Countdown zum Kinostart
La Graciosa – Kanarische Träume: Ein Fischerdorf zwischen Fang und Fähre ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von MarenKessler„La Graciosa – Kanarische Träume“ ist ein Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies über das einzige Dorf der kleinsten bewohnten Kanareninsel und startet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, bundesweit in den deutschen Kinos. Die WatchGuide-Einschätzung vor der Sichtung: ein Porträt aus dreißig Jahren Nähe zu den Menschen in Caleta de Sebo, 115 Minuten lang, im spanischen Original mit deutschen Untertiteln.
Eine Note gibt es hier nicht. Grundlage dieser Vorschau sind der deutsche Trailer, die Angaben des Verleihs und die Filmdatenbanken. Was davon belegt ist und was nur behauptet wird, steht unten getrennt.
Was über den Film belegt ist
Die Eckdaten decken sich in allen Quellen, die ich geprüft habe. Der Verleih Karin Kaper Film, filmportal.de und TMDB nennen 115 Minuten und den 15. Oktober 2026 als deutschen Kinostart. Filmportal führt den Film als deutschen Dokumentarfilm, von der FSK ohne Altersbeschränkung freigegeben. Regie führen Kaper und Szuszies gemeinsam, Szuszies verantwortet außerdem das Konzept und teilt sich die Kamera mit Tobias Rahm.
Laut Verleih gibt es zwei Kinofassungen: das spanische Original mit deutschen Untertiteln und deutschen Kommentaren der beiden Filmemacher sowie eine rein spanische Fassung. Eine Synchronfassung ist nicht angekündigt. Wer Untertitel meidet, sollte das vor dem Ticketkauf wissen.
Die Weltpremiere ist für den 30. September 2026 in Barcelona angesetzt, im Kino Cinemes Girona als Abschluss des Festivals Travel Film Awards. In Deutschland haben die beiden den Film am 16. September auf der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt.
Wer spricht, und wer hält die Kamera?
Bei diesem Film ist das die entscheidende Frage, und die Antwort ist ungewöhnlich. Kaper und Szuszies kennen La Graciosa nach eigener Angabe seit 1994. Sie haben den Film gedreht und produziert und bringen ihn im Eigenverleih ins Kino, so wie ihre früheren Dokumentarfilme, zuletzt „Wir sind Juden aus Breslau“ (2016) und „Walter Kaufmann – Welch ein Leben!“ (2021). Und sie treten selbst auf: Laut Verleih erscheinen die Regisseure „in kurzen Sequenzen im Film“. Die Protagonisten sind Menschen aus dem Dorf, zu denen über die Jahre nach Darstellung des Verleihs „ein vertrauensvolles Verhältnis“ gewachsen ist.
Nähe verschafft einem Dokumentarfilm Zugang, den kein Team bekommt, das zwei Wochen mit der Kamera anreist. Sie bindet aber auch. Wer drei Jahrzehnte mit Menschen verbunden ist, filmt deren Konflikte nicht von außen. Der Verleih nennt den Film selbst eine „Liebeserklärung an die Lebenslust und den Widerstandsgeist der Insulaner“. Das ist als Absicht offen benannt, und genau daran lässt er sich nach dem Start messen.
Wie die Ankündigung den Streit beschreibt
In der Filmankündigung heißt es, Mitwirkende, die sich für Natur- und Umweltschutz auf der Insel einsetzen, seien „den Angriffen von denen ausgesetzt, für die alle Einnahmequellen legitim sind“. Die Gegenseite taucht in diesem Satz nur als Beschreibung auf, ohne Namen und ohne eigene Stimme. Ob sie im Film zu Wort kommt, geht aus dem Material vor dem Start nicht hervor. Hier werde ich misstrauisch, denn davon hängt ab, ob der Film einen Streit dokumentiert oder eine Seite davon.
Belegt ist der politische Rahmen. Seit der Reform des kanarischen Autonomiestatuts 2018 gilt La Graciosa offiziell als achte Insel der Kanaren, verwaltet wird sie aber weiter von der Gemeinde Teguise auf Lanzarote. Die Zeitung elDiario.es berichtete im November 2023, dass sich an der versprochenen Eigenständigkeit bis dahin kaum etwas geändert hatte. Die englische Filmbeschreibung des Verleihs zieht dazu einen Vergleich mit einem gewissen gallischen Dorf, das sich gegen die Obrigkeit auf Lanzarote wehrt. Das ist ein Bild, keine Recherche.
Schon die Grundzahl schwankt. Der Verleih nennt rund 600 Einwohner, die Besprechung von Christel Wollmann-Fiedler für die Zeitschrift Hispanorama, die der Verleih auf seiner Website veröffentlicht, spricht von „kaum mehr als 700“, elDiario.es 2023 von etwas mehr als 700. Für die Aussage des Films ändert das wenig. Es zeigt aber, wie dünn die Zahlenlage zu dieser Insel ist. Eine unabhängige Kritik aus Deutschland lag bei meiner Recherche noch nicht vor.
Was der Trailer zeigt
Der deutsche Trailer dauert knapp drei Minuten. Er zeigt ein Paar an Bord der Fähre nach La Graciosa; laut der Hispanorama-Besprechung beginnt der Film mit der Ankunft der Regisseure im Hafen. Danach stellen sich Menschen aus dem Dorf vor die Kamera: Fe Toledo Betancort, die im Trailer sagt, sie werde am 14. März 97 Jahre alt, und Carmen Dolores, 55, die nach eigenen Worten seit 23 Jahren in der Fischerei arbeitet. Über Bildern von Fähre und Fischerboot fällt der Satz: „Es gäbe keinen Tourismus, wenn wir Fischer weggegangen wären.“
Dann kippen die Bilder: volle Anleger, Tagesgäste mit Rucksäcken, ein junger Mann am Strand, der sagt, man werfe Papier und Plastik auf den Boden und Kippen in den Sand. Dazu nennt er eine Zahl, wie viel Wasser eine einzige Kippe verunreinige. Im Trailer steht sie ohne Quelle. Ob der Film sie einordnet oder so stehen lässt, lässt sich erst im Kino prüfen.
Für wen sich der Kinobesuch lohnen dürfte
Unsere WatchGuide-Einschätzung vor der Sichtung: „La Graciosa – Kanarische Träume“ dürfte denen am meisten geben, die Lanzarote kennen oder wissen wollen, was Tagestourismus mit einem sehr kleinen Ort macht, und die fast zwei Stunden Untertitel nicht abschrecken. Wer eine Reisereportage mit Tipps erwartet, sitzt vermutlich im falschen Saal, davon grenzt der Verleih den Film selbst ab. Wer eine ausgewogene Recherche über den Tourismusstreit sucht, sollte eine Frage mit ins Kino nehmen: Wer kommt zu Wort, und wer wird nur beschrieben?
Weitere Starts der nächsten Wochen sammeln wir unter Demnächst im Kino, unsere Kritiken zu Dokumentarfilmen unter Dokumentation.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungDreißig Jahre Nähe öffnen Türen, die ein Kamerateam auf der Durchreise nie sieht. Ob sie auch den Blick auf die Gegenseite offen lassen, zeigt erst der Film.Vorab eingeschätzt von MarenKessler
✅ Darauf freuen wir uns
- Die Filmemacher kennen das Dorf seit 1994
- Menschen aus Caleta de Sebo kommen im Trailer selbst zu Wort
- Tourismusdruck auf einer Insel mit nur einem Dorf als konkreter Fall
- Kinotour mit Regie in vielen Städten
❓ Das macht uns nervös
- Regie, Produktion und Verleih liegen in denselben Händen
- Die Gegenseite im Tourismusstreit ist bisher nur beschrieben, nicht zu hören
- Eine Zahl im Trailer steht ohne Quelle
- Keine Synchronfassung angekündigt
0 Kommentare