„Emil und die Detektive“ von David Dietl bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 6,6 von 10. Die Neuverfilmung hat verstanden, was an Kästners Roman von 1929 bis heute trägt: Kinder, die sich ohne Erwachsene zusammentun, um ein Unrecht geradezurücken. Sie traut diesem Kern aber zu wenig und packt so viel Gegenwart, Tempo und Berlin-Klischee darum, dass er stellenweise kaum noch zu sehen ist.
Der Film läuft seit dem 24. September 2026 im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany in den deutschen Kinos, dauert 100 Minuten und ist ab 6 Jahren freigegeben. Die Kritik ist überwiegend freundlich. Für Familien ist er ein guter Kinonachmittag, der filmdienst empfiehlt ihn pädagogisch ab zehn Jahren. Wer die Fassung von 1931 im Herzen trägt, sollte die Erwartungen etwas senken.
6,6 von mir. David Dietl hat verstanden, was an Kästner trägt: Kinder, die sich ohne Erwachsene zusammentun und ein Unrecht geraderücken. Die neue Bande mit Anh und Jason gehört ganz selbstverständlich in dieses Berlin, und Nicholas Jonah Peter spielt Emil ohne Altklugheit. Doch der Film traut seinem Kern zu wenig, packt Smartphones, Immobilienhai und jedes Berlin-Klischee dazu und lässt dem Staunen keine Zeit. Ein guter Familienfilm, keine neue Fassung für die Ewigkeit.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionWorum es geht
Emil Tischbein ist zwölf und lebt mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters in bescheidenen Verhältnissen in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Er soll Geld zu seiner Großmutter nach Berlin bringen, die immer mehr Hilfe braucht. Im Zug schläft er ein, und ein Mitreisender, Max Grundeis, nimmt ihm das Geld ab. In Berlin heftet Emil sich an den Dieb und findet eine Bande Kinder, die ihm hilft. Das ist, bis in die Namen Pony, Gustav und Dienstag, sehr nah am Buch.
Was dieser Film von 1931 geerbt hat
Die erste Verfilmung, inszeniert von Gerhard Lamprecht nach einem Drehbuch, an dem Billy Wilder mitschrieb, war deshalb so erstaunlich, weil sie die Kinder ernster nahm als die Erwachsenen und Berlin zeigte, wie ein Junge aus der Provinz es sieht: zu groß, zu schnell, aber nicht feindlich. Nach den Fassungen von 1954 und 2001 ist das nun die vierte deutsche Kinofassung, und sie hat diesen Gedanken behalten. Die Kinder organisieren sich selbst und halten zusammen, und die Jagd auf den Dieb bleibt ihre Sache. Michael Meyns schreibt bei Filmstarts, der Film bleibe der Vorlage erstaunlich treu, und darin hat er recht.
Auch die neue Bande ist im Sinne Kästners gedacht. Mit Anh und Jason kommen zwei Figuren hinzu, die das heutige Berlin mitbringen, Schauplätze sind unter anderem das Dong-Xuan-Center und die Sonnenallee. Kästners Berlin war eine Stadt der Zugezogenen, und dass diese Fassung das ohne Aufhebens zeigt, halte ich für ihre klügste Entscheidung.
Wo der Film seinem Kern nicht traut
Was der Fassung von 1931 die Wirkung gab, war die Zeit, die sie dem Staunen ließ. Dietl erzählt dagegen in hohem Tempo, und er lädt seiner Geschichte viel auf: Smartphones als Werkzeug der Detektive, eine Nebenhandlung um einen Immobilienhai, der den Wohnungsmangel der Stadt ins Spiel bringt, Schauplatz um Schauplatz. Kira Taszman beschreibt das beim filmdienst als Überfrachtung, bei der manche gesellschaftlichen Themen nur angerissen werden, und genau so wirkt es. Jedes dieser Themen hätte einen eigenen Film getragen, nebeneinander gestellt nehmen sie dem einen Thema den Raum, um das es geht.
Dasselbe gilt für das Bild der Stadt. Meyns vergleicht es bei Filmstarts mit einem Instagram-Account, kaum ein Berlin-Klischee werde ausgelassen, und er meint das halb anerkennend als Satire. Mir ist es zu bunt. Kästners Berlin war genau beobachtet, dieses ist eine Sammlung von Wiedererkennungseffekten, und die Wiedererkennung ersetzt das Hinsehen.
Die Kinder tragen ihn
Dass der Film trotzdem lohnt, liegt an seiner Besetzung. Nicholas Jonah Peter spielt Emil ohne die Altklugheit, die Kinderfiguren in deutschen Familienfilmen so oft haben. Sebastian Groß nennt ihn bei Moviebreak „angenehm ungekünstelt“, und das trifft es. Neben ihm geben Ursula Werner als Großmutter und Luise Heyer als Mutter dem Film die Ruhe, die er sich selbst nicht gönnt. Merlin Sandmeyers Grundeis ist eher eine Karikatur als eine Bedrohung, was für ein junges Publikum vertretbar ist.
Wer neben Emil eine zweite Kästner-Verfilmung für die Familie sucht, findet sie in Das fliegende Klassenzimmer.
Wie die Kritik „Emil und die Detektive“ sieht
Überwiegend wohlwollend. Filmstarts vergibt 4 von 5 Sternen und lobt einen bunten, überdrehten Kinderfilm, der die Vorlage zeitgemäß modernisiert. Moviebreak spricht von einer netten Neuauflage, die vor allem durch ihre Besetzung punktet, merkt aber an, dass manche Dialogzeilen gezwungen zeitgemäß klingen. Der filmdienst ist zurückhaltender und sieht die Geschichte mit Schauplätzen, Action und Themen überfrachtet. Stand: 1. Oktober 2026.
Meine 6,6 liegt unter Filmstarts und näher am filmdienst. Unsere WatchGuide-Empfehlung zu „Emil und die Detektive“: ein lebendiger Familienfilm, der Kindern Kästners Idee von Selbstständigkeit und Zusammenhalt nahebringt, und dafür lohnt der Kinobesuch. Wer wissen will, wie viel Stille diese Geschichte verträgt, sollte danach die Fassung von 1931 suchen.
Wer mitspielt
- Nicholas Jonah Peter als Emil Tischbein
- Merlin Sandmeyer als Max Grundeis
- Luise Heyer als Anna Tischbein
- Ursula Werner als Renate Tischbein
- Lara Toni Lüdders als Pony
- Kilian Kasa als Gustav
- Bela Louis Plass als Dienstag
- Ai Vy Bui als Anh
- Camille Moltzen als Jason
Regie: David Dietl. Drehbuch: Antonia Scheurlen nach dem Roman von Erich Kästner. Kamera: Philip Peschlow. Musik: Michael Kamm. Produktion: UFA Fiction, Warner Bros. Film Productions Germany und UFA Mitte.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Hält Kästners Kern von der kindlichen Selbstorganisation fest
- Die neue Bande gehört selbstverständlich ins heutige Berlin
- Nicholas Jonah Peter spielt Emil ohne Altklugheit
- Ursula Werner und Luise Heyer geben dem Film Ruhe
Dagegen
- Zu viele Nebenthemen, die nur angerissen werden
- Berlin als Klischeesammlung statt als beobachtete Stadt
- Das Tempo lässt dem Staunen keinen Raum
Kästners Berlin war genau beobachtet, dieses ist eine Sammlung von Wiedererkennungseffekten, und die Wiedererkennung ersetzt das Hinsehen.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Besetzung
5 Rollen- Emil TischbeinNicholas Jonah Peter
- Max GrundeisMerlin Sandmeyer
- PonyLara Toni Lüdders
- GustavKilian Kasa
- DienstagBela Louis Plass


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