Countdown zum Kinostart
Emil und die Detektive: Kästners Klassiker jagt zum vierten Mal durch Berlin ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von LichtspielAm 24. September 2026 schickt das deutsche Kino Emil Tischbein zum vierten Mal auf die Jagd durch Berlin, fast hundert Jahre nach Erich Kästners Roman.
Ich gehöre zu den Menschen, die bei „Emil und die Detektive“ sofort an Schwarzweiß denken, an eine Straßenbahn, an eine Horde Kinder, die einem Dieb hinterherhetzt. Dass diese Geschichte 2026 neu erzählt wird, macht mich neugierig und ein bisschen wachsam zugleich.
Ein Stoff, der schon dreimal ins Kino fand
Man muss die Vorgeschichte kennen, um die Tragweite zu verstehen. Kästner veröffentlichte den Roman 1929, und schon 1931 kam die erste Verfilmung, an deren Drehbuch ein junger Mann namens Billie Wilder mitschrieb, bevor er nach Hollywood ging und einer der größten Regisseure der Filmgeschichte wurde. Danach folgten Neuverfilmungen 1954, mit Kästner selbst als Erzähler, und 2001 in modernisierter Form. Diese vierte Fassung reiht sich also in eine lange Ahnengalerie ein, und genau das ist ihr Reiz und ihre Bürde.
Denn ein Stoff, der alle paar Jahrzehnte neu erzählt wird, verrät immer etwas über die Zeit, die ihn erzählt. Die 1931er Fassung atmete die Weimarer Republik, die 2001er Version verlegte alles ins Gegenwarts-Berlin. Was diese Fassung über 2026 sagen will, ist die Frage, die ich mir vor dem Kinobesuch stelle. Ich hoffe auf mehr als eine hübsch bebilderte Pflichtübung.
David Dietl. Der Name trägt Geschichte.
Regie führt David Dietl, und wer sich für deutsches Kino interessiert, horcht bei dem Nachnamen auf. Er ist der Sohn von Helmut Dietl, dem Mann hinter „Kir Royal“, „Monaco Franze“ und „Schtonk“, also einem der prägenden Chronisten bundesdeutscher Eitelkeiten. Diese Herkunft garantiert nichts, aber sie weckt bei mir eine Hoffnung: dass hier jemand am Werk ist, der Berlin als Figur begreift und nicht bloß als Kulisse.
Das Drehbuch stammt von Antonia Scheurlen, die den Kästner-Stoff für heute einrichten musste, ohne seinen Kern zu verraten. Und der Kern ist erstaunlich haltbar: ein Kind, das bestohlen wird, und eine Gemeinschaft von Kindern, die sich selbst organisiert, um Gerechtigkeit herzustellen, ganz ohne Erwachsene. Diese Idee der kindlichen Selbstermächtigung war 1929 revolutionär und ist heute, in einer durchbehüteten Kindheit, fast schon utopisch. Wenn der Film das ernst nimmt, kann er wunderbar werden.
Man darf nicht vergessen, in welche Zeit dieser Stoff geboren wurde. Kästner schrieb Emil am Ende der Weimarer Republik, in einem Berlin, das gleichzeitig glänzte und bebte. Wenige Jahre später verbrannten die Nationalsozialisten seine Bücher, und Emil war eines der wenigen Werke, das er unter eigenem Namen behalten durfte. Diese Geschichte trägt also ein Stück deutscher Geschichte in sich, ob eine Familienverfilmung dieses Gewicht spürbar macht oder nicht, ist offen, aber das Fundament ist da.
Eine Kinderbande, wie sie 2026 aussieht
Besetzt ist der Film mit einem Ensemble junger Nachwuchsdarsteller. Ich mag die Vorstellung, hier neue Gesichter zu sehen statt bekannter Kinderstars, denn das Original lebte immer von der Authentizität seiner Rasselbande.
- Nicholas Jonah Peter spielt Emil Tischbein, den bestohlenen Jungen aus der Provinz, der in Berlin über sich hinauswächst
- Merlin Sandmeyer gibt den Betrüger Max Grundeis, jene Figur, die Generationen von Kindern das Fürchten lehrte
- Die Detektivbande um Pony, Gustav, Dienstag und die neu hinzugekommenen Figuren Anh und Jason spiegelt ein Berlin, das vielfältiger ist als das von 1929
- Als Großmutter Renate Tischbein steht mit Ursula Werner eine erfahrene Bühnen- und Filmschauspielerin an der Seite der Kinder
Dass die Bande diverser besetzt ist als in allen Fassungen zuvor, finde ich richtig. Kästners Berlin war schon immer eine Stadt der vielen Herkünfte, und ein Kinderfilm, der das heutige Berlin zeigen will, kommt gar nicht umhin. Ob das organisch gelingt oder als Häkchen wirkt, wird man sehen. Ich setze auf Ersteres.
Woran solche Neuverfilmungen scheitern können
Jetzt der wache Teil. Kinderbuch-Neuverfilmungen sind ein Minenfeld, weil sie zwei Generationen zufriedenstellen müssen: die Kinder von heute und die Eltern, die den Stoff mit Nostalgie im Bauch mitbringen. Wird der Film zu modern, verliert er die Wärme des Originals. Bleibt er zu brav, wirkt er wie ein Museumsstück. Die 2001er Fassung hat diese Gratwanderung nur halb geschafft, und ich hoffe, aus ihren Fehlern hat man gelernt.
Meine zweite Sorge ist das Tempo. Der Roman lebt vom Beobachten, vom Aufblitzen einer großen Stadt aus der Perspektive eines kleinen Jungen. In einer Kinolandschaft, die Kinderfilme oft im Schnitttempo von Werbespots erzählt, wünsche ich mir, dass Dietl den Mut hat, auch mal innezuhalten. Ein Kind, das zum ersten Mal allein in Berlin steht, braucht keinen hektischen Schnitt, es braucht einen Moment der Stille, damit die Größe der Stadt spürbar wird. Gerade darin lag ja die Kraft aller guten Kästner-Verfilmungen: Sie nahmen die Angst und das Staunen eines Kindes ernst, statt sie in Tempo zu ertränken. Genau daran werde ich diese Fassung messen.
Wo Kästner und das Kinderkino bei uns weiterleben
Wer sich auf die Wiederbegegnung mit Kästner einstimmen will, findet bei uns bereits Das fliegende Klassenzimmer, jene andere große Internatsgeschichte aus seiner Feder, die ebenfalls mehrfach verfilmt wurde. Für die jüngeren Zuschauer lohnt der Blick auf das heimische Kinderkino mit Bibi Blocksberg und die total verhexte Zeitreise sowie Bibi Blocksberg und das große Hexentreffen.
Und weil Emil im Grunde die erste große Detektivgeschichte für Kinder ist, passt als Kontrast der Klassiker für Erwachsene, Die Abenteuer des Sherlock Holmes, in dem das genaue Beobachten zur Kunstform wird, genau wie bei Emils Bande. Wer es lieber komödiantisch mag, findet mit Das Kanu des Manitu einen deutschen Kassenschlager der jüngeren Zeit. So lässt sich die Wartezeit bis September gut überbrücken.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEin Stoff, der alle paar Jahrzehnte neu erzählt wird, verrät immer etwas über die Zeit, die ihn erzählt. Ich bin gespannt, was er über 2026 sagt.— vorab eingeschätzt von Lichtspiel
✅ Darauf freuen wir uns
- Ein Kästner-Klassiker mit fast 100 Jahren Kinogeschichte
- Regie von David Dietl, Sohn von Helmut Dietl
- Neue, diverse Kinderbande für das heutige Berlin
- Der zeitlose Kern der kindlichen Selbstermächtigung
❓ Das macht uns nervös
- Kinderbuch-Neuverfilmungen scheitern oft zwischen Nostalgie und Moderne
- Die Gefahr des Werbespot-Tempos statt echter Beobachtung
- Die Messlatte von vier Vorgängerfassungen ist hoch
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