Poster zum Film Departed – Unter Feinden: Warum das Remake neben dem Original besteht

Departed – Unter Feinden: Warum das Remake neben dem Original besteht (2006)

Film · Drama, Thriller · 2006 · 143 Min.

Von , aktualisiert am 27. September 20264 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Departed funktioniert, weil dieselbe Lüge seine beiden Hauptfiguren in entgegengesetzte Richtungen treibt. Billy Costigan zerreibt sich an seiner Tarnung, Colin Sullivan macht mit seiner Karriere. Martin Scorsese gibt dem Doppelspiel eine aggressive Energie, die sein Remake von Infernal Affairs unterscheidet. Für mich trägt das die 8,8 von 10. Der überladene Schluss setzt dieser Begeisterung eine Grenze.

Kurz gesagt

8,8 für das ungleiche Doppelspiel von Costigan und Sullivan und die aggressive Dialogführung. Departed behauptet sich neben Infernal Affairs, verliert im überfüllten Finale aber an Präzision.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
1

Zwei Maulwürfe, zwei Arten der Selbsttäuschung

Costigan schleust sich für die Polizei in Frank Costellos Gang ein. Sullivan arbeitet für Costello innerhalb der Polizei. Der Zuschauer kennt damit von Anfang an mehr als die Männer, die einander suchen. Die Spannung hängt nicht bloß an der Frage, wer auffliegt. Sie entsteht daraus, wie lange jemand seine Rolle noch glaubwürdig spielen kann.

DiCaprios Costigan findet in seiner Tarnung keinen Halt. Jede Annäherung an die Gang verschärft seine Lage: Er muss überzeugen, obwohl ihn das Überzeugen seinem wirklichen Leben weiter entfremdet. Damon setzt Sullivan dagegen als Mann an, der mit seiner öffentlichen Fassade zunächst gut zurechtkommt. Beruflicher Aufstieg und eine geordnete Zukunft scheinen möglich, solange die Herkunft dieses Erfolgs verborgen bleibt.

Dieses Ungleichgewicht ist der stärkste Gedanke des Films. Beide lügen, aber die Lüge kostet sie nicht dasselbe. Deshalb wäre es zu einfach, sie nur als zwei austauschbare Spiegelbilder zu beschreiben. Costigan sucht einen Ausweg aus seiner Rolle. Sullivan will die Vorteile seiner Rolle behalten.

2

Was Boston an Infernal Affairs verändert

Die Vorlage stammt von Andrew Lau und Alan Mak, nicht von Lau allein. Criterion dokumentiert Infernal Affairs von 2002 mit beiden Regisseuren und einer Laufzeit von 101 Minuten. Scorseses Film nimmt sich deutlich mehr Raum für das Umfeld der beiden Männer.

Das macht Departed nicht automatisch tiefer. Für mich liegt der Unterschied im Druck, den die Umgebung ausübt. Das Hongkong-Original konzentriert sein Doppelspiel stärker; Departed setzt dem die dauernde Reibung zwischen Vorgesetzten, Informanten und Gangstern entgegen. Schon ein Gespräch kann hier zum Kräftemessen werden. Wer unterbricht wen? Wer darf beleidigen, ohne eine Antwort fürchten zu müssen?

William Monahans Drehbuch übersetzt also mehr als den Schauplatz. Es gibt dem Machtgefälle eine eigene Sprache. Du kannst die Konstruktion der Vorlage kennen und trotzdem einen eigenständigen Film bekommen. Wenn du beide vergleichen möchtest, beginne mit Infernal Affairs. Dann wird sichtbarer, welche zusätzliche Wirkung Scorsese aus derselben Grundidee holt und wo die längere Fassung an Präzision verliert.

3

Nicholson verschiebt das Gleichgewicht

Jack Nicholsons Costello beansprucht Raum, sobald er auftaucht. Seine Unberechenbarkeit erhöht den Druck auf Costigan, weil sich Sicherheit in dieser Nähe nie lange herstellen lässt. Das ist wirkungsvoll. Es birgt aber auch die Gefahr, dass die schmalere, interessantere Geschichte der beiden Maulwürfe hinter dem großen Gangsterauftritt verschwindet.

Mark Wahlbergs Dignam setzt daneben eine andere Form von Aggression. Seine Beleidigungen zeigen, wie wenig Schonraum Costigan auch auf der vermeintlich richtigen Seite bekommt. Der Polizist kann nicht einfach bei seinen Auftraggebern die Rolle ablegen und aufatmen. Damit bekommt die Derbheit einen Zweck, der über zitierfähige Sprüche hinausgeht.

Weniger überzeugt mich die Verbindung beider Männer über Vera Farmigas Madolyn. Sie soll auch ein privates Gegenüber sein, wird für die Konstruktion aber sehr stark als Schnittstelle gebraucht. Der Film interessiert sich intensiver dafür, was sie über die Männer sichtbar macht, als für ihren eigenen Weg. Das ist der schwächere Teil eines sonst so genau gebauten Figurenpaares.

4

Wo der Schluss für mich zu viel erledigt

Die Einwände gegen das Finale ändern nichts an der Empfehlung. Sie erklären aber, warum die Note unter der Neun bleibt. Konkrete Wendungen stehen nur im folgenden, geschlossenen Abschnitt.

Spoiler öffnen: die letzten Wendungen von Departed

Costigans Tod im Aufzug beendet seinen mühsam erkämpften Ausweg in einem brutalen Moment. Danach reiht der Film weitere Enthüllungen und Tötungen aneinander, bis Dignam schließlich Sullivan erschießt. Der erste Schock hätte genug Gewicht, um nachzuwirken. Die schnelle Folge weiterer Abschlüsse drängt dieses Gewicht für mich zurück.

Der Schluss erledigt sehr viel, statt dem Verlust Raum zu lassen. Das passt zur Wucht des Films, wirkt aber mechanischer als sein lang aufgebautes Doppelspiel. Gerade weil die Figuren zuvor so sorgfältig unter Druck geraten, fällt diese Verdichtung auf.

5

Die deutsche Stimme von Matt Damon ist hier Matthias Hinze

Wer Damon vor allem mit Simon Jäger verbindet, hört in Departed eine andere Besetzung. Die Synchronkartei führt Matthias Hinze für Sullivan, Gerrit Schmidt-Foß für DiCaprio und Joachim Kerzel für Nicholson. Christian Brückner spricht Martin Sheens Queenan. Dialogbuch und Regie stammen von Klaus Bickert beziehungsweise Dietmar Wunder.

Für einen Vergleich der Fassungen sind die Machtgespräche der sinnvolle Prüfstein: Bleiben Drohung, beiläufiger Spott und Unsicherheit voneinander unterscheidbar? Eine prominente Stimme allein macht eine Übersetzung noch nicht besser als das Original.

6

Vier Oscars, aber kein Ersatz für das eigene Urteil

Bei der Oscar-Verleihung 2007 gewann Departed als bester Film sowie für Scorseses Regie, Monahans adaptiertes Drehbuch und Thelma Schoonmakers Schnitt. Wahlberg war als Nebendarsteller nominiert. Die frühere Behauptung, nur dieses internationale Remake habe jemals den Hauptpreis gewonnen, war falsch und ist gestrichen.

Empfehlen würde ich Departed wegen seines Figurenkonflikts: Zwei Männer müssen glaubwürdig lügen, und nur einer von ihnen scheint dabei zunächst ein Leben zu gewinnen. Wenn dich das interessiert, trägt der Film auch ohne Oscar-Vorgeschichte. Wenn du eine knappe, zurückgenommene Variante desselben Grundgedankens suchst, greif zuerst zum Original.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Dafür

  • DiCaprio und Damon geben der Tarnung unterschiedliche Folgen
  • Dialoge machen Machtverhältnisse sichtbar
  • Eigenständige Adaption der Vorlage

Dagegen

  • Zu viele Abschlüsse im Finale
  • Madolyn bleibt stark an die Funktion für beide Männer gebunden
Die gleiche Lüge kostet diese beiden Männer nicht dasselbe.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
8,8 für das ungleiche Doppelspiel von Costigan und Sullivan und die aggressive Dialogführung. Departed behauptet sich neben Infernal Affairs, verliert im überfüllten Finale aber an Präzision.

Wer streamt Departed - Unter Feinden?

Verfügbarkeit DE

Stand 26.10.2026: Departed - Unter Feinden läuft im Abo bei Max und Prime Video, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.

Stand 26.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • BillyLeonardo DiCaprio
  • ColinMatt Damon
  • CostelloJack Nicholson
  • DignamMark Wahlberg
  • QueenanMartin Sheen

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