Poster zum Film The Menu: Wenn der Koch seine Gäste hasst (2022)

The Menu: Wenn der Koch seine Gäste hasst (2022)

🎬 Film 108 Min. KomödieHorror
⚡ Kurz gesagt

The Menu macht alles richtig was ein Drehbuch richtig machen kann. Seth Reiss und Will Tracy schreiben Dialoge die schneiden, Mark Mylod inszeniert ein Restaurant als Schlachtfeld, und Ralph Fiennes spielt den kontrolliertesten Wahnsinnigen seit Anthony Hopkins. Die Satire ist nicht subtil, muss sie aber auch nicht sein – wenn Anya Taylor-Joy am Ende einen Cheeseburger bestellt und der ganze Film in einer einzigen Szene seine These beweist, dann ist das handwerklich sauber. Nicht perfekt – die Nebencharaktere könnten mehr Fleisch auf den Knochen haben – aber sauber. Und manchmal reicht das. Watcher-Score 7,5/10.

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Die Kritik

von FilmSchneider

The Menu serviert dir einen 1.250-Dollar-Abend auf einer Privatinsel, bei dem am Ende niemand mehr Hunger hat – aus verschiedenen Gründen.

Mark Mylod dreht einen Film der gleichzeitig Thriller, Satire und Liebeserklärung ans Kochen ist. Ralph Fiennes spielt einen Küchenchef mit Gottkomplex. Anya Taylor-Joy spielt die einzige Person im Raum mit gesundem Menschenverstand. 7.5 von mir. Dazu gleich mehr.

Ralph Fiennes. Klatschen. Stille.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Ralph Fiennes als Chef Slowik ist der Grund, warum dieser Film funktioniert. Er klatscht in die Hände, der Raum verstummt, und du verstummst mit. Fiennes spielt Slowik nicht als Psychopathen. Er spielt ihn als Künstler, der seine Kunst so sehr liebt, dass er bereit ist, dafür zu töten. Und das Beunruhigende ist – du verstehst ihn. Nicht seine Methoden. Aber seine Frustration.

Anke und ich haben The Menu in der Cinenova gesehen, Spätvorstellung. Anke meinte danach: „Das war Horror.“ Ich habe geantwortet: „Das war Gesellschaftskritik.“ Wir hatten beide recht. Das ist das Gute an dem Film – er lässt sich nicht einordnen, und er versucht es auch nicht.

Ein Restaurant. Eine Insel. Keine Flucht.

Das Setting ist genial in seiner Einfachheit. Ein Luxusrestaurant auf einer Insel, erreichbar nur per Boot. Zwölf Gäste, handverlesen. Ein Degustationsmenü mit mehreren Gängen, bei dem jeder Gang eine Botschaft hat. Und die Botschaften werden zunehmend persönlich. Zunehmend bedrohlich. Zunehmend tödlich.

Seth Reiss und Will Tracy haben das Drehbuch geschrieben – beide kommen von The Onion und Succession. Das merkt man. Die Dialoge sind scharf wie ein Santoku-Messer, und jede Figur im Raum repräsentiert einen Typ, den du aus dem echten Leben kennst. Der Foodie-Snob der Speisekarten auswendig lernt. Die alternde Restaurantkritikerin. Der abgehalfterte Filmstar. Der Tech-Bro mit mehr Geld als Geschmack.

Nicholas Hoult als Tyler – der Typ der Margot auf die Insel mitgebracht hat – ist so perfekt als obsessiver Food-Nerd gecastet, dass es wehtut. Er bewundert Slowik wie einen Gott. Er fotografiert jeden Gang. Er erklärt Margot, warum sie das Essen nicht einfach essen, sondern erleben soll. Tyler ist die schlimmste Art von Gast: einer, der glaubt dass Wissen gleich Verständnis ist.

Anya Taylor-Joy isst einen Cheeseburger

Margot – Anya Taylor-Joy – ist die Außenseiterin. Sie gehört nicht in dieses Restaurant. Sie isst Fast Food und findet Fine Dining albern. Und genau das macht sie zur Heldin. Weil sie die Einzige ist, die Essen als das sieht was es ist: Essen. Nicht Kunst. Nicht Statement. Nicht Performance.

Es gibt eine Szene im dritten Akt – und ich sage nicht zu viel, weil der Moment lebt davon dass du ihn nicht erwartest – in der Margot Slowik bittet, ihr einen Cheeseburger zu machen. Einen einfachen Cheeseburger. Mit Pommes. Und in Fiennes‘ Gesicht passiert etwas, das ich nicht beschreiben kann ohne den Film zu ruinieren. Es ist der Moment, in dem der Film seine Karten auf den Tisch legt.

Kubrick der Kater lag auf meinem Schoß als ich die Szene zum zweiten Mal auf dem Laptop geschaut habe, und ich schwöre, er hat geguckt als ob er sie versteht. Wahrscheinlich wollte er nur Futter. Aber der Moment passte.

Succession trifft Ratatouille trifft Saw

Das klingt absurd. Ist es auch. The Menu ist ein Film, der das Fine-Dining-Universum mit derselben Verachtung betrachtet wie Succession die Medienmogule. Es ist kein Zufall, dass Will Tracy bei beiden mitgeschrieben hat. Die Gäste in Slowiks Restaurant sind die gleichen Leute, die in Logan Roys Penthouse sitzen: privilegiert, arrogant, und ahnungslos darüber, wie der Rest der Welt lebt.

Mark Mylod – der auch Succession-Episoden inszeniert hat – bringt dieselbe klinische Beobachtungsgabe mit. Er filmt das Restaurant wie einen OP-Saal: steril, präzise, und mit der unterschwelligen Bedrohung dass gleich jemand aufgeschnitten wird. Die Kamera bewegt sich langsam. Das Essen wird in Nahaufnahmen gezeigt, die so detailliert sind, dass du die Textur riechen kannst.

Auf Rotten Tomatoes steht The Menu bei 88 Prozent. Die Critics Consensus sagt: „While its social commentary relies on basic ingredients, The Menu serves up black comedy with plenty of flavor.“ Jut. Dem stimme ich zu. Die Satire ist nicht subtil. Aber sie muss es auch nicht sein.

30 Millionen Budget. 80 Millionen weltweit.

The Menu hat bei geschätzten 30-35 Millionen Dollar Budget weltweit knapp 80 Millionen eingespielt. Laut IMDb steht der Film bei 7.2. Auf Letterboxd 3.52 von 5, was für eine Dark Comedy beachtlich ist. Golden Globe Nominierungen für Fiennes und Taylor-Joy. Keinen Oscar. Was mich nicht überrascht – die Academy hat ein schwieriges Verhältnis zu Filmen die gleichzeitig lustig und verstörend sind.

Was mich mehr beeindruckt als die Zahlen: Dominique Crenn, eine der wenigen Drei-Sterne-Köchinnen der USA, hat die Gerichte für den Film entworfen. Die sahen so gut aus, dass Mylod zwei Wochen damit verbracht hat, den perfekten Sound für das Zerbrechen eines Weinglases zu finden. Nicht den dramatischen Sound. Den unbequemen. Dat ist das Level an Detail, das den Film von einer guten Satire zu einem exzellenten Film macht.

Hong Chau und John Leguizamo. Die heimlichen Stars.

Hong Chau als Elsa – Slowiks Maître d‘ – spielt mit einer höflichen Kälte, die mir den Rücken runtergegangen ist. Sie lächelt wie eine Stewardess die weiß, dass das Flugzeug abstürzt. Ihre Szenen mit Margot gehören zu den besten des Films, weil zwei Frauen aufeinandertreffen, die den Raum komplett unterschiedlich lesen.

John Leguizamo als namenloser Filmstar – ein Typ, der mal berühmt war und jetzt die gleichen Rollen in schlechteren Filmen spielt – bringt eine Verzweiflung mit, die fast traurig ist. Fast. Dann erinnerst du dich daran, dass er 1.250 Dollar für ein Abendessen ausgibt um sich selbst zu beweisen, dass er noch relevant ist. Und das Mitleid schwindet.

Janet McTeer als Lillian Bloom, die Restaurantkritikerin, ist eine der bösartigsten Figuren des Films. Nicht weil sie böse ist. Sondern weil sie glaubt, dass ihre Worte Macht haben – und damit recht hat. Sie kann ein Restaurant mit einer Rezension zerstören. Slowik weiß das. Und Slowiks Reaktion auf diese Macht ist der Film.

Am Tisch. Was jeder mitbringt.

  • Ralph Fiennes als Chef Julian Slowik – eine Performance die mich an Hannibal Lecter erinnert hat. Nicht wegen der Gewalt. Wegen der Ruhe davor.
  • Anya Taylor-Joy: Margot. Der Cheeseburger-Moment allein ist den Kinobesuch wert.
  • Nicholas Hoult als Tyler, der Foodie der zu viel weiß und zu wenig versteht
  • Hong Chau — Elsa. Höflicher Terror. Karrierebeste Leistung.
  • Janet McTeer als Lillian Bloom (die Kritikerin, die Restaurants macht und bricht)
  • John Leguizamo als namenloser Movie Star. Die traurigste Figur im Raum.
  • Judith Light und Reed Birney als Anne und Richard – das reiche Ehepaar mit Geheimnissen
  • Rob Yang als Bryce, der Tech-Bro. Wenige Szenen, jede davon perfekt.


Synchronstudio: FFS Film- & Fernseh-Synchron GmbH
Jahr: 2022
Dialogregie: Tobias Meister

Ralph Fiennes|Chef Julian Slowik|Joachim Tennstedt
Anya Taylor-Joy|Margot|Emilia Schüle
Nicholas Hoult|Tyler|Tim Schwarzmaier
Hong Chau|Elsa|Dascha Lehmann
John Leguizamo|Movie Star|Frank Schaff
Janet McTeer|Lillian Bloom|Karin Buchholz

Quelle: Synchronkartei.de

Was der Film über uns sagt. Und über Essen.

Mein Vater Werner hatte einen Satz, den er immer sagte wenn meine Mutter aufwendig gekocht hat: „Schmeckt gut. Was gibt’s zum Nachtisch?“ Er hat Essen nie als Erlebnis betrachtet. Nur als Mahlzeit. Ich fand das als Kind nervig. Heute denke ich: Er war Margot. Er hat den Cheeseburger verstanden.

The Menu fragt: Was passiert, wenn Handwerk zur Obsession wird? Wenn der Koch nicht mehr für die Gäste kocht, sondern gegen sie? Slowik hasst seine Gäste. Er verachtet die Leute, die sein Essen bezahlen. Und das ist – als jemand der freiberuflich Texte schreibt – ein Gefühl, das ich kenne. Nicht so mörderisch, aber das Prinzip.

Sauber gezimmert. Kein Gramm zu viel.

107 Minuten. Nicht eine Minute verschwendet. Mylod inszeniert das wie ein Menü – jeder Gang hat seinen Moment, seine Pointe, seinen Schmerz. Das Drehbuch ist ein Schweizer Uhrwerk, das aussieht wie improvisiertes Chaos. Die Thriller-Elemente greifen nahtlos in die Komödie, und die Komödie macht den Horror schlimmer.

Tom meinte beim Kinokreis-Abend, der Film sei „lowkey einer der besten Thriller der 2020er“. Ich hätte es so nicht formuliert, aber er hat nicht unrecht. The Menu ist ein Film für Leute, die Essen mögen, und ein Film gegen Leute, die Essen anbeten. Das ist ein feiner Unterschied. Ralph Fiennes spielt ihn mit chirurgischer Präzision.

⚖️

Bewertung

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung

Bewertet von — eine Person, ein begründetes Urteil.

Dafür

  • Ralph Fiennes' Performance
  • Drehbuch von Succession-Autoren
  • Cheeseburger-Szene

Dagegen

  • Satire manchmal zu plakativ
  • Nebencharaktere etwas dünn
You will eat less than you desire and more than you deserve.— aus der Wertung von FilmSchneider
The Menu macht alles richtig was ein Drehbuch richtig machen kann. Seth Reiss und Will Tracy schreiben Dialoge die schneiden, Mark Mylod inszeniert ein Restaurant als Schlachtfeld, und Ralph Fiennes spielt den kontrolliertesten Wahnsinnigen seit Anthony Hopkins. Die Satire ist nicht subtil, muss sie aber auch nicht sein – wenn Anya Taylor-Joy am Ende einen Cheeseburger bestellt und der ganze Film in einer einzigen Szene seine These beweist, dann ist das handwerklich sauber. Nicht perfekt – die Nebencharaktere könnten mehr Fleisch auf den Knochen haben – aber sauber. Und manchmal reicht das.
📺

Wer streamt The Menu?

Verfügbarkeit DE

Stand 17.08.2026: The Menu läuft im Abo bei Prime Video und Disney+ – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 13,99 €.

Verfügbarkeit Deutschland · Stand 17.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.

Schnelle Antworten

Antworten Schnelle Antworten zu The Menu

Wo kann ich The Menu streamen?

The Menu läuft aktuell im Abo bei Prime Video und Disney+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

Wie lange dauert The Menu?

The Menu hat eine Laufzeit von rund 108 Minuten (1 Stunde und 48 Minuten).

Lohnt sich The Menu?

Unsere Redaktion vergibt The Menu einen Watcher-Score von 7,5 von 10. The Menu macht alles richtig was ein Drehbuch richtig machen kann. Seth Reiss und Will Tracy schreiben Dialoge die schneiden, Mark Mylod inszeniert ein Restaurant als Schlachtfeld, und Ralph Fiennes spielt den kontrolliertesten Wahnsinnigen seit Anthony Hopkins. Die Satire ist nicht subtil, muss sie aber auch nicht sein – wenn Anya Taylor-Joy am Ende einen Cheeseburger bestellt und der ganze Film in einer einzigen Szene seine These beweist, dann ist das handwerklich sauber. Nicht perfekt – die Nebencharaktere könnten mehr Fleisch auf den Knochen haben – aber sauber. Und manchmal reicht das.

Für wen ist The Menu geeignet?

The Menu ist vor allem etwas für Komödie und Horror-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.

Worum geht es in The Menu?

Das junge Paar Margot und Tyler bereist und erkundet Orte, von denen nur wenige Menschen wissen oder Zugang dazu haben, um so in den Genuss der besten kulinatischen Angebote zu kommen.

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Trailer

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Besetzung

Anya Taylor-JoyMargot
Ralph FiennesChef Slowik
Nicholas HoultTyler
Janet McTeerLillian
Paul AdelsteinTed

FAQ zu The Menu: Wenn der Koch seine Gäste hasst

Ist The Menu ein Horrorfilm?
Anke sagt ja. Ich sage: Thriller mit schwarzem Humor und Horror-Elementen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Wie bei den meisten guten Filmen.
Muss man sich für Fine Dining interessieren?
Nein. Gerade nicht. Der Film funktioniert besser, wenn du Fine Dining albern findest. Dann bist du Margot. Und Margot hat recht.
Was bedeutet der Cheeseburger am Ende?
Alles. Der Cheeseburger ist der Moment, in dem Slowik sich erinnert, warum er angefangen hat zu kochen. Nicht für Prestige. Nicht für Sterne. Für jemanden, der hungrig ist. Butter bei die Fische: Das ist der Film in einer Szene.
Wer hat The Menu geschrieben?
Seth Reiss und Will Tracy. Beide von The Onion und Succession. Das erklärt den Ton – satirisch, aber mit einem Messer hinter dem Rücken.
Gibt es ein Sequel zu The Menu?
Nein. Und das ist gut so. Manche Filme brauchen keine Fortsetzung. The Menu sagt was es sagen will, serviert den Nachtisch, und geht. Sauber.
Wie gut ist Ralph Fiennes in The Menu?
Golden-Globe-Nominierung. Und die war verdient. Fiennes spielt Slowik mit einer Kontrolle, die an Das Schweigen der Lämmer erinnert. Nur dass Slowik statt Chianti einen Tropfen Sauce auf den Tellerrand tupft.
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