Die Kritik
von NordNoirThe Devil’s Mouth erscheint am 29. Juli 2026, und die Prämisse trifft eine meiner ältesten Kino-Ängste mitten ins Mark: eine überflutete Höhle, knapper Sauerstoff und irgendetwas Lebendiges im Wasser.
Ich habe mit Höhlen-Horror eine besondere Geschichte. Kaum ein Subgenre kriegt mich so zuverlässig, und kaum eines wird so oft verhunzt. Deshalb gehe ich bei diesem hier mit klopfendem Herzen und hochgezogener Augenbraue zugleich hinein.
Thailand, geflutete Höhlen, ein Raubtier. Die Angst-Formel sitzt.
Zur Ausgangslage: Eine Gruppe von College-Freunden macht Urlaub in Thailand, und was als Abenteuer beginnt, wird zur Todesfalle, als sie in einem gefluteten Höhlensystem eingeschlossen werden, gemeinsam mit einem gefährlichen Raubtier. Während der Sauerstoff schwindet, brechen im verzweifelten Überlebenskampf alte Konflikte wieder auf. Das ist eine denkbar klaustrophobische Versuchsanordnung, und genau solche mag ich, wenn sie ernst gemeint sind.
Der Schauplatz weckt unweigerlich Erinnerungen an die reale Höhlenrettung im thailändischen Tham Luang von 2018, die wochenlang die Welt in Atem hielt. Ob der Film bewusst darauf anspielt, ist offen, aber die Assoziation ist da und verleiht dem Setting eine unbehagliche Echtheit. Wasser, das langsam steigt, Fels, der sich nicht bewegt, und die Dunkelheit dazwischen, das braucht nicht einmal ein Monster, um Angst zu machen. Dass hier trotzdem eines lauert, erhöht den Einsatz.
Jeff Wadlow. Und meine ehrliche Skepsis.
Jetzt muss ich über die Regie reden, denn hier liegt meine größte Sorge. Jeff Wadlow hat mit „Truth or Dare“ und „Fantasy Island“ zwei Blumhouse-Filme abgeliefert, die mich beide kaltgelassen haben, weil sie auf laute Effekte statt auf echte Atmosphäre setzten. Höhlen-Horror aber lebt vom Gegenteil: von Geduld, von Stille, vom langsamen Zuziehen der Schlinge. Ob Wadlow diese Zurückhaltung aufbringt, ist die Frage, an der dieser Film für mich steht oder fällt.
Es gibt einen Maßstab, an dem sich jeder Höhlenfilm messen lassen muss, und das ist Neil Marshalls The Descent von 2005. Dieser Film verstand, dass die Enge und die Gruppendynamik schon der halbe Horror sind, lange bevor die erste Kreatur auftaucht. Wenn The Devil’s Mouth auch nur in die Nähe dieser Klaustrophobie kommt, verzeihe ich ihm vieles. Bleibt es bei Sprungschreck-Routine im nassen Fels, war es Zeitverschwendung. Ich hoffe inständig auf Ersteres.
Was Höhlen-Horror so besonders macht, ist die doppelte Ausweglosigkeit. In den meisten Horrorfilmen gibt es eine Tür, ein Fenster, einen Wald, in den man fliehen kann. In der Höhle gibt es nur den Weg vorwärts, tiefer hinein, oder zurück, ins steigende Wasser. Diese Geografie der Panik arbeitet für den Film, noch bevor irgendetwas Böses passiert. Ich habe nach The Descent tagelang keine Tiefgarage mehr betreten können, und genau diese Sorte körperlicher Nachwirkung wünsche ich mir. Wenn ein Horrorfilm es schafft, dass mir am nächsten Tag im Alltag mulmig wird, hat er alles richtig gemacht. Das ist die Messlatte, kein billiger Schrecken, der im Abspann vergessen ist.
Ein Cast, der mehr kann, als das Genre oft verlangt
Interessant ist die Besetzung, denn sie ist besser, als ein Creature-Feature normalerweise aufbietet. Das gibt mir vorsichtige Hoffnung, dass hier jemand die Figuren nicht bloß als Futter behandelt.
- Kathryn Newton spielt Charlie, und Newton hat zuletzt in „Abigail“ und „Lisa Frankenstein“ bewiesen, dass sie im Horror zu Hause ist
- Lana Condor gibt Kate, bekannt aus „To All the Boys“ und als Titelheldin von „Alita: Battle Angel“, ein Wechsel ins düstere Fach
- Gavin Casalegno, dem Serienpublikum aus „The Summer I Turned Pretty“ vertraut, übernimmt die Rolle des Greg
- Dazu Nico Hiraga und der thailändische Schauspieler Tayme Thapthimthong, der dem Ganzen hoffentlich lokale Verankerung gibt
Dass mit Kathryn Newton eine Hauptdarstellerin am Start ist, die Horror ernst nimmt und nicht nur absolviert, wertet das Projekt für mich auf. Newton kann Panik spielen, ohne ins Kreischen zu verfallen, und in einem Film über schwindenden Sauerstoff ist genau das die Währung, die zählt.
Was mich am Setup nervös macht
Neben der Regie-Frage gibt es zwei weitere Dinge, die ich mit Vorsicht betrachte. Erstens: „alte Konflikte brechen wieder auf“ ist eine Formulierung, die im Horror oft für dünn geschriebenes Beziehungsdrama steht, das die Leerlaufzeit zwischen den Schockmomenten füllen soll. Wenn die Figurenkonflikte echt sind, vertiefen sie den Horror. Sind sie Behauptung, bremsen sie ihn aus. Ich habe schon zu viele Survival-Filme gesehen, in denen das Gezänk lästiger war als das Monster.
Zweitens das Raubtier selbst. Der Film hält bislang zurück, was da unten im Wasser lauert, und das ist klug, denn die Angst vor dem Ungesehenen schlägt fast immer das Gezeigte. Meine Sorge ist nur, dass am Ende doch ein durchschnittlich animiertes CGI-Vieh im Rampenlicht steht und die ganze mühsam aufgebaute Stimmung mit einem Schlag zerplatzt. Wie John Carpenter in Das Ding aus einer anderen Welt gezeigt hat, ist das größte Grauen das, dessen Umrisse man nur erahnt. Einen offiziellen Trailer gibt es übrigens noch nicht, was das Rätseln über die Kreatur zusätzlich anheizt.
Wo du dich auf das nasse Grauen einstimmst
Die Wartezeit lässt sich mit reichlich verwandtem Schrecken überbrücken. Der Pflichttitel bleibt The Descent, das Maß aller Höhlen-Horrorfilme. Wer die Wasser-plus-Raubtier-Komponente sucht, ist mit dem herrlich unseriösen Anaconda bestens bedient, und für den Kathryn-Newton-Faktor lohnt der Blick auf ihren jüngsten Genre-Auftritt in Abigail.
Wer Body-Horror und Kreaturen-Design im Zusammenspiel erleben will, findet in American Werewolf einen Klassiker, der bis heute Maßstäbe setzt. Und wenn dich das Fieber packt und du tiefer graben willst, haben wir die ganze Bandbreite in unserer Übersicht der besten Horrorfilme aller Zeiten gesammelt. Genug Stoff also, um bis Ende Juli die Luft anzuhalten.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von NordNoir — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Höhlen-Horror ist eines der wirksamsten Angst-Settings überhaupt
- Kathryn Newton nimmt das Genre nachweislich ernst
- Die Angst vor dem Ungesehenen im Wasser
- Klaustrophobie plus schwindender Sauerstoff als Grundgerüst
Dagegen
- Regisseur Jeff Wadlow setzte bisher auf laute Effekte statt Atmosphäre
- Das Raubtier könnte als schwaches CGI enttäuschen
- Aufbrechende alte Konflikte werden im Horror oft zu dünnem Füllmaterial
Wasser, das langsam steigt, Fels, der sich nicht bewegt, und die Dunkelheit dazwischen. Das braucht nicht einmal ein Monster, um Angst zu machen.— aus der Wertung von NordNoir
Wer streamt The Devil's Mouth?
Verfügbarkeit DEStand 17.08.2026: The Devil's Mouth läuft im Abo bei Prime Video – mit deutscher Synchronfassung.
Verfügbarkeit Deutschland · Stand 17.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Besetzung
FAQ zu The Devil’s Mouth: Kathryn Newton kämpft in gefluteter Höhle ums Überleben
Wann erscheint The Devil's Mouth?
Worauf basiert die Handlung?
Ist der Film etwas für zarte Gemüter?
Wer spielt in The Devil's Mouth mit?
Gibt es einen Trailer zu The Devil's Mouth?
Ähnelt der Film der echten Höhlenrettung in Thailand?
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