Poster zum Film Red Rue Express: Drei Liebesgeschichten auf dem Weg in die Karpaten (2026)

Red Rue Express: Drei Liebesgeschichten auf dem Weg in die Karpaten (2026)

🎬 Film 91 Min. KomödieLiebesfilm FSK 12
⚡ Kurz gesagt

Red Rue Express hat ein Ensemble, das mehr kann, als das Drehbuch von ihm verlangt, und unsere WatchGuide-Wertung liegt deshalb bei 5,4 von 10. Die ... Weiterlesen ...

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Die Kritik

von FilmSchneider

Red Rue Express hat ein Ensemble, das mehr kann, als das Drehbuch von ihm verlangt, und unsere WatchGuide-Wertung liegt deshalb bei 5,4 von 10. Die ukrainische Liebeskomödie von Oleksii Yesakov reiht auf einer Zugfahrt in die Karpaten Sketche aneinander, statt ihre Figuren Entscheidungen treffen zu lassen, und am Ende erklärt ein Monolog, was das Lied längst gesagt hat. Lohnend ist der Film für alle, die mit „Tscherwona Ruta“ aufgewachsen sind oder einen warmen, leichten Abend auf Ukrainisch suchen.

Gestartet ist Red Rue Express in Deutschland am Montag, 24. August 2026, dem 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit. Splendid Film zeigt den Film (91 Minuten, FSK 12) nur in der ukrainischen Originalfassung, eine deutsche Synchronfassung gibt es nicht. Es ist der dritte Film einer Reihe über Züge und ihr Personal, und Stanislav Boklan spielt wieder den Eisenbahner Mykola Ivanovych.

Wer im Red Rue Express mitfährt

Laut Verleih soll der erfahrene Mykola Ivanovych den jungen Schaffner Denys (Oleksandr Rudynskyi) ausbilden, doch Denys interessiert sich mehr für die Bloggerin Diana, gespielt von Nikol Matskul. Im Speisewagen gerät derweil die lange Beziehung von Petrovych und Pavlivna ins Wanken. Petrovych spielt Yuriy Gorbunov, der den Film auch produziert hat, Pavlivna ist Liliya Rebryk.

Im Mittelpunkt steht ein Dreieck: Tamara (Ekaterina Kuznetsova) will ihre Kinder aus einem Ferienlager in Worochta abholen, der Banker Vadym (Vyacheslav Dovzhenko) stellt ihr nach und gibt sich dabei laut Andreas Köhnemann auf kino-zeit.de als Witwer aus, und der Geiger Yurii (Roman Lutskyi) hält dagegen. Daneben läuft die Geschichte eines Ehepaars in der Krise, Oksana und Borys (Kateryna Varchenko, Yaroslav Bezkorovainyi), die sich nach einem heftigen Streit über die staatliche App Dija scheiden lassen und auf Bitten ihrer Tochter wieder versöhnen. Köhnemann nennt außerdem ein verschwundenes Kind und 36 Kisten Schmuggelware, die Petrovych in Denys‘ Abteil abstellt.

Ein Abend voller Sketche, aber ohne Bogen

Fangen wir mit dem Drehbuch an, denn da liegt mein Problem. Vier Geschichten in 91 Minuten, das geht nur, wenn jede Szene etwas vorbereitet, das später eingelöst wird. Red Rue Express macht es anders: Die Stränge laufen nebeneinander her, jeder hat seine Pointen, aber kaum einer baut auf eine Entscheidung zu, die sich eine Figur erarbeitet hätte. Andrei Nedzelnytskyi beschreibt das auf kino-teatr.ua treffend als Folge komödiantischer Sketche ohne übergreifende Handlung, ohne Entwicklung und ohne Höhepunkt, mit Ausnahme der Schlussszene. Er nimmt das dem Film nicht übel und nennt ihn ein Vaudeville im Zug. Ich schon, weil gerade eine Liebeskomödie davon lebt, dass man zusehen kann, wie sich zwei Menschen entscheiden.

Am deutlichsten wird das am Dreieck um Tamara. Wohin es läuft, ahnt man, sobald die beiden Männer eingeführt sind, und Kateryna Tkachenko schreibt in der Poltavska Khvylia genau das: Das Dreieck hat das erwartete Ende. Vorhersehbar wäre verzeihlich, wenn Tamara auf dem Weg dahin selbst etwas tun dürfte. Stattdessen löst der Film seine Spannungen gern von außen. Köhnemann erwähnt, dass an einer Stelle die Notbremse gezogen wird, „um maximale Dramatik zu erzeugen“. Das ist der Handgriff, den ich bei Episodenfilmen am wenigsten mag: Ein Ereignis stößt die Figuren zusammen, statt dass sie aufeinander zugehen.

Was das Ensemble trotzdem herausholt

Die Besetzung ist der Grund, warum ich den Film nicht tiefer ansetze. Stanislav Boklan trägt die Reihe inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Erklärung mehr braucht, Oleksandr Rudynskyi bringt in die Rolle des jungen Schaffners genau die Lebendigkeit, die Tkachenko an ihm hervorhebt, und Vyacheslav Dovzhenko spielt den Banker nicht als Karikatur. Tkachenko lobt an ihm eine „zurückhaltende Ausstrahlung“ und an Kateryna Varchenko, dass sie eine starke, aber verletzliche Frau überzeugend spielt. Das deckt sich mit dem, worauf ich achte: Gutes Spiel zeigt sich in den Momenten, in denen gerade kein Gag fällt.

Kateryna Slipchenko sieht das bei Zaxid.net kritischer. Sie spricht von einem festen Stamm an Darstellern, der von Komödie zu Komödie weiterzieht, und nennt die Schauspieler trotzdem charismatisch. Beides stimmt. Man kennt die Gesichter, und man sieht ihnen gern zu, auch wenn das Drehbuch ihnen wenig zu tun gibt.

Das Finale: drei Sätze zu viel

Das Lied „Tscherwona Ruta“ ist das Rückgrat des Films. Am Anfang singt es der Chor „Homin“ auf dem Kiewer Bahnhof. Am Ende erklingt es beim Konzert in Worochta, unter anderem mit Iryna Bilyk, Oleksandr Ponomarov und Natalia Mohylevska, und laut Tkachenko singen auf der Leinwand auch Rettungskräfte, Bäcker, Ärzte und Ultras mit, in einem kurzen Moment sogar Sean Penn. Das funktioniert, weil das Lied für ein ukrainisches Publikum seit Jahrzehnten Bedeutung trägt und der Film sie nicht erst herstellen muss.

Und dann kommt der Monolog. Slipchenko schreibt, der Film spüre vom Krieg fast nichts, und am Ende wirke es, als hätten die Macher in letzter Minute einen süßlich-pathetischen Schlussmonolog eingefügt, den nicht einmal Boklan natürlich sprechen könne. Tkachenko zitiert eine Zeile, die den Ton trifft: „Für die Unabhängigkeit muss man genauso kämpfen wie für die Liebe. Alles Gute zum Feiertag, bestes Land der Welt!“ Das ist Exposition in Reinform. Der Film erklärt, was man gerade gehört hat, und nimmt dem Lied damit die Arbeit weg, die es allein besser erledigt. Eine Szene endet dort, wo sie wirkt, und nicht drei Sätze später.

Dazu kommt die Werbung. Der Film entstand mit der ukrainischen Staatsbahn Ukrsalisnyzja, die Wagen sind eigens rot gestaltet, das Personal trägt rote Uniformen. Slipchenko spottet, man hätte sich auf die Aufführung des Liedes beschränken können, dann hätte aber das Produktplacement nicht mehr hineingepasst. Tkachenko fand die Markeneinbindungen stellenweise zu direkt, und Slipchenko nennt das Produktplacement in dieser Reihe ausdrücklich traditionell. Für die Figuren tut es nichts.

„Tscherwona Ruta“: was hinter dem Titel steckt

Der Originaltitel „Potyag «Chervona Ruta»“ heißt „Zug Tscherwona Ruta“, also Zug „Rote Raute“. Gemeint ist das Lied von Wolodymyr Iwasjuk, das unter anderem Sofia Rotaru bekannt gemacht hat, und der gleichnamige Musikfilm von 1971. Nach der ukrainischen Legende, auf die das Lied anspielt, blüht die sonst gelb blühende Raute in der Nacht vor dem Iwan-Kupala-Fest kurz rot, und wer sie dann findet, hat Glück. Splendid beschreibt den Film als moderne Deutung dieses Kultursymbols.

Für deutsche Zuschauer heißt das: Wer das Lied nicht im Ohr hat, bekommt das Finale ohne den Vorschuss, auf den der Film baut. Dann muss die Handlung die Arbeit allein machen, und genau dort ist Red Rue Express am schwächsten. Wer mit dem Lied aufgewachsen ist, wird den Schluss anders erleben als ich, und das ist ein ehrlicher Grund, eine Note höher zu gehen.

Muss man die ersten beiden Zugfilme kennen?

Nein. Splendid stellt Red Rue Express als dritten Teil nach „December 31st Express“ (2024) und „Der Weihnachtsexpress“ (2025) vor, doch Nedzelnytskyi nennt ihn bis auf die Eisenbahnerfiguren einen völlig eigenständigen Film. Stanislav Boklan spielt in allen drei Filmen Mykola Ivanovych, und laut TMDB spielte Ekaterina Kuznetsova schon im ersten Teil eine Tamara. Wer die Vorgänger kennt, erkennt ein paar Gesichter wieder, nötig ist das nicht.

Wie die Kritik sonst urteilt, und wie schmal die Basis ist

Eine breite Kritikerlage gibt es zu diesem Film nicht. Rotten Tomatoes führt am 30. September 2026 keine einzige Kritik, Filmstarts hat keine Redaktionswertung, bei epd Film und filmdienst haben wir keine Besprechung gefunden. Was es gibt, ist gemischt: Köhnemann lobt auf kino-zeit.de Tempo und „die Mischung aus Slapstick und Gefühl“, ohne Sterne zu vergeben. Nedzelnytskyi vergibt auf kino-teatr.ua vier von fünf Sternen, schreibt aber, der Film erreiche keine besonderen Höhen. Tkachenko nennt ihn gut gemachtes Kino mit banalem Drehbuch, Slipchenko „eher einfach leer“, aber nicht katastrophal.

Im Mittel landet das irgendwo bei solider Unterhaltung. Unsere WatchGuide-Wertung von 5,4 liegt etwas darunter, weil ich die Schwächen, die alle vier benennen, schwerer gewichte als das Lob: Ein Drehbuch ohne Bogen und ein Schluss, der sich selbst erklärt, sind für mich keine Nebensachen, sondern der Kern einer Komödie. Ein echter Ausreißer ist das nicht, eher eine strengere Lesart derselben Befunde.

Original mit Untertiteln: vor dem Ticketkauf nachsehen

Bei der Frage Synchron oder Original streite ich sonst gern für eine gute deutsche Fassung. Hier gibt es nichts zu streiten. Der deutsche Teaser von Splendid ist ukrainisch gesprochen und deutsch untertitelt. Laut Weltexpresso läuft der Film ausschließlich in der ukrainischen Sprachfassung, nur zum Teil mit deutschen Untertiteln. Wer kein Ukrainisch versteht, sollte also vor dem Kauf prüfen, ob die Vorstellung ausdrücklich als OmU angekündigt ist.

Welche Kinos es in deiner Nähe gibt, zeigt unser Kinofinder, das aktuelle Programm steht dann auf der Seite des jeweiligen Kinos. Einen Termin für DVD, Blu-ray oder Streaming nennt die Filmseite von Splendid bisher nicht.

Wer in Red Rue Express spielt

  • Stanislav Boklan als Eisenbahner Mykola Ivanovych
  • Oleksandr Rudynskyi als junger Schaffner Denys
  • Ekaterina Kuznetsova als Tamara
  • Roman Lutskyi als Geiger Yurii, Vyacheslav Dovzhenko als Banker Vadym
  • Nikol Matskul als Bloggerin Diana
  • Kateryna Varchenko und Yaroslav Bezkorovainyi als Ehepaar Oksana und Borys
  • Yuriy Gorbunov als Petrovych, Liliya Rebryk als Pavlivna
  • Anastasiya Ivanyuk als Solomiya
  • Regie: Oleksii Yesakov
⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung
Story4,0
Schauspiel7,0
Effekte6,0
Ton7,5

Dafür

  • Boklan, Rudynskyi und Dovzhenko spielen genauer, als das Drehbuch verlangt
  • Das Lied Tscherwona Ruta trägt das Finale mit echter Bedeutung
  • Warm und leicht, ohne in platte Witze abzurutschen

Dagegen

  • Sketche nebeneinander statt eines Bogens mit verdienten Entscheidungen
  • Das Liebesdreieck um Tamara ist früh entschieden
  • Pathetischer Schlussmonolog erklärt, was das Lied schon gesagt hat
  • Produktplacement der Staatsbahn in vielen Bildern
Das Lied sagt am Ende alles. Der Monolog danach sagt es noch einmal, und damit einmal zu oft.Aus der Wertung von FilmSchneider
Red Rue Express ist ein netter Abend mit einem Ensemble, das mehr kann, als man ihm hier zu tun gibt. Das Drehbuch reiht Sketche aneinander, statt seine Figuren entscheiden zu lassen, und am Ende erklärt ein Monolog, was das Lied längst erzählt hat. Wer mit Tscherwona Ruta aufgewachsen ist, darf eine Note draufrechnen. Alle anderen brauchen eine OmU-Vorstellung und etwas Nachsicht. 5,4 von mir.
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Trailer

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Besetzung

Олександр Рудинський
Roman Luzkyj
Катерина Варченко
В'ячеслав Довженко
Stanislaw Boklan
❓

FAQ zu Red Rue Express: Drei Liebesgeschichten auf dem Weg in die Karpaten

Wann kommt Red Rue Express ins Heimkino?
Einen Termin für DVD, Blu-ray oder Streaming hat Splendid Film bisher nicht genannt. Stand dieser Kritik ist der 30. September 2026.
Ist Sean Penn in Red Rue Express zu sehen?
Ja, aber nur kurz. Beim Schlusslied gehört er laut Zaxid.net und Poltavska Khvylia zu denen, die „Tscherwona Ruta“ singen, die ukrainische Wikipedia führt seinen Auftritt als Filmausschnitt. Eine Rolle spielt er nicht, und in den deutschen Angaben des Verleihs taucht sein Name nicht auf.
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