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Die Kritik
von SeoulScreenThe Furious bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,8 von 10. Kenji Tanigaki hat einen Actionfilm gedreht, dessen Kämpfe zum Besten gehören, was das Genre in den letzten Jahren gezeigt hat, und das sage ich als jemand, der es satt hat, dass asiatisches Kino in Deutschland oft nur als Kampfkunst wahrgenommen wird. Was mir fehlt, ist das, worauf ich sonst zuerst höre: eine Sprache, in der diese Figuren einander wirklich etwas zu sagen haben.
Seit dem 18. Juni 2026 läuft der Film im Verleih von capelight pictures in den deutschen Kinos, 113 Minuten lang und ab 18 Jahren freigegeben. Wer choreografierte Action liebt, bei der man jeden Schlag und jeden Standort im Raum verfolgen kann, sollte ihn auf der großen Leinwand sehen. Wer sich von einem Film über einen Vater und seine entführte Tochter auch emotional packen lassen will, bekommt eine gute Idee und zu wenig Zeit für sie.
Ein stummer Vater gegen einen Menschenhändlerring
Xie Miao spielt Wang Wei, einen stummen Handwerker, dessen Tochter Rainy (Yang Enyou) von einem Menschenhändlerring entführt wird. Auf der Suche nach ihr trifft er auf den Journalisten Navin, gespielt von Joe Taslim, der mit derselben Organisation eine eigene Rechnung offen hat. Gegen die beiden stehen unter anderem Joey Iwanaga als Anführer Paklung, Yayan Ruhian als Tak und Brian Le als Ho, Jeeja Yanin spielt die Journalistin Matia Pham. Produziert haben Edko Films aus Hongkong, Zhejiang Hengdian und XYZ Films, Weltpremiere war im September 2025 beim Filmfestival in Toronto.
Die Besetzung ist schon eine Aussage: ein Hauptdarsteller aus der chinesischen Wushu-Tradition, der als Kind neben Jet Li in „My Father Is a Hero“ stand, zwei Gesichter des indonesischen Actionkinos aus „The Raid“, dazu Darsteller aus Japan, Thailand und den USA. Tanigaki, selbst ein Japaner, der sich als Actionchoreograf einen Namen gemacht hat, bringt diese Schulen in einem Film zusammen, ohne sie gleichzumachen.
Warum die Kämpfe so gut sind
Hier bin ich mit fast allen Kolleginnen und Kollegen einer Meinung, und ich will das nicht kleinreden. Tanigaki schneidet wenig. Man sieht, wer wo steht, wer wen trifft und wie viel Kraft das kostet, und genau diese Übersicht fehlt vielen westlichen Actionfilmen, die ihre Kämpfe in Einzelbilder zerlegen. Mathis Raabe schreibt bei kino-zeit, im Finale seien bis zu fünf Kämpfer gleichzeitig im Bild, und nennt es eine der spektakulärsten Sequenzen der Kampfkunstgeschichte. Der Ton hilft kräftig mit: Jeder Treffer klingt, als würde etwas brechen.
Dass Xie Miao stumm spielt, ist dabei mehr als ein Kniff. Seine Figur hat keine Sätze, also muss alles, was Wang Wei für seine Tochter empfindet, über den Körper kommen. Die Gewalt ist überzeichnet, ab 18 zu Recht, aber sie kippt nicht ins Lächerliche.
Was ich vermisse, und warum meine Note unter dem Schnitt liegt
Wenn ich einen Film aus Ostasien sehe, achte ich zuerst darauf, wie die Figuren miteinander sprechen: wer wen wie anredet, was zwischen Vater und Tochter, zwischen Chef und Handlanger unausgesprochen bleibt. The Furious hat Englisch als Originalsprache, so führen es Rotten Tomatoes und die englische Wikipedia. Ein Ensemble aus Hongkong und Festlandchina, Indonesien, Japan, Thailand und den USA spricht also in einer Sprache, die keiner der Figuren gehört. Das öffnet dem Film den Weltmarkt, aber es ebnet ein, was ich an asiatischem Kino am meisten schätze. Die Dialoge sind Auskunft, keine Beziehung.
Das zweite ist das Melodram. Ich verzeihe einem Film viel Gefühl, auch zu viel. Hier aber bleibt die Beziehung zwischen Wang Wei und Rainy eher Anlass als Herz der Geschichte. Raabe merkt bei kino-zeit an, dass der Versuch, Kampfkunst und Melodram ineinanderfließen zu lassen, nicht mit den Filmen von John Woo mithalten kann, und dass die Bilder der entführten Kinder zunächst etwas bemüht wirken. Beim filmdienst heißt es, die Handlung sei bewusst einfach angelegt, damit die Kämpfe Raum bekommen. Beides stimmt, nur wiegt es für mich schwerer als für jemanden, der vor allem wegen der Kämpfe ins Kino geht.
Deshalb 7,8 und nicht 9. Ein Actionfan wird meine Note zu streng finden, und aus seiner Sicht hat er recht.
Wie die Kritik The Furious sieht
Das Echo ist fast einhellig begeistert. Bei Rotten Tomatoes sind 97 Prozent von 154 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 95 Prozent. Metacritic kommt auf 85 von 100 aus 21 Kritiken. Björn Becher vergibt bei Filmstarts 4,5 von 5 Sternen und nennt den Film das Martial-Arts-Spektakel des Jahres. Stand der Werte: 30. September 2026. Meine Wertung liegt darunter, weil ich einen Film nicht nur an seinen Kämpfen messe.
Wer nach dem Abspann noch mehr harte Action mit klarer Kampfgeografie sucht, findet sie in John Wick: Kapitel 4. Weitere Titel stehen bei unseren Actionfilmen.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Kämpfe mit wenig Schnitt und klarer Übersicht im Raum
- Xie Miao spielt den stummen Vater ganz über den Körper
- Ein Finale mit mehreren Kämpfern gleichzeitig im Bild
- Darsteller aus mehreren Kampftraditionen, die nicht gleichgemacht werden
Dagegen
- Englisch als gemeinsame Sprache ebnet die Beziehungen ein
- Die Vater-Tochter-Geschichte bleibt eher Anlass als Herz
- Die Bilder der entführten Kinder wirken zunächst bemüht
Die Kämpfe sprechen jede Sprache. Die Figuren leider nur eine, die keinem von ihnen gehört.Aus der Wertung von SeoulScreen
Wer streamt The Furious?
Verfügbarkeit DEStand 04.10.2026: The Furious ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten.
Stand 04.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
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