Countdown zum Kinostart
Steckerlfischfiasko: Zehn Eberhofer-Filme und ich hab jeden einzelnen gesehen ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 13. August 2026 kommt Steckerlfischfiasko ins Kino — der zehnte Eberhofer-Film, basierend auf Rita Falks zwölftem Roman, und ich sitze hier und frage mich ernsthaft, ob Sebastian Bezzel irgendwann mal was anderes drehen will.
Zehn Filme. Dieselbe Besetzung. Derselbe Regisseur. Derselbe niederbayerische Provinzpolizist, der Fälle löst, die in jeder anderen Filmreihe nach spätestens Teil vier absurd wirken würden. Aber Eberhofer funktioniert. Immer noch. Und das muss man erstmal hinkriegen.
Zehn. Die Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Es gibt deutsche Filmreihen, die schaffen drei Teile und dann ist Schluss. Vernünftigerweise. Dampfnudelblues war 2013 der Anfang, ein kleiner bayerischer Krimifilm, von dem keiner wusste ob das überhaupt jemanden interessiert außerhalb von Niederbayern. Dreizehn Jahre später stehen wir bei Film Nummer zehn. Ed Herzog führt seit dem ersten Teil Regie. Stefan Betz schreibt seit dem ersten Teil mit. Bezzel IST Eberhofer. Keine Umbesetzung, kein Reboot, keine Origin Story. Das Ding läuft einfach.
Anke hat mich letztens gefragt, ob ich wirklich jeden einzelnen im Kino gesehen hab. Ja. Hab ich. Nicht weil jeder davon ein Meisterwerk ist — Butter bei die Fische, Guglhupfgeschwader war dünn. Aber weil es mittlerweile ein Ritual ist. August, Kino, Eberhofer, Leberkäs danach. Kubrick bleibt zu Hause.
Ein toter Steckerlfischkönig. Im Golfclub.
Die Handlung, soweit man das aus Falks Roman und dem bisherigen Material zusammensetzen kann: Der örtliche Steckerlfischkönig — ja, das ist eine echte Sache, für alle die nicht aus Bayern kommen — liegt tot in der Wellness-Landschaft eines nagelneuen Golfclubs. Franz Eberhofer ermittelt. Wie immer. Aber diesmal bewegt er sich zwischen dubiosen Volksfestclans und Schickimicki-Golfern, und allein diese Kombination klingt so absurd wie es nur Falk hinbekommt.
Dazu kommt: Susi kandidiert als Bürgermeisterin. Lisa Maria Potthoff darf also endlich mal mehr als die genervte Freundin spielen, die Eberhofer die Leviten liest. Ob das den Dorf-Kosmos sprengt oder nur eine Nebenhandlung bleibt — mal sehen. Ich hoffe auf Ersteres. Potthoff kann mehr als das, was ihr die Reihe bisher gegeben hat.
Bezzel und Schwarz. Zum zehnten Mal.
Was diese Filmreihe zusammenhält, ist nicht die Handlung. Seien wir ehrlich. Die Krimiplots sind Gerüste. Hübsch dekorierte Gerüste, aber Gerüste. Was funktioniert, ist die Chemie zwischen Sebastian Bezzel und Simon Schwarz. Eberhofer und Rudi. Der eine redet wenig und denkt viel, der andere redet viel und denkt wenig. Das klingt simpel. Ist es auch. Aber Bezzel und Schwarz spielen das mit einer Selbstverständlichkeit, die nach zehn Filmen nicht selbstverständlich ist.
Ich hab Tom neulich Sauerkrautkoma gezeigt, weil er die Reihe nicht kannte. Der fand das natürlich zu langsam und zu bayerisch. Geschenkt. Tom guckt Filme in denen Sachen explodieren. Aber selbst er hat zugegeben, dass Bezzel ein Timing hat, das man nicht lernen kann.
Ed Herzog. Neun Mal und er macht weiter.
Was man über Ed Herzog wissen muss: Der Mann inszeniert diese Filme nicht wie Auftragsarbeiten. Er dreht jedes Mal in Niederkaltenkirchen — also in den echten niederbayerischen Dörfern, die Falk als Vorlage genommen hat. Er kennt jede Ecke, jeden Statisten, wahrscheinlich jeden Hund der durchs Bild läuft. Das gibt den Filmen eine Authentizität, die kein Studio-Set der Welt herstellen könnte.
Gleichzeitig — und das sage ich als jemand der die handwerkliche Seite nicht ignorieren kann — variiert Herzog wenig. Die Kameraarbeit ist solide. Immer. Der Schnitt ist funktional. Immer. Die Musik macht ihren Job. Immer. Man bekommt exakt das, was man erwartet. Für die einen ist das Verlässlichkeit, für die anderen Stillstand. Ich schwanke je nach Tagesform.
Die ganze Familie. Wie immer.
Wer diesmal wieder mit am Tisch sitzt
- Sebastian Bezzel als Franz Eberhofer — zehn Filme, eine Rolle, null Beschwerden
- Simon Schwarz als Rudi Birkenberger
- Lisa Maria Potthoff als Susi — diesmal mit Bürgermeister-Ambitionen, endlich
- Gerhard Wittmann als Leopold. Der Bruder. Eigene Kategorie.
- Eisi Gulp — Papa Eberhofer, und ich hoffe er darf wieder mit dem Traktor fahren
- Enzi Fuchs als Oma. Mein heimlicher Lieblingscharakter der gesamten Reihe.
- Daniel Christensen als Flötzinger, der Installateur mit den Beziehungsproblemen
- Stephan Zinner als Simmerl
- Max Schmidt als Wirt Wolfi
Kein Abgang. Kein Neuzugang. Das ist bemerkenswert. Zehn Filme mit im Kern identischem Ensemble — selbst die Bond-Reihe schafft das nicht. Gut, die Bond-Reihe hat auch andere Probleme.
Rita Falk schreibt schneller als sie verfilmen können.
Steckerlfischfiasko ist Band zwölf der Romanreihe. Es gibt mittlerweile dreizehn Bände — das neueste, Apfelstrudel-Alibi, kam 2025 raus. Falk produziert diese Bücher mit einer Zuverlässigkeit, die an Winterkartoffelknödel erinnert — sie weiß was funktioniert und sie liefert. Ob das Kunst ist oder Handwerk, darüber kann man streiten. Dass es bei den Lesern funktioniert, nicht.
Die Filme haben zwei Romane übersprungen: Zwetschgendatschikomplott und Weißwurstconnection wurden nicht verfilmt. Rehragout-Rendezvous war 2023 der letzte im Kino, dann drei Jahre Pause. Die längste in der Geschichte der Reihe. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht brauchte Bezzel mal Luft. Vielleicht brauchte Herzog mal Luft. Vielleicht brauchte Niederkaltenkirchen mal Luft.
Was mich an diesem speziellen Teil interessiert.
Golf. Das klingt erstmal nach nichts. Aber denkt mal drüber nach: Eberhofer in einer Welt, die so weit von seinem Leberkässemmel-Universum entfernt ist wie nur möglich. Schickimicki-Golfer in Niederkaltenkirchen. Das ist Comedy-Gold, wenn man es richtig macht. Und Volksfestclans — ich weiß nicht genau was Falk damit meint, aber ich stelle mir eine Mischung aus Oktoberfest-Mafia und Bierzelt-Politik vor. Das Fundament für den Film steht, strukturell betrachtet.
Und Susis Bürgermeisterkandidatur. Das ist der Teil, der die Grießnockerlaffäre-Dynamik aufbrechen könnte. Bisher war Susi immer die Gegenspielerin im Privaten — sie will Ordnung, er will seine Ruhe, der Film lebt vom Reibungspotenzial. Wenn Susi jetzt ins Rathaus will, verschiebt sich das Machtgefüge. Das ist erzählerisch das Interessanteste, was der Reihe seit Kaiserschmarrndrama passiert ist.
Was mich nervös macht. Nur ein bisschen.
Zehn Filme. Das ist die Stelle, an der Franchises normalerweise müde werden. Nicht schlecht, nicht gut, einfach müde. Schweinskopf al dente hatte noch Biss, Guglhupfgeschwader kaute auf Bekanntem rum. Die Frage ist nicht ob der Film handwerklich funktioniert — natürlich wird er das, Herzog liefert immer ab. Die Frage ist ob er überrascht. Ob irgendeine Szene kommt, die man nicht kommen sieht. Bei Eberhofer Nummer drei war das einfach. Bei Nummer zehn muss man sich das verdienen.
Aber wenn ich ehrlich bin — und Moin, ich bin immer ehrlich — freue ich mich. August, Kino, Eberhofer. Anke wird das Popcorn holen. Ich werde es hassen. Und danach gehen wir Leberkäs essen. Wie jedes Mal.
Erwartungen vor dem Start
keine Wertung✅ Darauf freuen wir uns
- Komplettes Original-Ensemble zurück
- Susis Bürgermeisterkandidatur als neues Erzählelement
- Drei Jahre Pause seit dem letzten Film
❓ Das macht uns nervös
- Zehnter Teil — Franchise-Müdigkeit ist real
- Ed Herzogs Inszenierung variiert wenig
- Zwei Romane übersprungen — fehlt da was?
0 Kommentare