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That’s Why The Lady Is A Champ: Ein Boxfilm, dessen Ende kein Kampf ist (2025)

🎬 Film 134 Min. HistorieDrama FSK 16
⚡ Kurz gesagt

That’s Why The Lady Is A Champ bekommt von mir 6,5 von 10. Sydney Sweeney und Ben Foster spielen eine Ehe, in der die Gewalt ... Weiterlesen ...

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Die Kritik

von FilmSchneider

That’s Why The Lady Is A Champ bekommt von mir 6,5 von 10. Sydney Sweeney und Ben Foster spielen eine Ehe, in der die Gewalt lange vor dem ersten Schlag beginnt, und in den ruhigen Szenen ist das stark. Die erste Hälfte verschenkt David Michôd aber an genau die Aufstiegsmontagen, vor denen ich mich vor dem Start gefürchtet hatte.

Der Film läuft seit dem 3. September 2026 im Verleih von Tobis in den deutschen Kinos, rund 135 Minuten lang, ab 16. Im Original heißt er schlicht „Christy“. Wer Biopics wegen der Menschen schaut und nicht wegen der Titelkämpfe, sollte hingehen. Wer einen Boxfilm im Sinne von Rocky erwartet, wird mit der zweiten Hälfte nichts anfangen können, und die ist die bessere.

Kinostart03.09.2026

Die Bauentscheidung, an der alles hängt

Christy Martin war in den Neunzigern die bekannteste Boxerin der USA. Sie lernte Jim Martin Ende der Achtziger kennen, er wurde ihr Trainer, ihr Manager und ihr Ehemann. Im November 2010 griff er sie an und verletzte sie schwer, er wurde dafür zu 25 Jahren Haft verurteilt. Der Angriff liegt Jahre nach dem letzten wichtigen Kampf, und damit steht jedes Drehbuch zu diesem Stoff vor derselben Frage: Wie überbrückt man die Zeit zwischen Karriere und eigentlichem Konflikt?

Michôd und Mirrah Foulkes beantworten sie zweigeteilt, und für mich kippt der Film genau an dieser Naht. In der ersten Hälfte erzählen sie den Aufstieg mit dem, was jeder Boxfilm seit 1976 bereithält: Montage, Streicher, Sieg um Sieg. Kira Taszman spricht beim filmdienst von Montagesequenzen, „untermalt von gefühliger Streichermusik“, Oliver Kube bei Filmstarts von einer schleppenden ersten Hälfte mit zu vielen gleichförmigen Ringszenen. Beides trifft. Eine Montage fasst zusammen, was eine Szene hätte zeigen müssen, und hier fasst sie ausgerechnet die Jahre zusammen, in denen Jim die Kontrolle übernimmt.

Die zweite Hälfte ist ein anderer Film. Die Szenen werden dichter, auch der filmdienst sieht den Film hier psychologisch zulegen, und die Ehe wird zum Thema statt zum Hintergrund. Hier liegt die 6,5, und hier läge sie höher, wenn der ganze Film so gebaut wäre.

Foster spielt die Kontrolle leise, und das ist die richtige Wahl

Ben Foster spielt Jim Martin nicht als Monster, das man von der ersten Szene an erkennt. Er spielt einen Mann, der jede Grenze ein kleines Stück verschiebt und jedes Mal einen Grund dafür hat. Jenni Zylka beschreibt bei epd Film genau das als Stärke des Films: wie sich Grenzen in einer missbräuchlichen Beziehung verschieben. Seine stärksten Momente sind die leisen, und sie sind unangenehmer als jede Kampfszene.

Sydney Sweeney hat sich nach Angaben des Verleihs fast 14 Kilogramm Muskelmasse antrainiert, und darüber ist vor dem Start genug geschrieben worden. Wichtiger ist, was sie in den Szenen ohne Handschuhe macht. Der filmdienst beschreibt den Bogen treffend, vom schüchternen Arbeitermädchen bis zum prahlenden Star. Sweeney spielt dazu mit, wie diese Frau die Kontrolle ihres Mannes als Fürsorge liest. Das ist das Beste an ihrer Arbeit, besser als alles, was ich von ihr aus Euphoria oder Madame Web kannte.

Lisa Holewyne ist besetzt, aber kaum geschrieben

Vor dem Start hatte mich die Besetzung von Katy O’Brian als Lisa Holewyne hoffen lassen. Holewyne stand Christy Martin im Ring gegenüber, 2017 haben die beiden geheiratet. Wer diese Figur einführt, kann über den Angriff hinaus erzählen. Der Film tut das nur am Rand. Auch epd Film merkt an, dass Christys queere Identität unterentwickelt bleibt, und ich halte das für die größte verschenkte Möglichkeit des Drehbuchs: Die Person, die am Ende blieb, bekommt erstaunlich wenig Raum.

Zugleich ist das die ehrlichste Entscheidung, die der Film trifft, und ich will sie nicht nur als Fehler lesen. Michôd erzählt die Geschichte aus der Enge heraus, in der Christy gelebt hat. Wer so lange unter Kontrolle stand, hat keine Liebesgeschichte in der Mitte seines Lebens, sondern eine am Ende. Konsequent ist das. Befriedigend nicht ganz.

Wo der Film sich zwischen zwei Genres nicht entscheidet

Der filmdienst lobt, dass die späteren Boxszenen „nicht nur dekorativ, sondern auch spannend“ sind, besonders der Kampf gegen Laila Ali. Da stimme ich zu, und gerade deshalb stört mich die Unentschiedenheit. Ein Film, der die Ehe ins Zentrum stellt, braucht nicht so viele Kämpfe. Ein Film, der seine Kämpfe so gut inszeniert, braucht keine Montage, um zu ihnen zu kommen. Michôd will beides, und die 135 Minuten merkt man an genau diesen Stellen.

Den Maßstab setzen für mich zwei Filme. Million Dollar Baby baut den Kampf bewusst nicht als Ziel und ist deshalb bis heute der bessere Boxfilm über eine Frau. Whiplash erzählt von jemandem, der von der Person zerstört wird, die aus ihm etwas machen will, und schneidet jede Szene an der schmerzhaftesten Stelle ab. Die zweite Hälfte von That’s Why The Lady Is A Champ ist nah an Whiplash. Die erste ist nah an jedem Rocky-Nachfolger seit Rocky.

Wie der Film bei der Kritik angekommen ist

Geteilt, mit einem Ausschlag nach oben. Epd Film gibt 4 von 5 Sternen, kino-zeit urteilt positiv, Filmstarts vergibt 2,5 von 5, der filmdienst sieht starke Darsteller in einem teilweise „allzu konfektionierten Sportfilm“. Bei Rotten Tomatoes stehen 66 Prozent positive Kritiken aus 207, beim Publikum 94 Prozent, bei Metacritic ein Metascore von 58 aus 38 Kritiken (Stand 30.09.2026). In den USA hat der Film bei 15 Millionen Dollar Budget rund 2,3 Millionen eingespielt.

Meine 6,5 liegt im oberen Drittel dieses Feldes. Den Punkt über dem Filmstarts-Urteil verdienen Foster und die zweite Hälfte, den Punkt unter epd Film kostet die Montage, die ich nicht verzeihen kann, weil sie genau die Jahre wegerzählt, um die es geht.

Wer da im Ring steht

  • Sydney Sweeney als Christy Martin, in praktisch jeder Szene
  • Ben Foster spielt Jim V. Martin, Trainer, Manager, Ehemann, Täter
  • Merritt Wever als Joyce Salters, die Mutter, und Ethan Embry als John Salters
  • Katy O’Brian als Lisa Holewyne
  • Chad L. Coleman als Promoter Don King
  • Jess Gabor spielt Rosie, Tony Cavalero den Trainer James Maloney
⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung
Story6,0
Schauspiel8,0
Effekte6,5
Ton5,0

Dafür

  • Ben Foster spielt die Kontrolle leise und dadurch umso unangenehmer
  • Sydney Sweeney trägt den Film auch in den Szenen ohne Handschuhe
  • Die zweite Hälfte macht die Ehe zum eigentlichen Thema
  • Der Kampf gegen Laila Ali ist spannend inszeniert

Dagegen

  • Die erste Hälfte überbrückt die entscheidenden Jahre mit Aufstiegsmontagen
  • Lisa Holewyne bleibt als Figur am Rand
  • Zu viele gleichförmige Ringszenen für einen Film, der eigentlich von einer Ehe handelt
  • Die Streichermusik sagt, was die Bilder schon zeigen
Die Montage erzählt ausgerechnet die Jahre weg, in denen Jim die Kontrolle übernimmt. Ab der Mitte zeigt Michôd sie endlich, und da wird der Film gut.Aus der Wertung von FilmSchneider
6,5 von mir. Vor dem Start hatte ich gefragt, ob Michôd die Jahre zwischen Karriere und Angriff mit einer Trainingsmontage überbrückt. Er tut es, in der ersten Hälfte, mit Streichern und Sieg um Sieg. Danach wird der Film dichter und macht die Ehe zum Thema: Ben Foster spielt die Kontrolle leise, als Mann, der jede Grenze ein Stück verschiebt, und Sydney Sweeney zeigt, wie Christy das als Fürsorge liest. Lisa Holewyne ist besetzt, aber kaum geschrieben. Für alle, die Biopics wegen der Menschen schauen, lohnt sich der Kinobesuch, ab 16, rund 135 Minuten.
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Trailer

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Besetzung

Sydney SweeneyChristy Martin
Ben FosterJim V. Martin
Merritt WeverJoyce Salters
Katy O'BrianLisa Holewyne
Ethan EmbryJohn Salters
❓

FAQ zu That’s Why The Lady Is A Champ: Ein Boxfilm, dessen Ende kein Kampf ist

Warum heißt der Film hier anders als im Original?
Im Original läuft er unter „Christy“, schlicht unter dem Vornamen der Boxerin. Für Deutschland hat der Verleih Tobis daraus „That's Why The Lady Is A Champ“ gemacht. Der Name Christy Martin ist hierzulande kaum bekannt, ein Titel mit dem Wort „Champ“ verkauft sich vermutlich leichter als ein fremder Vorname.
Hat es Christy Martin wirklich gegeben?
Ja, und sie lebt. Christy Martin war in den 1990er Jahren die bekannteste Boxerin der USA. 2010 überlebte sie einen Angriff ihres damaligen Ehemanns und Trainers Jim Martin, der dafür zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. 2017 heiratete sie Lisa Holewyne, eine frühere Gegnerin aus dem Ring.
Muss man sich für Boxen interessieren?
Nein. Die stärkeren Szenen spielen außerhalb des Rings. Wer Sportfilme vor allem wegen der Kämpfe schaut, bekommt mit dem Kampf gegen Laila Ali trotzdem eine gut inszenierte Sequenz, sollte aber wissen, dass der Film sein Gewicht woanders hat.
Wer hat Regie geführt?
David Michôd, der 2010 mit dem australischen Kriminaldrama „Animal Kingdom“ debütiert hat, für das Jacki Weaver eine Oscar-Nominierung bekam. Danach folgten „The Rover“, „War Machine“ mit Brad Pitt für Netflix und „The King“ von 2019. Das Drehbuch hat er mit Mirrah Foulkes geschrieben.
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