Poster zum Film Die Taschendiebin: Park Chan-wooks Origami aus Taeuschung und Befreiung (2016) Meisterwerk — WatchGuide-Auszeichnung „Der Watcher"

Die Taschendiebin: Park Chan-wooks Origami aus Taeuschung und Befreiung (2016)

🏅 Meisterwerk 🎬 Film 145 Min. ThrillerDrama
⚡ Kurz gesagt

Die Taschendiebin ist der Film bei dem ich aufgehört habe Parks Filme als Thriller zu bezeichnen. Es ist Kino das sich anfühlt wie ein Origami-Kunstwerk – du siehst die Faltung nicht, bis der letzte Knick sitzt und du plötzlich das Ganze siehst. Kim Tae-ri in ihrem ersten Film, Kim Min-hee in der Rolle ihres Lebens, und eine Geschichte die unter der Oberfläche eine ganze Epoche koreanischer Unterdrückung verarbeitet. 9 von 10, und jedes Mal wenn ich ihn sehe finde ich eine Falte die ich vorher nicht gesehen habe. Watcher-Score 9,0/10.

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Wer streamt Die Taschendiebin?

Verfügbarkeit DE

Stand 12.03.2026: Die Taschendiebin läuft im Abo bei Prime Video – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.

Verfügbarkeit Deutschland · Stand 12.03.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.

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Die Kritik

von SeoulScreen

Die Taschendiebin (아가씨) kam 2016 in Korea in die Kinos und ein Jahr später in Deutschland – Park Chan-wooks Adaption eines britischen Romans, verlegt in die japanische Kolonialzeit Koreas, mit zwei Schauspielerinnen von denen eine vorher noch nie vor einer Kamera gestanden hat.

9 von 10. Kein Kompromiss. Drei Akte, drei Perspektiven, und jedes Mal wenn du glaubst du verstehst – liegst du falsch.

Park Chan-wook und die Kunst, jeden Einzelnen im Raum zu täuschen

Ich habe Die Taschendiebin zum ersten Mal alleine geschaut. In meiner Wohnung in Seoul, es muss Ende 2016 gewesen sein, kurz bevor ich nach Deutschland zurückkam. Jihoon war nicht da – und ehrlich gesagt bin ich im Nachhinein froh, weil ich nicht wüsste wie ich DAS zusammen geschaut hätte. Nicht wegen der erotischen Szenen. Sondern weil der Film dich so komplett einsaugt dass du danach erstmal zehn Minuten brauchst bevor du ein Wort sagen kannst.

Park Chan-wook ist mein zweitliebster Regisseur, nach Bong Joon-ho. Aber eigentlich – und das sage ich nicht leichtfertig – hat er mit diesem Film vielleicht das Bessere gedreht als alles was Bong je gemacht hat. 아가씨 – Agassi – heißt wörtlich „Fräulein“ oder „junge Dame“, und der Titel ist schon die erste Täuschung. Wer die Agassi wirklich ist, wer das Fräulein und wer die Taschendiebin – das verschiebt sich dreimal.

Sarah Waters hat 2002 „Fingersmith“ geschrieben, einen viktorianischen Krimi. Park hat daraus etwas gemacht das mit dem Original ungefähr so viel zu tun hat wie Kimchi mit Sauerkraut – gleiche Grundidee, völlig anderes Ergebnis. Er hat die Geschichte in die 1930er verlegt, nach Korea unter japanischer Besatzung, und damit eine Ebene hinzugefügt die Waters nie hätte schreiben können: koloniale Unterdrückung als Spiegel persönlicher Unterdrückung.

4,39 auf Letterboxd – das ist astronomisch, für jeden Film, erst recht für einen koreanischen. 96 Prozent auf Rotten Tomatoes, 91 beim Publikum. Und trotzdem fragen mich Leute: „Ist das dieser Film mit den… Szenen?“ Aish. Ja. Auch. Aber wenn DAS alles ist was ihr mitnehmt, habt ihr den Film nicht gesehen.

Kim Tae-ri. Erster Film. Daebak.

Kim Tae-ri war 26 als sie Sook-hee gespielt hat. Es war ihr erster Film. Ihr ERSTER. Sie hat sich gegen 1.500 Bewerberinnen durchgesetzt, und wenn du ihren ersten Auftritt siehst – dieses Gesicht, das gleichzeitig Unschuld und Berechnung zeigt – dann verstehst du warum. Was sie hier macht ist nicht spielen. Es ist SEIN. Kim Min-hee als Lady Hideko ist brillant, keine Frage, aber Kim Tae-ri hat in diesem Film eine Karriere begonnen die seitdem nicht aufgehört hat zu wachsen – „Little Forest“, „Space Sweepers“, „Twenty-Five Twenty-One“ als K-Drama. Jihoon sagt über sie: 천재 (cheonjae) – Genie.

Kim Min-hee bringt als Lady Hideko etwas mit das schwer zu beschreiben ist. Sie spielt eine Frau die ihr ganzes Leben lang performt hat – die vorliest, die gehorcht, die funktioniert – und deren echtes Ich so tief vergraben ist dass selbst sie es nicht mehr findet. Bis Sook-hee kommt. Die Chemie zwischen den beiden – und jetzt komme ich an einen Punkt wo die deutsche Sprache aufhört – ist nicht Chemie, es ist 정 (jeong). Jeong ist ein koreanisches Konzept, eine Art tiefer emotionaler Bindung die über Liebe, Freundschaft und Verbundenheit hinausgeht. Es ist das Gefühl wenn jemand dir so nah ist dass die Grenze zwischen euch verschwindet. In der Übersetzung sagt man „Bindung“ oder „Zuneigung“. Im Koreanischen ist es ein ganzes Universum.

Ha Jung-woo als Graf Fujiwara – der Betrüger, der Manipulator – spielt so charmant dass du verstehst warum die Leute ihm glauben. Und Cho Jin-woong als Onkel Kouzuki, dieser ältere Mann mit seiner Bibliothek und seinen Perversionen, der seine Nichte wie einen Besitz behandelt – in Korea ist diese Figur nicht nur ein Bösewicht. Er ist ein Symbol. Für die japanische Besatzungsmacht die koreanische Kultur sammelt, archiviert und besitzt.

일제강점기 – Und warum das kein Hintergrund ist

Die japanische Besatzungszeit Koreas, 일제강점기 (iljegangjjeomgi), 1910 bis 1945 – das ist für Koreaner kein historisches Faktum sondern eine offene Wunde. Jihoon wird still wenn das Thema aufkommt. Sein Großvater hat unter der Besatzung gelebt, er erzählt nie davon, aber die Familie weiß es. In „Die Taschendiebin“ sprechen die koreanischen Figuren Japanisch, weil sie es MUSSTEN. Lady Hideko wurde japanisch erzogen, ihr koreanischer Name wird nie genannt. Sook-hee spricht Koreanisch – die Sprache der Besetzten, die in feinen Häusern nicht erlaubt war.

Wenn die beiden Frauen am Ende den Onkel und den Grafen überlisten – das ist nicht nur eine persönliche Befreiung. Es ist eine kulturelle. Zwei koreanische Frauen brechen aus einem System aus das sie – als Frauen, als Koreanerinnen, als Besitztümer eines Mannes in einer kolonialen Hierarchie – nie als vollständige Menschen gesehen hat. Anke hat den Film übrigens „visuell atemberaubend“ gefunden und wollte über Farben reden. Stefan fand die Drehbuchstruktur faszinierend. Keiner von beiden hat die Kolonialismus-Ebene bemerkt. Nicht weil sie dumm sind. Sondern weil man das nicht sieht wenn man die Geschichte nicht kennt.

Park Chan-wook hat dafür 8,5 Millionen Dollar ausgegeben, ungefähr so viel wie Yeon Sang-ho für Train to Busan. Aber wo Train to Busan das Zehnfache eingespielt hat, blieb Die Taschendiebin bei 38 Millionen weltweit – weil ein erotischer koreanischer Thriller, der im Japan der 30er Jahre spielt und auf einer britischen Romanvorlage basiert, nun mal kein Blockbuster wird. Er ist etwas Besseres. Er ist ein Film den man nicht vergisst.

Besetzung

  • Kim Min-hee als Lady Hideko – Hideko spielt eine Rolle die eine Rolle spielt. Kim Min-hee hält das über 145 Minuten durch, ohne dass eine Naht sichtbar wird.
  • Kim Tae-ri als Sook-hee – Erster Film, und dann DIESER Film. Sie stiehlt nicht nur im Film Dinge. Sie stiehlt den ganzen Film.
  • Ha Jung-woo als Graf Fujiwara – Charmant, manipulativ, am Ende kleiner als er sich fühlt. Ha Jung-woo ist einer der vielseitigsten Schauspieler Koreas.
  • Cho Jin-woong als Onkel Kouzuki – Die unheimlichste Figur im Film, und das in einem Film voller Täuschung. Sein Kouzuki ist Sammler, Besitzer, und am Ende: nichts.

Original schauen. Bitte.

Noch mehr als bei anderen koreanischen Filmen gilt hier: Die Sprache IST der Film. Die Figuren wechseln zwischen Koreanisch und Japanisch, und jeder Wechsel erzählt dir etwas über Macht und Identität. In der deutschen Fassung ist das unmöglich abzubilden. Ich empfehle den koreanischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Was dabei trotzdem verloren geht: die Nuancen der Höflichkeitsstufen, der Unterschied zwischen dem rauen Koreanisch der Dienstmädchen und dem polierten Japanisch der Oberschicht. Aber besser als die Synchro ist es allemal.

Und wenn euch das hier gefallen hat

  • Oldboy (Park Chan-wook, 2003) – Parks brutaleres Meisterwerk. Wer Die Taschendiebin mochte, sollte wissen wo Park herkommt.
  • Burning (Lee Chang-dong, 2018) – Koreanisches Kino das langsam brennt. Andere Energie, gleiche Tiefe.
  • Get Out (Jordan Peele, 2017) – Gesellschaftlicher Thriller der Machtverhältnisse seziert. Anderes Land, ähnliche Wut.
  • Parasite (Bong Joon-ho, 2019) – Klassenunterschied als Motor. Wer das eine liebt, liebt das andere.
  • Squid Game (2021) – Koreanisches Survival-Drama. Für alle die Korea im Kino entdecken wollen.
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Das Urteil

Watcher-Score · redaktionelle Einzelwertung

Bewertet von — eine Person, ein begründetes Urteil.

Die Taschendiebin ist der Film bei dem ich aufgehört habe Parks Filme als Thriller zu bezeichnen. Es ist Kino das sich anfühlt wie ein Origami-Kunstwerk – du siehst die Faltung nicht, bis der letzte Knick sitzt und du plötzlich das Ganze siehst. Kim Tae-ri in ihrem ersten Film, Kim Min-hee in der Rolle ihres Lebens, und eine Geschichte die unter der Oberfläche eine ganze Epoche koreanischer Unterdrückung verarbeitet. 9 von 10, und jedes Mal wenn ich ihn sehe finde ich eine Falte die ich vorher nicht gesehen habe.

Schnelle Antworten

Antworten Schnelle Antworten zu Die Taschendiebin

Wo kann ich Die Taschendiebin streamen?

Die Taschendiebin läuft aktuell im Abo bei Prime Video; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand Juli 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.

Wie lange dauert Die Taschendiebin?

Die Taschendiebin hat eine Laufzeit von rund 145 Minuten (2 Stunden und 25 Minuten).

Lohnt sich Die Taschendiebin?

Unsere Redaktion vergibt Die Taschendiebin einen Watcher-Score von 9,0 von 10. Die Taschendiebin ist der Film bei dem ich aufgehört habe Parks Filme als Thriller zu bezeichnen. Es ist Kino das sich anfühlt wie ein Origami-Kunstwerk – du siehst die Faltung nicht, bis der letzte Knick sitzt und du plötzlich das Ganze siehst. Kim Tae-ri in ihrem ersten Film, Kim Min-hee in der Rolle ihres Lebens, und eine Geschichte die unter der Oberfläche eine ganze Epoche koreanischer Unterdrückung verarbeitet. 9 von 10, und jedes Mal wenn ich ihn sehe finde ich eine Falte die ich vorher nicht gesehen habe.

Für wen ist Die Taschendiebin geeignet?

Die Taschendiebin ist vor allem etwas für Thriller und Drama-Fans und alle, die herausragende Filme suchen.

Worum geht es in Die Taschendiebin?

Korea in den 1930er Jahren. Die schöne, aber unnahbare Lady Hideko lebt mit ihrem dominanten Onkel Kouzuki und ihrem ererbten Vermögen in einem abgelegenen Anwesen, dessen Herzstück eine hingebungsvoll gepflegte und bewachte Bibliothek ist.

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Trailer

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Besetzung

김ubbfc희Lady Hideko
Kim Tae-riSook-hee
하uc815우Count Fujiwara
조uc9c4웅Uncle Kouzuki
김ud574숙Ms. Sasaki
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