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Die Kritik
von FilmSchneiderThe Uprising ist stark, solange Paul Greengrass Menschenmengen filmt, und schwach, sobald er einen Helden braucht. Unsere WatchGuide-Wertung liegt bei 5,5 von 10. Der Film über den englischen Bauernaufstand von 1381 läuft seit dem 10. September 2026 unter dem deutschen Titel „The Uprising – Für die Freiheit“ im Verleih von LEONINE in den Kinos, freigegeben ab 16 Jahren. Lohnend ist er für alle, die Schlachten im Schlamm aus nächster Nähe sehen wollen, weniger für Zuschauer, die eine glaubwürdige Hauptfigur suchen.
Gedreht wurde das England von 1381 zu großen Teilen in Franken und Oberbayern: in der Nürnberger Altstadt, im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim und in den Penzing Studios bei Landsberg am Lech.
Worum es geht
England 1381, nach der Pest, unter hohen Steuern. Die Bauern in Kent erheben sich, angeführt von Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell), und ziehen gegen die Krone des jungen Richard II. (Woody Norman). Andrew Garfield spielt einen Bauern, den der Film Ploughman nennt, also Pflüger. Eine historische Figur dieses Namens gibt es in den Chroniken nicht, Greengrass hat ihn erfunden und hängt den Aufstand an ihn.
Wo Greengrass‘ Methode trägt
Vor dem Start hatte ich gefragt, was ein Regisseur, der Ereignisse wie Protokolle schneidet, mit einem Aufstand macht, für den es keine Protokolle gibt. Die Antwort ist zweigeteilt. In den Massenszenen funktioniert die Handkamera so gut wie in den Bourne-Filmen: Rund 5.000 Statisten standen für die Produktion vor der Kamera, und man sieht sie. Christoph Petersen beschreibt das bei Filmstarts als „matschig, blutig und rundherum chaotisch“, und das ist als Lob gemeint. Das kann in dieser Form kaum jemand besser.
Auch Woody Norman als Richard II. ist ein Gewinn. Sein König ist halb verängstigter Junge, halb jemand, der schnell lernt, wie Macht geht, und Norman spielt beides in den ruhigen Szenen, nicht in den lauten.
Wo sie kippt: ein Held, der nichts entscheiden muss
Das Problem ist Ploughman. Eine erfundene Hauptfigur ist bei diesem Stoff legitim, das hatte ich vorab selbst geschrieben. Aber eine Figur muss sich ihre Entscheidungen verdienen, und Ploughman trifft keine, die ihn etwas kosten. Er tut durchgehend das Richtige und schlägt sich gegen gepanzerte Soldaten durch, als wäre das Mittelalter ein Actionfilm. Petersen nennt ihn zu sauber für das Chaos um ihn herum, Jenni Zylka findet ihn bei epd Film trotz Garfields Einsatz „blass“. Garfield spielt engagiert, das Buch gibt ihm nur keine Figur, sondern eine Funktion.
Dazu kommt ein Strukturfehler, den Kenan Hasic bei kino-zeit benennt: Die Handkamera wackelt auch dort, wo nichts passiert. Wer jede Szene gleich schneidet, verliert den Kontrast, von dem Greengrass sonst lebt. Und wo der Film unbequem werden müsste, bei den Morden an flämischen Kaufleuten, behandelt er sie laut Petersen eher als notwendiges Übel, statt genauer hinzusehen.
Geschichte und Legende
Am 15. Juni 1381 traf Wat Tyler in Smithfield auf den König, der Wortwechsel eskalierte, Tyler wurde getötet, den ersten Stich soll Londons Bürgermeister William Walworth geführt haben (im Film gespielt von Jonny Lee Miller). Die Zugeständnisse des Königs wurden danach zurückgenommen. Ein Film, der auf diese Niederlage zuläuft, braucht ein Ende, das sie aushält. Greengrass verbindet am Schluss die Geschichte mit einer Legende, die jeder kennt. Die Zusammenfassung bei Rotten Tomatoes nennt diese Mischung aus Geschichte und Mythos eher unbeholfen als erhellend. Ich verrate sie nicht, aber für mich entwertet sie rückwirkend einen Teil dessen, was der Film vorher ernst genommen hat.
Wer den historischen Ablauf nachlesen will, findet ihn im Wikipedia-Artikel zum Bauernaufstand.
Wie die Kritik den Film sieht
Das Echo ist gespalten, und meine Note liegt in der Mitte. Bei Rotten Tomatoes sind 55 Prozent von 97 Kritiken positiv, Metacritic steht bei 57 aus 33 Besprechungen. Filmstarts vergibt 3,5 von 5 Sternen und hält den Film für stilistisch stark, erzählerisch aber durch den zu heroischen Helden beschädigt. epd Film gibt 2 von 5 und spricht von einer „notdürftig mit Fakten ausgekleideten Gewaltorgie“. So hart bin ich nicht: Die Massenszenen sind echtes Handwerk.
Für wen sich der Kinobesuch lohnt
Für Greengrass-Fans, die sehen wollen, wie seine Kamera mit 5.000 Statisten im Schlamm umgeht, und für alle, die Nürnberg und Bad Windsheim auf der großen Leinwand wiedererkennen möchten. Wer einen Aufstandsfilm mit einem Helden sucht, der ihn wirklich trägt, bleibt bei Braveheart, so viel Pathos darin steckt. Wer Greengrass in Bestform sehen will, greift zu Die Bourne Verschwörung.
Wer da mitspielt
- Andrew Garfield als Ploughman, die erfundene Hauptfigur
- Cosmo Jarvis als Wat Tyler, der historische Anführer aus Kent
- Jamie Bell als John Ball, der Prediger
- Woody Norman als Richard II.
- Jonny Lee Miller als William Walworth, Katherine Waterston als Joan of Kent, Thomasin McKenzie als Alyce
- Tom Hollander und Stephen Dillane in weiteren Rollen
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Massenszenen mit rund 5.000 Statisten, nah und chaotisch gefilmt
- Woody Norman als Richard II. zwischen Angst und Machtwillen
- Echte Drehorte in Franken, die man wiedererkennt
Dagegen
- Ploughman tut immer das Richtige und bleibt deshalb eine Funktion
- Die Handkamera wackelt auch dort, wo nichts passiert
- Unbequemes wie die Morde an flämischen Kaufleuten wird überspielt
- Das Ende vermischt Geschichte und Legende unglücklich
Greengrass kann 5.000 Menschen im Schlamm filmen. Einem einzigen erfundenen Bauern kann er keine Entscheidung geben.Aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt The Uprising - Für die Freiheit?
Verfügbarkeit DEStand 01.10.2026: The Uprising - Für die Freiheit ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 16,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Amazon).
Stand 01.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
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