Countdown zum Kinostart
Drei Kameradinnen: Milena Aboyan und eine Erzählerin, die falsche Fährten legt ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderDrei Kameradinnen startet am Donnerstag, 5. November 2026, in den deutschen Kinos, im Verleih von DCM. Milena Aboyan hat den gleichnamigen Roman von Shida Bazyar verfilmt und das Drehbuch selbst geschrieben: Drei Freundinnen aus derselben Siedlung treffen sich zu einer Hochzeit wieder, in der Nacht brennt ein Wohnhaus, und eine von ihnen wird als Hauptverdächtige festgenommen. Der Film läuft 93 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben.
Das hier ist eine Vorschau. Ich habe den Film noch nicht gesehen, deshalb gibt es keine Note. Unsere WatchGuide-Einschätzung vor dem Start: Drei Kameradinnen steht und fällt mit einer Erzählerin, die ihrem Publikum nicht alles sagt, und mit der Frage, ob der Film diese Zurückhaltung durchhält oder am Ende doch alles erklärt.
Was über die Geschichte bekannt ist
Kasih, Saya und Hani sind seit ihrer Kindheit befreundet. Jahre später kehren sie in ihre alte Siedlung zurück, weil eine gemeinsame Freundin heiratet. Am Abend der Hochzeit brennt ein Mehrfamilienhaus, laut Verleih ein Anschlag mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Saya wird festgenommen. Die Akte ist dünn, die öffentliche Deutung schnell zur Hand: linksextrem oder islamistisch, so fragt es die Inhaltsangabe von DCM.
Kasih will ihrer Freundin helfen und rekonstruiert für eine Fernsehreportage, zusammen mit einer Journalistin, das gemeinsame Leben der drei. Der Verleih spricht von einem „Gewirr aus Erinnerungen, Fragmenten und Widersprüchen“. Mehr gibt die offizielle Beschreibung nicht preis, und das ist bei diesem Stoff richtig so: Wer vorher weiß, was in der Brandnacht passiert ist, hat den halben Film verschenkt.
Der Roman und seine Erzählerin
Shida Bazyars Roman erschien 2021 bei Kiepenheuer & Witsch und stand im selben Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Der Titel ist eine Antwort. In einem Interview mit der Universität Mannheim erzählt Bazyar, sie habe ihn nach der Lektüre von Erich Maria Remarques „Drei Kameraden“ gewählt: Ihr gefiel, wie Remarque Freundschaft beschreibt, sie störte, dass es bei ihm um Männer geht. Remarque kennen die meisten eher über Im Westen nichts Neues, sein Freundschaftsroman ist das leisere Buch.
Für die Verfilmung ist ein anderer Punkt aus demselben Gespräch wichtiger. Im Roman führt Kasih ihre Leser bewusst in die Irre, und Bazyar begründet das damit, dass Figuren wie ihr ohnehin selten geglaubt wird. Kasih will nichts beweisen, sie behält die Kontrolle über ihre Geschichte. Auf Papier funktioniert das, weil eine Erzählerin nur Wörter hat. Im Kino ist es schwieriger: Was die Kamera zeigt, halten wir zunächst für wahr. Ein Film, der einer unzuverlässigen Erzählerin folgt, muss also entscheiden, wann seine Bilder lügen dürfen und wann nicht.
Wie Aboyan das löst, nach allem, was man lesen kann
Die Reportage ist Aboyans Rahmen, und offenbar bleibt es nicht dabei. André Pitz schreibt bei Kino-Zeit, Kasih durchbreche immer wieder die vierte Wand und spreche direkt in die Kamera, und zieht den Vergleich zu „The Big Short“. Peter Gutting von film-rezensionen.de nennt Zeitraffer, Animationen und direkte Ansprache als Mittel, mit denen Aboyan Distanz zur vermeintlichen Geschichte schafft, und spricht von einem „ganzen Labyrinth von falschen Fährten“.
Das sind ihre Beobachtungen, nicht meine. Sie passen aber zum Roman, und sie zeigen, wo die Handwerksfrage liegt. Eine Figur, die in die Kamera spricht, kann zwei Dinge tun: das Publikum zum Komplizen machen oder ihm erklären, was es gerade gesehen hat. Das Erste ist die Stärke des Buchs. Das Zweite ist Exposition mit anderem Etikett, und darauf zielt auch der Einwand von Pitz, der eigene didaktische Anspruch wiege „manchmal etwas zu schwer“. Gutting kommt zu einem freundlicheren Ergebnis: Der Film überzeuge, „auch wegen seiner inhaltlichen und formalen Komplexität“. Beide loben also die Form und sind sich nur uneins, wie viel Belehrung sie trägt. Genau an dieser Stelle werde ich im Kino hinsehen.
Wieder mit Bayan Layla, wie in Elaha
Milena Aboyans Langfilmdebüt war 2023 „Elaha“, einem Drama über eine junge deutsch-kurdische Frau vor ihrer Hochzeit. Der Film lief 2023 auf der Berlinale in der Reihe Perspektive Deutsches Kino und war 2024 beim Deutschen Filmpreis als bester Spielfilm nominiert. Die Hauptrolle spielte Bayan Layla, und laut DCM hat Aboyan sie auch für Drei Kameradinnen wieder besetzt, als Kasih. Damit trägt dieselbe Schauspielerin die Erzählerin, auf deren Glaubwürdigkeit der ganze Film gebaut ist. Das ist eine gute Nachricht: Eine Figur, die das Publikum in die Irre führen soll, braucht jemanden, dem man trotzdem zuhört.
Saya spielt Manal Raga a Sabit, Hani spielt Brikena Ray. Meret Becker ist die Journalistin der Reportage, außerdem stehen Hadnet Tesfai, Eugene Boateng und Jasmin Shakeri auf der Besetzungsliste. Gedreht wurde in Stuttgart und Umgebung, produziert hat die film gmbh WEST, als Koproduktion mit SWR, WDR, BR und arte. Seine Weltpremiere hatte der Film am 2. Juli 2026 auf dem Filmfest München in der Reihe Neues Deutsches Kino. Wer sehen will, was sonst im Herbst startet, findet es unter Demnächst im Kino.
Wer in Drei Kameradinnen spielt
- Bayan Layla als Kasih
- Manal Raga a Sabit als Saya
- Brikena Ray als Hani
- Meret Becker als Journalistin
- Hadnet Tesfai, Eugene Boateng, Jasmin Shakeri
- Regie und Drehbuch: Milena Aboyan, nach dem Roman von Shida Bazyar
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEine Erzählerin, die nicht alles sagt, ist ein Versprechen. Ob der Film es hält, entscheidet sich an den Stellen, an denen sie in die Kamera spricht.Vorab eingeschätzt von FilmSchneider
✅ Darauf freuen wir uns
- Eine Erzählerin, die das Publikum bewusst im Unklaren lässt
- Bayan Layla wieder bei Milena Aboyan, nach Elaha
- Vorlage stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises
- Zeitraffer, Animationen und direkte Ansprache als Erzählmittel
❓ Das macht uns nervös
- Direkte Ansprache kann schnell zur Erklärung werden
- Eine Kritik findet den didaktischen Anspruch manchmal zu schwer
- 93 Minuten für Freundschaft, Anschlag, Ermittlung und Reportage
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