30 and Wild bekommt im WatchGuide-Kinokreis von mir 6,0 von 10. Felix Maxim Eller erzählt ohne Förderung, Sender oder Studio von drei Schulfreunden aus Unna, die mit 30 merken, dass keiner von ihnen glücklich geworden ist. Die stillen Szenen zwischen den dreien sind ehrlich und gut gesetzt, die Partykomödie drumherum folgt dem bekannten Muster und die Hauptdarsteller tragen die leisen Töne nicht immer.
Der Film startete am 26. März 2026 im Verleih von Cangerfilms, ab 12 Jahren und rund 82 Minuten lang. Danach lief er vor allem in Nordrhein-Westfalen weiter, teils in Einzelterminen, im Juli etwa eine Woche im Filmhaus Köln. Spieltermine nennt die offizielle Filmseite. Wer Young and Wild kennt oder eine Komödie aus dem Ruhrgebiet sucht, die ihre Figuren ernst nimmt, sollte hingehen. Wer eine Komödie erwartet, die das Genre neu denkt, wird eher enttäuscht.
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-RedaktionDie Ausgangslage ist gut gebaut
Dennis wird 30. Seine Verlobte ist ausgerechnet an diesem Wochenende beruflich unterwegs, also fährt er zurück nach Unna und feiert mit seinen Schulfreunden Frederik und Tim. Stefan Merten, Karsten Jaskiewicz und Michael Bruch spielen die drei, wie schon 2014 in Young and Wild. Die Anlage ist sauber: Jeder der drei hat seine eigene Lüge über das eigene Leben mitgebracht. Dennis wird im Job von einem Chef (Elias Sträter) kleingehalten, Frederik ist nach einem Alkoholentzug wieder bei seinem herrischen Vater (Martin Armknecht) gelandet, und Tim, Fitness-Influencer, läuft noch einmal seiner Jugendliebe Nadin (Kathrin Bolle) hinterher.
Das ist ein Drehbuch, das weiß, wo seine Figuren stehen, bevor die Nacht losgeht. Und es hält Dinge zurück. Thomas schreibt bei Leinwandreporter, der Film belohne aufmerksame Zuschauer, ohne zu viel zu erklären. Das sehe ich genauso, und es ist der Grund, warum ich hier mehr als eine Pflichtnote gebe.
Die Party kennt man
Das Problem beginnt, sobald gefeiert wird. Die Eskalationen einer Nacht, in der alles schiefgeht, sind in dieser Form seit Hangover ein fester Bauplan, und 30 and Wild weicht davon kaum ab. Die Kritik bei kino-zeit spricht von „altbekannten Erzählstrukturen“ und verortet den Film zwischen Hangover, Kindsköpfe und Bang Boom Bang. Film-Rezensionen.de denkt an Old School. Beide haben recht. Manche Gags sitzen, andere sind so abgestanden, dass man die Pointe zwei Szenen vorher kommen sieht.
Für mich kippt der Film immer dann, wenn er auf Klamauk umschaltet, obwohl die Szene davor etwas Ernstes angefangen hat. Eine Szene muss dort aufhören, wo sie etwas gesagt hat, nicht dort, wo noch ein Witz Platz hat. Der Filmdienst sieht es freundlicher: eine lockere Komödie, die „die existenzielle Bedrängnis der Figuren ebenfalls ernst nimmt“. Beides stimmt, nur eben nicht in denselben Minuten.
Wer die Szenen trägt
Die drei Hauptdarsteller haben die Vertrautheit von Leuten, die seit über zehn Jahren zusammen drehen. Das hilft in den Gesprächen, in denen es um etwas geht. In den Momenten, in denen einer von ihnen allein eine Enttäuschung spielen muss, wirkt das Spiel dagegen oft steif. Das bemerken Film-Rezensionen.de und kino-zeit gleichermaßen, und ich schließe mich an: Das Drehbuch schreibt den Figuren mehr Zwischentöne, als die Darsteller spielen.
Wer heraussticht, ist André Decker als erfolgloser Musiker Tommy, schon im ersten Teil der Szenendieb. Er hat Timing und eine Präsenz, die die Nebenfigur größer macht, als sie geschrieben ist. Ivo Pietzcker, bekannt aus Jack und Nebel im August, ist in einer Nebenrolle dabei.
Ein Mann, alle Gewerke
Eller hat Regie geführt, das Buch geschrieben, die Kamera übernommen, geschnitten, produziert und an der Musik mitgearbeitet. Karsten Jaskiewicz ist Koproduzent. Laut Leinwandreporter wurde in gut 30 Tagen gedreht, die Postproduktion dauerte 18 Monate. Das sieht man dem Ergebnis nicht an, im positiven Sinn: Die Bilder sind nah an den Figuren und halten mit teuren deutschen Komödien mit. Film-Rezensionen.de nennt das eine fast dokumentarische Energie.
Die Kehrseite: Es gibt niemanden, der Eller eine Szene kürzt. Einige Passagen laufen weiter, als sie müssten, obwohl der Film insgesamt knapp bleibt. Ich sage seit Jahren, deutscher Film könne brillant sein, er traue sich nur selten. 30 and Wild traut sich die Unabhängigkeit. Beim Erzählen bleibt er vorsichtiger, als diese Unabhängigkeit erlaubt hätte.
Wie die Kritik 30 and Wild sieht
Internationale Kritikerwerte gibt es für diesen Film nicht, die Besprechungen kommen aus Deutschland und gehen weit auseinander. Leinwandreporter vergibt 4 von 5 Punkten und nennt den Film einen echten Geheimtipp. Film-Rezensionen.de kommt auf 7 von 10. Der Filmdienst sieht eine professionelle, temporeiche Komödie, die „im Wesentlichen gängigen Vorgaben“ folgt. kino-zeit ist am strengsten, lobt aber das spürbare Herzensprojekt. Meine 6,0 liegen in der Mitte. Stand: 30. September 2026.
Am 30. September 2026 von der Vorschau zur Kritik mit Wertung ausgearbeitet.
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Dafür
- Jede der drei Hauptfiguren bringt eine eigene Lebenslüge mit
- Das Drehbuch hält Dinge zurück und erklärt nicht zu viel
- André Decker als Tommy stiehlt jede Szene
- Ohne Förderung gedreht und trotzdem nah und sauber fotografiert
- Knapp 82 Minuten
Dagegen
- Die Partynacht folgt dem Hangover-Bauplan
- Klamauk unterbricht ernste Szenen zu früh
- Die Hauptdarsteller spielen die Zwischentöne oft steif
- Ohne externes Korrektiv laufen einige Passagen zu lang
Eine Szene muss dort aufhören, wo sie etwas gesagt hat, nicht dort, wo noch ein Witz Platz hat. 30 and Wild weiß das in seinen besten Momenten.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Besetzung
5 Rollen- Frederik BergerKarsten Jaskiewicz
- DennisStefan Merten
- Tim VodelskiMichael Bruch
- NadinKathrin Bolle
- TommyAndré Decker


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