt daneben einen anderen, leiseren und grausameren Akzent, weg vom Schlachtfeld, hinein in einen Krankensaal, der keiner war.
Warum ausgerechnet Alice Brauner diesen Film macht
Das Drehbuch stammt von Alice Brauner, Produzentin und Tochter von Artur Brauner. Ihr Vater, selbst Sohn einer jüdischen Familie und Zeuge der Schoah, hat mit seiner Firma CCC über Jahrzehnte Filme gegen das Vergessen produziert. Block 10 führt diese Familienmission fort, begleitet von einem gleichnamigen Buch.
Das ist für mich mehr als eine Fußnote. Wenn jemand einen solchen Stoff aus der eigenen Familiengeschichte heraus erzählt, entsteht eine andere Verantwortung als bei einem Auftragswerk. Ich erwarte deshalb keine Effekthascherei, sondern Genauigkeit. Ob Christian Berkel das mitträgt, dessen eigene Familiengeschichte er im Buch „Der Apfelbaum“ aufgeschrieben hat, ist eine der Fragen, auf die ich am meisten gespannt bin.
Rosenmüller, wie man ihn nicht kennt
Marcus O. Rosenmüller wurde mit bayerischen Komödien wie „Wer früher stirbt ist länger tot“ bekannt und erzählte im Torwart-Drama „Trautmann“ schon einmal deutsch-britische Nachkriegsgeschichte. Block 10 ist ein anderer Rosenmüller. Die internationale Kritik nach der Münchner Premiere bescheinigte ihm einen Zugriff von ernster Feierlichkeit.
Screen Daily nannte den Film ein „harrowing“ Werk, also verstörend im besten Wortsinn, und attestierte Rosenmüller, er gehe mit „grave solemnity“ an den Stoff heran (auf Deutsch etwa: mit ernster Feierlichkeit). Genau das braucht dieses Thema. Ein Regisseur, der Leichtigkeit kann, hat oft auch das Gespür, wann er sie weglassen muss. Ob das hier aufgeht, entscheidet der fertige Film.
Wer diese Menschen spielt
- Christian Berkel als Dr. Maximilian Samuel, der Häftlingsarzt im Zentrum des Films
- Axel Prahl als Carl Clauberg. Der Mann, den viele als gemütlichen Münster-Kommissar kennen, spielt hier einen der Täter. Diese Besetzung ist ein Statement.
- Moritz Führmann gibt den Lagerarzt Dr. Eduard Wirths
- Bibiana Beglau — als Dr. Adélaïde Hautval, die sich der Mitarbeit verweigerte
- Marta Sroka spielt die Häftlingsärztin Dr. Alina Brewda, Katharina Dalichau ist Hedwig Samuel
- Rafael Stachowiak und Michelle Twarowska stehen für weitere Gefangene der Station
Wann und wo der Film zu sehen ist
Block 10 startet am 5. November 2026 in den deutschen Kinos, verliehen von Camino. Der Film läuft rund 103 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben. Nach der Weltpremiere im Spotlight-Programm des Filmfests München 2026 ist der reguläre Kinostart der nächste Schritt.
Einen Streaming-Termin gibt es noch nicht. Bei einem Verleihfilm dieser Größe kommt der erfahrungsgemäß einige Monate nach dem Kino. Ich würde diesen Film ohnehin zuerst im Kino sehen, weil die Konzentration eines dunklen Saals dem Ernst des Themas eher gerecht wird als das Sofa.
Warum ich mit gemischten Gefühlen hingehe
Meine größte Frage ist nicht, ob Block 10 gut gemacht ist. Sie ist, ob man dieses Grauen überhaupt zeigen darf und wie. Ein FSK-16-Drama über Zwangssterilisation muss eine Grenze finden zwischen Wahrheit und Zumutung. Zu wenig wäre Verharmlosung, zu viel wäre Ausbeutung.
Filme über medizinische Grausamkeit und die Würde des Einzelnen haben mich immer beschäftigt, von Der Elefantenmensch bis zu Gewissensdramen wie Die Verurteilten. Und die moralische Last der Wissenschaft hat zuletzt Oppenheimer groß verhandelt. Block 10 geht denselben Weg von der anderen, dunkleren Seite. Wenn Rosenmüller und Brauner den richtigen Ton treffen, wird das kein bequemer, aber ein wichtiger Film. Ich werde ihn mir ansehen, so schwer es fällt.
Ich lasse diese Vorschau bewusst ohne große Wertung stehen, denn eine Wertung wäre jetzt anmaßend. Was ich sagen kann: Der Stoff ist wichtig, die Besetzung stark und die Haltung dahinter ehrlich. Am 5. November gehe ich hin, leise und aufmerksam. Danach reden wir über den fertigen Film.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungManche Filme muss man nicht mögen, sondern aushalten. Block 10 sieht nach so einem aus, und genau deshalb schaue ich hin.— vorab eingeschätzt von FilmSchneider
✅ Darauf freuen wir uns
- Christian Berkel und Axel Prahl in einem Duell zweier Haltungen
- Ein Stoff, der auf Aussagen Überlebender und Gerichtsakten fußt
- Alice Brauners persönliche Familienmission hinter dem Projekt
❓ Das macht uns nervös
- Ob sich dieses Grauen verfilmen lässt, ohne es zu glätten oder auszubeuten
- Ein Thema, das kaum auszuhalten ist und erst sein Publikum finden muss
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