Poster zum Film Der Ja-Sager: 70 Millionen Budget, null Anspruch, und trotzdem guck ich den alle zwei Jahre

Der Ja-Sager: 70 Millionen Budget, null Anspruch, und trotzdem guck ich den alle zwei Jahre (2008)

Film · Komödie, Liebesfilm · 2008 · 104 Min.

Von , aktualisiert am 17. März 20267 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Kubrick (der Kater, nicht der Regisseur) hat sich gerade auf meine Tastatur gelegt. Ich lass ihn. Weil der Film, über den ich schreiben will, ungefähr so anspruchsvoll ist wie Kubricks Tagesablauf: fressen, schlafen, auf dem Sofa liegen, sich dabei gut fühlen. „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey. Anke und ich waren 2009 im Cinedom, Reihe 12 oder so, ich weiß noch dass sie sich vorher ein Kölsch geholt hat und das Ding nach fünf Minuten umgekippt ist, weil Carrey in der Eröffnung diese Sache mit dem Anrufbeantworter macht und Anke dabei so gelacht hat, dass der halbe Becher auf meiner Hose gelandet ist. Cinedom-Sitze trocknen übrigens schlecht. Aber der Abend war trotzdem gut. Und dat ist im Grunde auch die Zusammenfassung von diesem Film: Nix trocknet richtig, aber der Abend war trotzdem gut.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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Cinedom. 2009. Die Hose war nass.

Fangen wir an mit dem, was Peyton Reed hier eigentlich gebaut hat. Und ich sag bewusst „gebaut“, weil das Drehbuch die architektonische Eleganz einer Gartenlaube hat — steht, ist funktional, tut was es soll, aber Bauhaus ist dat nicht. Carl Allen, gespielt von Carrey, sitzt nach seiner Scheidung in seiner Wohnung und lehnt alles ab. Telefon klingelt — nö. Freunde rufen an — nö. Das Leben passiert — nö. Er arbeitet bei einer Bank und lehnt Kreditanträge ab. Ja, genau: der Typ dessen Job es ist Nein zu sagen, soll lernen Ja zu sagen. Als Metapher ungefähr so subtil wie wenn ich Kubrick auf seinen Kratzbaum setze und sage „So, jetzt kratz mal da“.

Sein Kumpel Peter, gespielt von Bradley Cooper — und ja, das IST Bradley Cooper, ein Jahr bevor Hangover ihm die Karriere auf Maximum gedreht hat — schleppt ihn zu so einem Motivationsseminar. Terrence Bundley heißt der Typ, gespielt von Terence Stamp. Stamp. Der Mann hat in „Superman II“ den General Zod gespielt. Der hat mit Fellini gearbeitet. Und jetzt steht er da in einem Kongresssaal und brüllt Jim Carrey an, er soll Ja sagen. Stamp macht das mit so einer Gravitas, als würde er Shakespeare rezitieren, und genau das macht die Szene besser als sie sein dürfte.

Und Carl sagt Ja. Zu allem. Koreanisch-Unterricht. Gitarrenstunden. Ein Flug nach Nebraska. Red Bull um drei Uhr nachts, Motorrad fahren lernen, und Allison. Zooey Deschanel. Sie leitet eine Jogging-Gruppe und singt in einer Band die „Munchausen by Proxy“ heißt, und wenn ich diesen Bandnamen laut sage klingt er wie was, das sich Tom ausdenken würde wenn er um drei Uhr morgens zu viel Kaffee hatte.

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Carrey. Handwerk. Kein Tüdelüt.

Jetzt mal Butter bei die Fische: Jim Carrey kann etwas, das die meisten Schauspieler nicht können. Er verwandelt seinen Körper in ein Instrument. Das ist kein Tüdelüt, das ist Handwerk. Es gibt diese eine Szene, koreanischer Karaoke-Abend, Carrey performt „Jumper“ von Third Eye Blind und sein ganzer Körper wird dabei zum Ausrufezeichen. Reed hat in Interviews gesagt, das ist choreografiert, nicht improvisiert. Carrey weiß exakt, welcher Muskel wann. Das ist wie ein Schlagzeuger der einen Fill spielt der aussieht wie Chaos aber auf die Millisekunde sitzt. Markus, mein Schulfreund aus Hamburg, sagt immer: „Talent ist wenn’s leicht aussieht.“ Bei Carrey sieht es aus als hätte er keinen Knochen im Leib. Das IST das Talent.

Das Problem. Das Drehbuch von Nicholas Stoller will von diesem Talent nur die oberen zehn Prozent. Danny Wallace hat das Buch geschrieben auf dem der Film basiert — eine Autobiografie, in der der Brite tatsächlich ein halbes Jahr zu allem Ja gesagt hat. Im Buch wird das unbequem. Es gibt Konsequenzen. Momente wo Ja-Sagen in echte Schwierigkeiten führt. Der Film nimmt all das und macht daraus eine Montage mit Upbeat-Musik darunter. Liebe Begegnung bei Minute 25, erster Kuss bei 45, großes Missverständnis bei 80. Ich konnte die Uhr danach stellen. Hab ich auch, weil das Kölsch auf meiner Hose langsam kalt wurde.

Carrey hatte 2008 längst bewiesen, dass er mehr kann. Die Truman Show war zehn Jahre her. „Eternal Sunshine“ vier. Er hatte die Range. Aber Reed wollte den Carrey von Dumm und Dümmer. Den Gummi-Carrey. Den hat er gekriegt. Und der liefert. Aber es ist wie wenn du einen Koch hast der ein Fünf-Gänge-Menü kochen kann und du bestellst Kartoffelsalat. Der Kartoffelsalat schmeckt, keine Frage. Aber du weißt dass da mehr drin gewesen wäre.

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Wer in dem Film noch so rumsteht

  • Jim Carrey als Carl Allen: Bankangestellter der zu allem Nein sagt, dann zu allem Ja
  • Zooey Deschanel als Allison: Jogging-Gruppen-Leiterin, Bandmitglied, Love Interest
  • Bradley Cooper als Peter: Carls bester Freund, der ihn zum Seminar schleppt
  • Terence Stamp als Terrence Bundley: der Ja-Guru, Shakespeare meets Selbsthilfe
  • Rhys Darby als Norman: Carls Chef, absolute Nebenrollen-Granate
  • Danny Masterson als Rooney: weiterer Kumpel, kaum Screentime
  • Fionnula Flanagan als Tillie: die alte Nachbarin, lasse ich mal unkommentiert

Über Deschanel: Sie macht nicht die komplette Manic Pixie Dream Girl Nummer. Also doch, schon, ein bisschen. Aber sie spielt Allison mit genug Eigensinn, dass man der Figur abnimmt, dass sie auch ohne Carl ein Leben hätte. Ihre Band-Szenen sind tatsächlich lustig. Anke fand Deschanel damals „süß aber konstruiert“, und ich musste ihr leider recht geben, aber Deschanel zieht sich mit Charme aus der Sache. Und dann ist da Rhys Darby als Norman. Fünf Minuten Screentime, jede einzelne sitzt. Seine Rede über das Harry-Potter-Kostümfest der Firma ist der mit Abstand beste Moment des ganzen Films. Darby kennen die meisten als Murray aus „Flight of the Conchords“, und er macht hier exakt das Gleiche — totale Ernsthaftigkeit über komplett absurde Dinge. Handwerklich sauber gezimmert.

44 Prozent bei den Kritikern, 66 beim Publikum. Und 223 Millionen Dollar weltweit bei 70 Millionen Budget. Wenn ich diese Zahlen Markus zeige, sagt der immer dasselbe: „Die Leute wollen halt lachen.“ Und er hat recht. Die Kritiker wollten den Carrey von „Eternal Sunshine“. Das Publikum wollte den Carrey der lustige Sachen macht. Das Publikum hat gekriegt wofür es bezahlt hat. Und weißt du was? Dat ist in Ordnung.

Peyton Reed inszeniert das mit der Kompetenz eines Handwerkers der seinen Job kennt. Der Mann hat danach „Ant-Man“ gemacht, und auch da war die Regie: solide, sauber, kein Frame zu wenig, kein Frame zu viel, aber auch kein Frame an den du dich erinnerst weil er dich umgehauen hätte. Die Kamera ist da wo sie sein muss. Mehr nicht. Und für diesen Film reicht das.

Und täglich grüßt das Murmeltier hat die gleiche Lektion eleganter erzählt. Ferris macht blau hat sie mit mehr Stil serviert. Aber die Lektion (Angst vor dem Leben ist schlimmer als ein paar dumme Entscheidungen) muss anscheinend in jeder Generation neu verpackt werden. Meine Schwester Kathrin hat mir letztes Weihnachten erzählt, ihre Schüler in Hamburg kennen den Film alle über TikTok-Clips. Fünfzehnjährige schauen Jim-Carrey-Compilations. Ich hab das erstmal sacken lassen. Dann fand ich es eigentlich schön.

Tom wollte den Film übrigens beim Kinokreis-Abend zeigen. Ich hab gesagt: „Tom. Der Film ist gut für Sonntagabend auf dem Sofa. Nicht für Kinokreis.“ Tom hat dann „Edge of Tomorrow“ durchgesetzt. War die bessere Wahl. Aber „Der Ja-Sager“ hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Er hält was die Verpackung verspricht. Nicht mehr, nicht weniger.

Funktioniert der Film? Ja. Punkt.

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Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Solides Handwerk, kein Tüdelüt. Carrey liefert auf dem Level das der Film von ihm verlangt — und das ist ein niedrigeres Level als er könnte. Deschanel funktioniert, Cooper ist noch Pre-Stardom, Stamp verleiht dem Ganzen absurde Gravitas. Reed inszeniert sauber, das Drehbuch ist Gartenlaube statt Bauhaus. Aber: der Kartoffelsalat schmeckt. Und manchmal will man einfach nur Kartoffelsalat. 7 von 10 Scheren.

Wer streamt Der Ja-Sager?

Verfügbarkeit DE

Stand 14.10.2026: Der Ja-Sager ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 3,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).

Stand 14.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Carl AllenJim Carrey
  • Renee AllisonZooey Deschanel
  • PeterBradley Cooper
  • NickJohn Michael Higgins
  • NormanRhys Darby

FAQ zu Der Ja-Sager: 70 Millionen Budget, null Anspruch, und trotzdem guck ich den alle zwei Jahre

Ist „Der Ja-Sager“ auf einer wahren Geschichte basiert?
Ja, auf dem gleichnamigen Buch von Danny Wallace. Der britische Autor hat tatsächlich sechs Monate lang zu allem Ja gesagt. Das Buch ist deutlich nuancierter als der Film — Hollywood hat aus den unbequemen Konsequenzen eine Slapstick-Montage gemacht. Trotzdem: die Grundidee ist echt.
Lohnt sich der Film auf Deutsch oder nur im Original?
Stefan Fredrich macht die deutsche Fassung richtig gut. Trotzdem: Carreys Timing funktioniert im Original eine Spur besser, weil seine Körpersprache und seine Stimme eins sind. Wer kann, Original schauen. Wer nicht kann, verpasst nichts Entscheidendes.
Wie viel Jim-Carrey-Slapstick steckt drin?
Viel. Wenn du Carrey in „Die Maske“ oder „Ace Ventura“ mochtest, wirst du den hier mögen. Wenn du den Carrey von „Truman Show“ oder „Eternal Sunshine“ erwartest, wirst du enttäuscht. Der Film will Slapstick, und er liefert.
Ist „Der Ja-Sager“ ein Familienfilm?
Im Grunde ja, ab etwa 12. Es gibt ein paar anzügliche Szenen mit der Nachbarin Tillie (Fionnula Flanagan), die sind mehr peinlich als schlimm, und ein bisschen Alkohol. Nichts Dramatisches.
Wer hat Regie geführt?
Peyton Reed, der später die „Ant-Man“-Filme für Marvel gemacht hat. Reed ist ein solider Handwerker. Kein Auteur, aber zuverlässig. Der Kartoffelsalat-Koch des amerikanischen Kinos, wenn man so will.
Wie hat der Film an der Kinokasse abgeschnitten?
223 Millionen Dollar weltweit bei 70 Millionen Budget. Finanziell ein klarer Erfolg. Die Kritiker mochten ihn weniger, 44% bei Rotten Tomatoes, aber das Publikum kam auf seine Kosten.

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