Countdown zum Kinostart
Practical Magic 2: Bullock und Kidman kehren nach 28 Jahren als Hexen zurück ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von CineTomAm 10. September 2026 kommen die Owens-Schwestern zurück ins Kino, 28 Jahre nach dem Original, und Sandra Bullock plus Nicole Kidman sind wieder dabei.
Practical Magic war 1998 nie mein Film, das sage ich gleich. Aber diese Fortsetzung hat einen Trumpf, der mich sofort hellhörig gemacht hat, und der heißt Susanne Bier. Über die reden wir gleich.
28 Jahre. Und plötzlich ein Regie-Name, der aufhorchen lässt.
Die Ausgangslage ist selten: Ein Comfort-Film mit Kultstatus bekommt fast drei Jahrzehnte später eine echte Fortsetzung, mit beiden Hauptdarstellerinnen im Gepäck. Das Original von Regisseur Griffin Dunne floppte 1998 an den Kinokassen und wuchs erst über Jahre auf Video und im Streaming zum Herbst-Ritual heran. Dass daraus 2026 ein Kinostart wird, ist an sich schon eine kleine Sensation.
Worum es geht, hält die Produktion bewusst knapp: Die Owens-Schwestern müssen sich einem dunklen Fluch stellen, der ihre Familie endgültig auseinanderzureißen droht. Wer das Original kennt, weiß, worauf das anspielt, jeder Mann, den eine Owens-Frau liebt, ist verflucht. Ich gehe als Fantasy-Zuschauer ran, nicht als Nostalgiker, und genau deshalb interessiert mich weniger die Romantik als die Frage: Kann man diese Welt ernst nehmen, ohne den warmen Ton zu verlieren?
Susanne Bier. Das ist keine Fluff-Regisseurin.
Auf dem Regiestuhl sitzt Susanne Bier, und das ist der Grund, warum ich diese Preview überhaupt schreibe. Die Dänin hat 2011 den Auslands-Oscar für „In einer besseren Welt“ geholt, sie hat „The Night Manager“ und „The Undoing“ inszeniert, lauter Stoffe über Menschen mit Rissen. Und, kleiner Kreis schließt sich: Sie hat 2018 „Bird Box“ gedreht, ebenfalls mit Sandra Bullock. Die beiden kennen sich also, und Bier weiß, wie man Bullock jenseits der Sympathieträgerin einsetzt.
Das ist die eigentliche Spannung dieses Projekts. Eine Regisseurin, die sonst Abgründe filmt, übernimmt einen der gemütlichsten Filme der Neunziger. Wird daraus ein dunklerer, erwachsenerer Hexenfilm? Oder biegt das Studio Biers Instinkt zurück auf Wohlfühl-Kurs? Ich weiß es nicht, und diese Unsicherheit ist genau das, was mich neugierig macht. Am Drehbuch stehen übrigens Akiva Goldsman, der schon „I Am Legend“ schrieb, und Georgia Pritchett aus dem „Succession“-Autorenraum, eine Mischung aus Blockbuster-Handwerk und bissiger Feder.
Der Cast ist absurd tief besetzt
Über die Besetzung muss man reden, weil sie zwei Generationen zusammenspannt. Die Rückkehrerinnen sind das Herz, aber die nächste Generation ist der Grund, warum ich mir das im Kino ansehe.
- Sandra Bullock ist erneut Sally Owens, die bodenständigere der beiden Schwestern, die ihre Magie am liebsten wegsperren würde
- Nicole Kidman kehrt als Gillian zurück, die wilde, freie Schwester, das Gegengewicht zu Sallys Vorsicht
- Joey King und Maisie Williams spielen Sallys Töchter Kylie und Antonia, im Original noch kleine Mädchen, jetzt die tragende junge Generation
- Und dann, für mich das dickste Ausrufezeichen: Dianne Wiest und Stockard Channing sind als Tanten Jet und Frances zurück, dieselben Schauspielerinnen wie 1998
Dazu kommen Xolo Maridueña, den Cobra-Kai-Fans kennen, und Lee Pace, der in so ziemlich jedem Genre schon eine gute Figur gemacht hat. Dass Wiest und Channing nach 28 Jahren dieselben Rollen spielen, ist ein Fanservice, den ich sogar respektiere, weil er Kontinuität schafft statt Reboot-Beliebigkeit.
Genug Stoff für eine eigene Geschichte
Was mir Hoffnung macht: Der Film muss sich nichts aus den Fingern saugen. Das Original beruht auf Alice Hoffmans Roman von 1995, und die Autorin hat das Owens-Universum später kräftig ausgebaut, mit der Vorgeschichte „The Rules of Magic“ und dem Hexenprozess-Prequel „Magic Lessons“. Da liegt genug Material für mehrere Filme, ohne dass jemand die Figuren verbiegen müsste. Practical Magic 2 kann also aus einer echten literarischen Quelle schöpfen, statt bloß ein erfolgreiches Logo weiterzuverwerten, und das unterscheidet das Projekt schon mal von der Hälfte aller Legacy-Sequels.
Spannend ist auch die Frage, welche der beiden Owens-Generationen der Film ins Zentrum rückt. Bullock und Kidman sind die Zugpferde, aber mit Joey King und Maisie Williams stehen zwei Darstellerinnen bereit, die eine ganze Trilogie tragen könnten. Ein kluger zweiter Teil würde die Fackel behutsam weiterreichen, ohne die Rückkehrerinnen zu Statisten der eigenen Geschichte zu degradieren. Wie Susanne Bier diese Balance löst, ist für mich die eigentliche Wette dieses Films.
Was mich skeptisch macht, ganz ehrlich
Jetzt der Realitätscheck. Legacy-Sequels sind ein Minenfeld, und die letzten Jahre haben mehr Rohrkrepierer als Treffer produziert. Ein Film, der 28 Jahre später kommt, muss zwei Publikumsgruppen gleichzeitig bedienen: die, die 1998 dabei waren, und die, die den Namen nie gehört haben. Das geht oft schief, weil der Film sich zwischen Nostalgie-Abarbeitung und eigener Geschichte nicht entscheiden kann.
Dazu die Ton-Frage. Practical Magic lebte immer von einer speziellen Mischung aus Melancholie, Humor und Küchenmagie, kein Effektgewitter, sondern Stimmung. In einer Kinolandschaft, die Fantasy meist laut und groß denkt, ist ein leiser Hexenfilm ein Risiko. Ich hoffe, Bier hält die Nerven und traut sich, klein und eigen zu bleiben, statt das Ganze auf CGI-Spektakel aufzublasen. Der erste Trailer deutet zum Glück eher in Richtung Atmosphäre als Materialschlacht.
Wo dieser Film ins Hexen-Kino passt
Hexen sind eines der dehnbarsten Motive im Genre, und WatchGuide hat die ganze Bandbreite im Regal. Wer es bitterernst mag, findet im Blair Witch Project das Gegenteil von Küchenmagie, reine Angst aus dem Wald. Für augenzwinkernde Fantasy gibt es Hexen von heute, und Krimi-Nostalgiker schauen bei Edgar Wallaces Der Hexer vorbei.
Practical Magic 2 zielt in eine ganz andere Ecke, näher an warmherzigem Familienzauber. Da liegt es überraschend nah an Stoffen wie der animierten Hexen-Komödie Hexed oder, für die ganz Kleinen, Bibi Blocksberg und das große Hexentreffen. Wer nach der Preview stattdessen Lust auf echte Angst bekommt, findet die düstere Seite des Genres in unserer Übersicht der besten Horrorfilme aller Zeiten. Genau in diesem Zwischenraum, zu erwachsen für Kinderfilm, zu sanft für Horror, muss Practical Magic 2 seinen eigenen Platz finden. Ob ihm das gelingt, sehen wir ab September.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEine Regisseurin, die sonst Abgründe filmt, übernimmt einen der gemütlichsten Filme der Neunziger. Genau diese Reibung will ich sehen.— vorab eingeschätzt von CineTom
✅ Darauf freuen wir uns
- Susanne Bier als überraschend ernste Regie-Wahl
- Bullock und Kidman plus die Original-Tanten zurück
- Ein leiser Hexenfilm gegen den CGI-Trend
- Zwei Generationen im Cast verknüpft
❓ Das macht uns nervös
- Legacy-Sequels gehen oft zwischen Nostalgie und Neuanfang unter
- Der warme Ton des Originals ist schwer zu treffen
- 28 Jahre Abstand sind ein Risiko
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