Wer streamt In the Grey?
Verfügbarkeit DEStand 28.07.2026: In the Grey ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 14,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 28.07.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Die Kritik
von FilmSchneiderAm 21. Mai 2026 kommt In the Grey ins Kino — Guy Ritchie dreht eine Milliarden-Heist-Nummer auf Teneriffa, und Henry Cavill trägt dabei einen Anzug der mehr kostet als mein Auto.
Ich hab den Trailer jetzt dreimal geschaut. Anke saß beim zweiten Mal daneben und meinte: „Sieht aus wie Ocean’s Eleven mit Waffen.“ Nicht ganz falsch. Nicht ganz richtig. Irgendwo dazwischen liegt dieser Film. In the Grey halt. Im Graubereich.
Ritchie macht wieder Ritchie-Sachen
Guy Ritchie hat in den letzten drei Jahren mehr Filme gedreht als manche Regisseure in einem Jahrzehnt. The Ministry of Ungentlemanly Warfare war solide, Fountain of Youth klingt nach Indiana-Jones-auf-Wish, und jetzt eben In the Grey. Der Mann hat einen Output wie eine Filmfabrik. Ob das gut ist — darüber streite ich mich regelmäßig mit Tom.
Tom findet Ritchie großartig. „Der liefert einfach ab“, sagt er dann, und ich nicke und denke mir: Ja schon. Aber liefert er ab oder liefert er ab? Snatch war Kunst. The Gentleman war smart. Operation Fortune: Ruse de Guerre war… drei Wochen später vergessen. Und genau da liegt mein Problem mit Ritchie 2026: Die Ratio zwischen brilliant und egal verschiebt sich.
Aber dann schau ich den Trailer zu In the Grey und denke: Moment. Das hier sieht anders aus. Dreckiger. Weniger Punchlines, mehr Spannung. Teneriffa statt London. Eine Privatinsel statt der üblichen Ritchie-Pubs. Das Tagline lautet: „The work between the moral & the immoral. The black & the white.“ Grauzone. Moralische Zwielichtigkeit. Das ist Ritchie-Sprache für: Hier sind alle ein bisschen kaputt und genau das macht den Spaß.
Gyllenhaal.
Jake Gyllenhaal ist einer von vielleicht fünf Schauspielern bei denen ich ins Kino gehe ohne zu wissen worum es geht. Variety schreibt „explosive action film“ und normalerweise würde mich das nicht abholen. Aber Gyllenhaal in einem Action–Thriller — das ist was anderes.
Ich denke an Prisoners. 2013, Cinenova Köln, Anke hat mir die Blutzufuhr in der Hand abgeklemmt. Gyllenhaal hat damals einen Polizisten gespielt der leise brodelt, und das war besser als 90% aller Schreiszenen die ich seitdem gesehen hab. In Nightcrawler war er ein Soziopath mit Videokamera. In Enemy hat er sich selbst gesucht und nicht gefunden. Der Mann kann alles.
Hier spielt er Michael Harris, offenbar so eine Art Taktiker im Eliteteam. Wenn Ritchie ihm Raum lässt — und ich meine richtigen Raum, nicht nur Slo-Mo-Walking-Shots — könnte das was Besonderes werden. Gyllenhaal mit Ritchie-Dialog? Hab ich noch nicht gesehen. Will ich sehen.
Und dann ist da noch Cavill
Henry Cavill als John Grey. Der Titelheld quasi. Name wie ein Bond-Villain, Kinnpartie wie eine Skulptur. Und ja, ich muss das jetzt sagen: Cavill ist ein Typ den ich respektiere ohne ihn zu lieben. Er war ein guter Superman, ein akzeptabler Witcher, und in Mission: Impossible hat er seine Arme geladen wie Waffen. Buchstäblich. Die Badezimmer-Szene in Fallout kennt jeder.
Aber kann er Ritchie? Ritchie-Dialog lebt von Timing, von Schnelligkeit, von diesem britischen Zynismus der nur funktioniert wenn der Schauspieler ihn atmet statt aufsagt. Cavill ist Brite, klar. Aber sein Filmkörper ist so amerikanisch geworden in den letzten zehn Jahren, dass ich gespannt bin ob er sich zurückfindet in diese Art von Kino. Der Trailer deutet an: Vielleicht. Es gibt eine Szene wo er mit Gyllenhaal redet und dabei grinst wie jemand der weiß dass er gleich eine Dummheit begehen wird. Das hat mir gefallen.
September 2023, Kanarische Inseln. Und dann: zweieinhalb Jahre Stille.
Hier wird’s interessant. Und mit interessant meine ich: leicht beunruhigend. In the Grey wurde im September und Oktober 2023 auf Teneriffa gedreht. Real Casino de Tenerife, die Docks von San Andrés, der Strand von Las Teresitas — Locations die im Trailer aussehen wie aus einem Reisekatalog den sich ein Waffenhändler gebaut hat. Fertig war der Dreh Ende Oktober 2023.
Und dann? Zweieinhalb Jahre Postproduktion. Lionsgate hatte den Film für Januar 2025 angekündigt. Im November 2024 haben sie ihn aus dem Programm genommen. Postproduktion nicht fertig. Black Bear Pictures hat die US-Rechte übernommen, den Start erst auf April, dann auf Mai 2026 verschoben, und jetzt — endlich — gibt es einen Trailer.
Anke meinte: „Wenn ein Film so lange in der Postproduktion hängt, ist das selten ein gutes Zeichen.“ Tom meinte: „Oder es ist ein richtig gutes Zeichen, weil sie es richtig machen wollten.“ Ich sitz dazwischen und trink mein Kölsch. Im Graubereich halt. Passt ja zum Film.
Rosamund Pike sitzt mit am Tisch. Gut so.
Was ich bisher noch nicht erwähnt hab: Rosamund Pike. Nach Gone Girl kann die Frau mich allein durch Anwesenheit in ein Kino locken. Was genau ihre Rolle hier ist — der Trailer verrät es nicht. Verhandlerin? Auftraggeberin? Doppelspielerin? Bei Ritchie kann alles passieren. Und Pike spielt Ambivalenz wie keine Zweite.
Eiza González spielt jemanden namens Sophia. Kristofer Hivju ist auch dabei — ja, der Tormund-Typ aus Game of Thrones. Tom hat aufgeschrien als er ihn im Trailer erkannt hat. Dazu Carlos Bardem, Fisher Stevens, Jason Wong. Für einen Heist-Film brauchst du genau das: ein Ensemble das gleichzeitig kompetent und unberechenbar wirkt. Ob es hier funktioniert — keine Ahnung. Aber die Zutaten stimmen.
Die Namen. Viel Fleisch am Knochen.
- Henry Cavill als John Grey — der Anführer mit dem Namen wie aus einem Le-Carré-Roman
- Jake Gyllenhaal als Michael Harris. Taktiker. Hoffentlich mehr als nur der smarte Sidekick.
- Rosamund Pike — Rolle unklar, was bei Pike immer heißt: Aufpassen.
- Eiza González als Sophia
- Kristofer Hivju, alias Tormund, auf einer Privatinsel. Okay.
- Carlos Bardem, Fisher Stevens, Jason Wong (als Gucci — ernsthaft), Emmett J. Scanlan
Milliarden-Raub auf einer Insel. Was soll schon schiefgehen.
Die Prämisse ist schnell erzählt: Ein Eliteteam soll einem Despoten eine Milliarde Dollar zurückstehlen. Auf dessen streng bewachter Privatinsel. Ein Heist der laut Synopsis zum „all-out war of strategy, deception and survival“ eskaliert. Also der klassische Ritchie-Move: Plan geht schief, Improvisation übernimmt, alle Figuren drehen durch und am Ende weiß niemand mehr wer wen verarscht hat.
Bei John Wick war die Moral klar — Rache ist Rache, fertig. Bei Ritchie ist Moral Verhandlungssache. Das könnte dem Film guttun. Oder es könnte in einem dieser „alle sind cool, keiner hat einen echten Arc“-Filme enden die man nach zwei Bier vergisst. Ritchie pendelt da schon seit Jahren.
Kubrick — der Kater, nicht der Regisseur — hat sich während des Trailer-Schauens auf meine Tastatur gelegt. Ich nehme das als Zeichen. Wofür weiß ich noch nicht. Ich schreib mir in mein Moleskine: „In the Grey — Ritchie wenn er ernst wird? Oder Ritchie auf Autopilot mit besserer Besetzung?“ Die Antwort kommt am 21. Mai. Bis dahin bleibt die Seite offen.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von FilmSchneider — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Gyllenhaal und Pike im Cast
- Ritchie-Heist mit echtem Edge
- Originaldrehbuch statt Franchise-Recycling
Dagegen
- Zweieinhalb Jahre Postproduktion machen nervös
- Ritchies jüngster Output war ungleichmäßig
- Cavill muss Ritchie-Tempo mitgehen können
Trailer
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