Countdown zum Kinostart
Sunny Dancer: Bella Ramsey im Krebs-Camp, und warum ich erst skeptisch war ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 13. August 2026 kommt Sunny Dancer in die deutschen Kinos, und ich gebe offen zu: Bei der Beschreibung „Sommercamp für krebskranke Jugendliche“ war mein Misstrauen sofort da.
Ich habe zu viele Filme gesehen, die aus einer schweren Krankheit einen weichgespülten Tränenzieher machen. Sunny Dancer könnte genau dieser Film sein. Oder das genaue Gegenteil. Die Berlinale-Premiere und diese Besetzung sagen mir: schau genauer hin.
Krebs-Camp. Und warum ich erst mal die Arme verschränke
Die Prämisse: Die introvertierte 17-jährige Ivy ist an Krebs erkrankt und landet in einem vierwöchigen Sommercamp für jugendliche Patienten. Sie erwartet vier Wochen Elend und findet stattdessen eine Gruppe von Außenseitern, mit denen sie anfängt, das Leben zu feiern. Der Werbespruch lautet „Du wirst dir wünschen, du wärst dabei gewesen.“ Genau so ein Satz macht mich nervös. Er klingt, als würde mir der Film die Rührung schon im Vorhinein verkaufen. Und Rührung, die man verkaufen muss, ist meistens keine echte.
Dann sehe ich, wer Ivy spielt, und meine Haltung ändert sich
Bella Ramsey. Nach The Last of Us muss man niemandem mehr erklären, dass dieser Mensch ein Gesicht hat, das eine ganze Folge ohne ein Wort tragen kann. Ramsey spielt keine niedlichen Kranken, Ramsey spielt Menschen, die wütend, müde und trotzig zugleich sein können. Wenn Ivy in diesem Camp das Leben wiederfindet, dann wird das bei dieser Besetzung wahrscheinlich nicht süßlich, sondern widersprüchlich. Genau so will ich es. Ein introvertierter Teenager, der lernt, dass Freundschaft auch dann geht, wenn die Zeit knapp ist, kann zum Kitsch werden oder zur Wahrheit. Ramsey ist der Grund, warum ich auf Wahrheit tippe.
Ein Schauspieler setzt sich zum ersten Mal auf den Regiestuhl
Sunny Dancer stammt von George Jaques, den die meisten bisher vor der Kamera gesehen haben. Hier führt er Regie und hat das Drehbuch gleich mitgeschrieben. Das ist riskant und es macht den Film interessant. Wenn jemand, der das Schauspielen von innen kennt, eine Geschichte über junge Menschen am Rand der Sterblichkeit erzählt, dann oft mit einem Blick fürs Konkrete, fürs Unbeholfene, fürs Echte. Filme über Krankheit scheitern fast immer am gleichen Punkt: Sie schauen von außen mitleidig auf ihre Figuren herab. Ich hoffe, dass Jaques von innen erzählt.
Jessica Gunning. Nach Baby Reindeer schaue ich ihr überall zu
Im Camp tummelt sich ein Ensemble, das für einen Film dieser Größe erstaunlich stark ist. Jessica Gunning, die nach Baby Reindeer zu Recht überall gefeiert wurde, spielt Karen. Neil Patrick Harris ist als Patrick dabei, James Norton als Bob. Dazu ein junger Cast aus Daniel Quinn-Toye, Bridgerton-Gesicht Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Khan und Jasmine Elcock. Das ist kein Besetzungszettel, der nach billigem Tränendrücker aussieht. Das sieht nach Leuten aus, die wissen, was sie tun.
Was mich trotzdem nervös macht
Der Ton. Sunny Dancer wird als Coming-of-Age-Geschichte mit komödiantischen Tönen beschrieben, und die Gratwanderung ist brutal. Zu viel Humor und die Krankheit wirkt verharmlost. Zu viel Schwere und es kippt in die Betroffenheits-Falle. Die wenigen Filme, die das hinbekommen, schaffen es, weil sie ihre Figuren als Menschen behandeln, nicht als Diagnosen. Ob Jaques in seinem ersten Film schon diese Balance hält, ist die Frage, mit der ich ins Kino gehe. Bei einem erfahrenen Regisseur würde ich es erwarten. Bei einem Debüt hoffe ich es.
Berlinale, nicht Hollywood
Ein Detail beruhigt mich. Sunny Dancer feierte seine Weltpremiere im Februar 2026 auf der Berlinale, nicht in einem Multiplex mit Popcorn-Testpublikum. Das heißt nicht automatisch, dass der Film gut ist, aber es heißt, dass er nicht für den schnellen Rührungs-Effekt gebaut wurde. Festivalkino über junge Sterblichkeit hat einen anderen Anspruch als der durchschnittliche Krankenhaus-Liebesfilm. Der britische Kinostart liegt einen Tag nach dem deutschen, am 14. August. Wir bekommen ihn also fast zeitgleich, und das ist bei so einem kleinen Film keine Selbstverständlichkeit.
Wer in diesem Camp aufeinandertrifft
- Bella Ramsey als Ivy, introvertiert, krank und garantiert nicht niedlich gespielt
- Jessica Gunning als Karen. Nach Baby Reindeer reicht mir ihr Name als Argument
- Neil Patrick Harris als Patrick und James Norton als Bob, zwei sehr unterschiedliche Erwachsene am Rand
- Ruby Stokes als Ella, Earl Cave als Ralph, Conrad Khan als Archie
- Daniel Quinn-Toye als Jake und Jasmine Elcock als Masie runden die Außenseiter-Gruppe ab
Warum gerade jetzt? Weil ehrliches Jugenddrama selten geworden ist
Das Drama über junge Menschen, das sie ernst nimmt statt sie zu bemitleiden, ist im Kino fast ausgestorben. Streaming-Plattformen produzieren glatte Teen-Ware am Fließband, das Kino traut sich kaum noch an leise Stoffe. Ein 106-minütiger britischer Film über ein Krebs-Camp, der es bis in den Berlinale-Wettbewerb geschafft hat, ist genau die Art von Gegenentwurf, die ich sehen will. Ob er hält, was die Besetzung verspricht, weiß ich am 13. August. Vorher bleibt die Hoffnung, dass jemand diesem Stoff endlich die Würde gibt, die er braucht.
Vorher anschauen
- The Last of Us, um zu sehen, was Bella Ramsey ohne ein einziges überflüssiges Wort kann
- Bridgerton, in dem Ruby Stokes vor ihrer Rolle als Ella zu sehen war
- Wer ehrliche Krankheits-Dramen sucht, wird bei Sieben Minuten nach Mitternacht fündig, das einen ähnlich heiklen Ton trifft
- Mehr im Bereich Drama und Drama-Serien
Erwartungen vor dem Start
keine Wertung✅ Darauf freuen wir uns
- Bella Ramsey in der Hauptrolle, nach The Last of Us über jeden Zweifel erhaben
- Jessica Gunning aus Baby Reindeer im Ensemble
- Berlinale-Premiere statt Multiplex-Testpublikum
- Ein Schauspieler erzählt seine erste eigene Geschichte
❓ Das macht uns nervös
- Krebs-Camp als Stoff kippt schnell in Kitsch oder Betroffenheit
- Der Werbespruch verkauft die Rührung vorab
- Beim Regiedebüt ist die Tonbalance noch ein Risiko
0 Kommentare