Die Kritik
von FilmSchneiderDeparted ist eine 8.8. Und das sage ich als jemand der das Original kennt.
Martin Scorsese hat 2006 einen Film gedreht der ihm endlich seinen Oscar einbrachte — ausgerechnet mit einem Remake. 90 Millionen Dollar Budget, DiCaprio und Damon als Spiegelbilder, Nicholson als irischer Mob-Boss der dem echten Whitey Bulger in nichts nachsteht. 8.5 auf IMDb nach fast zwanzig Jahren. Der Film hält.
Scorsese. Endlich.
Ich muss hier kurz was loswerden. 2007, Oscar-Nacht. Anke und ich saßen in unserer Hamburger Wohnung — damals noch Altona, vor dem Köln-Umzug — und als sie seinen Namen sagten bin ich aufgestanden. Nicht geklatscht, nicht gejubelt. Einfach aufgestanden. Fünf Nominierungen vorher. Fünf Mal verloren. Für Raging Bull. Für Goodfellas. Für Gangs of New York. Und dann gewinnt er für ein Remake eines Hongkong-Thrillers.
Anke hat gesagt: „Hättest du ihm den Oscar lieber für was anderes gegeben?“ Ja. Für Goodfellas. Jeden Tag. Aber Departed hat ihn auch verdient. Nicht weil es Scorseses bester Film ist. Sondern weil es vielleicht sein unterhaltsamster ist.
DiCaprio gegen Damon. Im Grunde gegen sich selbst.
Das Geniale an William Monahans Drehbuch: Costigan und Sullivan sind keine Gegensätze. Sie sind der gleiche Typ in verschiedenen Uniformen. Beide lügen jeden Tag. Beide gehen jeden Abend nach Hause und fragen sich wie lange das noch gutgeht. DiCaprio spielt Costigan als Mann der an seiner Lüge zerbricht — schweißnass, schlaflos, auf Kante. Damon spielt Sullivan als Mann der an seiner Lüge wächst. Anzug, Wohnung mit Aussicht, Beförderung. Bis alles kippt.
Was mich bis heute fasziniert: DiCaprio war 31 und spielt einen gebrochenen Mann überzeugender als manche Schauspieler mit doppelt so viel Erfahrung. Tom sagt DiCaprio sei overrated. Tom hat Departed nie richtig geschaut. DiCaprio macht hier Sachen mit seinem Gesicht die kein Regisseur der Welt verlangen kann.
Jack. Einfach nur Jack.
Über Jack Nicholson in Departed reden heißt über einen Schauspieler reden der seinen eigenen Film dreht — innerhalb eines Films. Frank Costello basiert auf James „Whitey“ Bulger, dem echten Bostoner Gangsterboss. Gleichzeitig FBI-Informant. 16 Jahre auf der Flucht. 11 Morde. Nicholson nimmt diese Vorlage und macht daraus etwas das größer ist als jede reale Person.
Die Szene in der er eine Waffe auf DiCaprio zieht? Improvisiert. DiCaprio wusste nichts davon. Die Angst in seinen Augen ist echt. Nicholson weigerte sich eine Red-Sox-Mütze zu tragen — er hasst Bostoner Sportteams — und trug stattdessen eine Yankees-Cap. Auf dem Papier klingt das nach Ego. Auf der Leinwand funktioniert es weil Costello genau so einer ist. Der Typ macht was er will.
Michael Ballhaus‘ Kamera. Ein Deutscher in Boston.
Was die meisten nicht wissen: Der Kameramann war Deutscher. Michael Ballhaus aus Berlin, Fassbinder-Schüler, seit den 80ern in Hollywood. Seine Kamera in Departed ist das Gegenteil von auffällig — sie beobachtet. Kühle Farben, lange Einstellungen, keine Spielereien. Boston sieht bei ihm aus wie eine Stadt die permanent kurz vor dem Überkochen steht. Thelma Schoonmaker hat das Material so geschnitten dass du nie zur Ruhe kommst. 151 Minuten. Ich hab beim ersten Mal nicht einmal auf die Uhr geschaut.
Dezember 2006. Zeise Kinos Hamburg. Allein, weil Anke keine Lust auf „noch einen Gangsterfilm“ hatte. Ihre Worte. Als ich nach Hause kam und ihr von der letzten halben Stunde erzählt habe — ohne zu spoilern — hat sie gesagt: „Klingt als hätte ich was verpasst.“ Hat sie. Hat sie definitiv.
90 Millionen. 4 Oscars. Und Infernal Affairs.
Ich kenne das Original. Andrew Laus Infernal Affairs von 2002. Ein großartiger Film. Straffer, eleganter, poetischer. Was Scorsese gemacht hat: Er hat die Geschichte nach Boston verpflanzt, die Triade durch die irische Mafia ersetzt und das Tempo hochgedreht. Das Hongkong-Original ist ein Schachspiel. Departed ist ein Boxkampf.
Was besser ist? Kommt drauf an was du willst. Für Stille und Tragik: Infernal Affairs. Für rohe Energie und Dialoge die dir den Kopf eindrücken: Departed. Beide sind großartig. Departed ist der einzige Remake eines internationalen Films der je den Oscar für den Besten Film gewonnen hat. Das sagt eigentlich alles.
4 Oscars insgesamt. Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Schnitt. Mark Wahlberg wurde für den Nebendarsteller nominiert und verlor gegen Alan Arkin in Little Miss Sunshine. Wahlbergs Dignam ist in jeder Szene die unterhaltsamste Person im Raum. Aber Thriller-Nebenrollen gewinnen selten.
Wahlberg. Der Einzige der überlebt.
Spoiler. Aber der Film ist zwanzig Jahre alt. Mark Wahlberg als Sergeant Dignam ist die heimliche Hauptfigur. Nicht weil er die meiste Screentime hat. Sondern weil er der Einzige ist der von Anfang bis Ende ehrlich ist. Brutal ehrlich. Beleidigend ehrlich. Er basierte seine Performance auf echten Cops die ihn in seiner Jugend verhaftet hatten. Jedes F-Wort sitzt.
Matt Damon ist übrigens echte Streifenfahrten mit der Massachusetts State Police mitgefahren. Hat an tatsächlichen Drogenrazzien teilgenommen. Hollywood-Schauspieler spielen Cops und fahren echte Einsätze mit. Das muss man sich erstmal leisten können. Aber genau das macht die Figuren so dicht. Sullivan fühlt sich nicht gespielt an. Der wirkt wie ein Typ den du auf dem Revier treffen könntest.
Was den Film trotzdem nicht perfekt macht: Das Finale. Die letzten zehn Minuten sind viel. Scorsese schichtet Twist auf Twist, Tod auf Tod, als hätte er Angst dass ihm jemand den Film wegnimmt bevor er fertig ist. Infernal Affairs löst das eleganter. Departed löst es mit einer Schrotflinte. Ich liebe diesen Film. Aber diese letzten Minuten sind der Grund warum ich 8.8 sage und nicht 9.0.
Was ihn trotzdem großartig macht: Alles davor. Die zwei Stunden in denen du mit Costigan zitterst. In denen Sullivan seine Fassade perfektioniert. In denen Nicholson eine Ratte über den Tisch rollen lässt. Howard Shores Musik. Thelma Schoonmakers Schnitt. Scorseses Timing. Wenn du Se7en magst — den dreckigen Großstadt-Krimi mit Figuren die an ihrer Arbeit kaputtgehen — dann wirst du Departed lieben.
Die Leute auf der Leinwand.
- Leonardo DiCaprio als Billy Costigan — der Undercover-Cop der an seiner Tarnung zerbricht
- Matt Damon als Colin Sullivan. Glatt, ambitioniert, Costellos Mann bei der Polizei.
- Jack Nicholson: Frank Costello. Braucht keine Rollenbeschreibung. Er IST der Film.
- Mark Wahlberg — Sgt. Dignam. Jeder Satz ein Angriff. Oscar-nominiert, verdient.
- Martin Sheen als Captain Queenan, ruhig und väterlich bis es nicht mehr reicht
- Vera Farmiga als Madolyn. Die einzige Frau im Film. Kann mit beiden. Das ist das Problem.
- Alec Baldwin als Captain Ellerby — komisch ohne es zu wollen
- Ray Winstone als Mr. French. Costellos Schatten. Wenig Text, viel Wirkung.
Synchronstudio: RC Production Rasema Cibic, Berlin
Jahr: 2006
Dialogbuch: Klaus Bickert
Jack Nicholson|Frank Costello|Joachim Kerzel
Leonardo DiCaprio|Billy Costigan|Gerrit Schmidt-Foß
Matt Damon|Colin Sullivan|Matthias Hinze
Mark Wahlberg|Sgt. Dignam|Oliver Mink
Martin Sheen|Captain Queenan|Christian Brückner
Vera Farmiga|Dr. Madolyn Madden|Christin Marquitan
Alec Baldwin|Captain Ellerby|K. Dieter Klebsch
Ray Winstone|Mr. French|Roland Hemmo
Quelle: Synchronkartei.de
Christian Brückner synchronisiert Martin Sheen.
Ich wiederhole: Die Stimme von Robert De Niro spricht Martin Sheen. In einem Scorsese-Film. In dem De Niro nicht mitspielt. Joachim Kerzel als Nicholson — klar, Standard, passt. Gerrit Schmidt-Foß als DiCaprio — seine Stammstimme seit Titanic. Aber Brückner als Captain Queenan? Das hat mich im Kino aus dem Sitz gerissen. Jede seiner Szenen hat auf Deutsch eine zusätzliche Gravitas die das Original nicht hat. Deutsche Synchronfassung manchmal besser als das Original. Selten. Aber hier.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von FilmSchneider — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- DiCaprio und Damon auf Karriere-Höchstniveau
- Nicholsons improvisierter Wahnsinn
- Michael Ballhaus' zurückhaltende Kameraarbeit
- Wahlbergs Dignam stiehlt jede Szene
Dagegen
- Finale zu gehetzt und überladen
- Vera Farmigas Rolle unterentwickelt
When you're facing a loaded gun, what's the difference?— aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt Departed - Unter Feinden?
Verfügbarkeit DEStand 16.08.2026: Departed - Unter Feinden läuft im Abo bei Prime Video und Max – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 16.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Departed - Unter Feinden
Wo kann ich Departed - Unter Feinden streamen?
Departed - Unter Feinden läuft aktuell im Abo bei Prime Video und Max; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Wie lange dauert Departed - Unter Feinden?
Departed - Unter Feinden hat eine Laufzeit von rund 143 Minuten (2 Stunden und 23 Minuten).
Lohnt sich Departed - Unter Feinden?
Unsere Redaktion vergibt Departed - Unter Feinden einen Watcher-Score von 8,8 von 10. Ich hab Departed im Dezember 2006 in den Zeise Kinos gesehen. Allein weil Anke keine Lust auf Gangsterfilme hatte. Zweieinhalb Stunden später wusste ich zwei Dinge. Erstens Scorsese hat seinen Oscar verdient. Zweitens Anke hat einen großartigen Film verpasst. Das hier ist rohe Energie. DiCaprio am Limit. Damon eiskalt. Nicholson jenseits von Kontrolle. Michael Ballhaus filmt Boston wie eine Stadt die gleich explodiert. Das Finale ist mir zu viel — die letzten zehn Minuten lösen mit der Brechstange was das Original elegant macht. Deshalb 8.8 und nicht 9.0. Aber die zwei Stunden davor? Scorseses
Für wen ist Departed - Unter Feinden geeignet?
Departed - Unter Feinden ist vor allem etwas für Drama und Thriller-Fans und alle, die herausragende Filme suchen.
Worum geht es in Departed - Unter Feinden?
Der brutale Bostoner Mafiaboss Frank Costello hat es geschafft, mit Colin Sullivan einen seiner treuesten Männer bei der städtischen Polizei einzuschleusen, um stets auf dem Laufenden über die geplanten Aktivitäten der Cops zu bleiben.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Departed – Unter Feinden: Scorseses unterhaltsamster Film
Basiert Departed auf einem anderen Film?
Hat Scorsese für Departed seinen ersten Oscar gewonnen?
Wer spielt den Gangsterboss Frank Costello?
Gibt es eine Fortsetzung zu Departed?
Wie lang ist Departed?
Warum heißt der Film auf Deutsch anders?
Der Saal
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2 Kommentare
Ich fand „Departed – Unter Feinden“ voll krass, Alter! 🤯 Die Spannung und die Twists haben mich echt umgehauen! 🕵️♂️🔥
Überrascht war ich, als ich „Departed – Unter Feinden“ angeschaut habe! 🎬 Ich fand den Film mega spannend und mitreißend, weil die Handlung so verwickelt war und man wirklich mit den Charakteren mitfieberte. 😱 Die Schauspieler haben ihre Sache richtig gut gemacht – besonders Leonardo DiCaprio und Matt Damon fand ich klasse! 🌟 Die ganzen Wendungen und Überraschungen im Film haben mich echt geflasht und ich konnte gar nicht genug davon kriegen! 🤯👍🏼