Poster zum Film Staatsschutz: Shariats zweiter Film stellt die Justiz vor Gericht (2026)

Staatsschutz: Shariats zweiter Film stellt die Justiz vor Gericht (2026)

🎬 Film 113 Min. Drama
⚡ Kurz gesagt

Staatsschutz bekommt von mir 6,5 von 10. Faraz Shariat stellt eine deutsch-koreanische Staatsanwältin gegen die eigene Behörde, und Chen Emilie Yan trägt diese Figur mit ... Weiterlesen ...

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Die Kritik

von Lichtspiel

Staatsschutz bekommt von mir 6,5 von 10. Faraz Shariat stellt eine deutsch-koreanische Staatsanwältin gegen die eigene Behörde, und Chen Emilie Yan trägt diese Figur mit einer Genauigkeit, die man im deutschen Kino selten sieht. Dass der Film in der Mitte vom Justizdrama in den Rachethriller wechselt und seiner Heldin am Ende keinen Zweifel mehr gönnt, kostet ihn die höhere Note.

Der Film läuft seit dem 27. August 2026 im Verleih von Plaion Pictures in den deutschen Kinos, 113 Minuten lang, freigegeben ab 12. Wer sehen möchte, wie ein deutscher Spielfilm von rechter Gewalt und behördlichem Wegsehen erzählt, sollte ihn nicht verpassen. Wer ein Gerichtsdrama mit sauber gebauter Beweisführung erwartet, wird enttäuscht sein.

Kinostart27.08.2026

Eine Staatsanwältin gegen die eigene Behörde

Seyo Kim, gespielt von Chen Emilie Yan, ist junge Staatsanwältin mit koreanischen Wurzeln und wird selbst Opfer eines rechtsextremen Anschlags. Als ihre eigene Behörde schweigt, nimmt sie die Sache in die Hand, und zwar auf Wegen, die ihr Amt nicht vorsieht. Das Drehbuch stammt von Claudia Schaefer, Jee-Un Kim und Sun-Ju Choi, und dass zwei der drei Autorinnen die koreanisch-deutsche Perspektive mitbringen, trägt die zweisprachige Anlage des Films. Der Film spricht Deutsch und Koreanisch, die koreanischen Passagen sind untertitelt.

Für die Recherche hat Shariat mit Franziska Nedelmann gearbeitet, die die Nebenklage im Verfahren um den Brandanschlag auf Ferat Koçak geführt hat, und mit Sebastian Scharmer, Anwalt der Nebenklage im NSU-Prozess. Man spürt diese Grundlage in der ersten Hälfte, und man vermisst sie in der zweiten.

Wo der Film seinem eigenen Bild nicht mehr traut

Die erste Hälfte gehört zu dem Besten, was das deutsche Kino in diesem Jahr über seine Institutionen gesagt hat, weil sie ruhig bleibt und ihrer Hauptdarstellerin Zeit lässt, statt die Behörde zu erklären. Danach wechselt der Film das Register. Britta Schmeis beschreibt bei epd Film diesen Kontrast zwischen einem konservativ gebauten Anfang und einem Mittelteil, der auf Action setzt, und sie hat recht mit ihrem Satz, dass Shariat und Schaefer manchmal „eine Schleife zu viel“ drehen. Aus der Staatsanwältin, die ein System von innen befragt, wird eine Rächerin, und damit wird die Frage des Films kleiner, als sie am Anfang war.

Michael Meyns urteilt bei Filmstarts deutlich härter und schreibt: „Zu einem überzeugenden Spielfilm reicht eine moralisch einwandfreie Haltung nicht aus.“ Er bemängelt, dass Seyo an das Rechtssystem glaubt und dennoch Regeln bricht, ohne dass es Folgen hat, und dass das Gerichtsverfahren wie aus dem Fernsehen wirke. Den ersten Einwand teile ich, den zweiten halte ich für weniger wichtig. Ein Film über Behördenversagen muss kein Lehrstück der Strafprozessordnung sein. Er muss aber aushalten, dass seine Heldin im Unrecht sein könnte, und das tut Staatsschutz nicht. Auch epd Film stellt fest, dass der Film keinen Zweifel lässt, dass Seyo mit zweifelhaften Methoden auf der richtigen Seite steht.

Chen Emilie Yan

Die Besetzung der Hauptrolle mit einer weitgehend unbekannten Schauspielerin war vor dem Start die riskanteste Entscheidung dieses Films, und sie ist aufgegangen. Yan spielt eine Frau, deren Anspannung man lange sieht, bevor sie sich entlädt, und ihr Gesicht erzählt davon genauer als jeder Dialog. Epd Film nennt ihr Spiel „absolut überzeugend“, der filmdienst hebt neben ihr Arnd Klawitter als Oberstaatsanwalt hervor, kino-zeit Julia Jentsch und Alev Irmak.

Dass der filmdienst die Figur zugleich zu impulsiv und wenig glaubwürdig findet, widerspricht dem nicht. Die Unglaubwürdigkeit liegt im Drehbuch, das ihr in der zweiten Hälfte Handlungen abverlangt, die ihre erste Hälfte nicht vorbereitet. Yan spielt beides mit derselben Würde, und gerade deshalb fällt der Bruch so auf.

Der deutsche Film und der Gerichtssaal

Das deutsche Kino hat ein altes, schwieriges Verhältnis zu seinen eigenen Institutionen. Es zeigt sie gern, es traut sich selten, sie im Unrecht zu lassen. Schwarzer Kies von Helmut Käutner hat 1961 den Rassismus im Nachkriegsdeutschland gezeigt und ist dafür zerrissen worden, Die Ehe der Maria Braun hat Fassbinder 1979 als Abrechnung mit dem Wirtschaftswunder gedreht. Beide Filme lassen ihre Figuren schuldig werden, ohne sie zu verurteilen, und beide trauen ihren Bildern mehr als ihren Thesen.

Staatsschutz steht in dieser Reihe, weil er dasselbe Unbehagen sucht, und er fällt hinter sie zurück, weil er es am Ende auflöst. Der Heiner-Carow-Preis der DEFA-Stiftung, den der Film auf der Berlinale bekommen hat, trägt den Namen des Regisseurs von „Die Legende von Paul und Paula“ und „Coming Out“, eines Filmemachers, der sich mit dem Staat angelegt hat, in dem seine Filme entstanden. Diese Tradition ehrt Shariat mit seinem Thema. Mit seiner Form ehrt er sie nur in der ersten Hälfte.

Warum meine Note über Filmstarts liegt

Die großen Kritiken liegen auseinander. Filmstarts gibt 2,5 von 5 Sternen, epd Film 3 von 5, der filmdienst stuft den Film als diskussionswert ein, kino-zeit nennt ihn genau das politische Kino, das es gerade braucht (Stand 30.09.2026). Auf der Berlinale 2026 gewann Staatsschutz den Publikumspreis des Panorama, den CICAE Art Cinema Award und den Heiner-Carow-Preis, auf dem Filmfest Emden-Norderney kamen drei weitere Auszeichnungen dazu, darunter der Bernhard-Wicki-Preis in Bronze.

Meine 6,5 liegt über dem Filmstarts-Urteil, weil ich die erste Hälfte und das Spiel von Chen Emilie Yan höher gewichte als die Mechanik des Gerichtsverfahrens. Sie liegt nicht höher, weil ein Film, der die Selbstgewissheit einer Behörde anklagt, sich nicht selbst so gewiss sein dürfte.

Wer zu sehen ist

  • Chen Emilie Yan als Seyo Kim, die Staatsanwältin, um die alles kreist
  • Julia Jentsch als Alexandra Tiedemann
  • Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky als die Oberstaatsanwälte Forch und Quant
  • Alev Irmak als Ayten Alican
  • Kathrin Angerer als Verteidigerin Franziska Haas
  • Max Krause spielt Pascal Röder, Kotbong Yang ist Min-Su, Mercy Dorcas Otieno spielt Maida Cali

Zum Nachlesen der belegten Angaben taugt der Wikipedia-Eintrag. Wer das Thema aus dokumentarischer Sicht vertiefen möchte, findet mit Making a Murderer einen Fall, an dem sich zeigen lässt, was geschieht, wenn eine Ermittlungsbehörde ihr Ergebnis vorher kennt.

⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung
Story5,5
Schauspiel8,0
Effekte6,5
Ton6,0

Dafür

  • Chen Emilie Yan trägt die Hauptrolle mit großer Genauigkeit
  • Die erste Hälfte erzählt Behördenversagen ruhig und ohne Belehrung
  • Recherche mit Anwälten aus dem NSU-Prozess und dem Koçak-Verfahren
  • Zweisprachige Erzählung, getragen von Autorinnen mit koreanisch-deutscher Perspektive

Dagegen

  • Der Wechsel in den Rachethriller macht die Frage des Films kleiner
  • Die Heldin darf nie im Unrecht sein, der Film lässt keinen Zweifel zu
  • Das Gerichtsverfahren wirkt schematisch
  • Einige Nebenfiguren bleiben Typen
Ein Film, der die Selbstgewissheit einer Behörde anklagt, dürfte sich selbst nicht so gewiss sein.Aus der Wertung von Lichtspiel
6,5 von mir. Die erste Hälfte von Staatsschutz gehört zu dem Genauesten, was das deutsche Kino in diesem Jahr über seine eigenen Institutionen gesagt hat: ruhig und getragen von Chen Emilie Yan, deren Anspannung man lange sieht, bevor sie sich entlädt. Dann wechselt Faraz Shariat in den Rachethriller, und aus der Frage an ein System wird die Geschichte einer Rächerin, der der Film keinen Zweifel mehr gönnt. Käutner und Fassbinder haben ihren Figuren mehr zugemutet. Sehenswert für alle, die deutsches Kino mit Haltung suchen, ab 12 Jahren.
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Wer streamt Staatsschutz?

Verfügbarkeit DE

Stand 02.10.2026: Staatsschutz ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 11,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Amazon).

📀 Im Abo enthalten 0
Derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten.

Stand 02.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

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Trailer

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Besetzung

Chen Emilie YanSeyo Kim
Julia JentschAlexandra Tiedemann
Alev IrmakAyten Alican
Arnd KlawitterOStA Forch
Sebastian UrzendowskyOStA Quant
❓

FAQ zu Staatsschutz: Shariats zweiter Film stellt die Justiz vor Gericht

Beruht die Geschichte auf einem echten Fall?
Die Handlung ist erfunden, die Grundlage nicht. Shariat hat mit Franziska Nedelmann und Sebastian Scharmer recherchiert, die als Anwältin und Anwalt der Nebenklage im Verfahren zum Brandanschlag auf Ferat Koçak und im NSU-Prozess aufgetreten sind. Der Film erzählt keinen konkreten Fall nach, arbeitet aber mit dem Wissen von Leuten, die solche Verfahren geführt haben.
Kennt man Faraz Shariat von etwas anderem?
Von „Futur Drei“ aus dem Jahr 2020, seinem Debüt. „Staatsschutz“ ist sein zweiter abendfüllender Spielfilm, gedreht zwischen Mai und Juni 2025 in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.
Muss man Koreanisch verstehen?
Nein. Der Film ist zweisprachig angelegt, Deutsch und Koreanisch, die koreanischen Passagen laufen untertitelt. Die Hauptfigur Seyo Kim ist deutsch-koreanisch, und zwei der drei Drehbuchautorinnen, Jee-Un Kim und Sun-Ju Choi, bringen diesen Hintergrund mit.
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