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Poster zum Film Der Clou: Newman und Redford und der perfekteste Betrug der Filmgeschichte

Der Clou: Newman und Redford und der perfekteste Betrug der Filmgeschichte (1973)

Film · Komödie, Krimi · 1973 · 129 Min. · FSK 12

Von , aktualisiert am 6. März 20266 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Der Clou bekommt von mir eine 8.5. Und wer mich kennt, weiß dass ich solche Noten nicht leichtfertig vergebe.

1973 haben George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford einen Film gemacht, der nach über 50 Jahren immer noch frischer wirkt als die meisten Gaunerfilme die heute ins Kino kommen. 7 Oscars. 5,5 Millionen Dollar Budget. 159 Millionen eingespielt. 8.3 auf IMDb. Das ist kein Film. Das ist eine Lektion in perfektem Filmhandwerk.

Kurz gesagt

Der Clou ist und bleibt ein Meisterwerk - elegant, clever und unwiderstehlich unterhaltsam. 50 Jahre nach seiner Entstehung immer noch der beste Gaunerfilm aller Zeiten. 9.3/10 Punkte.

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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Trailer

Unsere Einordnung

von WatchGuide-Redaktion
1

Newman und Redford.

Ich muss mit den beiden anfangen. Weil ohne sie wäre Der Clou ein guter Gaunerfilm. Mit ihnen ist er Kinogeschichte.

Paul Newman als Henry Gondorff: Ein müder Profi der sich aus dem Geschäft zurückgezogen hat, zu viel trinkt und in Hooker seine eigene Jugend wiederfindet. Newman spielt das nicht als großes Drama. Er spielt es mit Blicken. Ein halbes Lächeln hier, ein Achselzucken dort. Der Mann konnte mehr mit einer hochgezogenen Augenbraue sagen als andere mit einem Monolog.

Robert Redford als Johnny Hooker: Jung, impulsiv, talentiert, ungeduldig. Redford war damals 36 und sah aus wie 26. Die Chemie zwischen den beiden ist wie Jazz — keiner spielt allein, keiner dominiert, jeder reagiert auf den anderen. Das kann man nicht inszenieren. Das passiert oder es passiert nicht.

Stefan wollte letztens einen Abend mit Butch Cassidy und Der Clou machen. Newman-Redford-Doppelpack. Ich hab zugestimmt, obwohl ich beide Filme auswendig kenne. Weil es mir egal ist. Die beiden zusammen auf der Leinwand — das wird nie alt.

2

7 Oscars. Und keiner für Newman oder Redford.

Das muss man sich mal vorstellen. Der Film räumt 1974 bei den Academy Awards ab wie ein Staubsauger — Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Beste Musik. Sieben. Und weder Newman noch Redford bekommen auch nur eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller.

Die Academy hat damals entschieden dass keiner von beiden den Film allein trägt — also keiner eine Nominierung verdient. Absurd. Beide tragen den Film. Zusammen. Das ist der Punkt. Aber Hollywood hat sich nie wohlgefühlt damit, zwei gleichwertige Hauptdarsteller anzuerkennen.

Newman hat seinen Oscar erst 1987 bekommen, für Die Farbe des Geldes. Redford nie als Schauspieler, nur als Regisseur für Eine ganz normale Familie. Die Academy schuldet beiden was.

3

David S. Ward hat das Drehbuch seines Lebens geschrieben

Ward war 28 als er das Skript geschrieben hat. Achtundzwanzig. Oscar gewonnen. Und danach hat er nie wieder an dieses Level heranreichen können. Manchmal schreibt ein Mensch das eine Ding das er in sich hat und dann ist alles gesagt.

Was das Drehbuch so genial macht: Es betrügt dich dreifach. Du glaubst du weißt was passiert. Du irrst dich. Du glaubst du hast den Twist durchschaut. Du irrst dich wieder. Und am Ende, beim größten Twist des ganzen Films, sitzt du da mit offenem Mund und denkst: Natürlich. Natürlich war es so. Die Hinweise waren alle da. Ich hab sie nur nicht gesehen.

Die Kapitel-Einteilung mit den nostalgischen Titelkarten gibt dem Film eine literarische Struktur die 1973 ungewöhnlich war. Jedes Kapitel hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Funktion. „The Set-Up“, „The Hook“, „The Tale“, „The Sting“. Ward hat das Gauner-Handwerk in Filmstruktur übersetzt. Brillant.

4

Scott Joplin lebt.

Marvin Hamlisch hat den Score nicht komponiert. Er hat etwas Klügeres gemacht: Er hat Scott Joplins Ragtime-Musik aus den frühen 1900ern genommen und dem Film damit eine Seele gegeben die kein zeitgenössischer Komponist hätte erfinden können.

„The Entertainer“ kennt jeder. Selbst Leute die den Film nie gesehen haben, kennen diese Melodie. Sie ist so untrennbar mit Der Clou verbunden wie das Bond-Thema mit 007. Und sie macht etwas Wunderbares: Sie gibt dem Film eine Leichtigkeit die täuscht. Du wippst mit dem Fuß während auf der Leinwand Menschen betrogen, bedroht und ermordet werden.

Oscar für die beste Filmmusik. Und plötzlich war Scott Joplin wieder in den Charts — 1973, fast 60 Jahre nach seinem Tod. Musik kennt kein Verfallsdatum. Genau wie dieser Film.

Anke hat mal gesagt, die Musik sei „zu fröhlich für einen Gaunerfilm“. Ich hab ihr gesagt: Genau das IST der Gaunerfilm. Der Betrug soll sich leicht anfühlen. Für das Opfer und für den Zuschauer. Wenn du merkst dass du reingelegt wurdest, ist es zu spät. Im Film wie im Kino.

5

Robert Shaw als der Mann den du hasst

Doyle Lonnegan. Der Gangsterboss den Hooker und Gondorff austricksen wollen. Robert Shaw spielt ihn als kontrollierten, gefährlichen Mann der es gewohnt ist zu gewinnen und nicht weiß wie Verlieren geht.

Shaw war Brite und spielt einen irisch-amerikanischen Gangster der 30er Jahre. Sein Akzent wackelt kein einziges Mal. Die Poker-Szene im Zug, wo Gondorff Lonnegan beim Kartenspiel bloßstellt, ist ein Meisterstück aus drei Performances die ineinander greifen. Newman lässig, Redford nervös, Shaw kochend vor Wut hinter einer Fassade aus Kontrolle.

Shaw ist zwei Jahre nach dem Film gestorben, mit nur 51. Wie Jaws und Der Clou gezeigt haben: Der Mann konnte jeden Gegner glaubwürdig spielen, ob Hai oder Gauner.

6

Die Gauner und ihre Opfer

  • Paul Newman als Henry Gondorff: der müde Profi mit dem halben Lächeln. Newman in Höchstform.
  • Robert Redford als Johnny Hooker
  • Robert Shaw: Doyle Lonnegan. Kontrolliert, gefährlich, ahnungslos. Shaw macht aus dem Bösewicht einen Menschen.
  • Charles Durning als Lt. Snyder, der korrupte Cop. Durning mit der perfekten Mischung aus Gier und Inkompetenz.
  • Ray Walston als J.J. Singleton
  • Eileen Brennan als Billie
  • Harold Gould als Kid Twist: der Mann der das Theater leitet
7

Danach.

Es gab einen zweiten Teil, 1983, ohne Newman und ohne Sinn. Vergiss ihn. Der Clou steht allein und braucht keine Fortsetzung.

Was der Film hinterlassen hat: Eine ganze Generation von Gaunerfilmen. Ocean’s Eleven, The Italian Job, Catch Me If You Can — alle stehen auf den Schultern von Der Clou. Keiner hat die Kombination aus Eleganz, Humor und Präzision so gut hinbekommen.

Wer intelligente Komödien mag, wer Krimis liebt in denen der Kopf gewinnt statt die Faust, und wer verstehen will warum klassisches Kino zeitlos sein kann — Der Clou ist Pflichtprogramm. Und wenn du ihn schon kennst: Guck ihn nochmal. Ich verspreche dir, du siehst einen Twist den du beim letzten Mal übersehen hast.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Story9,5
Schauspiel9,0
Effekte7,0
Ton9,0

Dafür

  • Newman und Redford in perfekter Harmonie
  • Drehbuch mit dreifachem Boden
  • Scott Joplins Ragtime gibt dem Film seine Seele
  • Robert Shaw als grandioser Gegenspieler

Dagegen

  • Tempo könnte für heutige Zuschauer gemächlich wirken
  • Einige Nebenfiguren bleiben skizzenhaft
The key to a perfect con is that every victim thinks he's the player.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Ich hab Der Clou 1974 im Koblenzer Odeon gesehen. Erste Reihe, Kopf im Nacken. Und als das Finale kam, als alles zusammenfiel und gleichzeitig zusammenpasste, hab ich laut gelacht. Nicht weil es lustig war. Sondern weil es so perfekt war dass mir nichts anderes übrig blieb. Newman und Redford zusammen sind wie ein Gespräch das keine Worte braucht. Hill inszeniert das Ganze mit einer Leichtigkeit die erst bei der dritten Sichtung verrät wie viel Arbeit dahintersteckt. Und Scott Joplins Ragtime macht aus einem Betrug ein Vergnügen. 50 Jahre alt, sieben Oscars, und der Film funktioniert als wäre er gestern gedreht worden. Das ist die Definition von zeitlos.

Wer streamt Der Clou?

Verfügbarkeit DE

Stand 25.10.2026: Der Clou läuft im Abo bei Joyn. Leihen oder Kaufen geht ab 2,99 €.

Stand 25.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Henry GondorffPaul Newman
  • Johnny HookerRobert Redford
  • Doyle LonneganRobert Shaw
  • Lt. Wm. SnyderCharles Durning
  • J.J. SingletonRay Walston

FAQ zu Der Clou: Newman und Redford und der perfekteste Betrug der Filmgeschichte

Muss man den Film im Original sehen?
Die deutsche Synchro ist gut, Gert Günther Hoffmann als Newman und Friedrich Schoenfelder als Shaw sind erstklassig. Aber wenn du kannst, guck die Originalfassung. Newmans Timing und Redfords Charme kommen unübersetzt nochmal anders rüber. Die Dialoge sind in der englischen Fassung knackiger.
Sind Newman und Redford wirklich zum ersten Mal zusammen aufgetreten?
Nein. Butch Cassidy und Sundance Kid von 1969 war ihr erster gemeinsamer Film. Auch unter George Roy Hill. Der Clou war die Wiedervereinigung, und Hill wusste exakt was er an den beiden hatte. Dieselbe Chemie, anderes Genre, gleiches Ergebnis: Magie.
Wie viele Oscars hat Der Clou gewonnen?
Sieben. Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Beste Filmmusik. Und trotzdem keine Nominierung für Newman oder Redford als Hauptdarsteller. Die Academy hatte damals ein Problem mit zwei gleichwertigen Leads. Ihr Verlust.
Ist die Handlung kompliziert?
Sie ist raffiniert, nicht kompliziert. Der Film führt dich Schritt für Schritt durch den Betrug und erklärt dabei genug, damit du folgen kannst. Aber er erklärt nicht alles — und genau das macht das Finale so genial. Du glaubst zu wissen wie es ausgeht. Und dann lächelt der Film dich an und sagt: Nein.
Gibt es eine Fortsetzung?
Es gibt Der Clou 2 von 1983, mit Jackie Gleason statt Newman. Vergiss ihn. Ohne Newman und Redford fehlt dem Film die Seele. Manche Geschichten brauchen keine Fortsetzung. Der Clou ist eine davon.

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