Countdown zum Kinostart
The Uprising: Greengrass dreht den Bauernaufstand von 1381 in Franken ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 10. September 2026 bringt LEONINE „The Uprising – Für die Freiheit“ in die deutschen Kinos, Paul Greengrass‘ Film über den englischen Bauernaufstand von 1381 mit Andrew Garfield in der Hauptrolle.
Gedreht wurde er allerdings nicht in England, sondern in der Nürnberger Altstadt, in Bad Windsheim und in den Penzing Studios bei Landsberg. Produziert hat das Ganze Blumhouse, also die Firma, die sonst Horrorfilme mit knappen Budgets macht.
Ein englischer Aufstand, gedreht in Franken
Für einen deutschen Kinobesucher ist das die interessanteste Information über diesen Film, und sie steht in keiner Kritik weit oben. Die mittelalterliche Kulisse, die auf der Leinwand als England von 1381 durchgeht, ist zu großen Teilen die Nürnberger Altstadt und das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim. Die Studioarbeiten liefen in Penzing bei Landsberg am Lech. Der Kinostart ist der 10. September 2026, die Laufzeit liegt bei 127 Minuten.
Solche Verlagerungen haben handfeste Gründe, meist Förderung und Kosten, und sie sagen nichts über die Qualität eines Films. Sie sagen aber etwas darüber, wie viel von dem, was auf der Leinwand nach Geschichte aussieht, tatsächlich gebaut wurde. Wer im September im Kino sitzt und die Häuser wiedererkennt, hat einen Vorteil gegenüber dem Rest des Publikums.
Greengrass und die Frage, wie er das schneidet
Paul Greengrass hat Regie geführt und das Buch allein geschrieben. Er ist der Mann hinter Die Bourne Verschwörung, Das Bourne Ultimatum und Jason Bourne, und diese drei Filme haben eine ganze Generation von Actionregisseuren dazu gebracht, die Kamera zittern zu lassen.
Seine Handschrift funktioniert dort am besten, wo sie sich an dokumentierte Abläufe hängt. Bei einem Aufstand, der über 640 Jahre zurückliegt und dessen Quellenlage aus Chroniken der Gegenwinner besteht, gibt es diesen Halt nicht. Das ist die eigentliche Frage an diesen Film: Ob Greengrass seinen Realismus auf ein Ereignis anwenden kann, von dem niemand weiß, wie es wirklich ausgesehen hat, oder ob die Handkamera dann zur Manier wird.
Was 1381 tatsächlich passiert ist
Am 7. Juni 1381 wählten die aufständischen Bauern in Kent einen ehemaligen Soldaten namens Wat Tyler zum Anführer. Der Prediger John Ball, zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis, wurde befreit und hielt am 13. Juni in Blackheath eine Predigt, aus der ein Satz überlebt hat: Als Adam grub und Eva spann, wer war da der Edelmann. Der Aufstand ist damit einer der frühesten dokumentierten Fälle, in dem jemand die Standesordnung selbst infrage stellt.
Am 15. Juni traf Tyler in Smithfield auf König Richard II. und trug ihm die Forderungen persönlich vor. Der Wortwechsel eskalierte, Tyler wurde von den Begleitern des Königs getötet, den ersten Stich soll der Londoner Bürgermeister William Walworth geführt haben. Anschließend wurde er vor den Augen seiner Leute enthauptet.
Cosmo Jarvis spielt Wat Tyler, Jamie Bell den Prediger John Ball, Woody Norman den jungen König. Andrew Garfields Figur heißt Ploughman, also Pflüger, und taucht in den Chroniken so nicht auf. Der Film erfindet sich seinen Helden, und das ist bei diesem Stoff die verständlichere Entscheidung.
Blumhouse macht ein Mittelalter-Epos
Das ist der zweite ungewöhnliche Punkt an dieser Produktion. Blumhouse Productions ist für Horrorfilme mit sehr enger Kostenkontrolle bekannt, und in der Produktionsliste steht mit Atomic Monster eine zweite Firma aus demselben Umfeld. Dazu kommen Supernix und Thank You Pictures, als Produktionsländer sind Deutschland, Großbritannien und die USA eingetragen.
Ein Historienfilm mit Schlachten kostet Geld, und Blumhouses Modell besteht seit jeher darin, kein Geld auszugeben. Diese Kombination erzeugt entweder etwas sehr Interessantes oder sichtbare Kompromisse. In Schlachtszenen sieht man Sparmaßnahmen schneller als überall sonst, weil dort die Zahl der Leute im Bild die halbe Wirkung ausmacht.
Wer da mitspielt
- Andrew Garfield als Ploughman, die erfundene Hauptfigur, um die der Aufstand herum erzählt wird
- Cosmo Jarvis spielt Wat Tyler, den historischen Anführer aus Kent
- Jamie Bell als John Ball, der Prediger mit dem Satz über Adam und Eva
- Woody Norman als Richard II.
- Tom Hollander, Jonny Lee Miller und Stephen Dillane besetzen die Gegenseite
- Thomasin McKenzie und Katherine Waterston stehen ebenfalls auf der Besetzungsliste, zu ihren Rollen ist bisher wenig bekannt
Woran solche Filme kippen
Aufstandsfilme haben eine feste Dramaturgie, und sie führt fast immer über dieselbe Szene: Einer stellt sich auf einen Karren und hält eine Rede, die Menge wird still, dann schwenkt die Kamera über die Gesichter. Braveheart hat das 1995 so wirkungsvoll gemacht, dass es seither zum Pflichtprogramm gehört, und Gladiator hat fünf Jahre später gezeigt, wie man dieselbe Wirkung ohne Rede erzielt.
Bei Greengrass würde mich eine solche Szene überraschen, denn sie widerspricht allem, was seine Filme sonst tun. Seine Stärke ist das Gegenteil: Leute, die aneinander vorbeireden, während die Lage bereits entschieden ist. Wenn er diese Haltung durchhält, bekommt der Bauernaufstand die erste Verfilmung, die ihn nicht zur Heldensage macht. Wenn er sie fallen lässt, steht am Ende noch ein Film über einen Mann, der aufsteht.
Ein zweiter Punkt: Der Aufstand endete mit einer Niederlage. Tyler wurde getötet, die Zugeständnisse des Königs wurden zurückgenommen, die Anführer wurden hingerichtet. Ein Film, der 127 Minuten auf ein Ereignis zuläuft, das schiefgeht, braucht ein Ende, das dem standhält. The Death of Robin Hood versucht das gerade an einer anderen englischen Legende.
Mein Zwischenstand
Der Stoff ist stark, die Besetzung stimmt bis in die Nebenrollen, und ein Regisseur, der Menschenmengen und Chaos beherrscht, ist für einen Aufstand die naheliegende Wahl. Was ich abwarte, ist die Frage, wie ein Realist mit einem Ereignis umgeht, für das es keine belastbaren Bilder gibt, nur Chroniken der Sieger. Wer den historischen Ablauf vorher nachlesen will, findet ihn im Wikipedia-Artikel zum Bauernaufstand, die Produktionsdaten stehen bei IMDb. Die Kritik des Kinokreises folgt nach dem Start.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungGreengrass' Realismus lebt von dokumentierten Abläufen. Bei einem Aufstand von 1381 gibt es die nicht, und genau daran entscheidet sich dieser Film.— vorab eingeschätzt von FilmSchneider
✅ Darauf freuen wir uns
- Greengrass beherrscht Menschenmengen und Chaos wie kaum jemand sonst
- Der Stoff wurde bisher praktisch nie verfilmt
- Besetzung bis in die Nebenrollen: Jarvis, Bell, Hollander, Dillane, Miller
- Drehorte in Nürnberg und Bad Windsheim, die man wiedererkennen kann
❓ Das macht uns nervös
- Ein Historienepos von Blumhouse muss mit sichtbar knappen Mitteln auskommen
- Für 1381 gibt es keine Protokolle, an denen sich Greengrass' Methode festhalten kann
- Der Aufstand endete in einer Niederlage, das Ende muss das aushalten
- Die Handkamera kann bei 127 Minuten zur Manier werden
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