Die Kritik
von FilmSchneiderKubrick liegt auf meinem Laptop. Der Kater, nicht der Regisseur. Am 26. März 2026 läuft „Horst Schlämmer sucht das Glück“ im Kino und ich weiss ehrlich nicht ob ich mich freuen soll.
Anke hat die Augen verdreht als ich ihr den Trailer gezeigt hab. Nicht wegen dem Film. Wegen mir. Weil ich gegrinst hab wie ein Idiot und sofort angefangen hab von Grevenbroich zu reden. Liegt ne halbe Stunde von uns. Ich hab sie da mal abgeholt von irgendeinem UX-Projekt und auf der Rückfahrt hab ich ihr den ganzen Weg erklärt dass das die Heimat vom stellvertretenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts ist. „Stefan, das ist eine fiktive Figur.“ Ja. Und? Hape Kerkeling zieht nach 17 Jahren den Trenchcoat wieder an und ich find das aufregend. Ist das so schlimm?
Isch kandidiere war kein guter Film.
Muss man so sagen. 2009 im Kino, Kritiken größtenteils negativ, 1,3 Millionen Zuschauer kamen trotzdem. War ein Kerkeling-Vehikel, keine gute Komödie. Und jetzt kommt der nach 17 Jahren zurück. Nicht nach 2. Nicht nach 5. Siebzehn.
Cash-Grabs kommen nach 2 Jahren. Das hier ist kein Cash-Grab.
Kerkeling hat 2023 in einem Interview gesagt Schlämmer sei ein „Prototyp des älteren weißen Mannes“. Hat sich öffentlich gefragt ob die Figur noch relevant ist. Tom würde sagen nein. Tom meinte letztens beim Kinokreis-Abend, deutsche Komödien wären „meistens Til Schweiger der was gegen eine Wand läuft“. Da hat er nicht ganz unrecht. Aber Kerkeling ist kein Schweiger. Kerkeling kann improvisieren, der kann Ernst, der hat bei Jauch 2006 eine Show komplett ohne Script gemacht und dafür den Deutschen Fernsehpreis gekriegt. Und „Der Junge muss an die frische Luft“ hat mich tatsächlich berührt. Ich bin jemand der bei Filmen fast nie heult. Fast.
Der Plot klingt simpel und ist es auch. Schlämmer hat die Faxen dicke, Preise steigen, Kneipen schließen. Er packt den Koffer, verlässt Grevenbroich, reist quer durch die Republik. Per Anhalter, Fischkutter, Schienenersatzverkehr. Fragt Passanten und Prominente und Psychologen was Glück eigentlich ist. Das Konzept ist: Kerkeling in Charakter trifft echte Menschen und guckt was passiert. Hat bei Jauch funktioniert. Hat beim Bambi funktioniert. Ob es 90 Minuten Kino trägt weiss kein Mensch. Anke sagt Komödien funktionieren nur wenn der Regisseur den Schauspielern aus dem Weg geht. „Lass Kerkeling machen und film ihn dabei.“ Da ist was dran.
Regie macht Sven Unterwaldt Jr. Ja, der. 7 Zwerge, Catweazle, Die Schule der magischen Tiere. Zusammen über 10 Millionen Zuschauer. Der Mann kann Mainstream. Ob er Kerkeling genug Luft lässt ist die Frage die mich beschäftigt. Nicht nachts. Aber beschäftigt. Drehbuch: Claudius Pläging.
Mein Vater hätte gelacht.
Gedreht ab Ende Juni 2025, unter anderem in Hamburg-Neugraben. Produziert von Honeybird Film und Leonine Studios mit ARD Degeto, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW und der MOIN Filmförderung. Hamburg. Da bin ich aufgewachsen. Mein Vater hat Kerkeling geliebt. Total Normal, Beatrix von Oranien-Nassau 1991, er hat das alles gesehen. Als der Schlämmer-Film 2009 rauskam war er der Erste im Kino. Ich glaub er würde sich über diesen hier freuen, egal ob der gut wird oder nicht.
Was mich überrascht: Meltem Kaptan ist dabei. Die hat für „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ den Silbernen Bären gewonnen. Eine Berlinale-Preisträgerin in einem Horst-Schlämmer-Film, muss man sich mal vorstellen. Tahnee Schaffarczyk gibt ihr Kinodebüt, live ist die Frau stark. Jochen Busse. Patrick Joswig als jemand namens Wolle. Und ein Typ der einen Sittich spielt. Nein wirklich. Et kütt wie et kütt.
Die Eberhofer-Krimis schaffen was Ähnliches, bayerische Provinz statt rheinische, aber Figuren die größer sind als ihre Umgebung. „Stromberg – Der Film“ hat 2014 gezeigt dass ein deutsches Comeback nach langer Pause funktionieren kann, über 2 Millionen Zuschauer, gute Kritiken. Und Borat Subsequent Moviefilm — Kunstfigur kehrt nach Jahren zurück und fragt ob die Welt noch bei Verstand ist. Schlämmer fragt ob Deutschland noch glücklich ist. Anderer Trenchcoat, ähnliche Frage.
Wer alles dabei ist
- Hape Kerkeling als Horst Schlämmer
- Meltem Kaptan — Silberner Bär 2022
- Tahnee Schaffarczyk, Kinodebüt
- Jochen Busse
- Laura Thomas
- Patrick Joswig als Wolle
- Christian Hockenbrink als Dr. Carstens
- Kerstin Thielemann als Frau Schlonzbach
- Ulrich Bähnk als Kapitän
- Samuel Urban — spielt einen Sittich
- Dagmar Sachse als Bäckereiverkäuferin
- Jürgen Haug
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von FilmSchneider — eine Person, ein begründetes Urteil.
Ihn zu spielen ist wie eine Befreiung – man darf alles sagen, was man normalerweise nur denkt. – Hape Kerkeling— aus der Wertung von FilmSchneider
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