Poster zum Film Im Spiegel meiner Mutter: Jutta Brückners Rückkehr nach fast 20 Jahren

Im Spiegel meiner Mutter: Jutta Brückners Rückkehr nach fast 20 Jahren (2026)

Film · Drama · 2026 · 95 Min.

Von , aktualisiert am 1. Oktober 20264 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

„Im Spiegel meiner Mutter“ bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 7,4 von 10. Jutta Brückner schließt mit diesem Film nach fast zwanzig Jahren Kinopause ihre Mutter-Tochter-Trilogie ab, und Corinna Harfouch trägt die Archäologin Ursula Scheuner mit einer Strenge, die man lange nicht vergisst. Was den Film von einem großen zu einem guten macht, ist ein Misstrauen gegenüber den eigenen Bildern: Vieles, was die Kamera längst erzählt hat, wird noch einmal ausgesprochen oder von der Musik unterstrichen.

Der Film läuft seit dem 13. August 2026 im Kino, Verleih ist X Verleih, die Laufzeit beträgt 95 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren. Die Weltpremiere fand am 29. Juni 2026 beim Filmfest München statt. Wer Geduld für ein Kino der Erinnerung mitbringt, sollte ihn sehen; wer einen Kriminalfall mit Auflösung erwartet, wird ihn als spröde empfinden.

Kurz gesagt

7,4 von mir. Jutta Brückner schließt ihre Mutter-Tochter-Trilogie mit einem Film ab, der Erinnerung als Ausgrabung begreift, und Corinna Harfouch trägt ihn mit großer Strenge. Abzug gibt es, weil Dialoge und Musik zu oft aussprechen, was die Bilder längst erzählt haben. Für alle, die ein ruhiges, forderndes deutsches Autorenkino suchen, lohnt der Weg ins Kino; wer einen Kriminalfall erwartet, wird enttäuscht.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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Unsere Einordnung

von WatchGuide-Redaktion
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Das Ende einer Trilogie, die 1975 begann

Man versteht diesen Film besser, wenn man weiß, woher er kommt. Jutta Brückner hat das Verhältnis zur eigenen Mutter schon zweimal ins Kino gebracht, zuerst 1975 mit „Tue recht und scheue niemand“ und dann 1980 mit „Hungerjahre“, das bis heute zu den wichtigsten Filmen des feministischen Neuen Deutschen Kinos gehört. „Im Spiegel meiner Mutter“ ist der dritte Teil, und diesmal steht eine Tochter im Mittelpunkt, deren Mutter gerade gestorben ist.

Corinna Harfouch spielt Ursula Scheuner, eine Professorin für Archäologie, die heimlich eine Moorleiche untersucht, um ihr finanziell angeschlagenes Institut zu retten, während sie den Tod ihrer Mutter Hildegard verarbeiten muss. Beim Ausräumen des Elternhauses verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit, und mit der neuen Assistentin Melanie, gespielt von Carla Juri, tritt eine Figur in ihr Leben, bei der lange offen bleibt, wie viel an ihr wirklich ist. Dass Brückner aus der Archäologin mehr macht als eine Metapher, hat Harald Mühlbeyer bei kino-zeit.de treffend beschrieben: Der Film versteht Erinnerung als Ausgrabung, Schicht um Schicht.

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Corinna Harfouch und ein Gesicht, das nichts verschenkt

Es ist vor allem Harfouchs Film. Sie spielt eine Frau, die ihr Leben lang Abstand zu einer Liebe aufgebaut hat, die sie geprägt und beschädigt hat, und sie tut das mit sehr wenigen Mitteln: einer Haltung, die nie ganz nachgibt, einem Blick, der Zuwendung prüft, bevor er sie annimmt. Axel Timo Purr beschreibt das bei artechock als unterkühlte Distanz und minimale Gesten, und das trifft es genau. Hildegard Schmahl gibt der Mutter eine Härte, die sich nie zur Karikatur verengt.

Dass dieselbe Schauspielerin zuletzt in Sterben eine Mutter gespielt hat, zu der ihr erwachsener Sohn keinen Zugang findet, gibt diesem Film einen zusätzlichen Widerhall. Hier steht Harfouch auf der anderen Seite, als Tochter.

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Wo Brückner ihren Bildern nicht traut

Daniela Knapps Kamera findet Bilder, die lange nachwirken: das Moor, das leere Elternhaus, ein roter Schlauch, der als Leitmotiv immer wiederkehrt und den mehrere Kritiken hervorheben. Laut filmdienst zitiert der Film auch Faulkners Satz, das Vergangene sei nicht tot, es sei nicht einmal vergangen. Und genau hier liegt meine Einschränkung. Ein solches Zitat ist in einem Film, der seine Gegenwart sichtbar aus der Vergangenheit aufsteigen lässt, eine Erklärung zu viel.

Dieses Muster wiederholt sich. Brückner deutet Symbole, die bereits deutlich genug sind, durch Dialoge nach und lässt die Musik unterstreichen, was das Bild schon trägt. Der filmdienst nennt einige Momente zu explizit in der Ausformulierung innerer Zustände, artechock spricht von einem Film, der eher bewundert als geliebt wird. Ich sehe es ähnlich, wenn auch milder. Das Kino der späten Siebziger, aus dem Brückner kommt, hat dem Zuschauer mehr Leerstellen zugemutet, und dieser Film wäre stärker, wenn er das auch täte.

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Wie die Kritik den Film sieht

Überwiegend sehr wohlwollend. Georg Seeßlen vergibt bei epd Film die Höchstwertung von fünf Sternen und lobt die „unsentimentale Genauigkeit“, mit der der Film das Mutter-Tochter-Verhältnis erzählt. Der filmdienst stuft ihn als sehenswert ein, kino-zeit.de spricht von einem sogartig atmosphärischen Film. Zurückhaltender sind artechock und die Filmjournalisten, die beide die Dichte der Symbole kritisieren. Meine 7,4 liegen leicht unter der Mehrheit der Stimmen, weil ich die Überdeutlichkeit schwerer gewichte als Seeßlen.

Neben Harfouch, Juri und Schmahl spielen Nina Kunzendorf, Samuel Finzi und Sebastian Schwarz. Produziert hat Coin Film gemeinsam mit ZDF und ARTE. Wer danach weiter im ernsten deutschen Drama bleiben möchte, findet mit Fatih Akins Amrum einen anderen Blick auf Kindheit und Herkunft und in unserer Übersicht weitere Dramen.

Mehr Infos und Material gibt es beim Verleih auf der Seite von X Verleih.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story7,0
Schauspiel8,5

Dafür

  • Corinna Harfouch spielt mit minimalen Mitteln und maximaler Wirkung
  • Hildegard Schmahl als Mutter ohne jede Karikatur
  • Die Archäologie als Bild für Erinnerung trägt den ganzen Film
  • Ein würdiger Abschluss der Trilogie nach Tue recht und scheue niemand und Hungerjahre

Dagegen

  • Symbole werden durch Dialog und Musik nachträglich erklärt
  • Wenig Raum für eigene Deutung
  • Wer einen Krimi erwartet, findet keine Auflösung
Brückner gräbt nach fast zwanzig Jahren dort weiter, wo Hungerjahre aufgehört hat, und Corinna Harfouch gibt ihr ein Gesicht, das nichts verschenkt.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
7,4 von mir. Jutta Brückner schließt ihre Mutter-Tochter-Trilogie mit einem Film ab, der Erinnerung als Ausgrabung begreift, und Corinna Harfouch trägt ihn mit großer Strenge. Abzug gibt es, weil Dialoge und Musik zu oft aussprechen, was die Bilder längst erzählt haben. Für alle, die ein ruhiges, forderndes deutsches Autorenkino suchen, lohnt der Weg ins Kino; wer einen Kriminalfall erwartet, wird enttäuscht.

Besetzung

5 Rollen
  • Ursula ScheunerCorinna Harfouch
  • Melanie SplitterCarla Juri
  • Hildegard ScheunerHildegard Schmahl
  • Sylvia BlockmannNina Kunzendorf
  • Bogumil FrindnerSamuel Finzi

FAQ zu Im Spiegel meiner Mutter: Jutta Brückners Rückkehr nach fast 20 Jahren

Muss man Hungerjahre kennen, um den Film zu verstehen?
Nein. „Im Spiegel meiner Mutter“ erzählt eine eigenständige Geschichte. Wer „Hungerjahre“ kennt, erkennt allerdings, wie lange Jutta Brückner sich mit diesem Thema beschäftigt, und versteht manche Rückblende genauer.
Ist der Film ein Krimi?
Nur am Rand. Die Moorleiche und die rätselhafte Assistentin sorgen für Spannung, im Zentrum stehen aber Erinnerung, Trauer und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Eine Auflösung im Stil eines Kriminalfilms sollte man nicht erwarten.

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