Poster zum Film The Change

The Change (2025)

Film · Thriller, Drama · 2025 · 112 Min. · FSK 12

Von , aktualisiert am 30. September 20265 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

„The Change“ bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 6,8 von 10. Jan Komasa erzählt den Weg einer amerikanischen Familie in die Diktatur über fünf Jahre, immer an einem einzigen Festtag im Elternhaus. Diese Bauform ist stark, und Diane Lane trägt sie. Was den Film unter seinen Möglichkeiten hält, ist die Figur des Sohnes: Seine Radikalisierung wird nicht erzählt, sie wird vorgeführt.

Der Politthriller lief am 6. November 2025 im Verleih von Tobis in den deutschen Kinos an, 112 Minuten lang und ab 12 Jahren freigegeben. Im Original heißt er „Anniversary“. Wer Familiendramen mag, die langsam zur Zumutung werden, und keine Angst vor einem bitteren Ende hat, sollte ihn sehen. Wer politisches Kino mit Zwischentönen und genauer Analyse sucht, bekommt eher Anschauung als Erklärung.

Kurz gesagt

6,8 von mir. Jan Komasa erzählt den Weg in die Diktatur an Familienfesten über fünf Jahre im selben Haus, und diese Bauform ist stark: Was im Land passiert, sieht man daran, wer fehlt und wer schweigt. Diane Lane trägt den Film, Ellens Einknicken vor der Drohung ist verdient. Josh dagegen wird nicht radikalisiert, er ist es plötzlich, und Dylan O'Brien füllt die Lücke mit Wut. Für alle, die bittere Familiendramen mit politischem Kern mögen, sehenswert, für Freunde leiser Zwischentöne zu deutlich.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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Unsere Einordnung

von WatchGuide-Redaktion
1

Ein Haus, ein Tag, jedes Jahr

Ellen (Diane Lane) ist Professorin an der Georgetown University, ihr Mann Paul (Kyle Chandler) führt ein Restaurant. Zur Silberhochzeit bringt Sohn Josh (Dylan O’Brien), ein erfolgloser Schriftsteller, seine neue Freundin Liz (Phoebe Dynevor) mit. Ellen erkennt sie wieder: eine ehemalige Studentin, deren Arbeit über einen Einparteienstaat sie einst als antidemokratisch eingestuft hat. Liz‘ Geschenk ist ein Buch mit dem Titel „The Change“, und aus dem Buch wird eine Bewegung.

Das Drehbuch von Lori Rosene-Gambino, nach einer gemeinsamen Idee mit Komasa, macht daraus eine Versuchsanordnung. Jede Etappe spielt an einem Familienfest, fast immer im selben Haus. Was draußen im Land passiert, erfahren wir nur daraus, wer beim nächsten Mal fehlt, wer leiser redet, wer nicht mehr widerspricht. Das halte ich für die klügste Entscheidung des Films. Man muss keine Aufmärsche zeigen, wenn man zeigen kann, wie Paul beim nächsten Treffen sagt, am Esstisch werde nicht über Politik geredet. Mathis Raabe zitiert genau diesen Satz bei kino-zeit, und er ist das beste Stück Dialog im ganzen Buch.

2

Wo die Entscheidungen verdient sind

Am stärksten ist der Film dort, wo er Figuren zu einer Entscheidung zwingt, die sie nicht treffen wollen. Frank Arnold beschreibt bei epd Film eine Sequenz, in der zwei junge Frauen als angebliche Mitarbeiterinnen des Zensus bei Ellen und Paul auftauchen, sehr gut über die Familie Bescheid wissen und Drohungen aussprechen. Dass diese Drohung ausgerechnet bei Ellen wirkt, ist der Moment, auf den die ganze Figur hingebaut ist. Die Professorin, die im Fernsehen jeden Gegner argumentativ zerlegt, lernt, den Mund zu halten. Das ist verdient, weil der Film ihre Selbstsicherheit vorher lange genug ernst genommen hat. Diane Lane, die auch kino-zeit besonders hervorhebt, macht diesen Bruch glaubhaft.

Auch die Nebenstränge tragen, weil sie im Kleinen dieselbe Frage stellen: Cynthia (Zoey Deutch) streitet mit ihrem Mann Rob (Daryl McCormack), weil sie kein Kind bekommen will, und der Film lässt offen, ob der Zustand der Welt der Grund ist oder ihre eigene Verzweiflung. So etwas würde ich mir öfter wünschen.

3

Wo es kippt: Josh

Das Problem ist Josh. Ein Mann, der als Künstler gescheitert ist und seine Kränkung in Macht umsetzt, ist eine plausible Figur. Aber das Drehbuch zeigt uns nie, wann aus dem gekränkten Sohn der Einpeitscher wird. Zwischen zwei Festen liegen ein oder zwei Jahre, und in dieser Zeit passiert die entscheidende Veränderung, ohne dass wir sie sehen. Dylan O’Brien füllt die Lücke mit Wut. Christoph Petersen schreibt bei Filmstarts, er lege die Figur als zunehmenden Voll-Psycho an, das treibe die Spannung am Esstisch hoch, nehme dem Szenario aber etwas von seiner Allgemeingültigkeit. Genau da kippt es für mich. Ein Film, der zeigen will, wie normale Menschen in so etwas hineingeraten, darf seinen wichtigsten Mitläufer nicht zum Monster machen.

Liz bleibt aus einem ähnlichen Grund blass. Über ihre Herkunft erfahren wir fast nichts, sie ist, wie kino-zeit schreibt, mehr Symbol als Figur. Das kann man als Absicht lesen. Mir fehlt dadurch die zweite Seite des Konflikts, und der Film wird an manchen Stellen deutlicher, als er sein müsste. Petersen merkt außerdem an, dass jede und jeder im Ensemble einen eigenen großen Ausbruch bekommt. Einzeln sind das gute Szenen, zusammen wirken sie wie abgezählt.

4

Wer mitspielt

  • Diane Lane als Ellen Taylor
  • Kyle Chandler als Paul Taylor
  • Dylan O’Brien als Josh
  • Phoebe Dynevor als Liz
  • Zoey Deutch als Cynthia
  • Madeline Brewer als Anna
  • Mckenna Grace als Birdie
  • Daryl McCormack als Rob

Regie führte Jan Komasa, dessen „Corpus Christi“ für den Oscar als bester internationaler Film nominiert war. „The Change“ ist sein erster englischsprachiger Film, die Kamera führte Piotr Sobociński jr.

5

Wie die Kritik „The Change“ sieht

In Deutschland kam der Film gut an. Filmstarts vergibt 3,5 von 5 Sternen und nennt ihn den Anti-Wohlfühlfilm des Jahres, epd Film gibt 4 von 5 Sternen und lobt, dass der modellhaft angelegte Film wegen seiner komplexen Figuren nie zum blutleeren Lehrstück wird. Kino-zeit hält ihn für nicht subtil, aber spannend. International fällt das Urteil gemischter aus: Bei Rotten Tomatoes sind 68 Prozent von 73 Kritiken positiv, Metacritic kommt auf 57 von 100 aus 13 Kritiken. Meine 6,8 liegen zwischen beiden Lagern: Die Bauform und Diane Lane sind stärker, als die US-Werte vermuten lassen, die Figur des Sohnes schwächer, als die deutschen Kritiken sie behandeln. Stand der Werte: 30. September 2026.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story6,5
Schauspiel7,5
Effekte6,5

Dafür

  • Jede Etappe spielt an einem einzigen Festtag im Elternhaus
  • Die Diktatur wird über das Verhalten der Familie erzählt, nicht über Massenszenen
  • Diane Lane als Professorin, die das Schweigen lernt
  • Nebenstränge wie Cynthias Streit mit Rob stellen dieselbe Frage im Kleinen

Dagegen

  • Joshs Radikalisierung passiert zwischen den Szenen
  • Dylan O'Brien spielt Josh zu früh als Monster
  • Liz bleibt mehr Symbol als Figur
  • Jede Figur bekommt ihren großen Ausbruch, das wirkt abgezählt
Man muss keine Aufmärsche zeigen, wenn man zeigen kann, wer beim nächsten Familienfest nicht mehr widerspricht.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
6,8 von mir. Jan Komasa erzählt den Weg in die Diktatur an Familienfesten über fünf Jahre im selben Haus, und diese Bauform ist stark: Was im Land passiert, sieht man daran, wer fehlt und wer schweigt. Diane Lane trägt den Film, Ellens Einknicken vor der Drohung ist verdient. Josh dagegen wird nicht radikalisiert, er ist es plötzlich, und Dylan O'Brien füllt die Lücke mit Wut. Für alle, die bittere Familiendramen mit politischem Kern mögen, sehenswert, für Freunde leiser Zwischentöne zu deutlich.

Wer streamt The Change?

Verfügbarkeit DE

Stand 28.10.2026: The Change läuft im Abo bei Prime Video, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.

Stand 28.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • EllenDiane Lane
  • PaulKyle Chandler
  • AnnaMadeline Brewer
  • CynthiaZoey Deutch
  • BirdieMckenna Grace

FAQ zu The Change

Warum heißt der Film im Original „Anniversary“?
Weil er an Familienfesten spielt, die mit dem 25. Hochzeitstag von Ellen und Paul beginnen. Der deutsche Titel „The Change“ ist der Name des Buchs und der Bewegung, die Liz im Film begründet.
Für wen ist der Film geeignet?
Die FSK hat ihn ab 12 Jahren freigegeben, der Filmdienst empfiehlt ihn ab 16. Der Film wird im Lauf der Jahre immer bedrückender und endet bitter, Zuschauer, die politische Dystopien meiden, sollten das wissen.

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