Poster zum Film High Life: Pattinson, ein Schwarzes Loch und ein Raumschiff aus Köln (2018)

High Life: Pattinson, ein Schwarzes Loch und ein Raumschiff aus Köln (2018)

🎬 Film 113 Min. Science FictionDrama FSK 16
⚡ Kurz gesagt

High Life (2018) ist der Weltraumfilm, bei dem Kritiker und Publikum am weitesten auseinanderliegen, und ich lande ziemlich genau dazwischen: 7,0. Claire Denis schickt Robert ... Weiterlesen ... Watcher-Score 7,0/10.

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Die Kritik

von CineTom

High Life (2018) ist der Weltraumfilm, bei dem Kritiker und Publikum am weitesten auseinanderliegen, und ich lande ziemlich genau dazwischen: 7,0. Claire Denis schickt Robert Pattinson mit acht Todeskandidaten auf ein Schwarzes Loch zu, nimmt die Physik dahinter ernster als die meisten Blockbuster und interessiert sich trotzdem kein bisschen für das, was wir von Science-Fiction erwarten. Gebaut ist das grandios. Reingelassen wirst du nie.

Und was hier fast niemand auf dem Schirm hat: Das Ding ist zur Hälfte ein deutscher Film. Gedreht in Köln, Raumschiff von einem Künstler entworfen, 2,49 Millionen Euro Fördergeld aus Deutschland.

83 Prozent gegen 42 Prozent

Bei Rotten Tomatoes steht High Life am 19.09.2026 auf 83 Prozent aus 235 Kritiken, das Publikum gibt im selben Moment 42 Prozent. Metacritic zeigt 78 aus 42 Kritiken bei einem User Score von 6,1. Über 40 Punkte Abstand. So weit klafft das selten.

Diese Lücke ist kein Betriebsunfall, die ist die ehrlichste Information über den Film. Wer mit Erwartung an Science-Fiction reingeht, kommt enttäuscht raus. Wer mit Erwartung an Claire Denis reingeht, kommt begeistert raus. TMDB sammelt gerade 5,7 bei 1.262 Stimmen ein, das ist die Publikumsseite, und die hat ihre Gründe.

Ich sortiere mich als jemand ein, der wissen will, ob eine erfundene Welt ihre eigenen Regeln einhält. High Life hält sie ein. Er spielt sie nur nicht aus.

Ein Raumschiff, entworfen von Olafur Eliasson

Das Schiff im Film ist ein Kasten. Sieben mal sieben Meter Blech, keine Kurven, keine Leuchtdioden, kein Cockpit mit Aussicht. Entworfen hat es der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson, und genau so sieht es aus: wie eine Installation, nicht wie ein Fahrzeug.

Das ist die beste Entscheidung des Films. Ein Raumschiff, das nach nichts aussieht, wird zum Gefängnis, und um ein Gefängnis geht es. Die Besatzung besteht aus Verurteilten, die ihre Strafe gegen eine Mission ohne Rückweg getauscht haben. Kein Mensch baut denen ein schönes Schiff.

Der Vergleich, der sich aufdrängt, ist Alien 3, auch dort eine Strafkolonie ohne Ausweg. Fincher hatte 50 Millionen Dollar dafür. Denis hatte rund 8 Millionen Euro und weltweit keine drei Millionen Dollar wieder eingespielt. Man sieht das Geld nicht, und zum ersten Mal seit langem stört mich das kein bisschen.

Die Physik stimmt. Das macht es schlimmer.

Denis hat sich den Astrophysiker Aurélien Barrau als Berater geholt, einen Fachmann für Schwarze Löcher. Die Mission im Film ist der Penrose-Prozess, eine real diskutierte Methode, einem rotierenden Schwarzen Loch Energie abzuzapfen. Das ist keine Drehbucherfindung, das steht in Lehrbüchern.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem ich mit dem Film hadere: Er tut nichts damit. Die Mission wird erklärt und dann fallen gelassen. ESA-Astronautentrainerin Laura André-Boyet hat das im Gespräch mit Science & Film freundlicher formuliert: Denis habe die wissenschaftliche Expertise genutzt, um herauszuziehen, was sie inspirierte, nicht um sie genau abzubilden.

Freundlich gesagt, aber es trifft. Als im April 2019 das erste echte Foto eines Schwarzen Lochs um die Welt ging, startete High Life in Deutschland sieben Wochen später. Ein Film über ein Schwarzes Loch, im richtigen Moment, mit dem richtigen Berater. Und das Loch selbst bleibt eine Randnotiz.

Wer Zeitdilatation und Vater-Tochter-Bindung im selben Film will und dabei nicht auf Distanz gehalten werden möchte, ist bei Interstellar besser aufgehoben. Nolan hatte mit 165 Millionen Dollar allerdings auch das Zwanzigfache zur Verfügung.

Köln.

Gedreht wurde vom 21. August bis 17. November 2017, und zwar in Köln, Berlin und Białystok. Nicht in Los Angeles, nicht in Pinewood. Das Schiff stand in den NRW-Studios im Kölner Mediapark.

Die Film- und Medienstiftung NRW gab 1,25 Millionen Euro dazu, der Deutsche Filmförderfonds 675.000, die Deutsch-Französische Förderkommission 319.000, das Medienboard Berlin-Brandenburg 250.000. Pandora Film aus Köln ist Koproduzent und hat den Film hier auch in die Kinos gebracht. Lars Eidinger spielt Chandra.

Der WatchGuide-Kinokreis führt High Life deshalb als deutsche Koproduktion und nicht als französisches Arthouse-Importstück. Wer deutsche Genrefilme sucht und dabei immer nur bei Komödien landet: Das hier ist einer, gefördert mit knapp 2,5 Millionen Euro Steuergeld, und kaum jemand weiß davon.

Pattinson trägt das fast allein

Robert Pattinson spielt Monte mit einer Sparsamkeit, die drei Jahre später in The Batman seine Handschrift werden sollte. Er redet wenig, er erklärt nichts, er zieht eine Windel an und repariert ein Leck. Das trägt die 113 Minuten.

Juliette Binoche als Ärztin Dibs bekommt die lautere Rolle und eine Szene, über die 2019 alle gesprochen haben. Sie funktioniert, wirkt aber wie aus einem zweiten, wilderen Film importiert.

  • Robert Pattinson als Monte. Der stille Mittelpunkt, deutsche Stimme: Johannes Raspe.
  • Juliette Binoche gibt Dr. Dibs, die Reproduktionsmedizinerin mit eigener Agenda. Christin Marquitan spricht sie im Deutschen.
  • Mia Goth spielt Boyse. Vier Jahre vor Pearl, und man sieht schon, wohin das führt.
  • André 3000 als Tcherny, der Gärtner. Ja, der von OutKast.
  • Lars Eidinger ist Chandra.
  • Agata Buzek, Claire Tran, Ewan Mitchell und Gloria Obianyo füllen den Rest der Crew.

Kamera führten Yorick Le Saux und Tomasz Naumiuk, die Musik kommt von Stuart A. Staples, dem Sänger der Tindersticks, der Denis seit Jahrzehnten begleitet. Dafür gab es in Gent 2018 den Preis für die beste Musik. In San Sebastián lief der Film als Eröffnung und holte den FIPRESCI-Preis, die Weltpremiere war am 9. September 2018 in Toronto.

Wann du abschalten wirst

Ehrlich: irgendwo in der zweiten halben Stunde. Der Film erzählt in Rückblenden, die sich nicht sofort sortieren, und er hat kein Interesse daran, dir zu helfen. Wenn du an dem Punkt durchhältst, kippt er. Wenn nicht, bist du raus, und das ist keine Schande.

Die FSK hat ihn am 8. Januar 2019 ab 16 freigegeben, Prüfnummer 185849, ausdrücklich feiertagsfrei. Passend dazu startete er in Deutschland am 30. Mai 2019, an Christi Himmelfahrt. Ein Film über Isolation und Zeugung, am Vatertag im Kino. Das hat jemand gewusst.

Zur Offenlegung: High Life liegt bei unserem Filmquiz als Gewinn, gestellt von Pandora Film. Für diese Kritik hat niemand bezahlt, und der Verleih hat den Text vorher nicht gesehen.

⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung
Story6,0
Schauspiel8,5
Effekte7,0
Ton8,0

Dafür

  • Pattinson in Bestform
  • Raumschiff-Design von Olafur Eliasson
  • Musik von Stuart A. Staples
  • echte Physik statt Technobabble

Dagegen

  • lässt den Zuschauer bewusst draußen
  • Penrose-Prozess wird eingeführt und vergessen
  • Rückblenden sortieren sich spät
Ein Raumschiff, das aussieht wie eine Kiste, und das ist die beste Entscheidung des ganzen Films.— aus der Wertung von CineTom
Ich hab zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten bin ich nach 40 Minuten raus, weil ich dachte, da kommt noch was, und es kam nichts. Beim zweiten wusste ich, dass nichts kommt, und auf einmal war es ein ganz anderer Film. Die Physik ist echt, Barrau hat da sauber gearbeitet, aber Denis interessiert das nur als Stimmung. Für mich als jemanden, der Welten und Regeln liebt, ist das die Enttäuschung: Sie baut eine wunderbare Welt und macht dann absichtlich nichts damit. 7,0, und die 7 steht da für Pattinson, für Eliassons Kiste und dafür, dass hier jemand einen deutschen Genrefilm gemacht hat, ohne sich zu entschuldigen.
📺

Wer streamt High Life?

Verfügbarkeit DE

Stand 19.09.2026: High Life ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten.

Verfügbarkeit Deutschland · Stand 19.09.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.

Schnelle Antworten

Antworten Schnelle Antworten zu High Life

Wo kann ich High Life streamen?

High Life gibt es zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, MagentaTV, maxdome, Videoload und freenet Video. Stand September 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

Ab welchem Alter ist High Life freigegeben?

High Life ist in Deutschland ab FSK 16 freigegeben. Für jüngere Zuschauer ist den Film damit nicht freigegeben.

Wie lange dauert High Life?

High Life hat eine Laufzeit von rund 113 Minuten (1 Stunde und 53 Minuten).

Lohnt sich High Life?

Unsere Redaktion vergibt High Life einen Watcher-Score von 7,0 von 10. Sehenswert, aber mit Abstrichen, besonders für Science Fiction-Fans.

Für wen ist High Life geeignet?

High Life ist vor allem etwas für Science Fiction und Drama-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen. Wegen der Freigabe ab FSK 16 ist den Film nichts für jüngere Zuschauer.

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Trailer

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Besetzung

Robert PattinsonMonte
Juliette BinocheDibs
Mia GothBoyse
André 3000Tcherny
Agata BuzekNansen

FAQ zu High Life: Pattinson, ein Schwarzes Loch und ein Raumschiff aus Köln

Ist High Life ein Horrorfilm?
Nein, auch wenn die Vergleiche mit Weltraum-Horror dauernd kommen. TMDB führt ihn als Science Fiction, Drama und Mystery. Es gibt zwei, drei harte Szenen in 113 Minuten, aber der Film will dir keine Angst machen, er will dich mürbe machen.
Muss ich Physik verstehen, um mitzukommen?
Nein. Der Penrose-Prozess wird einmal erklärt und danach kaum noch gebraucht. Berater Aurélien Barrau hat dafür gesorgt, dass nichts offensichtlich falsch ist. Verstehen musst du davon für die Handlung genau nichts.
Wo kann ich High Life streamen?
Im Abo bei Mosaik über Amazon Channels, kostenlos bei filmfriend mit Büchereiausweis. Zum Leihen ab etwa drei Euro bei Apple TV, Amazon, Google Play, YouTube, MagentaTV, maxdome, Sky Store und Rakuten.
Ist das wirklich ein deutscher Film?
Zur Hälfte ja. Produktionsländer sind Frankreich, Deutschland, Polen, Großbritannien und die USA. Gedreht wurde ab August 2017 in Köln, Koproduzent ist Pandora Film, und knapp 2,5 Millionen Euro kamen aus deutschen Förderungen.
Warum ist die Publikumsbewertung so schlecht?
Weil der Trailer einen Science-Fiction-Film verspricht und der Film ein Kammerspiel liefert. 42 Prozent Publikum gegen 83 Prozent Kritik bei Rotten Tomatoes ist eine der größten Lücken, die mir je untergekommen ist. Beide Seiten haben recht, sie reden über verschiedene Filme.
Lohnt sich High Life für Sci-Fi-Fans?
Nur bedingt. Wer Worldbuilding und Technik will, geht leer aus. Wer 2001 mag, weil dort mehr geschwiegen als geredet wird, findet hier etwas. Unsere WatchGuide-Empfehlung für den Einstieg in Claire Denis ist er trotzdem nicht.
Was soll ich schauen, wenn mir High Life zu sperrig war?
Bleib bei Pattinson im Weltall und nimm Mickey 17, Bong Joon-hos Variante derselben Grundidee mit deutlich mehr Humor und einem klaren Plot. Oder geh in unsere Liste Filme wie Interstellar, dort stehen zwölf Empfehlungen, die dich sehr viel weniger auf Abstand halten als Claire Denis das tut.
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