Poster zum Film Das Bourne Vermächtnis: Der Bourne-Film ohne Bourne

Das Bourne Vermächtnis: Der Bourne-Film ohne Bourne (2012)

Film · Action, Thriller · 2012 · 129 Min.

Von , aktualisiert am 7. März 20267 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Das Bourne Vermächtnis von Tony Gilroy kam 2012 ins Kino und stellte die Frage: Kann ein Bourne-Film ohne Jason Bourne funktionieren?

Die Antwort ist: So halb. Jeremy Renner als Aaron Cross, Rachel Weisz als Wissenschaftlerin auf der Flucht, Edward Norton als der Mann der alles kontrollieren will. 130 Millionen Dollar Budget, 277 Millionen Einspielergebnis, und trotzdem das Gefühl, dass hier etwas fehlt. 6.5 von mir. Nicht schlecht, aber halt kein Damon-Bourne.

Kurz gesagt

Empfehlung für Action-Fans und Bourne-Liebhaber – mit der Warnung, dass die versprochene Fortsetzung nie kam.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
1

Jeremy Renner ist nicht das Problem.

Leute, ich sage das direkt: Jeremy Renner kann Action. Der Mann hat bei Avengers bewiesen, dass er Hawkeye sein kann, er hat bei Hurt Locker bewiesen, dass er ernste Rollen kann, und hier beweist er, dass er einen Bourne-Film tragen kann. Physisch. Darstellerisch. Das Setup ist sogar interessant – Aaron Cross ist kein Amnesie-Agent wie Bourne, sondern ein chemisch aufgerüsteter Operative, der seine blauen und grünen Pillen braucht, um auf dem Level zu bleiben, das das Programm von ihm verlangt. Das hat Potenzial.

Das Problem ist nicht Renner. Das Problem ist, dass der Film keine Ahnung hat, was er mit Renner machen soll. Die erste Stunde ist Cross in den Bergen von Alaska, wo er Drohnen ausweicht und Wölfe bekämpft. Das ist cool. Dann stirbt sein Kumpel Outcome #3 – gespielt von Oscar Isaac, und ja, DER Oscar Isaac, bevor er in Inside Llewyn Davis und Star Wars zum Superstar wurde. Ab da wird der Film zu einer komplizierten Spionage-Verschwörung, die parallel zu den Ereignissen von Die Bourne Verschwörung und Das Bourne Ultimatum abläuft, und irgendwann verliert man den Überblick.

2

Tony Gilroy hat die Drehbücher geschrieben. Jetzt macht er Regie. Das sind zwei verschiedene Jobs.

Real talk: Tony Gilroy hat alle drei Damon-Bourne-Drehbücher geschrieben. Der Mann KENNT dieses Universum besser als jeder andere. Aber Drehbuch schreiben und Regie führen sind zwei komplett verschiedene Skills. Gilroy kann Dialoge. Er kann Verschwörungen konstruieren. Was er nicht kann, oder hier zumindest nicht zeigt, ist Tempo. Die Bourne Identität unter Doug Liman hatte Tempo. Paul Greengrass hat in den Sequels ein kinetisches Chaos inszeniert, das einen nicht loslässt. Gilroy macht… Besprechungsszenen. Viele Besprechungsszenen.

Edward Norton sitzt in einem Kontrollraum und gibt Befehle. Joan Allen steht in einem anderen Raum und macht sich Sorgen. David Strathairn steht in einem dritten Raum und guckt besorgt. Das sind drei talentierte Schauspieler, die in Räumen stehen und reden. Für 130 Millionen Dollar Budget. Rotten Tomatoes gibt dem Film 56% bei den Kritikern. Das ist für einen Bourne-Film ein Absturz – die drei Vorgänger liegen bei 79, 81 und 93 Prozent.

3

Die Manila-Sequenz rettet den dritten Akt.

Okay, ich muss fair sein. Die letzten dreißig Minuten sind gut. Cross und Dr. Shearing fliehen nach Manila, und plötzlich hat der Film die Energie, die ihm zwei Stunden lang gefehlt hat. Eine Motorrad-Verfolgungsjagd durch die Straßen der philippinischen Hauptstadt, die dreckig und physisch und real aussieht. Renner auf einem Motorrad durch enge Gassen, mit einem LARX-Agenten, dem nächsten Level der Supersoldaten, auf den Fersen. Das ist der Moment, in dem der Film weiß, was er sein will.

Nur kommt dieser Moment nach 100 Minuten, und das ist zu spät. Ein Actionfilm der erst nach hundert Minuten in Fahrt kommt, hat ein Pacing-Problem, egal wie gut die letzte halbe Stunde ist. Stefan würde sagen, das Drehbuch hat „tragende Wände an den falschen Stellen.“ Ich sage: Der Film buffert zu lang.

4

Oscar Isaac stirbt in Minute 20. Das sagt alles.

Hier mal ein Fun Fact, der mich jedes Mal trifft wenn ich den Film sehe: Oscar Isaac spielt Outcome #3, einen anderen Agenten aus dem gleichen Programm wie Cross. Er hat vielleicht zehn Minuten Screentime. Dann stirbt er. 2012 war Oscar Isaac ein Nobody. Ein Jahr später spielte er die Hauptrolle in Inside Llewyn Davis und gewann den Cannes-Grand-Prix. Dann kam Star Wars, dann Dune, dann Moon Knight. Der Mann ist einer der besten Schauspieler seiner Generation, und dieser Film killt ihn nach zehn Minuten.

Und wisst ihr was? Seine zehn Minuten sind trotzdem die menschlichsten im ganzen Film. Cross und Outcome #3 in der Hütte in Alaska, wie sie ihre Pillen vergleichen und über das Programm reden. Das fühlt sich nach echten Menschen an. Der Rest des Films fühlt sich nach einem Organigramm an.

5

Die deutsche Synchro. Und warum Die drei ??? Fans aufhorchen sollten.

Oliver Rohrbeck hat die Dialogregie gemacht. Oliver Rohrbeck. Das ist Justus Jonas von Die drei Fragezeichen. Und Andreas Fröhlich, Bob Andrews, spricht Edward Norton. Justus Jonas dirigiert Bob Andrews im Bourne-Universum. Wenn das kein Crossover ist, weiß ich nicht was eines ist. Gerrit Schmidt-Foß spricht Jeremy Renner solide, und Bettina Weiß gibt Rachel Weisz eine Stimme, die die Panik der Figur gut transportiert. Die Synchro ist sauber. Besser als der Film es verdient hat, wenn ich ehrlich bin.

6

Das Bourne-Ensemble. Minus Bourne.

  • Jeremy Renner als Aaron Cross: macht den Job, hat die Physik, hat die Ausstrahlung. Bekommt nur keinen Film der ihn verdient.
  • Rachel Weisz: Dr. Marta Shearing. Die einzige Figur mit einem echten emotionalen Arc. Weisz spielt Angst so, dass man sie glaubt.
  • Edward Norton als Retired Colonel Eric Byer. Norton in einem Kontrollraum. Für zwei Stunden. Verschwendung eines Weltklasse-Talents.
  • Oscar Isaac als Outcome #3. Zehn Minuten. Dann tot. Seitdem einer der größten Stars des Planeten.
  • Joan Allen als Pamela Landy: aus den vorherigen Filmen zurück, darf aber wenig tun außer besorgt gucken
  • Stacy Keach als Turso. Sitzt auch in einem Raum. Guckt auch besorgt.
  • David Strathairn als Noah Vosen, reprised aus Ultimatum. Ein weiterer Mann in einem Raum.
7

Was stattdessen gucken. Und warum die Damon-Trilogie immer gewinnt.

Wer Die Bourne Identität noch nicht gesehen hat: Das ist der Startpunkt. Doug Limans Film von 2002 hat das Agenten-Genre auf links gedreht – kein Glamour, kein Gadget-Fetisch, nur ein Mann der nicht weiß wer er ist und rennt. Jason Bourne von 2016 brachte Matt Damon zurück und war solide, wenn auch nicht so frisch wie die Originale. Für modernen Action-Vergleich: John Wick hat das gemacht, was Bourne Vermächtnis versucht hat, einen neuen Franchise-Helden etablieren, und es hat funktioniert, weil Keanu Reeves und Chad Stahelski wussten, dass Action vor Exposition kommt.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Dafür

  • Jeremy Renner liefert physisch ab
  • Manila-Verfolgungsjagd im dritten Akt
  • Oscar Isaac in einer frühen Rolle

Dagegen

  • Pacing-Problem: Erst nach 100 Minuten in Fahrt
  • Zu viele Besprechungsraum-Szenen
  • Edward Nortons Talent wird verschwendet
There was never just one.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Ich hab das Bourne Vermächtnis dreimal versucht zu mögen. Renner ist gut. Die Alaska-Sequenz am Anfang ist gut. Die Manila-Verfolgungsjagd am Ende ist richtig gut. Alles dazwischen ist ein Film über Leute die in Räumen stehen und telefonieren. Tony Gilroy hat die Drehbücher für die Trilogie geschrieben und weiß wie das Bourne-Universum funktioniert, aber Regie führen ist ein anderer Job, und hier merkt man das. 130 Millionen Budget für Edward Norton in einem Kontrollraum – da stimmt die Bilanz nicht. Die Drei-Fragezeichen-Synchro-Connection mit Rohrbeck und Fröhlich ist lowkey cooler als der Film selbst. Oscar Isaac stirbt in Minute 20 und ist trotzdem der Beste im Cast. Das fasst es zusammen.

Wer streamt Das Bourne Vermächtnis?

Verfügbarkeit DE

Stand 28.10.2026: Das Bourne Vermächtnis ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 2,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).

Stand 28.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Aaron CrossJeremy Renner
  • Dr. Marta ShearingRachel Weisz
  • ByerEdward Norton
  • TursoStacy Keach
  • WardDennis Boutsikaris

FAQ zu Das Bourne Vermächtnis: Der Bourne-Film ohne Bourne

Kommt Matt Damon im Film vor?
Nein. Sein Foto taucht auf einem Bildschirm auf, und sein Name wird erwähnt. Das war's. Matt Damon hatte kein Interesse an einem vierten Film ohne Paul Greengrass als Regisseur und kam erst 2016 mit Jason Bourne zurück. Kann man verstehen.
Muss man die anderen Bourne-Filme gesehen haben?
Theoretisch nein. Praktisch ja. Der Film setzt voraus, dass man weiß, wer Pamela Landy ist, was "Treadstone" und "Blackbriar" sind und warum alle panisch reagieren, wenn Bournes Name fällt. Ohne dieses Wissen ist der halbe Film ein Rätsel. Und nicht die spannende Art von Rätsel.
Warum wurde kein zweiter Film mit Renner gemacht?
Weil der Film zwar Geld verdient hat, 277 Millionen weltweit bei 130 Millionen Budget, aber nicht genug begeistert hat. Universal entschied sich, Damon zurückzuholen statt Renners Aaron Cross weiterzuverfolgen. Renner selbst meinte in Interviews, er wäre offen gewesen. Hat halt nicht sein sollen.
Wer ist der beste Bourne-Bösewicht?
Chris Cooper als Conklin in Teil 1. Definitiv. Edward Norton ist hier okay, aber er sitzt in einem Raum und redet in ein Telefon. Cooper stand Bourne gegenüber und hatte echte Präsenz. Da gibt es keinen Vergleich.
Lohnt sich der Film trotzdem?
Für Bourne-Completionists ja. Für Leute die Jeremy Renner mögen ja. Für einen Filmabend mit Anspruch auf echte Spannung: eher nein. Die letzte halbe Stunde in Manila ist sehenswert. Der Rest ist ein Agentenfilm der sich wie eine PowerPoint-Präsentation anfühlt. Aber hey, immerhin eine mit guten Schauspielern und Oliver Rohrbeck als Synchronregisseur. Justus Jonas im Bourne-Universum. Das allein ist lowkey der beste Plottwist des Films.

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