Poster zum Film Casa Grande: Yellowstone trifft auf die Realität kalifornischer Farmarbeiter (2026)

Casa Grande: Yellowstone trifft auf die Realität kalifornischer Farmarbeiter (2026)

🎬 Film DramaWestern
⚡ Kurz gesagt

Lou Diamond Phillips in einem Neo-Western ab 1. Mai 2026. Ranch, Krankheit, Landraub, zwei Familien. Ich hab den Trailer noch nicht gesehen, weil es keinen ... Weiterlesen ...

⚖️ Zum Urteil
✍️

Die Kritik

von FilmSchneider

Lou Diamond Phillips in einem Neo-Western ab 1. Mai 2026. Ranch, Krankheit, Landraub, zwei Familien. Ich hab den Trailer noch nicht gesehen, weil es keinen gibt. Trotzdem bin ich drin.

Anke hat gefragt, warum ich mich für einen Film interessiere, von dem ich noch kein einziges Bild gesehen hab. Weil Lou Diamond Phillips drin ist, hab ich gesagt. Sie hat die Augen verdreht. Typisch.

Freevee. Kinofilm. Hä?

Ich erklär das kurz, weil es mich selbst verwirrt hat. Casa Grande war 2023 eine fünfteilige Miniserie auf Amazon Freevee. Fünf Folgen, Nordkalifornien, Farmland, zwei Familien, die sich um Land streiten. Die Clarkman-Familie besitzt die Ranch, die Morales-Familie arbeitet drauf. Und dann hat ESX Entertainment beschlossen, daraus einen Kinofilm zu machen. ESX gehört Ali Afshar, und über Afshar muss ich gleich nochmal reden, weil der Typ eine Geschichte hat, die besser ist als die meisten Drehbücher die er produziert.

Der Film ist jedenfalls kein Zusammenschnitt der Serie. Eigenes Drehbuch, drei Autoren, neuer Regisseur. Juan Pablo Arias Munoz inszeniert, nachdem Gabriela Tagliavini die Serie gemacht hat. Lauren Swickard war schon bei der Serie dabei, die hat das Ding quasi erfunden. Swickard hat mal erzählt, dass sie am Set von A California Christmas stand und die mexikanischen Erntehelfer gesehen hat und sich gedacht hat, warum zum Teufel erzählt niemand deren Geschichte. MovieWeb hat das ganze Interview, lohnt sich.

Phillips. 63. Immer noch.

Kubrick — der Kater, nicht der Regisseur — hat gestern auf meinem Schoß geschlafen, während ich La Bamba nochmal geguckt hab. 1987. Phillips war 25 und ich war zwölf und dieser Film hat mir die Haare aufgestellt, weil ich nicht wusste, dass Ritchie Valens echt war. Dass der wirklich in einem Flugzeug gestorben ist. Ich hab geheult, und mein Vater hat gesagt, das ist gut so, weil das bedeutet, dass der Film funktioniert. Werner hat immer solche Sachen gesagt. Fehlt mir.

Danach Young Guns, danach sechs Staffeln Longmire wo Phillips der einzige Grund war warum ich drangeblieben bin, und jetzt Casa Grande mit einer Rolle, die noch nicht mal offiziell benannt ist. Letterboxd listet ihn ohne Charakter-Namen. Ich find das gut. Der Cast teilt sich in Clarkmans und Morales auf und ich will wissen, auf welcher Seite der Mann steht.

John Pyper-Ferguson kenn ich nicht. Und das stört mich.

Sawyer Clarkman, der kranke Vater dem die Ranch gehört, wird gespielt von einem Mann, den ich googeln musste. Das passiert mir selten und ich mag es nicht, weil es heißt, dass ich entweder den Überblick verliere oder dass der Mann bisher in Sachen mitgespielt hat, die ich nicht geguckt hab. Beides unangenehm. Christina Moore ist seine Frau Susanna, die kenn ich aus Hawthorne, das war eine Serie die drei Staffeln lief und die niemand vermisst. Madison Lawlor spielt die Tochter Hassie, die zurückkommt als alles den Bach runtergeht. Kate Mansi ist Hunter Clarkman, und ja, das ist die aus General Hospital, bevor jemand fragt.

Auf der anderen Seite stehen Daniel Edward Mora als Rafael Morales, Javier Bolaños als Mael, Loren Escandon als Ximena. Bruce Davison taucht auch irgendwo auf. Shalim Ortiz. Vierzehn Leute insgesamt, und der Film hat vermutlich keine zwei Stunden. Das ist ambitioniert, um es freundlich zu sagen.

R-Rating. Darüber will ich reden.

Weißt du, was mich an Yellowstone irgendwann genervt hat? Dass Kevin Costner sechs Staffeln lang Leute angestarrt hat und man gemerkt hat, dass die Autoren Angst hatten, wirklich dreckig zu werden. Immer nur angedeutet, nie durchgezogen. Casa Grande hat ein R-Rating und das ist für mich ein Statement. Der Film handelt von einem sterbenden Mann dessen Land geraubt wird, und wenn du diese Geschichte erzählst ohne Blut an den Händen, dann hast du sie nicht verstanden. „Nothing stays buried forever“ steht auf dem Poster, und als Tagline ist das eher so Mittelfeld, aber der Satz stimmt halt trotzdem.

Afshar ist nicht irgendein Produzent.

Ali Afshar hat die Serie damals als „hispanisch geprägtes Yellowstone“ verkauft und normalerweise rolle ich bei sowas mit den Augen, weil das Marketing-Sprech ist und weil jede zweite Serie seit 2019 mit Yellowstone verglichen wird. Aber bei Afshar ist das anders, weil der Mann seine eigene Migrationsgeschichte hat. Als Kind aus dem Iran geflohen, allein nach Petaluma in Kalifornien, und hat sich dort eine Produktionsfirma aufgebaut. ESX Entertainment macht seit Jahren Filme über Leute, die nicht im Drehbuch vorgesehen waren. Das ist keine Diversity-Strategie aus der Marketingabteilung. Das ist ein Mann, der seine Jugend verfilmt.

Die Serie war bilingual, Englisch und Spanisch, und das hat funktioniert weil es kein Gimmick war sondern weil die Morales-Familie nun mal Spanisch spricht. Gabriela Tagliavini hat die Serie inszeniert, argentinische Regisseurin mit AFI-Abschluss, und die hat in einem Interview gesagt, es war ihr als Latina wichtig, Latinos nicht als Klischees zu zeigen. Klingt selbstverständlich, ist es in Hollywood noch immer nicht, und ob der Film das beibehält weiß ich nicht, aber ich hoffe es, weil ein Ranch-Film in dem alle nur Englisch reden die Hälfte der Geschichte verschweigt.

Tom hat noch nie von diesem Film gehört. Überrascht mich nicht.

Ich hab Tom am Wochenende gefragt ob er was über Casa Grande weiß. Nichts. Natürlich nicht. Tom guckt Sachen bei denen Häuser explodieren und Leute in Rüstungen rumfliegen, der hat für Neo-Western ungefähr so viel Interesse wie Kubrick für Trockenfutter. Premiere ist am 25. April beim Napa Valley Streamfest, Kinostart am 1. Mai in den USA, und einen deutschen Starttermin gibt es nicht und es wird wahrscheinlich auch keinen geben. Sowas läuft bei uns drei Monate später auf irgendeinem Streamer und keiner bekommt es mit. Ich find das schade, aber ich bin auch der Typ der Longmire geguckt hat, also vielleicht bin ich einfach nicht die Zielgruppe für den deutschen Markt.

Das Risiko bei Casa Grande ist klar. Fünf Stunden Serie, komprimiert auf einen Film. Anke sagt, das klappt nie, aber Anke sagt das bei fast allem was länger als neunzig Minuten dauert. Die klassischen Western haben Landkonflikte immer von oben erzählt, die Besitzer, die Outlaws, die Sheriffs. Drama-Filme wie Parasite haben das auf den Kopf gestellt. Casa Grande will beides gleichzeitig, und ob das klappt weiß ich in drei Wochen.

⚖️

Das Urteil

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung

Bewertet von — eine Person, ein begründetes Urteil.

Dafür

  • Lou Diamond Phillips
  • Bilinguales Konzept von der Serie
  • R-Rating
  • Produzent mit eigener Immigrant-Biografie

Dagegen

  • Fünf Stunden Serie in zwei Stunden Film
  • Regisseur unbekannt
  • Kein deutscher Kinostart in Sicht
Gestern Abend, La Bamba, Kubrick auf dem Schoß. Phillips war 25 in dem Film und ich war zwölf und hab geheult. Jetzt ist er 63 und in einem Film über Ranch-Konflikte in Kalifornien und ich weiß fast nichts darüber außer dass der Produzent als Kind aus dem Iran geflohen ist und die Autorin auf einer Ranch stand und sich gewundert hat warum niemand die Erntehelfer filmt. Das reicht mir. Kein Trailer, kein Interview, kein Poster das mich überzeugt hat. Phillips reicht. Wenn er in drei Wochen auf der Leinwand steht und diese Sache macht wo er einen Raum kleiner wirken lässt, dann war das Vertrauen gerechtfertigt. Und wenn nicht, hab ich La Bamba nochmal geguckt, und das war auch nicht schlecht.
🎭

Besetzung

John Pyper-FergusonSawyer Clarkman
Christina MooreSusanna Clarkman
Madison LawlorHassie Clarkman
Lou Diamond Phillips
Daniel Edward MoraRafael Morales
📣

Der Saal

Community — getrennt von der Redaktion

Schon gesehen? Bewerte in 2 Sekunden — deine Stimme zählt für den Saal, nie für den Watcher-Score.

🌟 Community Bewertung

Noch keine Community-Bewertung

Sei der Erste!

📝 Deine Bewertung
Klicke zum Bewerten (wird temporär gespeichert)
💬

Wie reagierst du auf das Review?

🗣️

Diskutiere mit · 0 Kommentare

0 Kommentare

🚪

Ähnliche Filme

aus derselben Kammer
Cookie Consent mit Real Cookie Banner