Countdown zum Kinostart
Digger: Iñárritu schickt Tom Cruise als Weltenretter mit Größenwahn ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von FilmSchneiderAm 1. Oktober 2026 lässt Alejandro González Iñárritu Tom Cruise auf die Welt los, als mächtigsten Mann der Erde, der unbedingt beweisen will, dass er ihr Retter ist. Ich habe lange bei keinem Film so wenig gewusst, was ich erwarten soll, und das meine ich als Kompliment.
Ein Regisseur, der für Birdman und The Revenant zwei Oscars in Folge geholt hat, dreht eine politische Satire für 200 Millionen Dollar, mit dem grössten Filmstar der Welt in der Hauptrolle. Das wird grossartig oder es kracht. Etwas dazwischen gibt es bei Iñárritu selten.
Iñárritu. Mit 200 Millionen. Und Tom Cruise. Ich muss das kurz sortieren.
Der Mann, der Amores Perros und Babel gedreht hat, der mit Birdman die Eitelkeit des Showgeschäfts seziert und mit The Revenant einen Schauspieler durch den gefrorenen Schlamm geschickt hat, macht jetzt einen Hollywood-Blockbuster über einen grössenwahnsinnigen Weltenretter. Mein erster Reflex ist Misstrauen, ehrlich. Solche Ehen zwischen Autorenkino und Studiomaschine enden oft als teure, geglättete Kompromisse. Mein zweiter Gedanke ist Neugier, und der gewinnt. Denn wenn jemand eine Satire über Macht und Selbstüberschätzung mit dieser Wucht inszenieren kann, dann er.
Lubezki dreht auf echtem 35-Millimeter-Film. Da werde ich schwach.
Emmanuel Lubezki steht hinter der Kamera, der Mann mit drei Oscars in Folge für Gravity, Birdman und The Revenant. Gedreht wurde ab November 2024 in den Pinewood Studios, auf echtem 35-Millimeter-Material im VistaVision-Format. Kein digitaler Glanz, kein Algorithmus-Look. Das ist Handwerk in einer Zeit, in der die meisten Grossproduktionen aussehen, als kämen sie aus derselben Maschine. Allein dafür würde ich hingehen. Lubezki und Iñárritu zusammen heisst lange, atmende Einstellungen, in denen die Kamera nicht schneidet, sondern beobachtet.
Sandra Hüller in einem Tom-Cruise-Film. Das musste ich zweimal lesen.
Sandra Hüller, die uns Toni Erdmann und Anatomie eines Falls geschenkt hat, eine der besten Schauspielerinnen, die wir im deutschsprachigen Raum haben, steht hier neben Tom Cruise. Das ist genau die Art von Casting, die mich aufhorchen lässt. Hüller spielt nicht mit, um Hollywood-Glanz zu bekommen, sie hat das nicht nötig. Wenn sie dabei ist, traut sie dem Projekt etwas zu. Dazu John Goodman als US-Präsident, Riz Ahmed, Jesse Plemons, Sophie Wilde, Michael Stuhlbarg und Emma D’Arcy. Das ist kein Blockbuster-Ensemble, das ist eine Schauspieler-Versammlung.
Cruise spielt den mächtigsten Mann der Welt. Vielleicht spielt er ein Stück weit sich selbst.
Tom Cruise ist Digger Rockwell, der laut Iñárritu der mächtigste Mann der Welt sein soll und sich auf eine verzweifelte Mission begibt, um zu beweisen, dass er die Menschheit retten kann, bevor eine Katastrophe, die er selbst ausgelöst hat, alles zerstört. Das ist eine Figur, die nach Grössenwahn riecht, nach einem Mann, der seinen eigenen Mythos glaubt. Und Cruise, der seit Jahren echte Stunts als Beweis seiner Unsterblichkeit verkauft, in dieser Rolle zu sehen, hat etwas wunderbar Doppeltes. Wer ihn zuletzt in Top Gun Maverick als unkaputtbaren Helden bewundert hat, bekommt hier vielleicht das satirische Echo dazu.
Was mich misstrauisch macht
Politische Satire und 200 Millionen Studiogeld vertragen sich nicht immer. Je grösser das Budget, desto grösser die Versuchung, die Zähne der Satire zu stumpfen, damit niemand sich zu sehr getroffen fühlt und der Film weltweit läuft. Ich frage mich, ob Warner Bros einen Iñárritu wirklich beissen lässt oder ob am Ende ein schön fotografierter, aber harmloser Spass herauskommt. Birdman war giftig, weil er klein und persönlich war. Ob diese Bosheit eine Produktion dieser Grösse überlebt, ist die eigentliche Frage, mit der ich ins Kino gehe.
Wer in dieser Satire aufeinandertrifft
- Tom Cruise als Digger Rockwell, der mächtigste Mann der Welt, der sich für ihren Retter hält
- Sandra Hüller. Dass sie zusagt, sagt mir mehr über den Film als jeder Trailer
- John Goodman als Präsident der Vereinigten Staaten
- Riz Ahmed und Jesse Plemons, zwei, die nie eine Szene verschenken
- Sophie Wilde, Michael Stuhlbarg und Emma D’Arcy runden ein Ensemble ab, das nach echtem Schauspiel sucht
Warum gerade jetzt? Weil die Satire einen Nerv trifft
Eine Geschichte über einen mächtigen Mann, der die Welt vor einer Gefahr retten will, die er selbst geschaffen hat, braucht man kaum zu erklären, damit sie aktuell wirkt. Warner Bros und Legendary Pictures bringen den Film am 1. Oktober 2026 in die deutschen Kinos, einen Tag vor dem US-Start am 2. Oktober. Gedreht wurde von November 2024 bis Ende April 2025. Einen leisen Festival-Start im Herbst hat das Studio laut Branchenberichten ausgeschlossen, der Film geht direkt ins Kino. Das passt: Diese Art von grossem, riskantem Autorenkino gehört auf eine grosse Leinwand, nicht in einen Wettbewerb.
Vorher anschauen
- Top Gun Maverick, um zu sehen, gegen welches Cruise-Heldenbild diese Satire wohl anspielt
- Oppenheimer, für alle, die grosses, ernstes Kino auf der Leinwand mögen
- Wer Iñárritu kennenlernen will, beginnt mit Birdman und The Revenant, seinen beiden Oscar-Filmen
- Mehr im Bereich Komödie und Drama
Den Kinostart und erste Details bestätigte unter anderem Variety, eine Übersicht zu Produktion und Besetzung gibt es bei Wikipedia.
Erwartungen vor dem Start
keine Wertung✅ Darauf freuen wir uns
- Iñárritu, der Birdman und The Revenant gedreht hat, am Ruder
- Emmanuel Lubezki filmt auf echtem 35-Millimeter-Film im VistaVision-Format
- Sandra Hüller in einem 200-Millionen-Hollywoodfilm
- Tom Cruise gegen sein eigenes Heldenbild besetzt
❓ Das macht uns nervös
- 200 Millionen Studiogeld zähmen politische Satire gern
- Bleibt bei dieser Grösse genug Substanz vom Autorenkino?
- Die Erwartung an ein Cruise-Vehikel kann mit Iñárritus Anspruch kollidieren
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