Vier minus drei bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 7,8 von 10. Adrian Goiginger verfilmt die wahre Geschichte der Klinikclownin Barbara Pachl-Eberhart, die 2008 ihren Mann und ihre beiden Kinder verlor, ohne Kalendersprüche und ohne Rührstück. Getragen wird der Film von Valerie Pachner, die ihre stärksten Szenen dort hat, wo sie nichts sagt. Abzüge gibt es für Rückblenden, die lauter werden als nötig.
Ab dem 16. April 2026 lief Vier minus drei im Verleih von Alamode in den deutschen Kinos, 121 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben; der Filmdienst empfiehlt ihn ab 14. Lohnend ist der Film für alle, die sich einem Trauerdrama gewachsen fühlen und sehen wollen, wie ein Mensch weiterlebt, statt wie er zusammenbricht. Wer gerade selbst einen Verlust verarbeitet, sollte wissen, dass Goiginger nichts abfedert.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionEine wahre Geschichte, die keine Erklärung braucht
Die Vorlage ist Pachl-Eberharts gleichnamiges Buch von 2010, ein SPIEGEL-Bestseller. Am Gründonnerstag 2008 wurde der Kleinbus der Familie an einem unbeschrankten Bahnübergang in der Oststeiermark von einem Zug erfasst. Ihr Mann Heli und die beiden Kinder starben, Barbara saß nicht im Wagen. Der Titel ist schlicht die Rechnung, die übrig bleibt, und so nüchtern geht der Film mit dem Stoff auch um.
Das Drehbuch hat Senad Halilbašić geschrieben, nicht Goiginger selbst. Es verzichtet darauf, die Trauer in Stufen zu erklären, und das ist für mich die wichtigste Entscheidung des Films. Barbara darf widersprüchlich sein, sie darf lachen, wütend werden und Dinge tun, die ihr Umfeld nicht versteht. Christoph Petersen beschreibt das bei Filmstarts genau: Trauer sei mitunter eine dreckige Angelegenheit, und der Film habe keine falsche Scheu davor.
Pachner spielt die Pausen
Valerie Pachner kennt man aus Terrence Malicks Ein verborgenes Leben. Hier hat sie eine Rolle, die in beide Richtungen kippen könnte, in Pathos oder in Starre, und sie tut keins von beidem. Ihre Barbara ist nach außen gefasst und innen längst nicht mehr, und Pachner zeigt den Abstand dazwischen in Blicken und Verzögerungen, nicht in Ausbrüchen. Kira Taszman schreibt im Filmdienst, nuancierter könne man diese aus dem Gleichgewicht geworfene Frau kaum spielen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer dass gerade die leisen Momente sitzen, in denen sie eine Entscheidung trifft, ohne sie zu begründen.
Robert Stadlober spielt Heli, den Mann und Clownspartner, und seine Szenen sind wichtig, weil der Verlust nur so viel wiegt, wie man die Familie vorher kennt. Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler und Ronald Zehrfeld ergänzen das Ensemble.
Die Clowns am Grab sind verdient
Die Szene, über die nach der Berlinale am meisten gesprochen wurde, ist die Beerdigung, zu der Barbara eine Truppe Clowns mitbringt, sehr zum Befremden von Helis Eltern. Cineuropa nannte das surreal und kraftvoll. Für mich funktioniert sie, weil der Film sie vorbereitet hat: Wer Barbara bis dahin als Clownin in der Kinderstation gesehen hat, versteht, dass das für sie kein Trotz ist, sondern der einzige Abschied, der zu ihrer Familie passt. Die Entscheidung ist verdient, und deshalb ist die Szene nicht kitschig, sondern das Gegenteil.
Wo der Film lauter wird als nötig
Mein Einwand betrifft die Rückblenden. Goiginger erzählt die Familie in Erinnerungen, und einige davon sind so aufgedreht, dass sie gegen die Ruhe der Gegenwart arbeiten. Mathis Raabe schreibt bei kino-zeit, manche dieser Sequenzen seien anstrengend und mit viel Geschrei dargeboten, und Axel Timo Purr bemerkt bei artechock, dass die Inszenierung in Erinnerungsszenen mit Geigen ins Melodramatische rutscht. Beides stimmt. Ein Film, der in der Gegenwart so genau beobachtet, müsste mir in der Vergangenheit nicht mit Musik sagen, was ich fühlen soll.
Dazu kommt ein Konflikt, den der Film anlegt und dann liegen lässt: das Verhältnis zu Helis Eltern. Abby Laing vermisst das in ihrer Berlinale-Kritik für die International Cinephile Society, und auch ich hätte mir dort eine zweite Szene gewünscht. Neues erzählt Vier minus drei über Trauer im Kino nicht. Aber wie er es erzählt, das hat Handwerk.
Wie die Kritik Vier minus drei sieht
Meine 7,8 liegen etwas unter dem sehr freundlichen Echo der deutschen Kritik. Christoph Petersen gibt bei Filmstarts 4,5 von 5 Sternen, Britta Schmeis bei epd Film 4 von 5. Der Filmdienst hat den Film als Kinotipp der katholischen Filmkritik empfohlen, kino-zeit urteilt positiv mit Vorbehalten. Kritischer war Abby Laing mit 3 von 5 Sternen. Beim Publikumspreis der Berlinale-Sektion Panorama landete der Film auf Platz zwei hinter Staatsschutz. Stand der Werte: 30. September 2026.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Valerie Pachner zeigt Trauer in Blicken und Pausen statt in Ausbrüchen
- Das Drehbuch erklärt die Trauer nicht in Stufen
- Die Beerdigung mit den Clowns ist verdient, weil der Film sie vorbereitet
- Robert Stadlober macht die Familie greifbar, bevor sie fehlt
Dagegen
- Einige Rückblenden sind überdreht und laut
- Geigen in den Erinnerungsszenen sagen, was die Bilder schon zeigen
- Der Konflikt mit Helis Eltern wird angelegt und liegen gelassen
- Erzählt über Trauer im Kino wenig Neues
Pachner spielt nicht den Zusammenbruch, sondern den Abstand zwischen Fassung und Verlust. Genau dort ist der Film am stärksten.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Vier minus drei?
Verfügbarkeit DEStand 17.10.2026: Vier minus drei ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 4,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Stand 17.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- BarbaraValerie Pachner
- HeliRobert Stadlober
- SabineStefanie Reinsperger
- FriedrichHanno Koffler
- Jürgen SchreinerRonald Zehrfeld


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