Die Kritik
von TribunQuick Answer: Ist Wicked sehenswert?
Kurze Antwort: JA – Diese Musical-Verfilmung ist ein emotionales und visuelles Meisterwerk, das Broadway-Magie perfekt auf die Leinwand überträgt.
Für wen geeignet: Musical-Fans, Familien mit älteren Kindern, Fantasy-Liebhaber, Ariana Grande-Anhänger.
Nicht geeignet für: Musical-Verächter, Fans schneller Action-Filme, Zuschauer ohne Geduld für längere Laufzeiten.
Mein Urteil: Jon M. Chu hat das Unmögliche geschafft und „Wicked“ respektvoll, aber innovativ verfilmt. Die Chemie zwischen Grande und Erivo ist magisch, die Songs sind unvergesslich.
Worum geht es in Wicked?
Wicked erzählt die unbekannte Vorgeschichte der Hexen von Oz und fokussiert sich auf die ungewöhnliche Freundschaft zwischen der grünhäutigen Elphaba und der privilegierten Glinda. Als Studentinnen an der Universität Shiz entwickeln sie trotz ihrer gegensätzlichen Charaktere eine tiefe Verbindung, die durch ihre Begegnung mit dem Zauberer von Oz auf eine harte Probe gestellt wird.
Was mich von Anfang an fasziniert hat, ist wie geschickt Wicked unser Verständnis von Gut und Böse auf den Kopf stellt. Ich erinnere mich noch an meine erste Broadway-Aufführung 2008 – schon damals war ich beeindruckt von der komplexen Moral der Geschichte. Jon M. Chu gelingt es, diese Vielschichtigkeit zu bewahren und sogar zu verstärken.
Die Geschichte beginnt an der Universität Shiz, wo Elphaba als Außenseiterin ankommt. Ihre grüne Haut macht sie zur Zielscheibe von Spott und Vorurteilen, während Glinda bereits als beliebte Prinzessin gefeiert wird. Ihre Zimmerteilung führt zunächst zu Konflikten, entwickelt sich aber zu einer der berührendsten Freundschaften der Filmgeschichte.
Besonders clever ist die Art, wie der Film bekannte Oz-Elemente neu kontextualisiert. Der scheinbar mächtige Zauberer entpuppt sich als Manipulator, der Tiere unterdrückt und Opposition mundtot macht. Elphabas Transformation zur „bösen Hexe des Westens“ wird nicht als Verfall, sondern als Erwachen zu moralischer Klarheit dargestellt.
Wie inszeniert Jon M. Chu diese Musical-Verfilmung?
Jon M. Chu beweist mit Wicked, dass er einer der talentiertesten Musical-Regisseure unserer Zeit ist. Seine Inszenierung balanciert Broadway-Authentizität mit cineastischer Innovation perfekt aus und schafft dabei eine eigene visuelle Sprache, die sowohl vertraut als auch revolutionär wirkt.
Nach „In the Heights“ und „Crazy Rich Asians“ war ich gespannt, wie Chu sich dem Wicked-Universum nähern würde. Seine Lösung ist genial: Er respektiert die Bühnentradition, nutzt aber alle Möglichkeiten des Films. Die Kameraführung ist niemals statisch, sondern tanzt förmlich mit den Darstellern.
Besonders beeindruckend finde ich Chus Umgang mit den Set-Pieces. „The Wizard and I“ wird zu einer aufwendigen Sequenz durch die Universität, während „Popular“ Glindas Zimmer in ein rosa Paradies verwandelt. Jede Nummer hat ihren eigenen visuellen Stil, ohne dass der Film seine Einheitlichkeit verliert.
Die Pacing-Entscheidung, die Geschichte auf zwei Filme aufzuteilen, erwies sich als brillant. Dadurch kann Chu jeder Beziehung, jedem Song und jeder emotionalen Wendung den nötigen Raum geben. Niemand fühlt sich gehetzt oder überflüssig.
Chu versteht Musical-Erzählung auf einer tiefen Ebene. Er weiß, wann er zurücktreten und die Musik wirken lassen muss, und wann er mit visuellen Effekten verstärken kann. Diese Balance macht Wicked zu einer der gelungensten Musical-Verfilmungen der letzten Jahrzehnte.
Wie schlagen sich Cynthia Erivo und Ariana Grande als Elphaba und Glinda?
Das Casting von Cynthia Erivo und Ariana Grande erwies sich als Glücksgriff. Erivo bringt ihre Broadway-Erfahrung und emotionale Tiefe mit, während Grande überraschend ihre Schauspielkünste unter Beweis stellt. Ihre Chemie trägt den gesamten Film und macht die komplizierte Freundschaft zwischen Elphaba und Glinda absolut glaubwürdig.
Ich muss gestehen, dass ich anfangs Bedenken wegen Ariana Grande hatte. Pop-Stars, die zu Broadway wechseln, scheitern oft grandios. Aber Grande beweist hier beeindruckende schauspielerische Reife. Ihre Glinda ist nicht nur oberflächlich charmant, sondern zeigt echte Verletzlichkeit und Wachstum.
Cynthia Erivo war die offensichtlichere Wahl – ihre Tony-gekrönte Leistung in „The Color Purple“ sprach für sich. Als Elphaba liefert sie eine Darbietung ab, die sowohl kraftvoll als auch zerbrechlich ist. Ihr „Defying Gravity“ am Ende des ersten Teils ist schlichtweg spektakulär und gab mir Gänsehaut.
Die Nebendarsteller ergänzen das Ensemble perfekt. Michelle Yeoh als Madame Morrible bringt die richtige Mischung aus Mentor und Antagonist mit, während Jeff Goldblum als Zauberer von Oz seinen unverwechselbaren Charme einsetzt. Jonathan Bailey überzeugt als Fiyero und beweist, dass er mehr kann als nur „Bridgerton“.
Was mich am meisten beeindruckt, ist die Authentizität der Freundschaft zwischen Erivo und Grande. Man spürt, dass sie sich auch abseits der Kameras verstehen. Diese Chemie macht die emotionalen Wendungen des Films umso wirkungsvoller.
Wie überzeugen Kamera und Bildsprache in Wicked?
Die visuelle Gestaltung von Wicked ist ein Fest für die Augen. Kameramann Alice Brooks erschafft eine Farbpalette, die zwischen üppigem Grün der Emerald City und warmen Erdtönen von Shiz wechselt. Jede Einstellung ist komponiert wie ein Gemälde und unterstützt die emotionale Reise der Charaktere perfekt.
Die Produktionsdesigner haben eine Version von Oz geschaffen, die sowohl märchenhaft als auch geerdet wirkt. Die Universität Shiz erinnert an Oxford oder Cambridge, aber mit fantastischen Elementen. Die Emerald City hingegen ist Art Déco-Prunk in grün – beeindruckend und einschüchternd zugleich.
Besonders clever ist der Einsatz von Farben als Erzählelement. Elphabas Grün steht nicht nur für ihre Andersartigkeit, sondern wird zunehmend zum Symbol für Natur und Authentizität. Glindas Rosa verwandelt sich von unschuldiger Süße zu privilegierter Naivität.
Die Kameraarbeit während der Musiknummern verdient besonderes Lob. Brooks nutzt Schwenks und Bewegungen, die die Energie der Songs verstärken, ohne aufdringlich zu werden. „Dancing Through Life“ wird zu einem visuellen Rausch, der die Dekadenz des Studentenlebens perfekt einfängt.
Die CGI-Effekte sind größtenteils überzeugend, besonders bei Elphabas Magie und den fliegenden Sequenzen. Nur gelegentlich wirkt die digitale Erweiterung der Sets etwas künstlich, aber das fällt bei der überwältigenden Gesamtwirkung kaum ins Gewicht.
Wie funktioniert die Musik in Wicked?
Stephen Schwartz‘ geniale Musik wird von einem Orchester unter der Leitung von Stephen Oremus zum Leben erweckt, das sowohl Broadway-Tradition als auch Hollywood-Bombast perfekt verbindet. Die Songs sind nicht nur großartig arrangiert, sondern werden auch von den Darstellern mit einer Leidenschaft interpretiert, die jede Nummer zu einem emotionalen Höhepunkt macht.
Als jemand, der das Original-Broadway-Album seit Jahren rauf und runter hört, war ich gespannt auf die Film-Arrangements. Oremus gelingt der Spagat zwischen Treue zum Original und notwendiger cineastischer Erweiterung brillant. Die Orchestrierungen sind üppiger, ohne die Intimität der charaktergetriebenen Balladen zu verlieren.
„Defying Gravity“ ist natürlich der emotionale und musikalische Höhepunkt. Erivos Interpretation unterscheidet sich von Idina Menzels Original-Version, behält aber deren Kraft und fügt neue Nuancen hinzu. Die visuellen Effekte während dieser Nummer sind atemberaubend und machen aus dem Song ein wahres Kino-Ereignis.
Auch die leiseren Momente funktionieren perfekt. „For Good“ zwischen Elphaba und Glinda brachte mich fast zum Weinen – die Art, wie Grande und Erivo diese Abschiedsballade interpretieren, ist herzzerreißend und wunderschön zugleich.
Der Sound-Mix verdient besonderen Lob. Die Balance zwischen Gesang, Orchester und Umgebungsgeräuschen ist perfekt kalibriert. Selbst in den lautesten Ensemble-Nummern bleibt jede Stimme klar hörbar, ohne dass die orchestrale Wucht verloren geht.
Was sind die größten Stärken von Wicked?
Wicked brilliert durch seine emotionale Authentizität und die perfekte Balance zwischen Broadway-Theatralik und cineastischer Intimität. Die Freundschaft zwischen Elphaba und Glinda wird so glaubwürdig dargestellt, dass man ihre Trennung körperlich spürt. Dazu kommt eine Production Value, die jeden Dollar auf der Leinwand sichtbar macht.
Die größte Stärke des Films liegt in seiner emotionalen Ehrlichkeit. Trotz der fantastischen Elemente fühlt sich die Beziehung zwischen den Hauptfiguren völlig real an. Ich habe selten eine Freundschaft im Kino gesehen, die so vielschichtig und authentisch dargestellt wurde.
Jon M. Chus Regie verdient höchste Anerkennung. Er versteht Musical-Storytelling und lässt jede Nummer atmen, ohne den erzählerischen Fluss zu unterbrechen. Die Übergänge zwischen Dialog und Gesang sind nahtlos und natürlich.
Die technische Umsetzung ist beeindruckend. Von den detailreichen Kostümen über die aufwendigen Sets bis hin zu den überzeugenden Spezialeffekten – jeder Aspekt wurde mit Liebe zum Detail ausgearbeitet. Das Ergebnis ist eine Welt, in die man vollständig eintauchen kann.
Auch thematisch überzeugt Wicked auf ganzer Linie. Die Geschichte über Vorurteile, Freundschaft und moralischen Mut fühlt sich heute relevanter denn je an. Der Film predigt nie, sondern lässt die Charaktere ihre Lektionen durch Erfahrung lernen.
Wo hat Wicked seine Schwächen?
Trotz seiner vielen Qualitäten hat Wicked einige kleinere Schwächen. Die fast dreistündige Laufzeit wird gelegentlich spürbar, besonders im mittleren Akt. Einige CGI-Sequenzen wirken überladen, und die Entscheidung zur Zweiteilung führt zu einem etwas abrupten Ende des ersten Films.
Mein größter Kritikpunkt ist das Pacing in der Mitte des Films. Nach dem energiegeladenen ersten Akt und vor dem emotionalen Finale gibt es eine Phase, in der die Erzählung etwas ins Stocken gerät. Hier hätte straffere Montage geholfen.
Einige der visuellen Effekte, besonders in den Ensemble-Nummern, wirken gelegentlich übertrieben. Chu scheint manchmal zu vergessen, dass weniger mehr sein kann. Die praktischen Sets und Kostüme sind so beeindruckend, dass die digitalen Erweiterungen manchmal störend wirken.
Die Aufteilung in zwei Filme bringt strukturelle Probleme mit sich. Das Ende fühlt sich eher wie eine Pause als wie ein Abschluss an. Zuschauer ohne Vorwissen könnten sich unbefriedigt fühlen, da wichtige Handlungsstränge ungelöst bleiben.
Gelegentlich übertreibt es der Film mit der Broadway-Theatralik. Was auf der Bühne funktioniert, wirkt im Kino manchmal etwas künstlich. Besonders einige der Nebenfiguren könnten subtiler angelegt sein.
Für wen ist Wicked geeignet?
Wicked richtet sich primär an Musical-Liebhaber, Familien mit älteren Kindern und alle, die emotionale, fantasievolle Geschichten schätzen. Der Film funktioniert sowohl für Broadway-Veteranen als auch für Neulinge, die das Musical zum ersten Mal erleben. Ariana Grande-Fans werden begeistert sein, wie vielseitig ihre Ikone agieren kann.
Als langjähriger Musical-Fan kann ich sagen: Dieser Film ist ein Geschenk für alle, die Broadway lieben. Chu respektiert die Theatertraditionen, während er gleichzeitig die Möglichkeiten des Kinos voll ausschöpft. Wer schon einmal von „Defying Gravity“ Gänsehaut bekommen hat, wird hier vollends begeistert sein.
Familien sollten beachten, dass der Film trotz seiner märchenhaften Elemente durchaus komplexe Themen behandelt. Kinder unter zehn Jahren könnten Schwierigkeiten mit der Länge und den teilweise düsteren Wendungen haben. Für Teenager ist Wicked jedoch perfekt geeignet.
Fantasy-Fans werden die liebevolle Ausgestaltung der Oz-Welt zu schätzen wissen. Die Verbindungen zum klassischen „Wizard of Oz“ sind clever eingearbeitet, ohne aufdringlich zu wirken. Wer Filme wie „Lord of the Rings“ oder „Harry Potter“ liebt, findet hier ähnliche Weltenbau-Qualitäten.
Selbst Musical-Skeptiker könnten überrascht werden. Die Songs sind so organisch in die Handlung eingebettet, dass sie nie wie störende Unterbrechungen wirken. Wer bereit ist, sich auf die Magie einzulassen, wird belohnt werden.
Wer spielt in Wicked mit?
- Cynthia Erivo als Elphaba (die böse Hexe des Westens)
- Ariana Grande als Glinda (die gute Hexe des Nordens)
- Michelle Yeoh als Madame Morrible
- Jeff Goldblum als Der Zauberer von Oz
- Jonathan Bailey als Fiyero
- Ethan Slater als Boq
- Marissa Bode als Nessarose
- Bowen Yang als Pfannee
- Bronwyn James als ShenShen
- Keala Settle als Miss Coddle
- Peter Dinklage als Stimme von Dr. Dillamond
Fazit: Lohnt sich Wicked?
Nach fast drei Stunden im Kino kann ich mit Überzeugung sagen: Wicked ist die Musical-Verfilmung, die wir verdient haben. Jon M. Chu hat das scheinbar Unmögliche geschafft und Stephen Schwartz‘ Broadway-Meisterwerk respektvoll, aber innovativ für die große Leinwand adaptiert.
Die Chemie zwischen Cynthia Erivo und Ariana Grande trägt den gesamten Film und macht aus einer fantastischen Geschichte ein zutiefst menschliches Drama über Freundschaft, Vorurteile und moralischen Mut. Dass Grande ihre Pop-Persona so überzeugend hinter sich lassen kann, während Erivo ihre Broadway-Erfahrung perfekt ins Kino übersetzt, ist bemerkenswert.
Wicked funktioniert auf allen Ebenen: als visuelles Spektakel, als emotionale Reise und als musikalisches Erlebnis. Wer bereit ist, sich auf die Magie einzulassen, wird mit einem der besten Musical-Filme der letzten Jahre belohnt. Ein triumphaler Erfolg, der Lust auf den zweiten Teil macht. 9.1/10 Punkte.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von Tribun — eine Person, ein begründetes Urteil.
Jon M. Chu verwandelt Broadway-Magie in cineastisches Gold – Wicked ist die Musical-Verfilmung, auf die wir alle gewartet haben.— aus der Wertung von Tribun
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Wicked
Wie lange dauert Wicked?
Wicked hat eine Laufzeit von rund 114 Minuten (1 Stunde und 54 Minuten).
Lohnt sich Wicked?
Unsere Redaktion vergibt Wicked einen Watcher-Score von 9,1 von 10. Wicked übertrifft alle Erwartungen und beweist, dass Musical-Verfilmungen funktionieren können, wenn sie mit Respekt, Leidenschaft und technischer Brillanz umgesetzt werden. Cynthia Erivo und Ariana Grande liefern Karriere-definierende Leistungen ab, während Jon M. Chu eine visuell atemberaubende Welt erschafft. Die emotionale Tiefe der Freundschaftsgeschichte zwischen Elphaba und Glinda ist herzzerreißend und inspirierend zugleich. Trotz kleinerer Pacing-Probleme ist dies ein Musical-Erlebnis der Extraklasse.
Für wen ist Wicked geeignet?
Wicked ist vor allem etwas für Fantasy und Liebesfilm-Fans und alle, die herausragende Filme suchen.
Besetzung
FAQ zu Wicked
Ist Wicked für Kinder geeignet?
Muss man das Broadway-Musical kennen, um den Film zu verstehen?
Warum wurde Wicked in zwei Filme aufgeteilt?
Wie unterscheidet sich der Film vom Broadway-Musical?
Singt Ariana Grande wirklich live in Wicked?
Ist Wicked eine Fortsetzung zu "Der Zauberer von Oz"?
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