Schloss, Nebel, Mord – und mittendrin ein Klaus Kinski, der sich selbst spielt. Oder besser: zwei von sich. DIE BLAUE HAND aus dem Jahr 1967 ist Edgar-Wallace-Kino in Reinkultur, die 23. Verfilmung der legendären Rialto-Reihe. Regisseur Alfred Vohrer dreht hier nochmal richtig auf, bevor das Genre langsam in die Jahre kam. Und ich? Ich hab den Film zum ersten Mal auf VHS gesehen, irgendwann Ende der 80er, bei meinem Onkel im Keller. Der hatte alle Wallace-Filme auf Band. Jedes Mal wenn der Vorspann lief mit diesem „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ – Gänsehaut.
Quick Answer: Ist Die blaue Hand sehenswert?
Kurze Antwort: JA – einer der besseren Farbfilm-Wallaces mit Klaus Kinski in absoluter Hochform.
Für wen geeignet: Fans deutscher Krimiklassiker, Edgar-Wallace-Enthusiasten, Klaus-Kinski-Verehrer, Liebhaber von Gothic-Atmosphäre und düsteren Schloss-Krimis.
Nicht geeignet für: Wer moderne Thriller-Spannung erwartet, wer mit 60er-Jahre-Ästhetik nichts anfangen kann, wer logische Plots braucht.
Mein Urteil: Die blaue Hand ist filmische Geisterbahn – keiner erschrickt mehr, aber 87 Minuten pures Pulp-Entertainment sind garantiert. Kinskis Doppelrolle allein rechtfertigt jeden Blick.
Inhalt
- Worum geht es in Die blaue Hand?
- Wo kann ich Die blaue Hand streamen?
- Wer spielt in Die blaue Hand mit?
- Wie wurde Die blaue Hand produziert?
- Was macht Die blaue Hand besonders?
- Was sind die Schwächen von Die blaue Hand?
- Was sollte ich über Die blaue Hand wissen?
- Häufige Fragen zu Die blaue Hand
- Ist Die blaue Hand sehenswert? Mein Fazit
- Ähnliche Filme wie Die blaue Hand
Worum geht es in Die blaue Hand?
Dave Emerson, einer von vier Söhnen des nach Amerika geflohenen Earl of Emerson, steht wegen Mordes vor Gericht. Mit einem Gutachten des dubiosen Irrenarztes Dr. Mangrove wird er in dessen Anstalt eingewiesen – doch Dave ist unschuldig. Als er flieht, beginnt auf Schloss Gentry das große Sterben: Ein vermummter Killer mit einer eisernen blauen Klaue ermordet die Erben des Familienvermögens.
Die Handlung – ich geb’s zu – ist ein einziges Durcheinander. Aber hey, das gehört zum Wallace-Erlebnis dazu. Dave flieht aus der Anstalt [Quelle: Wikipedia, 2025], trifft auf seinen Zwillingsbruder Richard, der zum Verwechseln ähnlich aussieht (klar, beide gespielt von Kinski), und plötzlich verschwinden Leute. Eine Krankenschwester hier, ein Wärter da. Die blaue Hand schlägt zu.
Inspektor Craig von Scotland Yard ermittelt mit gewohnt britischer Gelassenheit, während sich die Leichen stapeln. Lady Emerson hütet düstere Geheimnisse, Dr. Mangrove agiert verdächtig, und die junge Myrna Emerson gerät zwischen alle Fronten. Das Drehbuch von Herbert Reinecker nimmt sich vom Originalroman praktisch nichts [Quelle: Filmportal, 2025] – Edgar Wallace lieferte nur den Titel und das Grundmotiv.
Was den Film trägt, ist die Atmosphäre. Düstere Gänge, knarrende Türen, Nebel über dem Schlosspark. Alfred Vohrer inszeniert das mit einer Mischung aus Gothic-Horror und deutschem Nachkriegs-Grusel, die heute noch funktioniert. Nicht weil sie erschreckt – sondern weil sie unterhält.
Wer spielt in Die blaue Hand mit?
Klaus Kinski dominiert den Film in der Doppelrolle der Zwillinge Dave und Richard Emerson. Harald Leipnitz ermittelt als Inspektor Craig, Carl Lange spielt den zwielichtigen Dr. Mangrove, Ilse Steppat verkörpert Lady Emerson und Diana Körner gibt Myrna Emerson – die einzig normale Person im ganzen Schlamassel.
Kinski. Muss ich mehr sagen? Der Mann war 1967 bereits ein Star der Wallace-Reihe, bekannt als Paradebösewicht schlechthin. Hier durfte er zum ersten Mal in der Serie eine sympathische Figur spielen [Quelle: Die Medienhuren, 2021] – oder zumindest eine halbwegs sympathische. Dave ist das Opfer, Richard das Mysterium. Kinski macht aus beiden Rollen ein Fest.
Seine Gerichtsszene zu Beginn? Absolute Schauwerte. Diese hochgradig verzweifelte Unschuldsbeteuerung gehört zu den besten Momenten der gesamten Wallace-Reihe [Quelle: OFDb, 2025]. Produzent Horst Wendlandt hatte Kinski mit dieser großen Doppelrolle zurück in die Serie gelockt [Quelle: Krimifilm Blog, 2021], nachdem der eigentlich schon ausgestiegen war. Gute Entscheidung.
Harald Leipnitz als Inspektor Craig kam kurzfristig ins Team. Ursprünglich war Hanns Lothar für die Rolle vorgesehen, doch der Schauspieler verstarb Anfang 1967 im Alter von nur 37 Jahren [Quelle: Wikipedia, 2025]. Leipnitz macht seine Sache solide, aber er hat gegen Kinski keine Chance. Der stiehlt ihm jede Szene.
Siegfried Schürenberg darf wieder Sir John geben – sein Running Gag als trotteliger Scotland-Yard-Chef funktioniert auch hier. Ilse Steppat als Lady Emerson bringt die nötige Kälte mit, Diana Körner als Myrna den einzigen Hauch von Normalität.
Wie wurde Die blaue Hand produziert?
Die Dreharbeiten fanden vom 9. Februar bis 22. März 1967 in West-Berlin statt. Rialto Film produzierte unter Horst Wendlandt, gedreht wurde in Eastmancolor im Breitbildformat 1:1.66. Die Uraufführung erfolgte am 28. April 1967 im Gloria-Palast Berlin vor rund 1,7 Millionen Kinozuschauern.
42 Drehtage in Berlin [Quelle: Filmportal, 2025] – das war typisch für die Wallace-Produktionen. Schnell, effizient, ohne viel Schnickschnack. London-Aufnahmen wurden diesmal komplett weggelassen [Quelle: Wikipedia, 2025], was dem Film seine besondere Berliner Atmosphäre gibt. Der Gerichtssaal? Das Kriminalgericht Moabit, Saal 500 [Quelle: Filmportal, 2025]. Echter geht’s nicht.
Die Musik stammt von Martin Böttcher, seinem vierten Soundtrack für einen Edgar-Wallace-Film [Quelle: Wikipedia, 2025]. Böttcher verstand es wie kein Zweiter, die Spannung musikalisch zu untermalen. Diese Streicher, diese dramatischen Einsätze – das ist deutscher Filmkrimi-Sound in Vollendung.
Interessant: Der Film basiert nominell auf Edgar Wallace‘ Roman „The Blue Hand“ von 1925, enthält aber praktisch nichts davon [Quelle: Filmportal, 2025]. Herbert Reinecker schrieb eine komplett neue Geschichte. Der Titel und die eiserne Hand – mehr blieb nicht. Das war übrigens Standard bei den Rialto-Produktionen. Wallace lieferte die Marke, deutsche Autoren den Inhalt.
Mit 1,7 Millionen Zuschauern war Die blaue Hand ein solider Erfolg [Quelle: Wikipedia, 2025]. Nicht der größte Hit der Reihe, aber respektabel für 1967, als das Wallace-Fieber langsam abflaute.
Was macht Die blaue Hand besonders?
Klaus Kinskis Doppelrolle ist der absolute Höhepunkt – er spielt beide Zwillinge mit unterschiedlichen Nuancen und dominiert jeden Frame. Dazu kommt Alfred Vohrers atmosphärische Regie, Martin Böttchers packender Score und die perfekte Mischung aus Gothic-Horror und deutschem Krimi.
Was mich persönlich immer wieder begeistert: Der Film nimmt sich selbst nicht zu ernst. Da ist diese wunderbare Mischung aus Grusel und Schmunzeln. Siegfried Schürenbergs Sir John sorgt für die Lacher, Kinskis Intensität für die Gänsehaut, und dazwischen passiert – naja, alles Mögliche.
Die Atmosphäre ist ein Fest für Fans von Gothic-Ästhetik. Nebelverhangene Schlossgänge, knarrende Geheimtüren, vermummte Gestalten. Vohrer inszeniert das mit einer Liebe zum Detail, die man bei Schnellproduktionen selten findet. Klar, die Effekte sind heute charmant veraltet. Aber genau das macht den Reiz aus.
Die blaue Hand markiert auch einen der stärkeren Beiträge der Farbfilm-Ära [Quelle: OFDb, 2025]. Nach den schwarzweißen Klassikern der frühen 60er war die Umstellung auf Farbe für die Reihe ein Risiko. Hier funktioniert es – die düsteren Töne, das blaue Schimmern der titelgebenden Klaue. Das hat was.
Und dann Kinski. Sein Spiel vor Gericht zu Beginn ist Schauwert genug für den ganzen Film [Quelle: OFDb, 2025]. Diese Verzweiflung, diese Intensität – das konnte nur er. Dass Wendlandt ihn mit dieser Rolle zurückholte, war ein Geniestreich.
Was sind die Schwächen von Die blaue Hand?
Das Drehbuch ist verworren bis zur Unlogik, die Auflösung kommt aus dem Nichts, und einige Nebenfiguren bleiben blass. Wer stringente Plots erwartet, wird enttäuscht. Die Zeiten der stilvollen Kompositionen eines Harald Reinl waren hier endgültig vorbei.
Ich sag’s ehrlich: Das Drehbuch ist ein Chaos. Herbert Reinecker stapelt Handlungsfäden übereinander, ohne sie sauber zu verbinden. Der Filmdienst urteilte treffend: „Verworren im Drehbuch, aber streckenweise recht spannend“ [Quelle: Filmdienst, 2025]. Das trifft’s.
Die Auflösung am Ende? Kommt völlig aus dem Nichts. Wer der Mörder ist, erschließt sich nicht logisch aus dem Vorangegangenen. Aber mal ehrlich – ging es bei Wallace jemals um logische Plots? Es ging um Atmosphäre, um Stars, um Unterhaltung.
Harald Leipnitz hat gegen Kinski keine Chance. Sein Inspektor Craig bleibt blass, fast austauschbar. Leipnitz ist ein guter Schauspieler, aber diese Rolle gibt ihm nichts zu spielen. Man merkt, dass er kurzfristig einsprang.
Die exploitative Richtung der späten Wallace-Filme zeigt sich auch hier [Quelle: OFDb, 2025]. Mehr Blut, mehr Schocks, weniger Subtilität. Das ist Geschmackssache, aber wer die eleganten frühen Filme der Reihe liebt, wird hier manchmal schlucken.
Was sollte ich über Die blaue Hand wissen?
Der Film ist die 23. deutsche Edgar-Wallace-Verfilmung und Kinskis Comeback in der Reihe nach mehreren Absagen. Hanns Lothar sollte ursprünglich den Inspektor spielen, verstarb aber kurz vor Drehbeginn. Der Roman von 1925 lieferte nur den Titel – die Handlung ist komplett neu.
Ein paar Fakten, die mich überrascht haben, als ich damals anfing, mich mit der Reihe zu beschäftigen:
Kinskis Rückkehr: Er war eigentlich raus aus der Serie. Die Doppelrolle als Co-Hauptdarsteller lockte ihn zurück [Quelle: Krimifilm Blog, 2021]. Zum ersten Mal durfte er einen Sympathieträger spielen – nicht den üblichen Bösewicht. Das gab seiner Darstellung eine neue Dimension.
Der tragische Ersatz: Hanns Lothar, der den Inspektor spielen sollte, erkrankte Anfang 1967 und verstarb mit gerade mal 37 Jahren [Quelle: Wikipedia, 2025]. Harald Leipnitz sprang kurzfristig ein. Die Rolle war nicht für ihn geschrieben, und man merkt es.
Nichts vom Original: Edgar Wallace‘ Roman „The Blue Hand“ von 1925 lieferte nur Titel und Grundmotiv [Quelle: Filmportal, 2025]. Alles andere erfand Herbert Reinecker neu. Das war bei Rialto üblich – Wallace war eine Marke, keine literarische Vorlage.
Berlin statt London: Erstmals in der Reihe wurden komplett keine London-Aufnahmen verwendet [Quelle: Wikipedia, 2025]. Alles entstand in West-Berlin, inklusive der „englischen“ Locations wie dem Gerichtssaal in Moabit.
Kinski stiehlt die Show: Kritiker damals wie heute sind sich einig – Kinski ist der eigentliche Star. Er stiehlt Leipnitz jede Szene [Quelle: Die Medienhuren, 2021]. Seine Gerichtsszene gilt als einer der Höhepunkte der gesamten Reihe.
Häufige Fragen zu Die blaue Hand
Wann kam Die blaue Hand in die Kinos?
Die blaue Hand hatte am 28. April 1967 Premiere im Gloria-Palast in Berlin. Die Dreharbeiten fanden vom 9. Februar bis 22. März 1967 in West-Berlin statt [Quelle: Filmportal, 2025].
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