Wer streamt Monster: Die Geschichte von Ed Gein?
Verfügbarkeit DEStand 28.07.2026: Monster: Die Geschichte von Ed Gein läuft im Abo bei Netflix.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 28.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Staffel 3· 8 Folgen · ab Okt. 2025▾
Der Seriencheck
von MarenKesslerMonster: Die Geschichte von Ed Gein ist Ryan Murphys dritte Staffel der Netflix-Anthology nach Jeffrey Dahmer und den Menendez-Brüdern. Acht Folgen über den Mann aus Plainfield Wisconsin der Hollywood ein halbes Jahrhundert lang Killer-Vorbilder lieferte. Charlie Hunnam in der Hauptrolle. Eine 7.2 von mir mit den üblichen Vorbehalten zu Ryan Murphys Stil.
Mein Vater hatte mich Anfang Oktober angerufen weil meine Mutter die Serie auf Netflix gefunden hatte und er wollte wissen ob ich vorhabe sie zu sehen. Ich habe dann an einem regnerischen Sonntag-Nachmittag die ersten drei Folgen am Stück gesehen, dann eine Woche Pause gebraucht weil mich die Inszenierung gestört hat, dann die restlichen fünf Folgen über drei weitere Abende durchgezogen. Ryan Murphy hat seine Formel inzwischen drei Staffeln lang perfektioniert, aber bei Ed Gein stößt sie an Grenzen weil die historische Distanz größer ist und die Quellenlage dünner. Ich verstehe warum Netflix die Serie produziert hat, ich verstehe auch warum sie problematisch ist.
Worum es geht und warum Ed Gein wichtig ist
Edward Theodore Gein wurde 1906 in La Crosse Wisconsin geboren und lebte sein Leben lang auf einer abgelegenen Farm in Plainfield. Seine streng religiöse Mutter Augusta erzog Ed und seinen Bruder Henry in einer Mischung aus Bibelfanatismus und sozialer Isolation. Nach Augustas Tod 1945 lebte Ed allein auf der Farm, verschloss die Räume in denen die Mutter gelebt hatte und begann eine Reihe von Grabraub-Aktivitäten auf dem örtlichen Friedhof. 1957 wurde nach dem Verschwinden der Plainfield-Geschäftsfrau Bernice Worden ihre Leiche auf Geins Farm entdeckt, entweidet und an einen Haken gehängt wie ein erlegtes Wild. Bei der Durchsuchung der Farm fanden die Polizisten Möbel und Kleidung aus menschlicher Haut, Schädel als Schalen, ein Frauenkostüm aus präparierten Hautstücken. Gein wurde zu zwei Morden ermittelt aber als geisteskrank erklärt und in psychiatrischen Anstalten verwahrt, wo er 1984 starb. Sein Fall war Vorbild für Robert Blochs Roman Psycho, später für Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre und Thomas Harris‘ Buffalo Bill in Silence of the Lambs.
Ryan Murphy und die Monster-Anthology
Ryan Murphy hat 2022 mit Monster: The Jeffrey Dahmer Story die erste Staffel produziert, sechs Wochen lang eine der meistgesehenen Netflix-Serien aller Zeiten gewesen, gleichzeitig massiv kritisiert für die Glorifizierung des Mörders und die Vernachlässigung der Opferfamilien. Die zweite Staffel über die Menendez-Brüder erschien 2024 und war weniger erfolgreich, viele Zuschauer empfanden sie als Spekulation über laufende juristische Fragen. Ed Gein als dritte Staffel ist die historisch entrückteste, was Vor- und Nachteile hat. Vorteil ist dass die meisten Opferfamilien nicht mehr leben und keine direkte Schadensbeziehung zu beklagen ist. Nachteil ist dass die Quellenlage zu Geins Innenleben extrem dünn ist und Murphys Drehbuch viel spekulieren muss. Ian Brennan, der Co-Creator der Monster-Reihe, hat in Interviews gesagt das Gein-Material sei das schwierigste der bisherigen drei Staffeln gewesen weil es so wenig zu reden gibt was als belastbare Quelle gelten kann.
Charlie Hunnam als Ed Gein
Charlie Hunnam war vor der Rolle vor allem für Sons of Anarchy und einige Guy-Ritchie-Filme bekannt. Sein Ed Gein ist eine Performance die zwischen Mitleid und Grauen schwankt. Hunnam spielt Gein als sozial gestörten Mann mittleren Alters mit einer Mutter-Bindung die sein ganzes Erwachsenenleben verzehrt. Die Sprache flach, die Bewegungen vorsichtig, der Blick oft abwesend. Es ist eine zurückgenommene Performance die in den ruhigeren Folgen funktioniert, in den brutalen Szenen aber bewusst entkoppelt wirkt. Hunnam hat in Interviews gesagt er habe nach jedem Drehtag Schwierigkeiten gehabt aus der Rolle herauszukommen, was glaubhaft klingt wenn man die Performance betrachtet. Wer Hunnam aus Sons of Anarchy als Jax Teller kennt sieht hier eine komplett andere Tonalität, was die schauspielerische Leistung untermauert.
Augusta Gein und Laurie Metcalf
Die zweite zentrale Performance kommt von Laurie Metcalf als Augusta Gein, der Mutter, die in Rückblenden und Halluzinations-Szenen präsent ist. Metcalf hat in der Karriere drei Tony-Auszeichnungen geholt und drei Emmy-Awards für Roseanne. Ihre Augusta ist eine Mischung aus religiösem Fanatismus und ödipaler Verstrickung die in jeder Szene das emotionale Zentrum bildet. Wer den Edward-Bloch-Roman Psycho gelesen hat erkennt hier die direkte Vorlage für Norman Bates‘ Mutter-Beziehung. Metcalf spielt das nicht melodramatisch sondern in einer trockenen Härte die mehr verstörend wirkt als jede Brutalitäts-Szene der Serie. Murphys Drehbuch gibt Metcalf etwa ein Drittel der Bildschirmzeit was angemessen ist weil Augusta für Geins psychologische Entwicklung wichtiger war als die einzelnen Mordfälle.
Was die Inszenierung problematisch macht
Murphys Monster-Reihe arbeitet konsequent mit einer Inszenierung die das Verbrechen in einer warmen Farbpalette einbettet, mit langen Kamera-Einstellungen in Geins Haus, mit Musik von Mac Quayle die manche Brutalitäts-Szenen ironisch unterlegt. Bei Dahmer war das schon problematisch, bei Ed Gein ist es schwieriger weil der Stoff so historisch ist dass die Inszenierungs-Entscheidungen mehr Gewicht bekommen. Hier muss man fragen welche Verantwortung die Serie für die Opfer trägt. Bernice Worden, die Frau die Gein 1957 ermordete, hat eine Familie die heute noch in Plainfield lebt. Die Serie kontaktierte die Familie nicht für Konsultationen. Adeline Watkins, eine Frau die in der Serie als Geins romantische Verbindung dargestellt wird, ist eine historisch umstrittene Figur deren reale Beziehung zu Gein nie geklärt war. Murphys Drehbuch macht aus Adeline eine zentrale Liebes-Erzählung was viele Historiker kritisiert haben.
Vicky Krieps und der Ilse-Koch-Subplot
Die Serie führt parallel zur Gein-Erzählung einen Subplot um Ilse Koch ein, die SS-Wachfrau aus dem KZ Buchenwald die in Nachkriegsverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde. Vicky Krieps spielt Koch als kalte, manipulative Antagonistin. Der erzählerische Bezug ist Murphys These dass Gein in der Lokalpresse über Kochs Verbrechen gelesen habe und davon zu seinen eigenen Taten inspiriert worden sei. Diese Verbindung ist historisch nicht belegt. Krieps spielt ihre Rolle exzellent, der Subplot selbst ist eines der problematischsten erzählerischen Elemente der Serie weil hier eine historisch reale Person für eine fiktive Verbindung zu einem amerikanischen Mörder benutzt wird. Mein Vater hat nach Folge fünf gefragt wieviel davon Tatsachen seien und ich musste ihm sagen dass die Antwort fast nichts ist.
Wer mitspielt
Die Hauptbesetzung ist ein Mix aus etablierten Hollywood-Stars und kleineren Charakterdarstellern. Ryan Murphy hat für die Monster-Reihe ein Budget das er bei seinen American-Horror-Story-Produktionen nutzt, was sich in der Cast-Qualität niederschlägt.
- Charlie Hunnam als Ed Gein — der Hauptdarsteller, vorher Jax Teller in Sons of Anarchy. Eine deutlich andere Tonalität in dieser Rolle.
- Laurie Metcalf gibt Augusta Gein eine trockene religiöse Härte. Drei Tony-Awards und drei Emmys für Roseanne, hier in einer Ausnahme-Rolle.
- Suzanna Son als Adeline Watkins, die historisch umstrittene Liebes-Verbindung Geins. Vorher in Sean Bakers Red Rocket zu sehen.
- Vicky Krieps als Ilse Koch in den Buchenwald-Rückblenden. Aus Paul Thomas Andersons Phantom Thread und Corsage.
- Tyler Jacob Moore als Sheriff Art Schley, der ermittelnde Polizist von Plainfield. Vorher in Shameless als Tony Markovich.
- Lesley Manville in einer Nebenrolle als Augustas Schwester, kurze aber wichtige Szenen über die religiöse Familienprägung.
- Olivia Williams als Henrys Frau, die kaum auftaucht aber in einer Schlüsselszene über Henrys Tod bei dem mysteriösen Feuer 1944 spricht.
Wo Ed Gein im True-Crime-Genre steht
Die Monster-Anthology ist die kommerziell erfolgreichste True-Crime-Reihe der Streaming-Ära. Jeffrey Dahmer kam 2022 auf 1.030 Millionen Stunden weltweit, Menendez-Brüder 2024 auf 700 Millionen, Ed Gein liegt nach den ersten Wochen bei etwa 380 Millionen Stunden. Wer das True-Crime-Genre ernsthaft versteht hat einen Vorbehalt gegen Murphys Stil. Eine investigative Doku wie The Jinx von Andrew Jarecki oder Making a Murderer von Laura Ricciardi und Moira Demos arbeitet mit echten Akten und realen Personen. Murphys Stil arbeitet mit Drehbuch-Spekulation und Schauspiel-Performance, was ein anderes Genre ist. Beide haben ihre Berechtigung, aber sie sind nicht dasselbe. Wer Murphy-Stoff allgemein mag findet bei unserer Horror-Serien-Übersicht weitere Anker im American-Horror-Story-Umfeld, der reale Krimi-Fall findet sich besser in der Krimi-Filme-Sektion oder dem klassischen Psycho von Hitchcock der direkt auf dem Gein-Fall basiert.
Plainfield und der reale Schauplatz
Plainfield in Wisconsin hat heute knapp 900 Einwohner und ist seit Geins Verbrechen 1957 eine Art Mahnmal der amerikanischen True-Crime-Geschichte. Die Farm der Geins existiert nicht mehr, sie wurde 1958 niedergebrannt, vermutlich von Anwohnern die das Andenken loswerden wollten. Der lokale Friedhof von Plainfield, auf dem Gein seine Grabraub-Aktivitäten durchführte, gibt es heute noch, mehrere Gräber von dort wurden in den 1980er Jahren neu beerdigt nach forensischer Untersuchung. Geins eigener Grabstein wurde mehrfach gestohlen und musste ausgetauscht werden. Die Stadt Plainfield hat sich seit 1957 konsequent geweigert touristische Vermarktung des Falls zuzulassen, was Murphys Drehbuch in einer Pre-Production-Phase zur Herausforderung gemacht hat. Gedreht wurde die Serie in Vancouver Kanada mit nachgebauten Sets. Wer Plainfield besuchen will findet eine kleine Stadt mit normalen Strukturen, kein Tourismus-Zentrum, was den Bewohnern wichtig ist.
Was mich auch nach einem Re-Watch stört
Mehrere Punkte. Die Inszenierung der Brutalitäts-Szenen ist deutlich pulpiger als nötig, manche Sequenzen wirken wie Splatter-Pastiche statt historischer Aufarbeitung. Die Adeline-Watkins-Liebesgeschichte ist historisch fragwürdig und gibt der Serie eine romantische Schicht die nicht zum Stoff passt. Der Buchenwald-Subplot um Ilse Koch ist erzählerisch eine Brücke ins Leere weil die behauptete Inspiration Geins durch Koch-Berichte historisch nicht belegt ist. Und das Finale läuft mit Mac Quayles Musik in eine pathetische Schluss-Sequenz aus die der zurückgenommenen Tonalität der Hunnam-Performance nicht gerecht wird. Wer Murphys Stil grundsätzlich mag findet hier sein bestes Werk seit Jeffrey Dahmer, wer Murphys Probleme kennt findet sie hier wieder.
Die häufigsten Fragen die ich seit Release zu Monster: Ed Gein bekomme drehen sich um vier Bereiche. Wie historisch akkurat ist die Serie, was wirft man Ryan Murphy konkret vor, lohnt sich Ed Gein für Zuschauer die Dahmer und Menendez gesehen haben, und welche bessere True-Crime-Alternative gibt es zum Murphy-Stil.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von MarenKessler — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Charlie Hunnams ungewöhnlich zurückgenommene Performance
- Laurie Metcalf als Augusta in preisverdächtiger Härte
- kompaktere Länge als die vorigen zwei Staffeln
Dagegen
- Adeline-Watkins-Liebesgeschichte historisch nicht belegt
- Ilse-Koch-Subplot ist Drehbuch-Erfindung
- pulpige Inszenierung der Brutalitäts-Szenen
Mutter wollte nie dass ich mit Maedchen rede.— aus der Wertung von MarenKessler
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Monster: Die Geschichte von Ed Gein
Wo kann ich Monster: Die Geschichte von Ed Gein streamen?
Monster: Die Geschichte von Ed Gein läuft aktuell im Abo bei Netflix. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie viele Staffeln hat Monster: Die Geschichte von Ed Gein?
Monster: Die Geschichte von Ed Gein umfasst 1 Staffel mit insgesamt 8 Episoden. Produktionsstatus: Ended.
Lohnt sich Monster: Die Geschichte von Ed Gein?
Unsere Redaktion vergibt Monster: Die Geschichte von Ed Gein einen Watcher-Score von 7,2 von 10. Ein regnerischer Sonntag-Nachmittag mit den ersten drei Folgen am Stück, dann eine Woche Pause weil mich die Inszenierung gestört hat, dann die restlichen fünf Folgen über drei weitere Abende. Ryan Murphy hat seine Formel inzwischen drei Staffeln lang perfektioniert und bei Ed Gein stößt sie an Grenzen. Charlie Hunnam liefert eine ungewöhnlich zurückgenommene Performance, Laurie Metcalf als Augusta ist preisverdächtig. Aber der Ilse-Koch-Buchenwald-Subplot ist eine Drehbuch-Erfindung die historisch nicht belegt ist, die Adeline-Watkins-Liebesgeschichte stimmt mit den Quellen nicht überein und
Für wen ist Monster: Die Geschichte von Ed Gein geeignet?
Monster: Die Geschichte von Ed Gein ist vor allem etwas für Krimi und Drama-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Worum geht es in Monster: Die Geschichte von Ed Gein?
Die schockierende wahre Geschichte von Ed Gein, dem berüchtigten Mörder und Grabräuber, der für viele der legendärsten Killer Hollywoods zum Vorbild wurde.
Besetzung
FAQ zu Monster Ed Gein (2025): Murphys Splatter-Doku
Wie viele Folgen hat die Serie?
Wie historisch akkurat ist die Darstellung?
Wo kann ich die Serie streamen?
Was wirft man Ryan Murphy bei Ed Gein konkret vor?
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