Poster zum Film Babystar: Wenn dein ganzes Leben Content ist

Babystar: Wenn dein ganzes Leben Content ist (2026)

Film · Drama · 2026 · 102 Min.

Von , aktualisiert am 30. September 20264 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Babystar bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,0 von 10. Joscha Bongard erzählt von einer 16-Jährigen, deren Leben seit der Geburt Content ihrer Eltern ist, und er tut es kühl, genau und ohne Zeigefinger. Maja Bons trägt den Film mit einem Spiel, das fast nur aus Zurückhaltung besteht. Was fehlt, ist eine Verdichtung im letzten Drittel: Der Film weiß früh, was er sagen will, und sagt es dann noch einige Male.

Seit dem 23. April 2026 im Kino, Verleih Across Nations, FSK 12. Die Laufzeit geben filmdienst und Filmstarts mit 102 Minuten an, epd Film mit 98. Für alle, die Filme über Familie und Öffentlichkeit mögen und keine Satire zum Lachen erwarten, sondern eine zum Frösteln.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

Unsere Arbeitsweise und der Einsatz von KI

Unsere Einordnung

von WatchGuide-Redaktion
1

Worum es in Babystar geht

Luca Sommer (Maja Bons) ist 16 und kennt kein Leben ohne Kamera. Ihre Eltern Stella (Bea Brocks) und Chris (Liliom Lewald) betreiben unter ihrem Namen und als Familie Social-Media-Kanäle mit Millionen Followern. Als die beiden ein zweites Kind planen und aus Lucas Bildern einen digitalen Avatar machen lassen, beginnt Luca zu begreifen, wie wenig von ihr selbst übrig ist. Joy Ewulu spielt ihre Freundin Julie, dazu kommen Maximilian Mundt und Verena Altenberger in Nebenrollen.

Babystar ist Bongards erster langer Spielfilm und sein Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Das Drehbuch schrieb er mit Nicole Rüthers, produziert haben LiseLotte Films und das ZDF, Das kleine Fernsehspiel. Premiere war im September 2025 beim Filmfestival in Toronto in der Reihe Discovery, danach liefen Zürich und Hamburg. Bongard kennt das Milieu: Sein Dokumentarfilm Pornfluencer von 2022 begleitete ein Paar, das von selbstgedrehten Pornos lebt.

2

Wo der Film einsetzt, und wo er seinen Titel zeigt

Bongard lässt sich Zeit. Die ersten Szenen zeigen eine Familie, die aussieht wie aus einem Einrichtungsmagazin, und genau darin liegt das Unbehagen. Rudolf Worschech beschreibt bei epd Film, wie das perfekte Haus mit jeder Minute mehr nach Gefängnis aussieht. Das ist eine Frage der Einstellungsdauer, nicht der Dialoge, und die hat Bongard im Griff.

Für mich die klügste Entscheidung im Drehbuch: Die Titelsequenz kommt erst nach rund 25 Minuten, direkt nachdem Lucas Körper für den Avatar vermessen wurde. Das ist der Moment, in dem sie versteht, was mit ihr gemacht wird, und genau dort setzt der Film seinen Titel. Die Sequenz selbst, 3D-animiert von Zoi Naum, stellt die Familie wie Ausstellungsstücke in Vitrinen, lässt Chris in eine Wanne voller Chicken Nuggets springen und endet auf dem blauen Verifiziert-Haken. Man kann das plakativ finden. Als Scharnier zwischen zwei Filmhälften funktioniert es.

3

Maja Bons spielt, was Luca nicht sagen darf

Luca ist keine reine Opferfigur. Jochen Werner schreibt bei Filmstarts, sie sei Opfer und Komplizin zugleich, jemand, der nachts heimlich Stories postet, weil sie es nicht anders kennt. Das trägt Bons, ohne es auszuspielen. Sie spielt vieles über den Blick statt über Sätze, und das ist richtig so, denn Luca hat nie gelernt, etwas zu fühlen, das nicht gleich verwertet wird. Reinhard Kleber lobt beim filmdienst dieselbe Mimik, und ich schließe mich an.

Bea Brocks und Liliom Lewald spielen die Eltern nicht als Monster. Sie glauben an das, was sie tun. Das macht die Szenen mit ihnen unangenehmer, als jede Karikatur es könnte.

4

Wo es für mich kippt

Nach der Titelsequenz hat der Film seine These gesetzt, und im Grunde auch sein Ergebnis. Was folgt, sind Stufen von Lucas Widerstand, vom stillen Rückzug bis zur offenen Auflehnung. Jede Stufe ist gut gebaut, aber keine überrascht, weil die Richtung feststeht. Kleber vermisst beim filmdienst dramatische Verdichtung und existenzielle Fallhöhe. Das ist mir etwas zu streng, trifft aber die Stelle: Der Film verlässt sich im letzten Drittel mehr auf die Wiederholung seines Befunds als auf eine Entscheidung, die man ihm nicht zugetraut hätte.

5

Wie die Kritik Babystar sieht

epd Film vergibt 4 von 5 Sternen und liest den Film als kluge Mediensatire. Filmstarts gibt 3,5 von 5 und vergleicht Bongard mit Haneke, Lanthimos und Östlund, bei mehr Humor und Empathie. Der filmdienst lobt Bons, findet das Drama aber unterkühlt und zu wenig verdichtet. Stand: 30. September 2026.

Meine 7,0 liegen zwischen filmdienst und epd. Ich gebe viel für das Spiel und für die Entscheidung, den Titel dorthin zu setzen, wo Luca aufwacht, und ziehe ab für ein letztes Drittel, das seine These nur noch bestätigt.

Den umgekehrten Fall, einen Mann, der nicht weiß, dass er gefilmt wird, erzählt Die Truman Show. Weitere Kritiken in unserer Drama-Übersicht.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story6,5
Schauspiel8,0

Dafür

  • Maja Bons spielt fast nur mit Zurückhaltung und trägt damit den Film
  • Die Titelsequenz sitzt genau am Wendepunkt der Geschichte
  • Die Eltern sind keine Karikaturen, sondern glauben an ihr Geschäft
  • Kühle Bilder, in denen das perfekte Haus zum Gefängnis wird

Dagegen

  • Die These steht nach einer halben Stunde fest und wird danach vor allem bestätigt
  • Das letzte Drittel hat wenig Überraschung
Der Film setzt seinen Titel genau dorthin, wo Luca begreift, was mit ihr gemacht wird. Danach weiß er, was er sagen will, und sagt es noch einige Male.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
7,0 von mir. Joscha Bongard erzählt vom Aufwachsen als Content ohne Zeigefinger, kühl und genau, und Maja Bons spielt eine Tochter, die nie gelernt hat, etwas zu fühlen, das nicht gleich verwertet wird. Die Titelsequenz nach rund 25 Minuten ist die klügste Entscheidung des Drehbuchs. Im letzten Drittel fehlt die Verdichtung: Lucas Widerstand wird Stufe für Stufe gut gebaut, überrascht aber nicht mehr. Sehenswert für alle, die bei Familienkanälen schon länger ein ungutes Gefühl haben.

Besetzung

5 Rollen
  • LucaMaja Bons
  • Stella SommerBea Brocks
  • Chris SommerLiliom Lewald
  • JulieJoy Ewulu
  • SimonMaximilian Mundt

FAQ zu Babystar: Wenn dein ganzes Leben Content ist

Basiert Babystar auf einer wahren Geschichte?
Nein, Luca und ihre Familie sind erfunden. Das Phänomen dahinter ist real: Familienkanäle, die den Alltag ihrer Kinder vermarkten. Joscha Bongard hat sich schon in seinem Dokumentarfilm Pornfluencer mit Menschen beschäftigt, die sich selbst zur Marke machen.
Ab welchem Alter ist Babystar geeignet?
Die FSK hat den Film ab 12 Jahren freigegeben, der filmdienst empfiehlt ihn pädagogisch ab 14. Für Jugendliche, die selbst in sozialen Netzwerken unterwegs sind, ist er ein guter Anlass für ein Gespräch.

Diskutiere mit

0 / 500

Der erste Kommentar wird kurz geprüft. Keine Links, keine Werbung, Spoiler bitte ankündigen. Kommentarregeln · Datenschutz · Mit Konto? Anmelden

Ähnliche Filme

aus derselben Kammer
Cookie Consent mit Real Cookie Banner