Poster zum Film The Testament of Ann Lee: Amanda Seyfried tanzt den Glauben

The Testament of Ann Lee: Amanda Seyfried tanzt den Glauben (2025)

Film · Historie, Drama · 2025 · 137 Min.

Von , aktualisiert am 30. September 20264 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

The Testament of Ann Lee bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,8 von 10. Amanda Seyfried spielt die Gründerin der Shaker mit einer Hingabe, die ich ihr so nicht zugetraut hätte, und Mona Fastvold macht aus Hymnen und Tanz das eigentliche Erzählmittel des Films. Dass es keine 8 und mehr wird, liegt am Drehbuch: Es dreht in der Mitte Runden, und die Erzählstimme erklärt mehr, als die Bilder nötig hätten.

Seit dem 12. März 2026 im Kino, Verleih Walt Disney (Searchlight Pictures), FSK 12, 137 Minuten. Seit dem 20. Mai 2026 läuft der Film bei Disney+. Regie führt Mona Fastvold, das Drehbuch hat sie mit Brady Corbet geschrieben, mit dem sie schon The Brutalist verfasst hat. Wer bereit ist, sich auf ein ungewöhnliches, stellenweise sperriges Musikdrama einzulassen, sollte ihn sehen. Wer eine klassische Filmbiografie erwartet, wird sich schwertun.

Kurz gesagt

7,8 von mir. Amanda Seyfried spielt Ann Lee mit rückhaltloser Hingabe, und Mona Fastvold erzählt Glauben über Hymnen, Tanz und Gesichter statt über Dialoge, getragen von Daniel Blumbergs neu arrangierten Shaker-Liedern. Im Mittelteil wiederholt sich das Muster aus Verfolgung und Ekstase, und die Erzählstimme erklärt oft, was die Bilder längst gezeigt haben. Für alle, die ungewöhnliches, forderndes Kino suchen und The Brutalist mochten, sehr empfehlenswert.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
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Worum es geht

Manchester im 18. Jahrhundert. Ann Lee (Amanda Seyfried), Arbeiterin aus einfachen Verhältnissen, wird zur Anführerin einer Glaubensgemeinschaft, die Gleichheit von Frauen und Männern predigt, Enthaltsamkeit verlangt und ihren Gottesdienst tanzt und singt. Man nennt sie Shaker. Verfolgt und verspottet, wandert die Gruppe nach Amerika aus. Thomasin McKenzie spielt Mary Partington und erzählt aus dem Off, Lewis Pullman spielt Anns Bruder William, Christopher Abbott ihren Ehemann Abraham Standerin, dazu kommen Stacy Martin, Matthew Beard und Tim Blake Nelson.

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Was der Film richtig macht

Fangen wir mit dem an, was mich überzeugt hat: Fastvold erzählt Glauben nicht über Dialoge, sondern über Körper. Mehr als ein Dutzend historische Shaker-Hymnen hat Daniel Blumberg, Oscarpreisträger für die Musik zu The Brutalist, neu arrangiert, Celia Rowlson-Hall hat die Bewegungen dazu choreografiert. Jens Balkenborg schreibt bei epd Film, der Soundtrack gebe dem Film „seine Struktur und seinen ganz und gar eigenen Rhythmus“. Das ist genau beobachtet. Die Musik ist hier kein Beiwerk, sie trägt das Drehbuch an den Stellen, an denen andere Filme einen Dialog schreiben würden.

Und Seyfried. Christoph Petersen nennt es bei Filmstarts eine rückhaltlose Tour-de-Force-Performance ohne doppelten Boden. Das unterschreibe ich. Sie spielt Ann Lee nicht als Heilige und nicht als Fanatikerin, sondern als Frau, die an etwas glaubt und den Preis dafür bezahlt. Die Golden-Globe-Nominierung war verdient.

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Wo das Drehbuch nachlässt

Mein Einwand ist einer, den ich bei langen Filmen immer habe: Länge muss sich verdienen. Bei The Brutalist saß ich 2025 allein im Odeon, dreieinhalb Stunden, und brauchte danach einen Spaziergang am Rhein. Ann Lee ist deutlich kürzer, aber im Mittelteil wiederholt sich das Muster aus Verfolgung, Ekstase und neuer Verfolgung, ohne dass die Figur dabei weiterkommt. Auch bei Metacritic findet sich der Einwand, der Film wiederhole dieselben Ideen und verrate zu wenig über die Frau selbst. Das trifft den Punkt: Ich kenne am Ende ihren Glauben besser als ihre Entscheidungen.

Dazu die Erzählstimme. Mary Partington ordnet ein, was wir gerade gesehen haben. In einem Film, der so viel über Bewegung und Gesichter erzählt, sind das oft drei Sätze zu viel. Kamil Moll beschreibt beim Filmdienst sehr schön den „geradezu naiven Glauben“ des Films an Musik und Gesichter. Genau deshalb hätte er dem Kommentar weniger trauen müssen und seinen Bildern mehr.

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Wie die Kritik den Film sieht

Der Konsens ist deutlich positiv. Bei Rotten Tomatoes sind 85 Prozent von 219 Kritiken positiv, das Publikum liegt bei 82 Prozent. Metacritic kommt auf 80 von 100 aus 43 Kritiken. Filmstarts vergibt 4 von 5 Sternen, epd Film 5 von 5, der Filmdienst stuft ihn als sehenswert ein. Weltpremiere war im Wettbewerb von Venedig 2025. Stand der Werte: 30. September 2026.

Meine 7,8 liegen knapp unter diesem Konsens. Der Film ist mutiger als fast alles, was im Frühjahr im Kino lief, aber sein Drehbuch ist nicht so konsequent wie seine Form.

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Für wen sich der Film lohnt

Für alle, die The Brutalist mochten, für alle, die Filme über Glauben ernst nehmen wollen, ohne bekehrt zu werden, und für alle, die Musik im Kino als Erzählung erleben möchten. Wer einen historischen Porträtfilm mit ähnlichem Anspruch sucht, der seine Länge verdient, schaut Oppenheimer. Weitere Titel sammeln unsere Drama-Übersicht und die Biografien.

Hintergrund zu Film und historischer Figur: Wikipedia (EN).

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story7,0
Schauspiel9,0
Ton9,0

Dafür

  • Amanda Seyfried spielt Ann Lee ohne doppelten Boden
  • Hymnen und Tanz sind das eigentliche Erzählmittel
  • Daniel Blumbergs Musik gibt dem Film Struktur und Rhythmus
  • Kein dröges Ausstattungskino, sondern eine eigene Form

Dagegen

  • Der Mittelteil wiederholt Verfolgung und Ekstase
  • Die Erzählstimme erklärt mehr als nötig
  • Über Ann Lees Entscheidungen erfährt man weniger als über ihren Glauben
  • Sperrig für alle, die eine klassische Filmbiografie erwarten
Die Musik ist hier kein Beiwerk. Sie trägt das Drehbuch an den Stellen, an denen andere Filme einen Dialog schreiben würden.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
7,8 von mir. Amanda Seyfried spielt Ann Lee mit rückhaltloser Hingabe, und Mona Fastvold erzählt Glauben über Hymnen, Tanz und Gesichter statt über Dialoge, getragen von Daniel Blumbergs neu arrangierten Shaker-Liedern. Im Mittelteil wiederholt sich das Muster aus Verfolgung und Ekstase, und die Erzählstimme erklärt oft, was die Bilder längst gezeigt haben. Für alle, die ungewöhnliches, forderndes Kino suchen und The Brutalist mochten, sehr empfehlenswert.

Wer streamt The Testament of Ann Lee?

Verfügbarkeit DE

Stand 18.10.2026: The Testament of Ann Lee läuft im Abo bei Disney+, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 5,99 €.

Stand 18.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Ann LeeAmanda Seyfried
  • William LeeLewis Pullman
  • Mary Partington / NarratorThomasin McKenzie
  • James WhittakerMatthew Beard
  • Abraham StanderinChristopher Abbott

FAQ zu The Testament of Ann Lee: Amanda Seyfried tanzt den Glauben

Ist The Testament of Ann Lee ein Musical?
Nicht im klassischen Sinn. Die Figuren singen und tanzen, weil die Shaker so ihren Gottesdienst feierten. Daniel Blumberg hat dafür historische Shaker-Hymnen neu arrangiert, die Musik ersetzt oft den Dialog.
Wo kann man The Testament of Ann Lee sehen?
The Testament of Ann Lee läuft aktuell im Abo bei Disney+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, MagentaTV, maxdome, Sky, Rakuten TV, Videoload und freenet Video. Stand 18.10.2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

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