Babystar bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 7,0 von 10. Joscha Bongard erzählt von einer 16-Jährigen, deren Leben seit der Geburt Content ihrer Eltern ist, und er tut es kühl, genau und ohne Zeigefinger. Maja Bons trägt den Film mit einem Spiel, das fast nur aus Zurückhaltung besteht. Was fehlt, ist eine Verdichtung im letzten Drittel: Der Film weiß früh, was er sagen will, und sagt es dann noch einige Male.
Seit dem 23. April 2026 im Kino, Verleih Across Nations, FSK 12. Die Laufzeit geben filmdienst und Filmstarts mit 102 Minuten an, epd Film mit 98. Für alle, die Filme über Familie und Öffentlichkeit mögen und keine Satire zum Lachen erwarten, sondern eine zum Frösteln.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es in Babystar geht
Luca Sommer (Maja Bons) ist 16 und kennt kein Leben ohne Kamera. Ihre Eltern Stella (Bea Brocks) und Chris (Liliom Lewald) betreiben unter ihrem Namen und als Familie Social-Media-Kanäle mit Millionen Followern. Als die beiden ein zweites Kind planen und aus Lucas Bildern einen digitalen Avatar machen lassen, beginnt Luca zu begreifen, wie wenig von ihr selbst übrig ist. Joy Ewulu spielt ihre Freundin Julie, dazu kommen Maximilian Mundt und Verena Altenberger in Nebenrollen.
Babystar ist Bongards erster langer Spielfilm und sein Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Das Drehbuch schrieb er mit Nicole Rüthers, produziert haben LiseLotte Films und das ZDF, Das kleine Fernsehspiel. Premiere war im September 2025 beim Filmfestival in Toronto in der Reihe Discovery, danach liefen Zürich und Hamburg. Bongard kennt das Milieu: Sein Dokumentarfilm Pornfluencer von 2022 begleitete ein Paar, das von selbstgedrehten Pornos lebt.
Wo der Film einsetzt, und wo er seinen Titel zeigt
Bongard lässt sich Zeit. Die ersten Szenen zeigen eine Familie, die aussieht wie aus einem Einrichtungsmagazin, und genau darin liegt das Unbehagen. Rudolf Worschech beschreibt bei epd Film, wie das perfekte Haus mit jeder Minute mehr nach Gefängnis aussieht. Das ist eine Frage der Einstellungsdauer, nicht der Dialoge, und die hat Bongard im Griff.
Für mich die klügste Entscheidung im Drehbuch: Die Titelsequenz kommt erst nach rund 25 Minuten, direkt nachdem Lucas Körper für den Avatar vermessen wurde. Das ist der Moment, in dem sie versteht, was mit ihr gemacht wird, und genau dort setzt der Film seinen Titel. Die Sequenz selbst, 3D-animiert von Zoi Naum, stellt die Familie wie Ausstellungsstücke in Vitrinen, lässt Chris in eine Wanne voller Chicken Nuggets springen und endet auf dem blauen Verifiziert-Haken. Man kann das plakativ finden. Als Scharnier zwischen zwei Filmhälften funktioniert es.
Maja Bons spielt, was Luca nicht sagen darf
Luca ist keine reine Opferfigur. Jochen Werner schreibt bei Filmstarts, sie sei Opfer und Komplizin zugleich, jemand, der nachts heimlich Stories postet, weil sie es nicht anders kennt. Das trägt Bons, ohne es auszuspielen. Sie spielt vieles über den Blick statt über Sätze, und das ist richtig so, denn Luca hat nie gelernt, etwas zu fühlen, das nicht gleich verwertet wird. Reinhard Kleber lobt beim filmdienst dieselbe Mimik, und ich schließe mich an.
Bea Brocks und Liliom Lewald spielen die Eltern nicht als Monster. Sie glauben an das, was sie tun. Das macht die Szenen mit ihnen unangenehmer, als jede Karikatur es könnte.
Wo es für mich kippt
Nach der Titelsequenz hat der Film seine These gesetzt, und im Grunde auch sein Ergebnis. Was folgt, sind Stufen von Lucas Widerstand, vom stillen Rückzug bis zur offenen Auflehnung. Jede Stufe ist gut gebaut, aber keine überrascht, weil die Richtung feststeht. Kleber vermisst beim filmdienst dramatische Verdichtung und existenzielle Fallhöhe. Das ist mir etwas zu streng, trifft aber die Stelle: Der Film verlässt sich im letzten Drittel mehr auf die Wiederholung seines Befunds als auf eine Entscheidung, die man ihm nicht zugetraut hätte.
Wie die Kritik Babystar sieht
epd Film vergibt 4 von 5 Sternen und liest den Film als kluge Mediensatire. Filmstarts gibt 3,5 von 5 und vergleicht Bongard mit Haneke, Lanthimos und Östlund, bei mehr Humor und Empathie. Der filmdienst lobt Bons, findet das Drama aber unterkühlt und zu wenig verdichtet. Stand: 30. September 2026.
Meine 7,0 liegen zwischen filmdienst und epd. Ich gebe viel für das Spiel und für die Entscheidung, den Titel dorthin zu setzen, wo Luca aufwacht, und ziehe ab für ein letztes Drittel, das seine These nur noch bestätigt.
Den umgekehrten Fall, einen Mann, der nicht weiß, dass er gefilmt wird, erzählt Die Truman Show. Weitere Kritiken in unserer Drama-Übersicht.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Maja Bons spielt fast nur mit Zurückhaltung und trägt damit den Film
- Die Titelsequenz sitzt genau am Wendepunkt der Geschichte
- Die Eltern sind keine Karikaturen, sondern glauben an ihr Geschäft
- Kühle Bilder, in denen das perfekte Haus zum Gefängnis wird
Dagegen
- Die These steht nach einer halben Stunde fest und wird danach vor allem bestätigt
- Das letzte Drittel hat wenig Überraschung
Der Film setzt seinen Titel genau dorthin, wo Luca begreift, was mit ihr gemacht wird. Danach weiß er, was er sagen will, und sagt es noch einige Male.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Besetzung
5 Rollen- LucaMaja Bons
- Stella SommerBea Brocks
- Chris SommerLiliom Lewald
- JulieJoy Ewulu
- SimonMaximilian Mundt


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