Poster zum Film Sterben: Glasners drei Stunden deutscher Wahrheit (2024) Pflichtprogramm — WatchGuide-Auszeichnung „Der Watcher"

Sterben: Glasners drei Stunden deutscher Wahrheit (2024)

🏅 Pflichtprogramm 🎬 Film 183 Min. DramaKomödie
⚡ Kurz gesagt

Sterben ist ein großer Film – schwer verdaulich, aber von einer Intensität, wie sie deutsches Kino selten erreicht. Glasner zeigt Familie und Tod ohne Sentimentalität, dafür mit brutaler Ehrlichkeit. Nicht für jeden Tag, aber ein Film, der nachhallt. 8.7/10 – Pflichtprogramm für alle, die anspruchsvolles deutsches Kino schätzen. Watcher-Score 8,3/10.

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Wer streamt Sterben?

Verfügbarkeit DE

Stand 24.07.2026: Sterben ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 3,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).

Verfügbarkeit Deutschland · Stand 24.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.

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Die Kritik

von FilmSchneider

Drei Stunden. Fuenf Kapitel. Eine Familie die sich gegenseitig beim Zerbrechen zusieht. Matthias Glasner hat mit Sterben den besten deutschen Film seit Jahren gemacht, und ich sage das nicht leichtfertig. 8,3 von 10. Lars Eidinger allein waere den Kinobesuch wert gewesen. Aber Corinna Harfouch obendrauf, das ist unfair gegenueber allen anderen deutschen Filmen die 2024 rausgekommen sind.

Anke wollte nicht mitkommen. Drei Stunden deutscher Film ueber eine kaputte Familie, das war ihr zu viel. Ich bin allein ins Odeon gegangen, Nachmittagsvorstellung, halb leerer Saal. Und sass danach noch zehn Minuten im Sessel weil ich nicht wusste wohin mit dem Film. Das passiert mir selten. Nolan schafft das manchmal. Villeneuve. Aber ein deutscher Regisseur? Lange nicht mehr.

Lissy Lunies und die Kunst des Wegsehens

Corinna Harfouch spielt Lissy wie eine Frau, die beschlossen hat, dass Gefuehle etwas fuer Leute sind, die Zeit dafuer haben. Ihr Mann Gerd dementiert im Pflegeheim vor sich hin, und Lissy besucht ihn aus Pflicht, nicht aus Liebe. Das klingt kalt. Ist es auch. Aber Harfouch zeigt in jeder Szene, dass unter dieser Kaelte etwas brodelt, und dass Lissy genau weiss, dass sie es nie rauslassen wird.

Es gibt eine Szene, in der Lissy erfaehrt, dass sie selbst krank ist. Diabetes, Krebs, Nierenversagen, einsetzende Blindheit. Glasner haeuft das auf wie ein Arzt der eine Liste abarbeitet. Und Harfouch reagiert kaum. Ein Zucken. Mehr nicht. Kubrick haette auf seinem Schoss gesessen und geknurrt, so still war es im Kino. Das ist Schauspiel auf einem Level, das deutsche Filmpreise normalerweise nicht erreichen. Diesmal haben sie es erkannt. Berlinale 2024, Silberner Baer fuer das Beste Drehbuch [Quelle: Berlinale, 2024].

Eidinger dirigiert den eigenen Untergang

Tom Lunies ist Dirigent. Er arbeitet mit seinem depressiven Freund Bernard an einem Orchesterwerk das „Sterben“ heisst. Ja, so heisst es wirklich. Glasner ist nicht subtil mit seiner Symbolik, aber er ist ehrlich damit, und Ehrlichkeit schlaegt Subtilitaet. Immer.

Lars Eidinger hat dieses Gesicht das gleichzeitig alles und nichts ausdrueckt. Er kann in einer Sekunde von Arroganz zu Verwundbarkeit wechseln, und man weiss nie welches davon echt ist. In Sterben dirigiert er Musik ueber den Tod waehrend seine eigene Familie stirbt, und er merkt es nicht oder will es nicht merken. Das ist nicht neu als Konzept. Aber wie Eidinger es spielt, fuehlt es sich an als haette er sich das selbst ausgedacht.

Es gibt ein Koenig-von-Deutschland-Ding bei Eidinger. Egal ob Hamlet am Schaubuehnenboden oder Tom Lunies auf dem Podest. Der Mann stellt sich hin und der Raum gehoert ihm. Nicht weil er laut ist. Weil er praesent ist. 180 Minuten lang, und er laesst nicht nach.

Ellen. Die dritte, die alle vergessen.

Lilith Stangenberg als Ellen Lunies. Toms Schwester. Die, die niemand fragt wie es ihr geht, weil alle mit ihren eigenen Katastrophen beschaeftigt sind. Stangenberg spielt das mit einer Wut, die nie explodiert, sondern langsam in die Knochen kriecht. Glasner gibt ihr ein Kapitel das sich anfuehlt wie ein eigener Film, und Stangenberg nutzt jede Sekunde.

Es gibt einen Moment, da steht Ellen in einer Kueche und weint, und niemand kommt. Nicht weil niemand da ist. Weil es in dieser Familie normal ist, allein zu weinen. Ich hab an Kathrin gedacht, meine Schwester. Nicht weil unsere Familie so ist. Aber weil Glasner etwas zeigt, das wahr ist: In Familien gibt es immer jemanden, der leiser leidet als die anderen, und den hoert keiner.

180 Minuten. Fuenf Kapitel. Kein Erbarmen.

Glasner strukturiert den Film wie ein Buch. Fuenf Kapitel, jedes mit eigenem Fokus, eigener Atmosphaere, eigener Temperatur. Das erste ist kuhl und klinisch. Das dritte ist betrunken und chaotisch. Das fuenfte ist still wie ein Zimmer nach einem Streit, in dem alle gegangen sind.

Ja, drei Stunden sind lang. Meine Mutter Jutta wuerde sagen: „Stefan, fuer Tarkowski hast du auch vier Stunden Zeit gehabt.“ Stimmt. Aber Tarkowski hat mich in eine Trance versetzt. Glasner haelt dich wach. Jede Szene hat einen Stachel. Du lehnst dich nicht zurueck, du krallst dich fest.

Der Film kostet 4,2 Millionen Euro, was fuer deutsche Verhaeltnisse viel ist und fuer amerikanische nichts [Quelle: FFA Foerderung, 2023]. Dass er aussieht wie ein Film der das Dreifache gekostet hat, liegt an Glasners Entscheidung, echte Orte zu filmen statt Studios zu bauen. Das Pflegeheim ist ein echtes Pflegeheim. Die Wohnung ist eine echte Wohnung. Man riecht den Staub.

Bernard und die Depression als Komposition

Robert Gwisdek als Bernard ist die tragischste Figur im Film. Ein Musiker der so tief in seiner Depression steckt, dass er seine eigene Beerdigung als Kunstprojekt plant. Glasner macht daraus keine Pointe und kein Lehrstueck. Er zeigt einen Menschen der nicht mehr kann und einen Freund der nicht weiss wie helfen geht. Eidinger und Gwisdek zusammen in den Proberaum-Szenen. Das ist rohes deutsches Kino wie es sein sollte.

Glasner und das Erbe von Fassbinder

Meine Mutter wuerde jetzt Fassbinder erwaehnen. Also mache ich es auch, aber anders als sie es tun wuerde. Glasner ist kein neuer Fassbinder. Glasner ist Glasner. Aber er teilt mit Fassbinder die Bereitschaft, deutsche Familien so zu zeigen wie sie sind: dysfunktional, stumm, brutal in ihrer Normalitaet. „Angst essen Seele auf“ war 1974. „Sterben“ ist 2024. Fuenfzig Jahre dazwischen, und deutsche Familien haben sich nicht so sehr veraendert wie sie glauben.

Ensemble. Kein schwaches Glied.

  • Lars Eidinger als Tom Lunies — der Dirigent der den eigenen Zerfall nicht hoert. Eidinger macht das Ding wo er durch den Raum geht und alles kleiner wird um ihn herum
  • Corinna Harfouch als Lissy Lunies. Harfouch braucht keine Traenen um dich zum Weinen zu bringen. Sie guckt einfach geradeaus, und du weisst Bescheid
  • Lilith Stangenberg — Ellen, die vergessene Dritte. Spielt leiser als alle anderen und bleibt trotzdem am laengsten im Kopf
  • Ronald Zehrfeld als Sebastian Vogel, komplett gegen den Strich besetzt und genau deshalb richtig
  • Robert Gwisdek als Bernard. Depressiv, genial, unfassbar traurig
  • Hans-Uwe Bauer als Gerd Lunies, dement im Pflegeheim, mit einer Wuerde die einem den Boden unter den Fuessen wegzieht
  • Saskia Rosendahl als Ronja — eine kleine Rolle, gross gespielt
⚖️

Das Urteil

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung

Bewertet von — eine Person, ein begründetes Urteil.

Sterben ist keine Krankheit. Sterben ist ein Zustand.— aus der Wertung von FilmSchneider
Drei Stunden in einem halb leeren Odeon-Saal und danach noch zehn Minuten sitzengeblieben. Glasner hat etwas gemacht das sich deutsches Kino selten traut: einen Film der wehtut ohne sich dafuer zu entschuldigen. Eidinger und Harfouch zusammen in einem Film, das ist wie Scorsese und De Niro, nur deutscher und leiser und vielleicht gerade deshalb besser. Nicht fuer jeden. Aber fuer jeden der wissen will was deutsches Kino 2024 kann.

Schnelle Antworten

Antworten Schnelle Antworten zu Sterben

Wo kann ich Sterben streamen?

Sterben gibt es zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV und Videoload. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

Wie lange dauert Sterben?

Sterben hat eine Laufzeit von rund 183 Minuten (3 Stunden und 3 Minuten).

Lohnt sich Sterben?

Unsere Redaktion vergibt Sterben einen Watcher-Score von 8,3 von 10. Sterben ist ein großer Film – schwer verdaulich, aber von einer Intensität, wie sie deutsches Kino selten erreicht. Glasner zeigt Familie und Tod ohne Sentimentalität, dafür mit brutaler Ehrlichkeit. Nicht für jeden Tag, aber ein Film, der nachhallt. 8.7/10 – Pflichtprogramm für alle, die anspruchsvolles deutsches Kino schätzen.

Für wen ist Sterben geeignet?

Sterben ist vor allem etwas für Drama und Komödie-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.

Worum geht es in Sterben?

Im Mittelpunkt steht die Familie Lunies, zu deren entfremdeten Mitgliedern Mutter Lissy, Sohn Tom und Tochter Ellen gehören. Sie finden wieder zueinander, nachdem jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise vom Tod betroffen ist.

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Trailer

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Besetzung

Lars EidingerTom Lunies
Corinna HarfouchLissy Lunies
Lilith StangenbergEllen Lunies
Ronald ZehrfeldSebastian Vogel
Robert GwisdekBernard

FAQ zu Sterben: Glasners drei Stunden deutscher Wahrheit

Ist Sterben wirklich drei Stunden lang?
180 Minuten. Ja. Und nein, man merkt es nicht die ganze Zeit. Es gibt Strecken, da vergisst du die Uhr. Und es gibt Momente, da willst du raus, aber nicht weil der Film schlecht ist, sondern weil er zu gut ist. Glasner laesst dir keine Pause.
Braucht man Vorkenntnisse fuer Sterben?
Nein. Du brauchst eine Familie. Oder die Erinnerung an eine. Oder die Angst vor dem, was aus Familien werden kann. Das reicht.
Warum hat Sterben den Silbernen Baeren gewonnen?
Bestes Drehbuch, Berlinale 2024. Weil Glasner es geschafft hat, fuenf Kapitel zu schreiben die sich anfuehlen wie fuenf verschiedene Filme, die aber zusammen etwas ergeben, das keiner allein koennte. Das ist handwerklich auf einem Level das die Berlinale-Jury nicht ignorieren konnte.
Ist Sterben deprimierend?
Ja. Aber nicht nur. Es gibt eine Szene in der Tom und Bernard betrunken im Proberaum sitzen und ueber den Tod lachen. Glasner findet Humor im Dunkelsten, und das macht den Film ertraeglicher als er klingt. Mein Kumpel Thomas, der IMMER fragt ob ein Film lustig ist: Ja, Thomas. Streckenweise sogar sehr.
Wie ist Lars Eidinger in Sterben?
Eidinger. Was soll ich sagen. Der Mann ist der beste deutschsprachige Schauspieler seiner Generation und in diesem Film beweist er es noch einmal. Nicht durch grosse Gesten, sondern durch das was er weglasst.
Fuer wen ist Sterben geeignet?
Fuer Leute die deutsches Kino ernst nehmen und bereit sind, sich drei Stunden darauf einzulassen. Nicht fuer den Sonntagabend nach einem langen Wochenende. Eher fuer den Samstag, wenn du Zeit hast danach spazieren zu gehen.
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