Holy Meat bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 6,2 von 10. Alison Kuhns Komödie über ein Passionsspiel in einer schwäbischen Kirchengemeinde hat ein starkes Ensemble und eine erste Stunde mit echtem Biss. Dann erzählt der Film aus drei Blickwinkeln, und jeder Blickwinkel erzählt einen guten Teil des vorigen noch einmal. Das kostet Tempo und am Ende auch Schärfe.
Seit dem 1. Januar 2026 läuft der Film im Verleih von Camino in den deutschen Kinos, ab 12 Jahren freigegeben. Wer schwarzen Humor, Kirchensatire und ein Ensemble mag, das sich nichts schenkt, sollte hingehen. Wer eine straff erzählte Komödie erwartet, braucht Geduld.
6,2 von mir. Alison Kuhns Kirchensatire hat ein starkes Ensemble und eine erste Stunde mit Biss. Die Aufteilung in drei Blickwinkel erzählt aber zu viel doppelt, und die zweite Hälfte kippt ins Vertraute. Wer schwarzen Humor und ein gutes Ensemble mag, wird trotzdem unterhalten.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionEin Pfarrer, eine Metzgerin, ein Regisseur
Pater Oskar Iversen (Jens Albinus) hat seine dänische Inselgemeinde verlassen, ohne dass jemand genau weiß, warum. Jetzt will er eine schwäbische Gemeinde vor der Auflösung retten, und zwar mit einer Aufführung der Passion Christi, die den theaterliebenden Bischof (Lars Brygmann) überzeugen soll. Mia (Homa Faghiri) ist Metzgerin und nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich Vormund ihrer Schwester Merle (Amelie Gerdes), die das Down-Syndrom hat. Dass die Mutter kurz vor ihrem Tod ihr Testament zugunsten der Gemeinde geändert hat, macht Mia zur Gegnerin des Pfarrers. Und Roberto (Pit Bukowski), ein Regisseur, den die Berliner Off-Theaterszene vor die Tür gesetzt hat, sucht eine Bühne, um seinen Ruf zu retten.
Kuhn hat Buch und Regie übernommen, es ist ihr erster fiktionaler Langfilm nach dem Dokumentarfilm The Case You. Premiere war beim Filmfest München 2025.
Was die erste Stunde richtig macht
Der Film fängt mit einem Knall an, einem Erlösungsrave in SM-Kleidung unter Stroboskoplicht, und er erklärt ihn nicht. Das ist die richtige Entscheidung. Man weiß sofort, wo das hier hinläuft, und fragt sich den ganzen Film lang, wie.
Handwerklich ist vieles sauber. Die Kamera von Matthias Reisser bleibt nah an den Figuren, ohne sie vorzuführen. Albinus spielt den Pater mit einer Nervosität, die komisch ist, weil sie nie komisch sein will. Und Amelie Gerdes gibt Merle eine eigene Würde, weit weg von jeder Schablone, das hebt auch die Kritik bei critic.de hervor. Die Satire trifft die Kirche nicht dort, wo es billig ist, sondern dort, wo Kirche, Familie und Kunstbetrieb sich gegenseitig benutzen.
Das Problem mit dem Triptychon
Kuhn baut den Film streng: Prolog, drei Kapitel aus der Sicht von Pfarrer, Metzgerin und Regisseur, Epilog. Das klingt nach einer Idee, und im ersten Kapitelwechsel ist es auch eine. Ab dem zweiten sehe ich Szenen, deren Ausgang ich schon kenne, und bekomme zu wenig Neues dafür. Die Kritik bei epd Film schreibt, die Struktur bringe den Erzählrhythmus ins Stocken und erzeuge Redundanzen. Genau so ist es. Ein Perspektivwechsel muss eine Szene verändern, nicht nur wiederholen.
Dazu kommt, dass die zweite Hälfte ins Vertraute kippt. Die Liebesgeschichte zwischen Mia und Roberto ist eine, die man so schon oft gesehen hat, und critic.de spricht von Typen und Schablonen einer durchschnittlichen Fernsehkomödie um 20:15 Uhr. Das ist hart formuliert, aber nicht falsch. Der Mut der ersten Szene hält nicht bis zur Premiere des Passionsspiels.
Wie die Kritik Holy Meat sieht
Das Echo ist freundlich, aber verhalten. Filmstarts vergibt 3,5 von 5 Sternen und nennt die knapp zwei Stunden trotz erzählerischer Wiederholungen kurzweilig. epd Film gibt 3 von 5 Sternen. critic.de lobt das Stilbewusstsein der ersten Hälfte, der filmdienst nennt den Film eine drastische Komödie mit einem grotesken, ziemlich blasphemischen Auftakt. Stand der Werte: 30. September 2026.
Meine 6,2 liegt knapp unter der Mehrheit. Das liegt an der Wiederholung: Ein Ensemble dieser Klasse verdient ein Drehbuch, das jede Szene nur einmal braucht.
Weitere Titel stehen bei unseren Komödien.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Starkes Ensemble um Jens Albinus, Homa Faghiri und Pit Bukowski
- Amelie Gerdes gibt Merle eine eigene Würde
- Ein Auftakt mit echtem Mut
- Die Satire zielt auf Institution und Kunstbetrieb, nicht auf billige Pointen
Dagegen
- Die Kapitelstruktur erzählt vieles doppelt
- Die zweite Hälfte kippt in vertraute Fernsehkomödien-Muster
- Die Liebesgeschichte zwischen Mia und Roberto bleibt Schablone
Ein Perspektivwechsel muss eine Szene verändern, nicht nur wiederholen. Holy Meat wiederholt zu oft.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Holy Meat?
Verfügbarkeit DEStand 14.10.2026: Holy Meat ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 4,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Stand 14.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Bischof Henning VestergaardLars Brygmann
- Pater Oskar IversenJens Albinus
- RobertoPit Bukowski
- WilliChristian Pätzold
- NiklasJeremias Meyer


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