Der Seriencheck
von CineTomSailor Moon (1992) ist die Serie, an der man sehen kann, wie ein Studio 200 Folgen am Stück finanziert. 8,7 von mir.
Toei Animation hat zwischen dem 7. März 1992 und dem 8. Februar 1997 fünf Staffeln durchgezogen, wöchentlich, rund 24 Minuten pro Folge. Die Zeichnung schwankt dabei von Woche zu Woche sichtbar. Die zwei Minuten aber, in die das Geld geflossen ist, halten nach über dreißig Jahren immer noch.
Zwei Minuten Animation, ein paar hundert Mal abgespielt
Die Verwandlungs- und Angriffssequenzen sind einmal aufwendig animiert und danach als fertige Bausteine wiederverwendet worden. Bei 200 Folgen in fünf Jahren ist das die Rechnung, die eine Wochenproduktion überhaupt möglich macht. In diesen Sekunden sieht man genau, wo das Budget von Toei Animation gelandet ist.
Ich mag diese Ehrlichkeit. Bei einer Wochenproduktion entscheidet sich früh, welche Bilder sauber gebaut werden und welche einfach durchlaufen. Toei hat sich für die Verwandlungen entschieden, und das war richtig. Der Rest der Folge darf wackeln, Gesichter dürfen danebenliegen, aber sobald Bunny die Brosche hebt, sitzt jedes einzelne Bild.
Der Preis steht direkt daneben. Wer alle fünf Staffeln sieht, sieht dieselben Sekunden mehrere hundert Mal. In der ersten Staffel ist das ein Rhythmus, ab der vierten eine Pflichtübung.
Ab Folge 60 sieht die Serie anders aus
Jun’ichi Satō führte bis Folge 59 Regie, danach übernahm Kunihiko Ikuhara bis zum Ende der vierten Staffel, für die fünfte kam Takuya Igarashi. Der Wechsel steht im Bild: längere Einstellungen, streng symmetrische Aufteilungen, Treppen und Vorhänge als wiederkehrende Motive.
Ikuhara hat später Revolutionary Girl Utena inszeniert, und dessen Bildsprache beginnt hier. Die dritte Staffel, in Japan als S gelaufen, ist deshalb der Teil, den ich Erwachsenen zuerst zeige. 38 Folgen, in denen eine Nachmittagsserie ihre eigenen Bilder ernster nimmt als ihre Monster. Die Produktionsdaten verraten davon nichts, der Bildschirm sofort.
Jede Staffel löst ihr Finale mit einer Kraft, die es vorher nicht gab
Am Ende jeder der fünf Staffeln taucht ein neuer Kristall, ein neues Schmuckstück oder eine neue Verwandlung auf, die den Endgegner erledigt. Der Aufbau läuft jeweils über dreißig bis vierzig Folgen, die Auflösung über zwei. Das ist die strukturelle Schwäche der Serie, und sie wiederholt sich fünfmal.
Bei mir ist das normalerweise ein Ausschlusskriterium. Eine Welt, die ihre eigenen Regeln für die Bequemlichkeit des Plots aufweicht, verliert mich meistens in der Mitte. Sailor Moon kommt damit durch, weil die Serie nie behauptet hat, ein Regelwerk zu besitzen. Die Kräfte stammen aus einer untergegangenen Mondmonarchie und wachsen mit der Erinnerung daran. Das ist keine Physik, das ist ein Märchen, und ein Märchen darf so etwas.
Was mich trotzdem stört, sind die Monster-der-Woche-Folgen. In den 46 Folgen der ersten Staffel steht ein gutes Drittel inhaltlich still, überspringen lässt es sich schlecht: Die Serie baut ihre fünf Hauptfiguren genau dort auf und sonst nirgends.
Deutschland hatte das Finale 1998, der englische Dub erst 2015
Das ZDF startete am 13. Oktober 1995 mit den ersten 46 Folgen, RTL II übernahm ab Folge 47 und zeigte die vierte und fünfte Staffel vom 22. September bis zum 15. Dezember 1998. Die 34 Folgen von Sailor Stars gab es englisch synchronisiert erst ab Dezember 2015.
Das ist der Punkt, an dem der deutsche Markt einmal wirklich vorne lag. Der englische Dub der frühen 2000er hörte nach der vierten Staffel auf; wer dort das Ende sehen wollte, wartete siebzehn Jahre auf die Neusynchronisation von Viz Media, deren erste Sailor-Stars-Folge im Dezember 2015 bei Hulu lief.
Umsonst war das nicht. Die deutsche Fassung hat Namen eingedeutscht, aus Usagi Tsukino wurde Bunny, und die Beziehung zwischen Haruka und Michiru wurde zur platonischen Freundschaft umgeschrieben. Die WatchGuide-Empfehlung für einen ersten Durchlauf im Jahr 2026 ist deshalb die japanische Originalfassung mit Untertiteln, nicht die Fernsehfassung aus der eigenen Kindheit.
Sag das Zauberwort
Viele internationale Fassungen haben die Melodie von Moonlight Densetsu behalten. Die deutsche nicht. „Sag das Zauberwort“ ist eine eigene Komposition, ebenso die beiden folgenden Titel „Kämpfe Sailor Moon“ und „Macht des Mondes“. Drei eigene deutsche Openings für eine japanische Serie waren 1995 ungewöhnlich.
Wer beide Openings kennt, hat streng genommen zwei verschiedene Serien gesehen. Ich halte Moonlight Densetsu für das bessere Stück Musik und „Sag das Zauberwort“ für das ehrlichere Versprechen an ein Nachmittagspublikum.
Für wen sich 200 Folgen aus den Neunzigern heute noch lohnen
Wer Anime über Demon Slayer oder Jujutsu Kaisen kennt, trifft hier auf deutlich weniger Bewegung pro Sekunde und auf Standbilder mit Sprechtext. Wer wissen will, woher das Magical-Girl-Genre in seiner heutigen Form kommt, kommt an diesen 200 Folgen nicht vorbei. Der WatchGuide-Kinokreis setzt Sailor Moon auf 8,7.
Als Fernseh-Anime derselben Ära steht die Serie neben Dragonball Z, das in Deutschland denselben Weg über RTL II genommen hat, und neben Captain Future, das die ZDF-Nachmittage lange vor ihr bespielt hat. Was drei Jahre später im selben Format möglich war, zeigt Neon Genesis Evangelion, den nächsten Schritt in Bildsprache und Tempo Cowboy Bebop. Unser Anime-Hub sammelt alles zusammen, die Serien liegen unter Anime-Serien, die Langfilme unter Anime-Filmen.
Die Stimmen, die man danach überall wiedererkennt
- Kotono Mitsuishi als Usagi Tsukino, in Deutschland Bunny. Dieselbe Stimme gehört Misato Katsuragi in Neon Genesis Evangelion, drei Jahre später.
- Tōru Furuya spricht Mamoru Chiba alias Tuxedo Mask. Davor war er Amuro Ray in Mobile Suit Gundam und Yamcha in Dragon Ball.
- Kae Araki sprang von Folge 44 bis 50 ein, als Mitsuishi im Krankenhaus lag. Danach bekam sie Chibiusa und blieb bis zum Schluss.
- Aya Hisakawa als Ami Mizuno, die ruhigste Rolle im Ensemble und die am schwersten zu spielende.
- Rei Hino, Sailor Mars: Michie Tomizawa.
- Makoto Kino gibt Emi Shinohara, Minako Aino Rica Fukami.
- Die sprechenden Katzen Luna und Artemis sind Keiko Han und Yasuhiro Takato. Zwei Erklärmaschinen, und beide funktionieren.
- Auf Deutsch: Sabine Bohlmann in Staffel 1, ab Staffel 2 dann Inez Günther.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Die Verwandlungssequenzen sind einmal richtig animiert und tragen damit die ganze Serie
- Ab Folge 60 bringt Kunihiko Ikuhara eine eigene Bildsprache in die Staffeln S und SuperS
- Kotono Mitsuishi wechselt bei Usagi ohne Bruch zwischen Heulsuse und Ernstfall
- Deutschland bekam alle fünf Staffeln, der englische Dub brauchte bis 2015
Dagegen
- Jede der fünf Staffeln löst ihr Finale mit einer Kraft, die es vorher nicht gab
- Ein gutes Drittel der ersten 46 Folgen ist Monster der Woche ohne Fortschritt
- Die Zeichnung schwankt von Folge zu Folge sichtbar
- Die deutsche Fassung schreibt Haruka und Michiru zu Freundinnen um
Die zwei Minuten, in die Toei das Geld gesteckt hat, halten nach dreißig Jahren besser als die 198 Folgen drumherum.— aus der Wertung von CineTom
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Staffel 1· 46 Folgen · ab März 1992▾
S2Sailor Moon R· 43 Folgen · ab März 1993▾
S3Sailor Moon S· 38 Folgen · ab März 1994▾
S4Sailor Moon SuperS· 39 Folgen · ab März 1995▾
S5Sailor Moon Sailor Stars· 34 Folgen · ab März 1996▾
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Sailor Moon
Ab welchem Alter ist Sailor Moon freigegeben?
Sailor Moon ist in Deutschland ab FSK 12 freigegeben.
Wie viele Staffeln hat Sailor Moon?
Sailor Moon umfasst 5 Staffeln mit insgesamt 200 Episoden. Produktionsstatus: Ended.
Lohnt sich Sailor Moon?
Unsere Redaktion vergibt Sailor Moon einen Watcher-Score von 8,7 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Action & Adventure-Fans.
Für wen ist Sailor Moon geeignet?
Sailor Moon ist vor allem etwas für Action & Adventure und Animation-Fans und alle, die herausragende Serien suchen.
Besetzung
FAQ zu Sailor Moon: Deutschland hatte das Finale 17 Jahre vor dem US-Dub
Wie viele Folgen hat Sailor Moon?
Wo kann ich Sailor Moon streamen?
Lohnt sich Sailor Moon Crystal statt der Originalserie?
In welcher Reihenfolge sieht man die fünf Staffeln?
Warum fehlte die fünfte Staffel im englischen Dub so lange?
Ist die deutsche Fassung geschnitten?
Der Saal
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