Countdown zum Kinostart
Im Spiegel meiner Mutter: Jutta Brückners Rückkehr nach fast 20 Jahren ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 20. August 2026 kommt „Im Spiegel meiner Mutter“ in die deutschen Kinos, der erste Kinofilm der Regisseurin Jutta Brückner seit fast zwanzig Jahren.
Corinna Harfouch spielt eine Archäologin, die im Moor einen spektakulären Fund macht, während ihre Mutter stirbt und ein altes Familiengeheimnis aufbricht. Die Weltpremiere lief beim Filmfest München. Ich gebe zu: Bei diesem Namen und dieser Besetzung war ich sofort hellwach. Hier kommt, worauf ich mich freue und was mich vorsichtig stimmt.
Eine Moorleiche und eine tote Mutter
Corinna Harfouch spielt die Archäologin und Professorin Ursula Scheuner, die bei einer Ausgrabung im Moor auf einen außergewöhnlichen Fund stößt, der ihr finanziell angeschlagenes Institut retten könnte. Im selben Moment stirbt ihre Mutter Hildegard. Beim Ausräumen des Elternhauses verschwimmen für Ursula Gegenwart und Vergangenheit. Der Film läuft 95 Minuten und bleibt ein Drama, kein Thriller.
Dazu kommt eine zweite Schicht: Ursula gerät unter Verdacht, mit dem Tod ihrer Mutter zu tun zu haben, und eine neue Mitarbeiterin scheint mehr über ihr Leben zu wissen, als ihr lieb ist. Genau diese Mischung aus Erinnerungsarbeit und leiser Bedrohung macht mich neugierig. Eine Frau gräbt im Moor eine konservierte Vergangenheit aus und kann gleichzeitig die eigene nicht begraben, das ist ein Bild, das im besten Fall den ganzen Film trägt. Wenn Brückner das im Gleichgewicht hält, wird daraus ein dichtes Stück über das, was Mütter und Töchter sich ein Leben lang verschweigen.
Jutta Brückner, und warum dieser Name zählt
Jutta Brückner gehört seit den späten 1970er Jahren zu den prägenden Stimmen des feministischen deutschen Autorenkinos. Ihr Spielfilm „Hungerjahre“ von 1980 gilt bis heute als Schlüsselwerk. „Im Spiegel meiner Mutter“ ist ihre erste Kinoarbeit seit fast zwei Jahrzehnten, und allein deshalb steht der Film bei mir ganz oben auf der Liste.
Mich interessiert, ob sie ihre alte Konsequenz behalten hat. Brückner hat nie für ein schnelles Publikum gedreht, sie hat immer auf Frauenbiografien, Erinnerung und Körper geschaut. Eine Archäologin, die buchstäblich Vergangenheit ausgräbt, während sie ihre eigene Familienvergangenheit nicht loswird, das ist fast zu passend für ihr Werk. Wer ihre Filmgeschichte kennt, ahnt, dass hier mehr verhandelt wird als ein Kriminalfall. Es geht um Schuld, um Prägung, um die Frage, wie viel von der Mutter in der Tochter weiterlebt, ob sie will oder nicht. Mehr zur Regisseurin steht in der Wikipedia.
Corinna Harfouch trägt das
Corinna Harfouch ist die Hauptrolle, und sie ist der Grund, warum ich dem Film fast blind vertraue. An ihrer Seite stehen Carla Juri, Nina Kunzendorf, Samuel Finzi und Sebastian Schwarz, dazu Hildegard Schmahl als Mutter. Das ist ein Ensemble aus Gesichtern, die das deutsche Kino seit Jahren tragen, kein einziger Lückenfüller dabei.
Harfouch hat zuletzt in Sterben gezeigt, wie genau sie eine Frau zwischen Pflicht und Schuldgefühl spielen kann, ohne je zu viel zu geben. Genau diese Zurückhaltung braucht eine Figur wie Ursula. Wenn sie das Schweigen zwischen Mutter und Tochter mit ihrem Spiel füllt, brauche ich keine erklärenden Dialoge. Bei dieser Schauspielerin reicht ein Blick, und drei Sätze sind oft zwei zu viel. Dass neben ihr mit Carla Juri eine Darstellerin steht, die das Unbehagen oft selbst verkörpert, lässt mich auf ein echtes Kräftemessen hoffen und nicht auf ein Solo mit Stichwortgebern.
Zwischen Erinnerungsfilm und Krimi
Mein einziger Vorbehalt liegt in der Konstruktion. „Im Spiegel meiner Mutter“ will laut Inhaltsbeschreibung beides sein: ein stilles Stück über Trauer und Erinnerung und gleichzeitig ein Film mit einem Verdacht, einem Geheimnis, einer Bedrohung. Das kann sich gegenseitig tragen oder im Weg stehen.
Ich habe schon zu viele deutsche Dramen gesehen, die ihre leise Kraft verlieren, sobald ein Plot-Mechanismus übernimmt. 95 Minuten sind knapp für beides. Brückner muss entscheiden, ob der Krimi nur Anlass ist oder Selbstzweck. Ich tippe auf Ersteres, sonst hätte sie diesen Stoff nach zwanzig Jahren Pause kaum gewählt. Aber sicher bin ich erst, wenn ich im Kino sitze und sehe, ob die Spannung der Stille dient oder sie übertönt.
Was Brückners Rückkehr für das deutsche Kino bedeutet
Es passiert nicht oft, dass eine Regisseurin nach fast zwei Jahrzehnten Pause noch einmal einen Kinofilm vorlegt. Brückner war nie eine Vielfilmerin, ihr Werk ist überschaubar, aber jeder Titel zählt. Dass dieser Film ausgerechnet jetzt kommt, in einer Zeit, in der das deutsche Autorenkino wieder selbstbewusster auftritt, wirkt fast wie ein gutes Omen.
Das deutsche Drama wird zuletzt international ernster genommen, von Christian Petzolds ruhigen Studien bis zu Fatih Akins wuchtigen Familiengeschichten. In diese Bewegung stößt Brückner mit einem Stoff, der sich um weibliche Erinnerung dreht, ihr Lebensthema. Ein kompromissloser Film wie Animale hat gezeigt, dass das Publikum für sperrige Stoffe wieder da ist. Genau deshalb finde ich den Zeitpunkt klüger gewählt, als er auf den ersten Blick scheint. Wenn der Film trägt, ist er nicht bloß ein später Nachklang einer großen Karriere, sondern ein Statement, dass diese Stimme noch gebraucht wird.
Für wen sich das Vormerken lohnt
Wer deutsches Autorenkino mag, das sich Zeit nimmt, sollte sich den 20. August notieren. Filme wie Sterben oder Fatih Akins Amrum haben gezeigt, dass das ernste deutsche Drama gerade wieder Kraft hat, und in diese Reihe gehört Brückners Rückkehr. Weitere Dramen und alle kommenden Starts findest du in unserer Übersicht Demnächst im Kino sowie unter alle Filme. Ich aktualisiere diese Vorschau, sobald ich den Film gesehen habe, und vergebe dann auch eine Wertung. Bis dahin gilt: Das ist kein Film für nebenbei, aber wahrscheinlich einer, über den man nach dem Abspann noch lange im Foyer steht und redet. Genau das macht ihn für mich zum Pflichttermin im August, auch wenn ich weiß, dass er nicht jeden abholen wird.
Mehr Infos und Material gibt es beim Verleih auf der Seite von X Verleih.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungJutta Brückner nach fast zwei Jahrzehnten zurück im Kino, und ausgerechnet mit Corinna Harfouch im Moor. Diesen Termin lasse ich mir nicht entgehen.— vorab eingeschätzt von FilmSchneider
✅ Darauf freuen wir uns
- Jutta Brückner gibt ihr Kino-Comeback nach fast zwanzig Jahren
- Corinna Harfouch in der Hauptrolle, die selten enttäuscht
- Ein Stoff über Mutter, Tod und Erinnerung statt über lauten Plot
- Weltpremiere beim Filmfest München, also schon vom Festivalpublikum gesehen
❓ Das macht uns nervös
- Brückners letzter Kinofilm liegt fast zwei Jahrzehnte zurück, der Ton von heute ist ein anderer
- Die Verdachts- und Mystery-Ebene könnte den stillen Erinnerungsfilm überfrachten
- Sprödes Autorenkino ist nichts für einen schnellen, leichten Kinoabend
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