Bad Apples trägt seine unmögliche Prämisse, weil Saoirse Ronan die Lehrerin Maria nicht in großen Ausbrüchen spielt, sondern in kleinen Verschiebungen. Unsere WatchGuide-Wertung liegt bei 7,0 von 10. Die schwarze Komödie von Jonatan Etzler läuft seit dem 10. September 2026 in den deutschen Kinos, freigegeben ab 16 Jahren. Lohnend ist sie für alle, die Ronan in einer Rolle ohne bequemen Ausgang sehen wollen und Humor vertragen, der eher unbehaglich als lustig ist.
Abzug gibt es an einer bestimmten Stelle: Das Drehbuch stellt die richtigen Fragen und weicht in den entscheidenden Momenten einen Schritt zurück.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es geht
Maria unterrichtet eine fünfte Klasse in Südengland und kommt mit einem Schüler nicht zurecht, dem zehnjährigen Danny. Nach einer Kette schlechter Entscheidungen landet der Junge in ihrem Keller, und sie findet keinen Weg zurück. Ohne ihn blüht die Klasse auf, Kollegium und Eltern loben die Veränderung, und Maria steckt tiefer drin als vorher. Die Vorlage ist der schwedische Roman „De oönskade“ von Rasmus Andersson aus dem Jahr 2020, das Drehbuch stammt von Jess O’Kane.
Die Szene nach der Tat
Für mich entscheidet sich so ein Film nicht im Moment der Tat, sondern in den Minuten danach. Verhält sich die Figur wie ein Mensch oder wie eine Drehbuchfunktion? Hier wie ein Mensch, und das ist fast ganz Ronans Verdienst. Sie spielt keine Panik und keine Kälte, sondern eine Frau, die sich die nächste Entscheidung schon zurechtlegt, während sie die letzte noch nicht verdaut hat. Ilija Glavas schreibt bei Kinomeister, ihre Stärke liege weniger in großen Ausbrüchen als in der schleichenden Veränderung der Figur. Genau so.
Den Vergleich mit Fletcher aus Whiplash, den ich vor dem Start gezogen hatte, nehme ich halb zurück. Fletcher weiß immer, was er tut. Maria weiß es nie ganz, und das macht sie unheimlicher.
Das Drehbuch hat tragende Wände, aber keinen Dachstuhl
Handwerklich ist die Eskalation sauber gebaut. Jede Grenzüberschreitung rechtfertigt die nächste, und die Verantwortung verteilt sich nach und nach auf so viele Schultern, dass am Ende niemand mehr allein schuld sein muss. Das Lob von außen, vor dem ich als Ausrede fürs Drehbuch gewarnt hatte, ist tatsächlich der Motor des Films: Die Schule belohnt, was Maria tut, und genau darin liegt die Satire aufs Bildungssystem.
Nur zieht Etzler die eigene Frage nicht bis zum Ende durch. An den Stellen, an denen es wirklich wehtun müsste, nimmt der Film Tempo raus und rettet sich in den nächsten schwarzen Witz. Die Zusammenfassung bei Rotten Tomatoes sagt, erst Ronans Spiel poliere die herbe Komödie zu etwas Menschlichem. Ein anderer Kritiker nennt sie eher kohlegrau als pechschwarz. Das trifft es. Wie es für Danny und Maria ausgeht, verrate ich nicht.
Vom Kurzfilm zum Langfilm
Etzler hat dieses Motiv schon einmal erzählt, 2019 im schwedischen Kurzfilm „Get Ready with Me“ auf rund 30 Minuten: eine Schülerin, ein überforderter Lehrer, dieselbe Umkehr der Angst. Bad Apples ist sein zweiter langer Film nach „One More Time“ (2023) und sein erster auf Englisch. Die Frage, ob das Motiv auf gut hundert Minuten trägt, beantwortet der Film mit Ja, solange Ronan im Bild ist.
Wie die Kritik den Film sieht
Mit meiner Note liege ich im Mittelfeld der großen Kritik. Bei Rotten Tomatoes sind 84 Prozent von 62 Kritiken positiv, Metacritic steht bei 63 aus 16 Besprechungen. Gaby Sikorski vergibt bei Filmstarts 4 von 5 Sternen und nennt den Film nie vorhersehbar, Kinomeister landet bei 7 von 10. Die deutsche Kritik ist also etwas wärmer als die amerikanische, und ich verstehe beide Seiten.
Für wen sich der Kinobesuch lohnt
Für Ronan-Fans ohnehin, und für alle, die schwarze Komödien mögen, in denen einem das Lachen quer sitzt. Parasite zeigt, wie so ein Tonwechsel über einen Keller funktioniert, wenn ein Film ihn ganz durchzieht; Bad Apples geht nur den halben Weg. Wer eine Schulkomödie im Ton von Fack ju Göhte erwartet, sitzt im falschen Film. Wer dagegen sehen will, wie jemand in kleinen Schritten dort landet, wo er nie hinwollte, ist hier richtig.
Wer zu sehen ist
- Saoirse Ronan als Maria Spencer, die Grundschullehrerin
- Eddie Waller als Danny, der Schüler im Keller
- Jacob Anderson als Sam
- Rakie Ayola als Sylvia
- Sean Gilder als Frank, Robert Emms als Josh, Kerry Howard als PC Williams
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Saoirse Ronan spielt die schleichende Veränderung statt großer Ausbrüche
- Sauber gebaute Eskalation, jede Grenzüberschreitung rechtfertigt die nächste
- Das Lob von Schule und Eltern wird zur bitteren Satire
Dagegen
- In den entscheidenden Momenten weicht das Drehbuch zurück
- Schwarz wird der Humor nie ganz, eher grau
- Die Satire aufs Bildungssystem bleibt eher Skizze als Anklage
Ronan spielt keine Panik und keine Kälte, sondern eine Frau, die sich die nächste Entscheidung schon zurechtlegt.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Bad Apples?
Verfügbarkeit DEStand 12.10.2026: Bad Apples ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 13,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Amazon).
Stand 12.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- MariaSaoirse Ronan
- SamJacob Anderson
- FrankSean Gilder
- JoshRobert Emms
- SylviaRakie Ayola


Diskutiere mit