Die Kritik
von TribunQuick Answer: Ist Der Senkrechtstarter sehenswert?
Kurze Antwort: BEDINGT – Ein interessantes Zeitdokument von Stallones früher Regiearbeit mit authentischer 40er-Jahre-Atmosphäre, aber handwerklichen Schwächen.
Für wen geeignet: Stallone-Completisten, Fans von 70er-Jahre-Kino, Wrestling-Enthusiasten, Liebhaber von Brüdergeschichten.
Nicht geeignet für: Action-Fans die Rocky erwarten, Menschen die polierte Inszenierung bevorzugen, Zuschauer ohne Geduld für langsame Charakterentwicklung.
Mein Urteil: Stallone wollte zu viel auf einmal und übernimmt sich dabei. Trotzdem steckt in diesem ungeschliffenen Diamanten eine ehrliche Geschichte über Familie und den amerikanischen Traum.
Worum geht es in Der Senkrechtstarter?
„Der Senkrechtstarter“ erzählt die Geschichte der drei arbeitslosen Carboni-Brüder im New York der 1940er Jahre, die in den illegalen Wrestling-Ringen von Hell’s Kitchen ihr Glück versuchen. Cosmo (Stallone) ist der Träumer und Schwindler, Lenny (Armand Assante) der nachdenkliche Bestatter, und Victor (Lee Canalito) der sanfte Riese, dessen Körperkraft zum Familieneinkommen werden soll.
Ich muss gestehen, als ich 1978 ins Kino ging, hatte ich andere Erwartungen. Rocky war noch frisch im Gedächtnis, und alle warteten auf den nächsten Stallone-Triumph. Was wir bekamen, war etwas völlig anderes: ein melancholisches Familiendrama mit Wrestling-Elementen, das mehr Ambition als Budget hatte.
Die Geschichte beginnt in der ärmlichen Welt von Hell’s Kitchen, wo die drei Brüder versuchen, über die Runden zu kommen. Cosmo verkauft gefrorenes Eis auf der Straße und träumt von schnellem Reichtum. Lenny arbeitet im Bestattungsunternehmen und ringt mit moralischen Zweifeln. Victor, der jüngste, möchte eigentlich nur malen und in Ruhe gelassen werden.
Als Cosmo die körperliche Stärke seines Bruders entdeckt, entwickelt er den Plan, Victor in die brutale Welt des Untergrundn-Wrestlings zu schicken. Was als schneller Weg zum Geld gedacht war, wird schnell zu einer Geschichte über zerbrochene Träume und den Preis des Erfolgs.
Wie schlägt sich Stallone als Regisseur in Der Senkrechtstarter?
Stallones Regiedebüt zeigt einen Filmemacher mit klaren Vorstellungen, aber noch unausgereiften handwerklichen Fähigkeiten. Seine Vision einer authentischen 1940er-Jahre-Atmosphäre funktioniert teilweise, leidet aber unter Pacing-Problemen und einer manchmal unentschlossenen Tonalität zwischen Komödie und Drama.
Man merkt dem Film an, dass hier jemand am Werk ist, der seine Geschichte unbedingt erzählen will. Stallone hatte eine sehr persönliche Verbindung zu diesem Projekt – er wuchs selbst in ärmlichen Verhältnissen auf und kannte die Welt seiner Charaktere aus eigener Erfahrung.
Die Regie schwankt zwischen beeindruckenden Momenten und amateurhaften Sequenzen. Besonders die Wrestling-Szenen haben eine rohe Energie, die an die besten Momente von Rocky erinnert. Stallone versteht es, die Brutalität und den Showcharakter dieser illegalen Kämpfe einzufangen.
Problematisch wird es bei der Charakterentwicklung. Der Film braucht zu lange, um in Gang zu kommen, und verliert sich teilweise in Nebenschauplätzen. Stallone als Regisseur zeigt noch nicht die Disziplin, die er später in seinen besseren Filmen entwickeln würde.
Dennoch gibt es Szenen von echter emotionaler Kraft. Die Momente zwischen den Brüdern, besonders wenn sie über ihre Träume und Ängste sprechen, haben eine Authentizität, die man in vielen hochbudgetierten Produktionen vermisst.
Wie überzeugt die Besetzung von Der Senkrechtstarter?
Die drei Hauptdarsteller bilden ein überzeugendes Brüder-Trio, wobei Armand Assante als Lenny die stärkste Performance abliefert. Stallone spielt seinen gewitzten Cosmo mit Charme, während Lee Canalito als Victor die schwierigste Rolle hat – einen sanften Riesen glaubhaft zu verkörpern.
Armand Assante stahl mir damals fast die Show. Seine Darstellung des nachdenklichen Lenny hat eine Tiefe, die den anderen Charakteren manchmal fehlt. Assante bringt eine natürliche Intensität mit, die perfekt zu seinem moralisch zerrissenen Charakter passt.
Stallone selbst ist interessant zu beobachten. Sein Cosmo ist weniger sympathisch als Rocky Balboa – ein Träumer, ja, aber auch ein Opportunist, der bereit ist, seine Familie für den schnellen Erfolg zu opfern. Es zeigt Stallones Mut als Schauspieler, einen nicht immer liebenswerten Charakter zu spielen.
Lee Canalito hatte die undankbarste Rolle. Victor sollte sowohl bedrohlich als auch verletzlich sein, und das ist ein schwieriger Balanceakt. Canalito macht seine Sache ordentlich, auch wenn ihm manchmal die Erfahrung seiner Kollegen fehlt.
Anne Archer als Annie bringt eine willkommene weibliche Perspektive in diese sehr männliche Geschichte. Ihre Szenen mit Assante gehören zu den emotionalsten des Films.
Joe Spinell als zwielichtiger Promoter Burp ist typisch für die 70er Jahre – ein Bösewicht, der mehr schleimig als wirklich bedrohlich ist. Spinell, der später in „Maniac“ brillierte, zeigt hier sein Talent für unsympathische Charaktere.
Wie sind Kamera und Bildsprache in Der Senkrechtstarter?
László Kovács‘ Kameraarbeit ist das stärkste Element des Films. Der erfahrene Cinematograph, bekannt aus „Easy Rider“ und „Paper Moon“, schafft eine authentische 1940er-Jahre-Atmosphäre mit warmen, erdigen Tönen und einer dokumentarischen Intimität, die die Geschichte glaubwürdig macht.
Kovács war eine geniale Besetzung für dieses Projekt. Seine Erfahrung mit amerikanischen Underdog-Geschichten zeigt sich in jeder Einstellung. Die Kamera bewegt sich durch Hell’s Kitchen wie ein neugieriger Beobachter, fängt die Armut und Hoffnung der Menschen ein, ohne voyeuristisch zu werden.
Besonders beeindruckend sind die Wrestling-Sequenzen. Kovács verzichtet auf übertriebene Schnitte und lässt die Kamera stattdessen die rohe Brutalität der Kämpfe einfangen. Man spürt die Schläge, riecht fast den Schweiß und hört das Grölen der Zuschauer.
Die Farbpalette des Films ist bewusst gedämpft – viel Braun, Grau und schmutziges Gelb. Das verstärkt das Gefühl von Armut und Tristesse, aus der die Brüder entkommen wollen. Stallone und Kovács verstanden, dass die visuelle Sprache die emotionale Geschichte unterstützen muss.
Weniger gelungen sind einige der Montage-Sequenzen. Hier merkt man, dass dem Regisseur noch die Erfahrung fehlt, komplexe visuelle Erzählungen zu strukturieren. Manche Übergänge wirken abrupt, andere zu langgezogen.
Wie funktioniert Musik und Sound in Der Senkrechtstarter?
Bill Contis Filmmusik baut auf seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit Stallone bei „Rocky“ auf und liefert eine melancholische, jazz-inspirierte Partitur, die perfekt zur 1940er-Jahre-Atmosphäre passt. Der Score unterstützt die emotionalen Momente, ohne aufdringlich zu werden, auch wenn er manchmal zu sehr an Rocky erinnert.
Conti war die logische Wahl nach dem Erfolg von Rocky. Seine Musik hier ist subtiler, weniger triumphierend, aber emotional nicht weniger effektiv. Die Jazz-Elemente passen perfekt zur Zeit und zum Ort der Handlung.
Besonders gelungen ist die musikalische Untermalung der Brüder-Momente. Conti versteht es, die Melancholie dieser Charaktere einzufangen, ohne sentimental zu werden. Seine Musik verstärkt das Gefühl von verlorener Unschuld und zerplatzten Träumen.
Der Soundmix ist typisch für die späten 70er Jahre – nicht immer perfekt ausbalanciert, aber authentisch. Die Wrestling-Szenen klingen roh und unmittelbar, was zur Glaubwürdigkeit beiträgt.
Ein Problem ist, dass manche Musikcues zu stark an Rocky erinnern. Als Zuschauer wurde ich manchmal aus der Geschichte gerissen, weil ich an Stallones vorherigen Erfolg denken musste.
Was sind die Stärken von Der Senkrechtstarter?
Die größte Stärke des Films liegt in seiner authentischen Darstellung des amerikanischen Arbeiter-Milieus der 1940er Jahre. Stallone schreibt seine Charaktere mit ehrlicher Liebe und ohne Romantisierung ihrer Armut. Die Brüder-Dynamik funktioniert überraschend gut, und die Wrestling-Welt wird glaubhaft inszeniert.
Was mich damals und heute noch beeindruckt, ist Stallones Mut, eine ungeschönte Geschichte zu erzählen. Seine Charaktere sind keine Helden – sie sind Menschen mit Schwächen, Träumen und schlechten Entscheidungen. Das war 1978 nicht selbstverständlich.
Die Authentizität der Darstellung ist bemerkenswert. Man spürt, dass Stallone diese Welt kannte, diese Menschen verstanden hatte. Hell’s Kitchen wird nicht als pittoresker Schauplatz benutzt, sondern als harte Realität gezeigt.
Die Wrestling-Sequenzen haben eine Energie, die an die besten Sportfilme erinnert. Stallone versteht es, die Mischung aus Show und brutaler Realität einzufangen, die diese illegalen Kämpfe ausmachte.
Emotional funktioniert der Film in seinen besten Momenten sehr gut. Die Szenen zwischen den Brüdern, besonders wenn sie über ihre Zukunft sprechen, haben eine Tiefe, die man nicht erwartet hätte.
Die Periode-Details stimmen größtenteils. Kostüme, Sets und Atmosphäre transportieren den Zuschauer glaubhaft in die 1940er Jahre zurück.
Wo liegen die Schwächen von Der Senkrechtstarter?
Der Film leidet unter Pacing-Problemen und einer unentschlossenen Tonalität. Stallone als Erstlingsregisseur übernimmt sich mit zu vielen Handlungssträngen, und die 109 Minuten Laufzeit fühlen sich länger an. Dazu kommt ein relativ kleines Budget, das sich in der technischen Ausführung bemerkbar macht.
Meine größte Kritik damals wie heute: Der Film weiß nicht genau, was er sein will. Comedy? Drama? Sportfilm? Diese Unentschlossenheit schadet der Gesamtwirkung erheblich.
Die Erzählstruktur ist problematisch. Stallone braucht zu lange, um seine Geschichte in Gang zu bringen, und verliert sich dann in Nebenschauplätzen, die nicht zur Haupthandlung beitragen. Als Zuschauer wartet man oft darauf, dass endlich etwas passiert.
Das Budget zeigt sich an allen Ecken. Manche Sets wirken billig, die Wrestling-Arena sieht aus wie eine umgebaute Turnhalle (was sie wahrscheinlich auch war), und die Anzahl der Statisten ist begrenzt.
Stallones Schauspiel ist nicht immer überzeugend. In Rocky funktionierte seine etwas steife Art perfekt für den Charakter. Hier als gewitzter Cosmo wirkt er manchmal angestrengt.
Die Frauenrollen sind leider sehr dünn geschrieben. Anne Archer macht das Beste aus ihrer Rolle, aber Annie bleibt größtenteils ein emotionaler Anker für Lenny, ohne eigene Entwicklung.
Der Schluss fühlt sich übereilt an. Nach all der Charakterentwicklung wird die Auflösung zu schnell abgehandelt, was unbefriedigend wirkt.
Für wen ist Der Senkrechtstarter geeignet?
Der Film richtet sich primär an Stallone-Fans, die seine frühe Entwicklung als Filmemacher verstehen wollen, sowie an Liebhaber von 70er-Jahre-Kino mit seiner rauen, ungeschliffenen Ästhetik. Wrestling-Fans finden hier eine authentische Darstellung der Undergrund-Szene, während Cineasten den Film als interessantes Zeitdokument betrachten können.
Wenn Sie Rocky geliebt haben und mehr von Stallones persönlicher Filmografie sehen wollen, ist „Der Senkrechtstarter“ ein faszinierender Einblick in seine Entwicklung. Man sieht hier einen Künstler, der noch experimentiert und seinen Stil findet.
Fans von Brüdergeschichten werden die Dynamik zwischen Cosmo, Lenny und Victor schätzen. Die drei Charaktere repräsentieren verschiedene Aspekte des amerikanischen Traums und seiner Schattenseiten.
Für Wrestling-Enthusiasten bietet der Film einen seltenen Blick in die Welt der illegalen Kämpfe der 1940er Jahre. Die Darstellung ist rauer und weniger glamourös als moderne Wrestling-Unterhaltung.
Menschen, die authentische Arbeitermilieu-Geschichten schätzen, werden die ehrliche Darstellung von Armut und Hoffnung zu würdigen wissen. Der Film romantisiert das harte Leben nicht.
Wenn Sie jedoch einen poliert inszenierten Blockbuster erwarten oder ungeduldig bei langsamer Erzählweise werden, ist dieser Film nichts für Sie. Auch Action-Fans, die auf Rocky-ähnliche Momente hoffen, werden enttäuscht sein.
Wer spielt in Der Senkrechtstarter mit?
- Sylvester Stallone als Cosmo Carboni
- Armand Assante als Lenny Carboni
- Lee Canalito als Victor Carboni
- Anne Archer als Annie O’Shea
- Joe Spinell als Burp
- Frank McRae als Big Glory
- Kevin Conway als Stitch Henderson
- Terry Funk als Frankie the Thumper
- Tom Waits als Mumbles
Fazit: Lohnt sich Der Senkrechtstarter?
„Der Senkrechtstarter“ ist ein Film der zwei Gesichter. Auf der einen Seite zeigt er Stallone als ambitionierten Geschichtenerzähler, der authentische, ungeschönte Charaktere erschaffen kann. Auf der anderen Seite offenbart er die Grenzen eines Erstlingsregisseurs, der sich zu viel zumutet. Die Wrestling-Welt der 1940er Jahre wird glaubwürdig eingefangen, und die Brüder-Dynamik funktioniert emotional. Aber Pacing-Probleme und handwerkliche Schwächen verhindern, dass aus dem ehrgeizigen Projekt ein rundum gelungener Film wird. Trotzdem ein interessantes Zeitdokument für alle, die Stallones künstlerische Entwicklung verfolgen wollen. 6.8/10 Punkte.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von Tribun — eine Person, ein begründetes Urteil.
Ein ehrgeiziger, aber ungeschliffener Erstling von Stallone – authentische 40er-Atmosphäre trifft auf handwerkliche Schwächen.— aus der Wertung von Tribun
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Der Senkrechtstarter
Wie lange dauert Der Senkrechtstarter?
Der Senkrechtstarter hat eine Laufzeit von rund 111 Minuten (1 Stunde und 51 Minuten).
Lohnt sich Der Senkrechtstarter?
Unsere Redaktion vergibt Der Senkrechtstarter einen Watcher-Score von 6,8 von 10. Der Senkrechtstarter ist ein faszinierendes Zeitdokument von Stallones früher Karriere. Die authentische Darstellung des 1940er-Arbeitermilieus und die ehrliche Brüder-Geschichte funktionieren gut, aber Pacing-Probleme und eine unentschlossene Tonalität schwächen den Gesamteindruck. Für Stallone-Fans und Liebhaber von 70er-Jahre-Kino dennoch interessant.
Für wen ist Der Senkrechtstarter geeignet?
Der Senkrechtstarter ist vor allem etwas für Drama-Fans, die auch über Schwächen hinwegsehen.
Worum geht es in Der Senkrechtstarter?
Sängerin Jake (Dolly Parton) will aus ihrem New Yorker Countrymusik-Club aussteigen, aber ihr Chef lässt sie nicht gehen. Immerhin ist er zu einer Wette bereit.
Besetzung
FAQ zu Der Senkrechtstarter
War Der Senkrechtstarter Stallones erstes Regiewerk?
Basiert der Film auf einer wahren Geschichte?
Warum war der Film nicht so erfolgreich wie Rocky?
Wie authentisch sind die Wrestling-Szenen dargestellt?
Arbeitet Stallone wieder mit Bill Conti zusammen?
Ist der Film heute noch sehenswert?
Der Saal
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1 Kommentar
Echt cool fand ich, dass Sylvester Stallone nicht nur die Hauptrolle gespielt hat, sondern auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Respekt, das muss man erstmal hinbekommen. 😮 Aber ganz ehrlich, ich fand den Film insgesamt so mittel. 🤷♂️ Die Story war okay, aber irgendwie hat mich nicht richtig umgehauen. Ich fand, dass das Setting im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen echt interessant war, aber die Handlung hat mich nicht so mitgerissen. Stallone war natürlich in Topform, kein Zweifel. 💪 Die Musik war auch ganz cool, hat echt Stimmung gemacht. Aber insgesamt war ich nicht so mega begeistert. Vielleicht bin ich einfach kein riesen Fan von Boxer-Filmen. 🥊️✨