Die Kritik
von TribunLéon – Der Profi von 1994 ist einer der wenigen Filme, bei denen ich beim besten Willen keine Stelle finde, die ich anders haben wollte. Bei WatchGuide steht er deshalb bei 9,5 von 10.
Ein Auftragskiller, der Milch trinkt und eine Zimmerpflanze durch New York trägt. Ein zwölfjähriges Mädchen, das bei ihm klingelt, weil ihre Familie eine Tür weiter gerade erschossen wurde. Dazwischen ein Drogenfahnder, der sich vor der Arbeit Pillen einwirft und Beethoven hört. Auf dem Papier ist das ein Film, der an zehn Stellen kippen kann.
Jean Reno spielt fast nichts. Das ist die ganze Leistung.
Léon redet wenig, erklärt nie etwas und hat sichtbar keine Ahnung, wie man mit Menschen umgeht. Jean Reno spielt das über 110 Minuten fast ohne Mimik, und trotzdem weiß man in jeder Szene, woran man bei der Figur ist. Das ist deutlich schwerer als jede große Gefühlsszene.
Am stärksten finde ich ihn in den ruhigen Momenten. Wie er im Sessel sitzt und schläft, die Waffe im Schoß. Wie er die Pflanze gießt, als wäre das ein Termin. Der Film erklärt diese Marotten nie, und genau deshalb funktionieren sie. Ein heutiger Film hätte mindestens eine Rückblende eingebaut, in der jemand erzählt, warum die Pflanze wichtig ist.
Natalie Portman, elfeinhalb beim Casting
Für Natalie Portman war Léon das Spielfilmdebüt, entdeckt wurde sie mit elfeinhalb Jahren. Sie spielt Mathilda gegen Reno und Gary Oldman an, also gegen zwei Leute, die ihre Sache schon zwanzig Jahre machten, und verliert dabei keine einzige Szene. Wer sehen will, wie so etwas geht, schaut sich diesen Film an.
Was mich daran bis heute beeindruckt: Mathilda ist keine niedliche Kinderfigur, an der man sich festhalten kann. Sie ist wütend, sie lügt, sie manipuliert Léon ganz gezielt. Portman traut sich das mit zwölf zu spielen, ohne es abzumildern. Später hat sie das in V wie Vendetta noch einmal in einer ganz anderen Tonlage gezeigt.
Gary Oldman dreht komplett frei
Oldmans Stansfield ist einer der ekelhaftesten Filmschurken der Neunziger, und Oldman spielt ihn ohne jede Bremse. Er brüllt, er flüstert, er zerlegt eine Wohnung, dann schwärmt er von Beethoven. Diese Sprünge machen die Figur unberechenbar, und unberechenbar ist bei einem Bösewicht deutlich mehr wert als bedrohlich.
Der Kontrast trägt den ganzen Film: Reno spielt nach innen, Oldman nach außen, und Besson lässt beide machen. Was ein Schauspieler mit einer Rolle anstellen kann, die eigentlich nur Antrieb für den Plot ist, hat Oldman später in The Dark Knight noch einmal in die andere Richtung bewiesen, dort als der ruhigste Mensch im Bild.
Die Stelle, an der ich hängen bleibe
Léon hat einen Punkt, um den man nicht herumkommt: die Beziehung zwischen einem erwachsenen Mann und einem zwölfjährigen Mädchen, das ihm mehrmals sehr deutlich seine Zuneigung erklärt. In der Kinofassung von 1994, FSK 16, ist das angedeutet. In der Langfassung mit rund 25 Minuten zusätzlichem Material wird es ausgespielt.
Ich halte das nicht für einen Skandal, aber für die Schwachstelle des Films. Besson selbst hat die Sache in der Langfassung deutlich weiter getrieben, als die Geschichte es braucht, und der Film wird dadurch nicht besser, sondern nur unangenehmer. Wer Léon zum ersten Mal sieht, sollte mit der kürzeren Kinofassung anfangen. Genau an dieser halben Stelle hängt bei uns die 9,5 statt der 10.
Warum David die 10 haben will
In unserer Redaktion sitzt Varagard, bei WatchGuide Mitglied Nummer zwei und damit seit der ersten Stunde dabei. Léon ist sein Lieblingsfilm, Platz eins, keine Diskussion. Er wollte für diese Kritik die glatte 10 und hat dafür ein Argument, das ich gut finde: Der Film macht keinen einzigen Fehler in dem, was er sich vorgenommen hat.
Ich bleibe trotzdem bei 9,5, und zwar wegen der Langfassung. Ein Film, bei dem ich dazusagen muss, welche Fassung man nehmen sollte, hat für mich die glatte Zahl knapp verfehlt. Das ist keine große Meinungsverschiedenheit, das ist ein halber Punkt. Aber er steht hier, damit niemand denkt, die 9,5 sei eine Verlegenheitswertung.
Wer hier spielt
- Jean Reno ist Léon, der Auftragskiller mit dem Pflanzentopf.
- Mathilda wird von Natalie Portman gespielt, ihre erste Kinorolle überhaupt.
- Gary Oldman als korrupter Drogenfahnder Norman Stansfield.
- Als Alt-Mafioso Tony: Danny Aiello, der Léons Geld verwaltet und ihn damit ganz nebenbei ausnimmt.
- Kamera: Thierry Arbogast. Musik: Éric Serra. Im Abspann läuft Shape of My Heart von Sting.
16 Millionen Dollar Budget, 45 Millionen zurück
Léon kostete 16 Millionen Dollar und spielte weltweit rund 45,3 Millionen ein, produziert von Gaumont und Les Films du Dauphin. In Deutschland lief er am 19. Januar 1995 an, die Langfassung kam am 13. Juni 1996 noch einmal ins Kino. Bei TMDB steht der Film heute bei 8,3 von 10 aus über 16.000 Stimmen.
Interessant finde ich, was danach passiert ist. Besson hat den Film in den USA gedreht, auf Englisch, mit französischem Geld, und daraus eine Vorlage gemacht, von der das Actionkino bis heute lebt. Der einsame Profi mit eigenem Regelwerk und Sinn für Ordnung, das ist die Linie, die über Ronin bis zu John Wick und Nobody führt. Der Unterschied: Bei Besson ist der Killer noch kein cooler Mythos, sondern ein ziemlich einsamer Mann, der nicht lesen kann.
Für wen sich der Film heute lohnt
Wer Krimis mag, in denen die Figuren wichtiger sind als der Plan, ist hier richtig. Léon ist mit 110 Minuten kürzer und deutlich schmutziger als Heat, das andere große Krimi-Schwergewicht dieser Jahre, und er hat nicht dessen Ruhe. Dafür geht er dahin, wo es wehtut.
Und wer nur Action will, bekommt sie auch. Die letzte halbe Stunde in Léons Wohnhaus gehört zu den besten Belagerungsszenen, die das Kino der Neunziger hat, ganz ohne die Choreografie-Ästhetik, die John Wick: Kapitel 4 zwanzig Jahre später perfektioniert hat. Es ist einfach eng, laut und dreckig. In unserer Liste der besten Actionfilme aller Zeiten gehört Léon damit klar nach oben.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Jean Reno spielt eine schweigsame Figur, ohne sie leer wirken zu lassen
- Natalie Portman im Debüt auf Augenhöhe mit zwei Routiniers
- Gary Oldman als völlig unberechenbarer Gegenspieler
- Die Belagerung am Ende ist eng, laut und ohne Choreografie-Kitsch
Dagegen
- Die Langfassung treibt die Beziehung weiter, als der Film es braucht
- Léons Vorgeschichte bleibt sehr dünn
Ein Auftragskiller, der Milch trinkt und seine Zimmerpflanze wichtiger nimmt als sich selbst. Das hätte lächerlich werden können und wird stattdessen zu einer der besten Figuren der Neunziger.— aus der Wertung von Tribun
Wer streamt Léon - Der Profi?
Verfügbarkeit DEStand 11.09.2026: Léon - Der Profi läuft im Abo bei Max, Prime Video und Apple TV+ – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 11.09.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Léon - Der Profi
Wo kann ich Léon - Der Profi streamen?
Léon - Der Profi läuft aktuell im Abo bei Max, Prime Video und Apple TV+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome und freenet Video. Stand September 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist Léon - Der Profi freigegeben?
Léon - Der Profi ist in Deutschland ab FSK 16 freigegeben. Für jüngere Zuschauer ist den Film damit nicht freigegeben.
Wie lange dauert Léon - Der Profi?
Léon - Der Profi hat eine Laufzeit von rund 110 Minuten (1 Stunde und 50 Minuten).
Lohnt sich Léon - Der Profi?
Unsere Redaktion vergibt Léon - Der Profi einen Watcher-Score von 9,5 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Krimi-Fans.
Für wen ist Léon - Der Profi geeignet?
Léon - Der Profi ist vor allem etwas für Krimi und Drama-Fans und alle, die herausragende Filme suchen. Wegen der Freigabe ab FSK 16 ist den Film nichts für jüngere Zuschauer.
Trailer
Besetzung
Der Saal
Community — getrennt von der RedaktionSchon gesehen? Bewerte in 2 Sekunden — deine Stimme zählt für den Saal, nie für den Watcher-Score.

1 Kommentar
Hallo?! ich bitte um Aufmerksamkeit, denn ich glaube das Bewertungssystem ist kaputt.
Da muss ein 10 stehen! Volle Punktzahl!
😀 Es ist mein absoluter Lieblingsfilm. Kann ich mir immer wieder ansehen und der wird mir nie langweilig.