Die Kritik
von NordNoirAm 30. Juli 2026 startet Olivia Wildes A24-Dramedy „The Invite“ in den deutschen Kinos und sperrt Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton für einen Abend in eine Wohnung.
Ein Ehepaar mitten in der Krise lädt die Nachbarn von oben zum Essen. Mehr Setup braucht es nicht, und genau diese Sorte enger, unbequemer Kammerabend reizt mich. Die einzige Frage, die ich vorher habe: Tut der Film wirklich weh, oder bleibt er am Ende nett?
A24 und ein Abendessen. Da werde ich hellhörig.
A24 hat mir in den letzten Jahren so oft das ungute Gefühl im Bauch gemacht, dass ich beim Logo schon mitgehe. „The Invite“ lief im Januar 2026 in Sundance und kam mit starken Kritiken zurück, 34 von 37 Stimmen bei Rotten Tomatoes waren positiv. Ein Dinner, das langsam kippt, ist außerdem ein eigenes kleines Genre.
Wenn dieses Genre funktioniert, hängt nach einer halben Stunde die Luft im Raum anders. Das beste Beispiel der jüngeren Zeit ist The Menu, wo ein gemeinsames Essen zur Falle wird. Wer den Reiz vom unbequemen Gast im eigenen Zuhause mag, findet bei uns auch eine Liste mit Filmen wie Parasite. In diese Familie will „The Invite“ offenkundig gehören.
Olivia Wilde, zum Zweiten Anlauf
Wilde hat 2019 mit „Booksmart“ ein gefeiertes Regiedebüt hingelegt und 2022 mit „Don’t Worry Darling“ viel Häme kassiert. „The Invite“ ist ihr dritter Spielfilm als Regisseurin und der Versuch, sich nach dem Gegenwind neu zu sortieren. Geschrieben haben das Drehbuch Will McCormack und Rashida Jones, und es ist eine Neufassung des spanischen Films „The People Upstairs“.
Mich interessiert dieser Schritt zurück ins Kleine. Nach einem teuren Studio-Thriller jetzt ein Kammerstück über zwei Paare und einen Abend, das ist eine ehrliche Ansage. Wer sich selbst beweisen will, geht oft genau dorthin, wo es keine großen Kulissen gibt, hinter denen man sich verstecken kann.
Dazu kommt der Druck. Nach dem öffentlichen Scherbenhaufen rund um „Don’t Worry Darling“ stand Wildes Ruf als Regisseurin auf der Kippe. Ein kleiner, präziser Film, der in Sundance funktioniert, ist die beste Antwort darauf. Genau diese Ausgangslage macht „The Invite“ für mich auch jenseits der Story interessant, weil hier jemand mit dem Rücken zur Wand inszeniert hat.
Das Paar von oben
Penélope Cruz und Edward Norton spielen die Nachbarn, ein betont perfektes Paar, das den Abend gründlich aus der Spur bringt. Variety nennt sie süffisant die „swinging neighbors“. Rogen und Wilde geben das wackelnde Gastgeber-Ehepaar Joe und Angela. Vier so präsente Namen in 107 Minuten auf engem Raum, das kann zünden oder verpuffen.
Norton ist für mich der heimliche Schlüssel. Der Mann kann höflich lächeln und dir dabei das Blut gefrieren lassen, das hat er schon in Fight Club bewiesen. Wenn Wilde diese leise Bedrohlichkeit anzapft, statt ihn nur charmant zu halten, dann bekommt der Abend die Kante, auf die ich hoffe.
Die Namen hinter der Kamera machen mir Hoffnung
Geschnitten hat den Film Yorgos Mavropsaridis, der sonst die Filme von Yorgos Lanthimos montiert und genau weiß, wie man Unbehagen im Rhythmus hält. Den Score steuert Devonté Hynes bei, vielen besser bekannt als Blood Orange. An solchen Details höre ich heraus, ob ein Film eine Haltung hat oder nur eine Besetzungsliste.
Die Kamera führt Adam Newport-Berra, der schon für seine ruhigen, genauen Bilder bekannt ist. Bei einem Film, der fast komplett in einer Wohnung spielt, ist diese Wahl entscheidend. Eine Kamera, die im engen Raum die richtigen Blicke einfängt, kann aus vier Leuten am Tisch ein Schlachtfeld machen. Ich bin gespannt, wie nah Wilde ihren Figuren rückt, wenn die Höflichkeit zerbröckelt.
Wer an diesem Abend am Tisch sitzt
- Seth Rogen als Joe, eine Hälfte des kriselnden Gastgeber-Paares
- Olivia Wilde als Angela. Sie führt Regie und steht zugleich vor der Kamera, ein heikler Spagat.
- Penélope Cruz als die Nachbarin von oben, die den Abend kippen lässt
- Edward Norton als ihr Mann. Wer ihn aus „Fight Club“ oder „Primal Fear“ kennt, weiß, wie unheimlich freundlich er sein kann.
Meine Sorge heißt Tonfall
Seth Rogen ist großartig, aber sein Reflex ist die Pointe, und eine Pointe löst Spannung auf, statt sie hängen zu lassen. Bei 107 Minuten Kammerspiel entscheidet sich für mich an genau dieser Frage alles. Traut sich „The Invite“ in die Stille, in der die Luft anders hängt, oder rettet es sich immer in den nächsten Lacher?
Ich will hier keinen Horrorfilm, das ist klar. Aber die besten unbequemen Abende im Kino kommen ohne ein einziges Monster aus. Sie leben davon, dass Menschen einander Dinge sagen, die man nicht mehr zurücknehmen kann. Wenn der Film den Mut zu dieser Sorte Schmerz hat, bin ich seine Verbündete.
Sundance hat schon geklatscht
Die ersten Reaktionen aus Park City waren warm, der Schnitt bei Rotten Tomatoes lag Mitte Juni 2026 bei 7,6 von 10, die IMDb-Wertung bei 6,2. Das ist solide, nicht euphorisch, und passt zu einem Film, der von Dialog und Timing lebt statt von Schauwerten. Genau deshalb will ich ihn auf großer Leinwand erleben, im Drama-Modus und nicht nebenbei.
Was mich an den Kritiken besonders neugierig macht: Mehrere Stimmen aus Park City lobten, dass der Film bei aller Komik einen echten Stachel behält. Wilde soll den Abend langsam vom lockeren Geplänkel ins Schmerzhafte drehen, ohne dass man den Übergang genau benennen kann. Wenn das stimmt, hat „The Invite“ genau die Qualität, die ich an unbequemem Kino liebe. Ein Lachen, das einem nach und nach im Hals steckenbleibt, ist mir lieber als jeder billige Schreckmoment.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von NordNoir — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- A24-Pedigree und ein Dinner, das kippt
- Edward Norton, höflich und bedrohlich zugleich
- Lanthimos-Cutter und Blood Orange hinter den Kulissen
Dagegen
- Seth Rogens Hang zur entspannenden Pointe
- Wilde als Regie und Hauptrolle, ein Spagat
- Nur 6,2 auf der IMDb, also kein Selbstläufer
Wer streamt The Invite?
Verfügbarkeit DEStand 03.09.2026: The Invite ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 13,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Amazon).
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 03.09.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Besetzung
FAQ zu The Invite: Olivia Wildes Dinnerparty kippt langsam ins Ungemütliche
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