Wer streamt Brust oder Keule?
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Verfügbarkeit Deutschland · Stand 05.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB) · Detaildaten: Movie of the Night · ohne Gewähr, keine bezahlte Kooperation.
Die Kritik
von FilmSchneiderAm 10. Dezember 1976 kam ein Film in die deutschen Kinos, in dem ein Restaurantkritiker seinen Geschmackssinn verliert, und ausgerechnet dieser Film hat mehr über unser Essen zu sagen als die meisten Dokumentationen von heute.
Louis de Funès war zu diesem Zeitpunkt drei Jahre ohne neuen Kinofilm, seit „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ 1973. Zwei Herzinfarkte, ein abgebrochenes Leben, und dann diese Rückkehr. 7,8 von mir, und die 7,8 stehen fast vollständig für das, was unter dem Klamauk liegt.
Zwei Herzinfarkte, acht Tage auseinander
Am 20. März 1974 traf es Louis de Funès nach 198 Aufführungen von Anouilhs „Walzer der Toreros“ das erste Mal, acht Tage später das zweite Mal. Er zog sich zurück. „Brust oder Keule“ war 1976 der Film, mit dem er zurückkam, produziert von Christian Fechner, der das Risiko trotz allem einging.
Man sieht es dem Film an, und zwar nicht als Schwäche. De Funès ist hier 62 und spielt einen Mann, dem der Körper den Dienst verweigert. Charles Duchemin verliert mitten in seiner Karriere den Geschmackssinn, eine Ageusie, und muss trotzdem im Fernsehen antreten. Ein Schauspieler, dessen Herz ihn zweimal fast umgebracht hat, spielt einen Mann, dessen Instrument kaputtgeht. Das ist keine Anekdote am Rand. Das ist der Motor des ganzen Films.
Ich habe den Film zum ersten Mal an einem Sonntagnachmittag im Wohnzimmer meiner Großeltern gesehen, wahrscheinlich Anfang der Achtziger, auf einem Fernseher mit Holzfurnier. Mein Großvater hat bei der Szene mit den drei Koffern gelacht, bis er husten musste. Ich habe damals nicht verstanden, warum der alte Mann auf dem Bildschirm so wütend ist. Heute verstehe ich es.
Tricatel gab es wirklich, und er hieß Jacques Borel
Der Bösewicht des Films ist kein erfundener Schurke. Der Name Tricatel spielt auf den Unternehmer Jacques Borel an, der ab 1968 an französischen Autobahnen Schnellrestaurants unter dem Namen Restoroute betrieb. Die Franzosen brachten diese Betriebe mit dem Wort malbouffe in Verbindung, also Junkfood. Der Film greift einen realen Konflikt auf.
Und der Held ist genauso wenig zufällig benannt. Duchemin setzt sich aus Dumont und Michelin zusammen, beides Restaurantführer. Claude Zidi und sein Ko-Autor Michel Fabre haben also nicht „ein Kritiker gegen einen Fabrikanten“ geschrieben, sondern „der Guide Michelin gegen die Autobahnraststätte“. Frankreich 1976, mitten in der Industrialisierung der Lebensmittelherstellung.
Das ist der Punkt, an dem ich bei diesem Film hängenbleibe. Wir reden 2026 über Fleischersatz aus dem Labor, über Aromen, über Zutatenlisten mit vierzehn Positionen für ein Fertiggericht. Drei Generationen vor uns wussten das schon, und sie haben eine Komödie darüber gedreht. Die Fabrikhalle, in die Vater und Sohn einbrechen, mit ihren Bottichen und Schläuchen, wirkt heute weniger albern als 1976. Sie wirkt wie eine Reportage.
104 Minuten. Oder 101. Oder 105.
Die französische Wikipedia führt „Brust oder Keule“ mit 104 Minuten, die TMDB ebenfalls, der Filmdienst mit 105, die deutsche Wikipedia mit 101. Vier Quellen, drei Zahlen. Als Arbeitswert nehme ich die 104 der französischen Angabe, weil das die Zahl aus dem Produktionsland ist.
Für die 101 Minuten gibt es eine naheliegende Erklärung: Europäische Fernseh- und DVD-Fassungen laufen mit 25 statt 24 Bildern pro Sekunde und damit rund vier Prozent schneller ab. Beweisen kann ich das für diesen Titel nicht, die Größenordnung passt aber genau. Ihnen fehlt in der kürzeren Fassung also vermutlich keine Szene. Die FSK gab den Film ab 6 Jahren frei.
Warum Coluche überhaupt dabei ist
Die Rolle des Sohnes Gérard war ursprünglich für Pierre Richard vorgesehen. Der lehnte ab, weil er sich mit der Figur nicht identifizieren konnte. Claude Zidi nahm stattdessen Coluche, damals ein Bühnenkomiker mit ganz anderem Register. Für den Film war das ein Glücksfall.
Coluche spielt leise, wo de Funès laut spielt. Er hat diesen schweren, freundlichen Blick, und er lässt die Grimassen des Älteren einfach auf sich zulaufen, ohne zurückzuschießen. Genau daraus entsteht die Reibung. Das Lexikon des internationalen Films hat das damals treffend formuliert: Der Film bleibe durch Coluches stille Komik nicht im bloßen Klamauk stecken.
De Funès hat das offenbar selbst gesehen. Die Kinoplakate sollten zunächst nur seinen Namen tragen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde daraus „de Funès & Coluche“. Ein 62-jähriger Star, der nach zwei Herzinfarkten zurückkommt und freiwillig die Hälfte des Plakats abgibt: Das sagt mehr über den Mann als jede Biografie.
Wer hier vor der Kamera steht
- Louis de Funès ist Charles Duchemin, Herausgeber des Guide Duchemin, gefürchtet, verkleidet, cholerisch und am Ende hilflos.
- Coluche als Sohn Gérard, der eigentlich Clown im eigenen Wanderzirkus sein will und den Restaurantführer nur erbt, weil der Zirkus sonst pleitegeht.
- Julien Guiomar gibt den Industriellen Jacques Tricatel. Ein Parvenü ohne Manieren, der sich Anerkennung kaufen will und sie nie bekommt.
- Claude Gensac, über Jahre die Filmehefrau von de Funès, ist als Marguerite dabei, dazu Ann Zacharias in derselben Rolle in der zweiten Besetzung.
- Georges Chamarat als Dekan der Académie Française, Raymond Bussières als Henri, Marcel Dalio als Schneider. Und Philippe Bouvard spielt sich selbst, samt seiner damals real laufenden Fernsehsendung.
Jan Fedder spricht den dicken Freund
Dialogbuch und Dialogregie der deutschen Fassung stammen von Rainer Brandt, dem Mann hinter dem sogenannten Schnodderdeutsch der Siebziger. De Funès bekam wie fast immer die Stimme von Gerd Martienzen, seinem Stammsprecher. Und in einer Nebenrolle hört man einen jungen Jan Fedder.
- Gerd Martienzen als Charles Duchemin, die Stimme, die für ganze Generationen deutscher Zuschauer schlicht „de Funès“ bedeutet
- Peter Kirchberger spricht Coluche, Friedrich Schütter den Industriellen Tricatel
- Jan Fedder leiht Gérard Boucaron als Ficelle die Stimme, Jahre bevor ihn das halbe Land aus dem Hamburger Hafen kannte
- Rainer Brandt selbst spricht den Erzähler am Anfang des Films
Der deutsche Titel ist übrigens ein Zitat. „Brust oder Keule“ ist die Formulierung, mit der Hitchcocks „Über den Dächern von Nizza“ in der verbreiteten deutschen Synchronisation eine zweideutige Frage über Hühnchen stellt. Der französische Originaltitel „L’Aile ou la Cuisse“ heißt wörtlich Flügel oder Keule und meint dasselbe Doppelspiel.
Über drei Millionen Deutsche im Kino
1978 bekam der Film die Goldene Leinwand. Diese Auszeichnung vergeben der Hauptverband Deutscher Filmtheater und die Fachzeitschrift Filmecho an Filme, die innerhalb von 18 Monaten drei Millionen Zuschauer erreichen. „Brust oder Keule“ hat diese Marke in Deutschland genommen, mit einem Budget von rund 5,1 Millionen Dollar.
Das ist die Zahl, die ich Leuten nenne, wenn sie de Funès für ein französisches Nischenphänomen halten. Er war in der Bundesrepublik ein Massenereignis. Bei Rotten Tomatoes stehen für den Film heute 81 Prozent, bei der TMDB 7,2 aus 977 Stimmen. Für eine Komödie, die fünfzig Jahre alt ist, sind das erstaunlich stabile Werte.
Was der Film nicht kann
Die Anschlüsse sitzen nicht. Die Kamera von Claude Renoir und Vladimir Ivanov wackelt in mehreren Szenen sichtbar, und der Schnitt der Isnardons springt an Stellen, an denen jeder Laie zusammenzuckt. Wer 1976 als handwerkliche Referenz erwartet, wird das hier nicht finden.
Dazu kommt eine Synchronisation, die man mögen muss. Rainer Brandt hat der deutschen Fassung Sprüche verpasst, die im Original nicht stehen. Bei den „Zwei ausgekochten Gauner“-Filmen wurde daraus ein eigener Stil, hier klingt es an einigen Stellen einfach nur nach 1977. Und die Zirkushandlung um Gérard trägt nicht über den ganzen Film. Sie ist der Preis dafür, dass Coluche eine zweite Ebene bekommt.
Trotzdem gibt es Sequenzen in diesem Film, die unzerstörbar sind. Die Fernsehdiskussion mit dem Titel „Alle Schläge sind erlaubt“ ist eine davon. Die Nummer mit drei identischen Koffern, zwei Hotelzimmern und drei Personen ist die andere. Das ist getimtes Handwerk, so präzise wie bei Tati, nur lauter.
Wenn Ihnen das gefällt
Wer die europäische Komödie der Siebziger mag, kommt an den Prügel- und Fressorgien von Bud Spencer und Terence Hill nicht vorbei; unsere Übersicht aller Filme mit Bud Spencer und Terence Hill ordnet die ganze Reihe. Wer lieber beim satirischen Blick auf die eigene Provinz bleibt, findet in der Eberhofer-Reihenfolge das bayerische Gegenstück.
Aus dem Komödien-Bestand passen drei Titel gut daneben. Immer Ärger mit Bernie teilt die Lust an der einen absurden Grundidee, die konsequent durchgezogen wird. Schöne Bescherung lebt wie „Brust oder Keule“ von einem Mann, der die Kontrolle verliert. Und Kevin allein zu Haus zeigt, was Slapstick-Timing im Familienfilm anrichten kann. Wer den Kontrast sucht, schaut danach Die Indianer von Cleveland. Und wenn Sie sehen wollen, wie ein einzelner Darsteller eine ganze Komödie mit Körpersprache trägt, dann Leslie Nielsen ist sehr verdächtig.
Was bleibt
Der Film gewann 1978 die Goldene Leinwand, er brachte de Funès zurück auf die Leinwand, und er hat einen Konflikt vorweggenommen, über den wir bis heute streiten. Dass er das mit einem Mann macht, der Pusteln im Gesicht bekommt und seinen Geschmackssinn verliert, ist die eigentliche Leistung.
Ein Detail dazu, das mir erst beim dritten Sehen aufgefallen ist: Duchemin verkleidet sich, um in den Restaurants nicht erkannt zu werden, und de Funès spielt in diesen Momenten einen Schauspieler, der eine Rolle spielt. Ein 62-Jähriger, der nach zwei Jahren Pause vor die Kamera tritt und als erste Aufgabe bekommt, sich selbst zu verstecken. Claude Zidi hat diese Ebene nie ausgesprochen. Sie liegt einfach da.
Ich schaue mir „Brust oder Keule“ nicht wegen der Grimassen an. Ich schaue ihn wegen der Fernsehsendung am Ende, in der ein alter Mann mit kaputten Sinnen einem Industriellen sein Handwerk vorführt. Das hier hat Substanz, unter dem ganzen Lärm. Und die 70er-Energie trägt bis in die letzte Minute.
Weitere Angaben zum Film führt das Lexikon des internationalen Films.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Satire auf die Lebensmittelindustrie, die 2026 schärfer wirkt als 1976
- De Funès und Coluche spielen in zwei völlig verschiedenen Registern gegeneinander
- Zwei Slapstick-Sequenzen mit perfektem Timing, allen voran die Nummer mit den drei Koffern
Dagegen
- Anschlussfehler und ein sichtbar nachlässiger Schnitt
- Die Zirkushandlung um Gérard trägt nicht über die volle Laufzeit
Ein Schauspieler, dessen Herz ihn zweimal fast umgebracht hat, spielt einen Mann, dessen Instrument kaputtgeht. Das ist der Motor dieses Films.— aus der Wertung von FilmSchneider
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Wo kann ich Brust oder Keule streamen?
Brust oder Keule gibt es zum Leihen oder Kaufen bei Apple TV+, Amazon, Google Play, YouTube, maxdome, MagentaTV, Videoload und freenet Video. Stand August 2026, Angaben für Deutschland ohne Gewähr.
Ab welchem Alter ist Brust oder Keule freigegeben?
Brust oder Keule ist in Deutschland ab FSK 6 freigegeben.
Wie lange dauert Brust oder Keule?
Brust oder Keule hat eine Laufzeit von rund 104 Minuten (1 Stunde und 44 Minuten).
Lohnt sich Brust oder Keule?
Unsere Redaktion vergibt Brust oder Keule einen Watcher-Score von 7,8 von 10. Das ist eine klare Empfehlung, besonders für Komödie-Fans.
Für wen ist Brust oder Keule geeignet?
Brust oder Keule ist vor allem etwas für Komödie-Fans und alle, die solide Genre-Unterhaltung suchen.
Trailer
Besetzung
FAQ zu Brust oder Keule: de Funès kämpft gegen Plastikessen und verliert den Geschmack
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