Countdown zum Kinostart
Runner: Alan Ritchson fährt gegen die Uhr, Owen Wilson sitzt daneben ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von CineTomAm 17. September 2026 bringt Splendid „Runner“ in die deutschen Kinos: Alan Ritchson fährt eine Spenderleber quer über die australische Gold Coast, Owen Wilson sitzt daneben, und ein Kartell will die Fracht.
97 Minuten, FSK 16, Regie von einem Mann, der als Stuntman angefangen hat. Die Laufzeit ist bei diesem Stoff die interessanteste Angabe im ganzen Datenblatt.
97 Minuten für einen Countdown-Film. Endlich mal jemand, der rechnen kann
Die Prämisse ist ein Zeitlimit: ein Organ, drei Stunden, eine Strecke von Brisbane zur Gold Coast. Ein Film, der so etwas erzählt und dann 140 Minuten braucht, hat seine eigene Regel gebrochen, bevor der erste Wagen anspringt. „Runner“ kommt mit 97 Minuten aus, und das ist die erste Entscheidung, die für diese Produktion spricht.
Countdown-Filme sind das ehrlichste Genre überhaupt. Sie stellen eine Uhr auf und müssen sich daran halten, sonst merkt es jeder im Saal. Wenn die Fahrt drei Stunden dauern soll, darf es zwischendurch keine Szene geben, in der sich zwei Leute in Ruhe über ihre Kindheit unterhalten. Genau daran scheitern die meisten.
Scott Waugh kommt vom Stunt, nicht vom Storyboard
Waugh hat als Stuntman angefangen, sein Vater Fred Waugh war der Stuntman des Spider-Man aus der Fernsehserie der Siebziger. Seit 2012 führt er Regie: „Act of Valor“ mit aktiven Navy SEALs in den Hauptrollen, dann „Need for Speed“ mit Aaron Paul, „6 Below“, „Hidden Strike“ mit Jackie Chan und John Cena, zuletzt „Expend4bles“.
Das ist eine Filmografie, über die man streiten kann, und ich will sie auch gar nicht schönreden. Aber sie hat eine Konstante: Bei Waugh sieht man, wo die Autos stehen. Wer aus dem Stunt kommt, baut Action als Raum und nicht als Schnittfolge, und in einem Jahrzehnt, in dem jede zweite Verfolgungsjagd im Rechner entsteht, ist das ein Wert für sich. The Expendables 4 steht bei uns bereits mit einer Kritik.
Ritchson und die Frage, ob das ein Reacher-Film wird
Alan Ritchson ist seit Reacher der glaubwürdigste Schrank im Actiongeschäft, und die Serie hat ihren Ruf ausdrücklich damit gemacht, dass sie die Prügeleien echt aussehen lässt. Mit Staffel 4 läuft die Reihe weiter, und die Gefahr für „Runner“ ist offensichtlich: Ein Kinofilm, der nur die Serienrolle unter anderem Namen wiederholt, ist verschenkte Leinwand.
Der Unterschied müsste über Owen Wilson kommen. Er spielt Ben, den medizinischen Kurier, also den Mann, der die Fracht überhaupt erst gebracht hat. Zwei Leute, die nicht zusammenpassen, in einem Wagen mit einer Kühlbox: Das ist die älteste Anordnung der Actionkomödie, und sie funktioniert oder sie stirbt an den Dialogen.
Hier kann es schiefgehen
Meine Sorge bei dieser Besetzung ist nicht das Fahren, sondern der Humor. Ein Gag, der eine Szene aufsticht, die der Film zehn Minuten lang aufgebaut hat, ruiniert mehr als eine schlechte Effektaufnahme. Owen Wilson ist großartig, wenn ein Film ihn führt, und er zieht alles in seine eigene Tonlage, wenn er es nicht tut.
Dazu kommt die Sache mit der Uhr. Wenn ein Organ in drei Stunden ankommen muss, ist jede Nebenhandlung ein Regelbruch. Rodrigo Santoro spielt den Gegenspieler Damian, Leila George die Rolle der Kate, Adriana Barraza ist als Donna besetzt. Je mehr dieser Figuren eigene Szenen bekommen, desto weiter rückt die Uhr in den Hintergrund, und desto beliebiger wird der Film.
Warum fährt das Ding überhaupt mit dem Auto
Das ist die Frage, an der ich bei so einer Prämisse hängen bleibe, und sie ist kein Erbsenzählen. Spenderorgane werden in der Praxis geflogen, weil Zeit der einzige Faktor ist, der zählt. Zwischen Brisbane und der Gold Coast liegt keine Tagesreise. Wenn ein Film daraus drei Stunden Fahrt macht, muss er im ersten Akt erklären, warum die Luft keine Option ist.
Filme dieser Bauart lösen das mit Wetter, mit einem gesperrten Luftraum oder damit, dass der Transport offiziell gar nicht stattfinden darf. Jede dieser Lösungen funktioniert, solange sie früh kommt und danach gilt. Was nicht funktioniert, ist ein Hubschrauber, der im dritten Akt plötzlich doch verfügbar ist, weil das Drehbuch ihn braucht. An solchen Stellen entscheidet sich, ob eine Actionkomödie ihre eigene Anordnung respektiert oder nur so tut.
Ich erwähne das, weil „Runner“ in einem Punkt anders liegt als die meisten Verfolgungsfilme: Die Fracht ist nicht Geld und nicht eine Person, sondern etwas, das verdirbt. Das ist eine bessere Idee als der übliche Koffer, und sie funktioniert nur, wenn der Film die Uhr nicht selbst aushebelt.
Wer im Wagen sitzt
- Alan Ritchson als Hank Malone, Ex-Soldat, jetzt Kurier für heikle Fracht
- Owen Wilson spielt Ben, den medizinischen Kurier und unfreiwilligen Beifahrer
- Rodrigo Santoro als Damian, der Mann, der die Leber für den Schwarzmarkt will
- Leila George als Kate
- Adriana Barraza spielt Donna, Peta Sergeant ist Julie
- Scarlett Crabtree als Ellie Baker, das Mädchen, um das es eigentlich geht
Die Gold Coast als Schauplatz ist die zweitbeste Nachricht
Gedreht wurde in Australien, die Strecke führt entlang der Gold Coast. Das bringt Landschaft ins Bild, die man aus Actionfilmen noch nicht auswendig kennt, weil dort sonst überwiegend Serien und Comicverfilmungen produzieren. Mad Max: Fury Road hat vorgeführt, was australische Straßen im Bild können, wenn ein Regisseur sie ernst nimmt, und der erste Mad Max von 1979 hat das Genre dort überhaupt erst begründet.
Als Vergleichsmaßstab für das, was ein Fahrfilm ohne Endzeit leisten kann, taugt The Italian Job. Wer weitersuchen will, findet in unserer Liste der besten Actionfilme aller Zeiten die Messlatte, an der sich „Runner“ im September messen lassen muss.
Mein Zwischenstand
Die Prämisse ist schlank, die Laufzeit passt zur Prämisse, und mit Waugh sitzt jemand auf dem Stuhl, der Action als Raum denkt statt als Schnittfolge. Das reicht mir, um im September ins Kino zu gehen. Was daraus wird, hängt an einer einzigen Frage: ob der Film seine eigene Uhr ernst nimmt oder ob Owen Wilson zwischendurch einen Kaffee trinken darf. Die Kritik kommt nach dem Start.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungEin Countdown-Film mit 97 Minuten Laufzeit hat verstanden, worum es geht. Jetzt muss er nur noch die eigene Uhr ernst nehmen.— vorab eingeschätzt von CineTom
✅ Darauf freuen wir uns
- 97 Minuten Laufzeit, die zur Countdown-Prämisse passen
- Scott Waugh baut Action als Raum, nicht im Rechner
- Alan Ritchson ist für diese Rolle die naheliegendste Besetzung im Geschäft
- Die australische Gold Coast ist als Actionschauplatz noch nicht abgenutzt
❓ Das macht uns nervös
- Ritchson könnte hier einfach seine Serienrolle wiederholen
- Owen Wilson zieht Filme in seinen eigenen Ton, wenn die Regie ihn lässt
- Jede Nebenhandlung untergräbt die Drei-Stunden-Uhr
- Waughs bisherige Bilanz als Regisseur fällt sehr unterschiedlich aus
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