Die Kritik
von TribunQuick Answer: Ist Black Panther: Wakanda Forever sehenswert?
Kurze Antwort: JA – Ein würdevolles Vermächtnis, das emotionale Tiefe über Marvel-Spektakel stellt.
Für wen geeignet: MCU-Fans, Liebhaber starker Frauenfiguren, emotionale Blockbuster-Zuschauer, Wakanda-Anhänger.
Nicht geeignet für: Erwartungen an leichte Marvel-Kost, Actionfilm-Puristen, sehr junge Zuschauer.
Mein Urteil: Coogler verwandelt persönlichen und kollektiven Verlust in kraftvolles Kino. Nicht perfekt, aber ehrlich und bewegend.
Worum geht es in Black Panther: Wakanda Forever?
Wakanda trauert um König T’Challa, während eine neue Bedrohung aus den Tiefen des Meeres auftaucht. Namor, Herrscher des verborgenen Unterwasserreiches Talokan, stellt das technologisch überlegene afrikanische Königreich vor eine unmögliche Wahl: Allianz gegen die Oberflächenwelt oder totaler Krieg. Königin Ramonda und Prinzessin Shuri müssen ohne ihren Black Panther das Überleben ihres Volkes sichern.
Ich saß im Kinopolis Koblenz und spürte schon in den ersten Minuten: Das wird anders als erwartet. Die Trauersequenz zu Beginn traf mich völlig unvorbereitet. Da war keine Marvel-typische Exposition mit Witzen und Actionhäppchen – sondern pure, rohe Emotion. Ein ganzes Königreich weint, und wir weinen mit.
Die Geschichte folgt Shuri, die als Wissenschaftlerin lieber in ihrem Labor bastelt, als politische Verantwortung zu übernehmen. Ihre Mutter Ramonda muss alleine ein Königreich führen, während internationale Mächte nach Wakandas Vibranium gieren. Dann taucht Namor auf – buchstäblich aus dem Nichts – mit seinen geflügelten Füßen und seinem Unterwasservolk.
Was mich überraschte: Namor ist kein typischer Marvel-Bösewicht. Der Kerl hat seine Gründe. Er beschützt sein Volk genauso leidenschaftlich wie Wakanda das seine. Zwei isolationistische Königreiche mit ähnlichen Werten aber völlig verschiedenen Methoden – das ist deutlich komplexer als „Gut gegen Böse“.
Wie inszeniert Ryan Coogler den schwierigen Übergang?
Coogler macht aus der Notwendigkeit eine Tugend und stellt Trauer ins Zentrum seiner Inszenierung. Statt T’Challa zu ersetzen, arbeitet er dessen Abwesenheit als emotionalen Motor in die Geschichte ein. Die ersten 45 Minuten sind praktisch ein Trauerfilm im Superhelden-Gewand – ungewöhnlich mutig für einen 250-Millionen-Dollar-Blockbuster.
Der Mann hat Eier, so viel muss man ihm lassen. Während andere Regisseure vielleicht versucht hätten, schnell zur Action überzugehen, nimmt sich Coogler Zeit für die emotionalen Beats. Die Begräbnisszene mit Ludwig Göranssons Musik und Rihannas „Lift Me Up“ – da hätte nicht viel gefehlt und ich wäre weggebrochen.
Besonders clever: Er spiegelt die Trauer von Wakanda in der Bedrohung durch Namor. Beide Völker haben Verluste erlitten, beide fürchten um ihre Zukunft. Das schafft eine emotionale Verbindung zwischen Protagonist und Antagonist, die über oberflächliche Konfliktlinien hinausgeht.
Die visuelle Sprache unterscheidet sich bewusst vom ersten Film. Wo der 2018er-Film in warmen Gold- und Erdtönen schwelgte, dominieren hier kühlere Blau- und Grautöne – eine Farbpalette der Trauer, die erst gegen Ende wieder wärmer wird.
Überzeugt die Besetzung ohne Chadwick Boseman?
Angela Bassett trägt den Film mit einer Performance, die zwischen königlicher Würde und mütterlichem Schmerz balanciert – völlig zu Recht Oscar-nominiert. Letitia Wright wächst glaubwürdig von der kleinen Schwester zur neuen Heldin, auch wenn ihr manchmal die Präsenz ihres Vorgängers fehlt. Tenoch Huerta bringt als Namor eine gefährliche Eleganz mit, die ihn vom generischen Marvel-Bösewicht abhebt.
Bassett ist das Herz des Films. Die Frau spielt Ramonda mit einer Kraft, die mich an die großen Shakespeare-Königinnen erinnert. Ihre Szene mit der UNO, wo sie den Weltmächten ihre Meinung geigt – da kriegt man Gänsehaut. Kein Wunder, dass sie als erste MCU-Darstellerin für einen Oscar nominiert wurde.
Wright hat’s nicht leicht. Sie muss aus Shuris Schatten heraustreten und gleichzeitig das Vermächtnis ihres Bruders antreten. Funktioniert nicht immer, aber wenn es funktioniert, dann richtig. Besonders ihre Wutausbrüche haben mich überzeugt – da sieht man eine junge Frau, die von Verantwortung überfordert ist.
Huerta als Namor war für mich die Überraschung. In den Comics ist der Typ oft eindimensional, hier bekommt er Tiefe und nachvollziehbare Motivation. Seine Präsenz ist hypnotisch – man versteht, warum sein Volk ihm folgt, aber auch warum er gefährlich ist.
Wie sehen die Unterwasserwelten von Talokan aus?
Talokan ist visuell atemberaubend und kulturell durchdacht – eine Maya-inspirierte Unterwasserzivilisation in leuchtenden Blau- und Goldtönen, die sich perfekt von Wakandas Ästhetik abhebt. Die Unterwassersequenzen nutzen innovative Kameratechniken und schaffen eine glaubwürdige fremde Welt mit eigener Mythologie und visueller Sprache.
Hier hat mich das Produktionsdesign wirklich umgehauen. Während Wakanda afrofuturistisch ist, geht Talokan in eine völlig andere Richtung – prä-kolumbianische Kulturen treffen auf Unterwasser-Science-Fiction. Die blaue Körperbemalung der Talokaner, ihre federgeschmückten Rüstungen, die schwebenden Paläste – das ist alles andere als generische Unterwasserstadt.
Kamerafrau Autumn Durald Arkapaw hat hier eine eigene visuelle Sprache entwickelt. Die Unterwasseraufnahmen fließen wie Tanz, die Lichtbrechungen schaffen eine traumhafte Atmosphäre. Als Namor zum ersten Mal auftaucht und über dem Wasser schwebt – da war selbst ich beeindruckt, und ich hab schon viel gesehen.
Die kulturelle Recherche dahinter ist beachtlich. Maya-Hieroglyphen, traditionelle Musikinstrumente, Architektur – da steckt echte Arbeit drin. Nicht nur oberflächliches Design, sondern durchdachte Welterschaffung.
Wie funktioniert Ludwig Göranssons Filmmusik?
Göransson erweitert sein preisgekröntes Konzept aus dem ersten Film um mesoamerikanische Klänge für Talokan und emotionale Trauermelodien für Wakanda. Besonders Rihannas „Lift Me Up“ und die instrumentalen Stücke während der Bestattungssequenz erreichen eine emotionale Tiefe, die über typische Blockbuster-Scores hinausgeht.
Der Soundtrack war einer der Gründe, warum ich den Film noch ein zweites Mal gesehen habe – diesmal in Frankfurt im Cinestar, weil die Soundanlage dort besser ist. Göransson baut geschickt auf seinen Motiven aus dem ersten Film auf, aber bringt völlig neue Elemente rein.
Die Maya-inspirierten Instrumente für Namors Szenen – Muscheltrompeten, traditionelle Trommeln – schaffen einen authentischen Kontrast zu Wakandas Synthie-lastiger Musik. Wenn Talokan angreift, hörst du diese primitiven, aber mächtigen Klänge, die unter die Haut gehen.
„Lift Me Up“ von Rihanna ist perfekt platziert. Könnte kitschig sein, ist es aber nicht. Der Song trägt die Trauer des Films, ohne sentimental zu werden. Hätte ich so nicht erwartet von einer Rihanna-Ballade in einem Marvel-Film.
Was sind die größten Stärken des Films?
Die emotionale Ehrlichkeit steht an erster Stelle – Coogler versteckt Trauer nicht hinter Spektakel, sondern macht sie zum Antrieb der Geschichte. Angela Bassetts königliche Performance, die kulturell durchdachte Welterschaffung von Talokan und die mutigen thematischen Entscheidungen heben Wakanda Forever über typische Superhelden-Fortsetzungen hinaus.
Was mir am meisten imponiert: Der Film traut sich, langsam zu sein. In einer Zeit, wo jeder Marvel-Film von Witz zu Action-Sequenz springt, nimmt sich Wakanda Forever Zeit für Stille. Die Szenen im Thronsaal, wo Ramonda alleine sitzt und das Gewicht der Krone spürt – sowas sieht man selten in Blockbustern.
Die Funeral-Sequenz zu Beginn ist filmisches Kino. Keine Worte, nur Bilder und Musik. T’Challas Maske wird verbrannt, das ganze Königreich trauert. Ich saß da und dachte: „Das ist mehr als nur ein Superhelden-Film.“
Namor als Antagonist funktioniert, weil seine Motivation nachvollziehbar ist. Er will sein Volk schützen, genau wie Wakanda. Der Konflikt entsteht aus ähnlichen Werten, aber verschiedenen Methoden. Das ist deutlich interessanter als ein generischer Welteroberungsplot.
Die weibliche Energie des Films gefällt mir. Ramonda, Shuri, Okoye, Nakia – starke Frauen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Motivationen. Keine Token-Charaktere, sondern vollständig ausgearbeitete Figuren.
Wo schwächelt Black Panther: Wakanda Forever?
Die 161-minütige Laufzeit fühlt sich streckenweise an, besonders wenn Marvel-typische Franchise-Verpflichtungen den emotionalen Fluss unterbrechen. Riri Williams‘ Einführung wirkt forciert und dient offensichtlich als Setup für ihre eigene Disney+-Serie. Einige CGI-Effekte in den Actionszenen wirken unfertig und erreichen nicht das Niveau der praktischen Effekte.
Mein größter Kritikpunkt: Der Film versucht zu viel auf einmal. Die Riri Williams-Subplot bremst die Haupthandlung aus. Klar, Marvel muss sein Universum erweitern, aber hier fühlt es sich aufgesetzt an. Die MIT-Szenen hätten komplett rausgeschnitten werden können, ohne der Geschichte zu schaden.
Die zweite Hälfte verliert etwas von der emotionalen Klarheit der ersten. Sobald es in Richtung klassische Marvel-Action geht, verwässert die einzigartige Identität des Films. Die Unterwasser-Schlachten sehen spektakulär aus, aber die CGI schwächelt manchmal. Besonders bei schnellen Bewegungen wirkt’s unfertig.
Auch die Pacing-Probleme sind nicht von der Hand zu weisen. 161 Minuten sind lang für einen Blockbuster, und man spürt jede Minute davon. Einige Szenen hätten straffer geschnitten werden können, ohne den emotionalen Impact zu verlieren.
Die Lösung des Konflikts zwischen Shuri und Namor kam mir etwas zu schnell und zu einfach vor. Nach dieser ganzen emotionalen Aufladung hätte ich mir eine komplexere Auflösung gewünscht.
Für wen eignet sich der Film besonders?
Wakanda Forever spricht vor allem Zuschauer an, die emotionale Tiefe in Blockbustern schätzen und bereit sind, sich auf schwierige Themen wie Trauer und Verlust einzulassen. MCU-Fans finden hier eine untypische, aber lohnenswerte Erfahrung, während Liebhaber kulturell reicher Filmwelten die durchdachte Gestaltung von Talokan zu schätzen wissen.
Wenn du den ersten Black Panther geliebt hast, wirst du auch diesen mögen – nur anders. Es ist kein Feel-Good-Movie wie viele Marvel-Filme, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Verlust und Verantwortung.
Familien mit Kindern sollten vorsichtig sein. Trotz FSK 12 sind die Themen emotional schwer verdaulich. Mein neunjähriger Neffe war völlig überfordert von der Trauerszene – hatte ich nicht bedacht.
Wer von Marvel hauptsächlich Humor und leichte Action erwartet, könnte enttäuscht werden. Das hier ist schwere Kost, auch wenn sie gut gemacht ist.
Für Cineasten interessant wegen Cooglers Regie und der kulturellen Hintergründe. Wer sich für Maya-Kultur interessiert oder einfach gut gemachte Filmwelten schätzt, wird Talokan lieben.
Wer spielt in Black Panther: Wakanda Forever mit?
- Letitia Wright als Shuri / Black Panther
- Angela Bassett als Königin Ramonda
- Tenoch Huerta als Namor
- Lupita Nyong’o als Nakia
- Danai Gurira als Okoye
- Winston Duke als M’Baku
- Dominique Thorne als Riri Williams / Ironheart
- Michaela Coel als Aneka
- Mabel Cadena als Namora
- Martin Freeman als Everett Ross
Fazit: Lohnt sich Black Panther: Wakanda Forever?
Ryan Coogler hatte eine unmögliche Aufgabe: Einen Black Panther-Film ohne Chadwick Boseman zu machen. Das Ergebnis ist alles andere als perfekt, aber es ist ehrlich. Statt den Verlust zu verstecken, macht Coogler ihn zum emotionalen Zentrum seines Films – und das funktioniert größtenteils.
Die ersten zwei Drittel sind außergewöhnlich. Angela Bassetts Performance allein rechtfertigt den Kinobesuch, und Talokan ist eine der schönsten Filmwelten, die Marvel je geschaffen hat. Wenn der Film gegen Ende in vertraute Marvel-Muster verfällt und die Franchise-Verpflichtungen zu spürbar werden, schmälert das den Gesamteindruck, zerstört ihn aber nicht.
Das ist kein Film für jeden Marvel-Fan. Wer leichte Superhelden-Action erwartet, wird enttäuscht. Aber wer bereit ist für eine emotionale Reise über Trauer, Heilung und das Erbe unserer Lieben, bekommt einen der persönlichsten Blockbuster der letzten Jahre.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von Tribun — eine Person, ein begründetes Urteil.
Coogler verwandelt Trauer in Kraft - ein emotionales Marvel-Erlebnis, das Verlust nicht versteckt, sondern zelebriert.— aus der Wertung von Tribun
Wer streamt Black Panther: Wakanda Forever?
Verfügbarkeit DEStand 16.08.2026: Black Panther: Wakanda Forever läuft im Abo bei Disney+ – mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 13,99 €.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 16.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Schnelle Antworten
Antworten Schnelle Antworten zu Black Panther: Wakanda Forever
Wo kann ich Black Panther: Wakanda Forever streamen?
Black Panther: Wakanda Forever läuft aktuell im Abo bei Disney+; zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist Black Panther: Wakanda Forever freigegeben?
Black Panther: Wakanda Forever ist in Deutschland ab FSK 12 freigegeben.
Wie lange dauert Black Panther: Wakanda Forever?
Black Panther: Wakanda Forever hat eine Laufzeit von rund 163 Minuten (2 Stunden und 43 Minuten).
Lohnt sich Black Panther: Wakanda Forever?
Unsere Redaktion vergibt Black Panther: Wakanda Forever einen Watcher-Score von 7,5 von 10. Ein würdiger Tribut an Chadwick Boseman und ein mutiger Neuanfang für Wakanda. Nicht perfekt, aber ehrlich und bewegend. 7.5/10 Punkte.
Für wen ist Black Panther: Wakanda Forever geeignet?
Black Panther: Wakanda Forever ist vor allem etwas für Action und Abenteuer-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Trailer
Besetzung
Der Saal
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2 Kommentare
Brauch ich jetzt nicht, weil der erste Black Panther Film fand ich schon langweilig. Da passiert nichts – da wird irgendwie keine Handlung vorangetragen und ich habe auch nicht auf dem Schirm welchen Zweck Black Panther für das große Ganze erfüllt.
Was ich dem anderen Film lasse, der hat diese tollen weiten Aufnahmen und sieht zwar schön aus, aber das war es dann auch schon.
Seh ich auch so. Das ist nichts für mich, da ich die Figur generell nicht so mag.