Pierce Brosnan, zweiter Einsatz als Bond, 1997, und ich muss das vorwegschicken: Der Morgen stirbt nie ist nicht der beste Bond. Ist nicht mal der beste Brosnan-Bond. Aber er ist besser als sein Ruf, und mit Michelle Yeoh hat er eine Co-Hauptdarstellerin die den ganzen Film trägt. 6,9 von 10.
Roger Spottiswoode hat hier einen Agententhriller gedreht, der 1997 eine These aufgestellt hat, die 2026 relevanter ist als je zuvor: Was passiert, wenn ein Medienmogul beschließt, die Nachrichten nicht nur zu berichten, sondern zu machen?
Solide Bond-Unterhaltung mit Popcorn-Garantie!
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionBrosnan. Bond Nummer zwei.
Nach GoldenEye 1995 war die Erwartung riesig. Brosnan hatte Bond modernisiert, Judi Dench als M eingeführt, den Kalten Krieg hinter sich gelassen. GoldenEye war ein Neustart. Der Morgen stirbt nie war der Film, der zeigen sollte, ob das mehr als ein Ausrutscher war.
Antwort: Jein. Brosnan ist gut. Solide. Er hat den Charme, er hat das Timing, er sieht im Anzug besser aus als die meisten Menschen in irgendetwas. Aber das Drehbuch von Bruce Feirstein gibt ihm nicht die Tiefe, die er in GoldenEye hatte. Bond ist hier wieder der Agent, der Aufträge ausführt, Witze macht und mit Frauen schläft. Funktional, nicht mehr.
IMDb gibt eine 6,5. Rotten Tomatoes steht bei 58 Prozent. Beides fair. Der Film ist nicht schlecht — aber er ist auch nicht das, was GoldenEye versprochen hat.
Jonathan Pryce als Medienmogul. 1997.
Elliot Carver. Medienunternehmer. Besitzt Zeitungen, Fernsehsender, ein Satellitennetz. Manipuliert Nachrichten. Inszeniert internationale Krisen für Klicks. Und hier wird es interessant — 1997 klang das wie Science Fiction. 2026 klingt es wie die Abendnachrichten.
Jonathan Pryce spielt Carver als eine Mischung aus Rupert Murdoch und Steve Jobs, mit der Arroganz eines Mannes, der glaubt, die Welt gehöre ihm weil er sie informiert. Das ist der beste Aspekt des Films. Nicht Bond. Nicht die Action. Sondern der Bösewicht, der kein Wahnsinniger mit Weltherrschaftsplänen ist, sondern ein Geschäftsmann, der aus Krieg Profit schlägt.
Anke hat mal gesagt, Pryce sei der einzige Bond-Villain den sie ernst nehmen kann. „Die anderen wollen die Welt zerstören. Der will sie monetarisieren. Das ist schlimmer.“ Sie hat nicht unrecht.
Michelle Yeoh.
Wai Lin. Chinesische Agentin. Michelle Yeoh 1997, zwanzig Jahre bevor sie den Oscar für Everything Everywhere All at Once gewann. Und sie ist, Butter bei die Fische, das Beste an diesem Film.
Yeoh macht ihre Stunts selbst. Die Motorrad-Verfolgungsjagd durch Saigon, mit Bond hinten drauf und einer Handschelle zwischen den beiden — die hat sie größtenteils ohne Double gedreht. Das merkt man. Jede Szene mit Yeoh hat eine Energie, die der Rest des Films nicht hat. Sie ist Bond ebenbürtig, und im Gegensatz zu den meisten „Bond Girls“ der Ära behandelt der Film sie auch so.
Fun Fact: Yeoh wurde für die Rolle engagiert, nachdem Produzent Michael G. Wilson sie in „Der Supercop“ mit Jackie Chan gesehen hatte. Er wollte sie schon für GoldenEye, aber der Zeitplan passte nicht. Gut, dass es dann geklappt hat. Ohne Yeoh wäre Der Morgen stirbt nie ein vergessener Mitte-der-90er-Actionfilm.
110 Millionen Dollar Budget. Für einen Bond Mitte der 90er.
Das Budget lag bei 110 Millionen Dollar. GoldenEye hatte 60 Millionen gekostet. Fast eine Verdopplung. Und man sieht es — die Action ist größer, die Locations sind mehr, die Set-Pieces aufwändiger. Aber größer ist nicht immer besser.
Die Vortitelsequenz ist solide. Nicht ikonisch wie bei Casino Royale, aber sie funktioniert. Die bereits erwähnte Motorrad-Szene ist ein Highlight. Der Stealth-Bomber am Anfang sieht gut aus. Aber dazwischen gibt es Passagen, die nach Pflicht aussehen. Bond in Hamburg — ja, Hamburg! — fühlt sich an wie Tourismus-Werbung mit Walther PPK.
Eingespielt hat der Film weltweit 333 Millionen Dollar. Profitabel, keine Frage. Aber hinter GoldenEye (356 Millionen) und deutlich hinter dem, was die Craig-Ära bringen würde. Skyfall machte 2012 über eine Milliarde.
Hamburg auf der Leinwand
Einen Teil des Films in Deutschland zu drehen, war 1997 ungewöhnlich für einen Bond. Hamburg als Location — der Atlantic Hotel steht prominent im Film, dazu Szenen an der Elbe und in der Innenstadt. Als Hamburger Kind hat mich das damals stolz gemacht. Als Filmkritiker muss ich sagen: Hamburg sieht im Film grauer aus als es ist. Was vermutlich der Punkt war.
Die Auto-Verfolgungsjagd im Parkhaus des Atlantic Hotels ist eine der besseren Actionszenen. Bond steuert seinen BMW 750iL per Fernbedienung vom Rücksitz aus. 1997 war das futuristisch. Heute heißt das Tesla Summon. Die Zukunft hat Bond eingeholt, und das ist amüsant.
Teri Hatcher. Leider.
Paris Carver, Bonds Ex-Geliebte und Ehefrau des Bösewichts. Teri Hatcher in einer Rolle, die auf dem Papier tragisch sein sollte und auf der Leinwand wie ein Cameo wirkt. Man sieht ihr an, dass sie keine Lust hatte. Die Szene zwischen Bond und Paris im Hotelzimmer — die sollte emotional sein. Romantic History. Verlorene Liebe. Stattdessen fühlt es sich an wie zwei Schauspieler, die ihre Zeilen vor dem Dreh zum ersten Mal gelesen haben.
Für mich der größte Schwachpunkt des Films. Wenn du deinem Protagonisten eine tragische Backstory gibst, muss die funktionieren. Hier funktioniert sie nicht. Und der Film hätte besser daran getan, die gesamte Paris-Carver-Handlung zu streichen und die Zeit Michelle Yeoh zu geben.
David Arnold. Über den muss man reden.
Die Filmmusik. David Arnolds erster Bond-Score, und er ist exzellent. Arnold hat John Barrys Sound genommen und modernisiert — orchestral, aber mit elektronischen Elementen, die ins Jahr 1997 passen. Das Bond-Thema in der Vortitelsequenz hat Wucht. Sheryl Crows Titelsong „Tomorrow Never Dies“ ist… okay. Nicht Adeles Skyfall. Aber okay.
Arnold würde noch vier weitere Bond-Filme vertonen, bis Thomas Newman für Skyfall übernahm. Der Mann hat den Sound der Brosnan-Craig-Transition definiert. Das wird oft vergessen.
Wer hier spielt und was dabei rauskommt
- Pierce Brosnan als James Bond: Charme auf Autopilot, aber Autopilot ist bei Brosnan immer noch verdammt charmant
- Jonathan Pryce als Elliot Carver. Der prophezeiendste Bond-Villain aller Zeiten. 1997 geschrieben, 2026 erschreckend real.
- Michelle Yeoh: Wai Lin. Macht ihre eigenen Stunts. Trägt den Film. Punkt.
- Teri Hatcher als Paris Carver (leider der Schwachpunkt)
- Goetz Otto als Stamper, der Handlanger. Deutscher Schauspieler in einem Bond-Film. Respekt.
- Vincent Schiavelli als Dr. Kaufman — hat genau eine Szene und stiehlt sie komplett
- Joe Don Baker als Jack Wade
- Judi Dench als M, zweiter Auftritt. Immer noch die beste M.
Wo der Film in der Bond-Geschichte steht
Nummer 18 von inzwischen 25 offiziellen Bond-Filmen. Eingequetscht zwischen GoldenEye und Die Welt ist nicht genug. In der Brosnan-Ära ist er der zweitbeste — nach GoldenEye, vor Die Welt ist nicht genug und deutlich vor Stirb an einem anderen Tag.
Im Gesamtranking der Bond-Filme? Mittelfeld. Unter Casino Royale, unter Skyfall, unter GoldenEye. Aber über vielem aus der Moore-Ära und über allem was nach 2015 kam. Ein solider Agenten-Actionfilm, der 1997 funktioniert hat und 2026 erstaunlich aktuell wirkt — wegen eines Bösewichts, den niemand ernst genommen hat und den wir inzwischen alle kennen.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Dafür
- Michelle Yeoh als Wai Lin
- Jonathan Pryces prophetischer Villain
- David Arnolds Score
- Motorrad-Szene in Saigon
Dagegen
- Teri Hatchers Fehlbesetzung
- Brosnan auf Autopilot
- Hamburg-Szenen zu touristisch
- Drehbuch ohne Tiefe
The distance between insanity and genius is measured only by success.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie?
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Stand 20.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
10 Rollen- James BondPierce Brosnan
- Elliot CarverJonathan Pryce
- Wai LinMichelle Yeoh
- Paris CarverTeri Hatcher
- Henry GuptaRicky Jay
- StamperGötz Otto
- WadeJoe Don Baker
- Dr. KaufmanVincent Schiavelli
- MJudi Dench
- QDesmond Llewelyn
FAQ zu Der Morgen stirbt nie: Brosnans prophetischer Bond
Ist Der Morgen stirbt nie ein guter Bond-Film?
Wer ist der Bösewicht?
Warum spielt der Film in Hamburg?
Wer singt den Titelsong?
Wie viel hat der Film eingespielt?
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