Countdown zum Kinostart
Hope: Na Hong-jin kehrt nach zehn Jahren mit einem Monster zurück ist noch nicht erschienen. Streaming-Anbieter tragen wir ein, sobald der Film nach dem Start verfügbar ist. Termin kann sich verschieben.
Die Vorschau
von SeoulScreenAm 8. Oktober 2026 bringt MUBI „Hope“ von Na Hong-jin in die deutschen Kinos, zehn Jahre nach seinem letzten Film.
160 Minuten, koreanischer Originaltitel 호프 (Hopeu), Weltpremiere im Wettbewerb von Cannes. In Korea läuft er seit Juli und hat dort alles plattgemacht. Ich zähle die Wochen.
Zehn Jahre Pause, und dann kommt ausgerechnet Science-Fiction
Na Hong-jin hat seit „The Wailing“ von 2016 keinen Film mehr gemacht. Davor kamen „The Chaser“ 2008 und „The Yellow Sea“ 2010, beide bodenständige Thriller mit sehr viel Dreck unter den Fingernägeln. Und jetzt: ein Wesen aus dem All in einem Küstendorf an der demilitarisierten Zone. Ich habe die Ankündigung dreimal gelesen, bevor ich sie geglaubt habe.
Der Schauplatz heißt Hope Harbor und liegt in der Nähe der DMZ, also an der am schwersten bewachten Grenze der Welt. Polizeichef Go Bum-seok, gespielt von Hwang Jung-min, wird zu einer Sache gerufen, die zunächst nach einem Tier aussieht. Aus dieser Fehleinschätzung wächst dann der ganze Film. Das ist eine sehr koreanische Bewegung: Erst geht es um ein Dorf, dann um ein Land, dann um alles.
Wer „The Wailing“ gesehen hat, kennt das Prinzip. Auch dort war die Frage nie, was das Böse ist, sondern wer es zuerst falsch versteht. Bei uns liegt zu diesem Regisseur bisher nichts vor, aber wer sich für die Ecke des koreanischen Kinos interessiert, in der Gewalt und Moral sich gegenseitig auffressen, findet mit Oldboy und Parasite zwei gute Einstiege.
70 Milliarden Won. So teuer war noch kein koreanischer Film.
Das Budget liegt bei rund 70 Milliarden Won, etwa 46 Millionen Dollar. Damit ist „Hope“ die teuerste koreanische Produktion, die je gedreht wurde. Zum Vergleich: „Parasite“ kostete umgerechnet gut 11 Millionen Dollar und spielte weltweit über 260 Millionen ein. Die Rechnung geht hier also nur auf, wenn der Film international läuft.
In Korea sieht es danach aus. Der Start war am 15. Juli 2026, einem Mittwoch, auf 2.334 Leinwänden. Am ersten Wochenende kamen 1.504.019 Zuschauer, das entspricht 16,8 Milliarden Won oder 11,4 Millionen Dollar, und einem Marktanteil von 64,74 Prozent. Nach fünf Tagen standen 2.129.726 verkaufte Tickets auf dem Zettel. Kein Film hat 2026 in Korea schneller die Zwei-Millionen-Marke geknackt.
Ich finde diese Zahl aus einem anderen Grund bemerkenswert. Das koreanische Kino steckt seit der Pandemie in einer sehr hässlichen Lage, die Zuschauerzahlen sind nie zurückgekommen, und die Studios haben stattdessen fürs Streaming produziert. Dass ausgerechnet ein 160 Minuten langer Autorenfilm mit Aliens die Leute zurück in den Saal holt, hätte vor einem Jahr niemand gewettet.
Fassbender und Vikander sprechen eine Sprache, die es nicht gibt
Michael Fassbender spielt eine Figur namens Ma’veyyo, Alicia Vikander eine namens J’aur, Taylor Russell heißt Ai’dovor, Cameron Britton spielt Va’migere. Diese Namensform allein sagt schon, dass die vier nicht die Touristen aus dem Nachbardorf spielen. Hwang Jung-min, Zo In-sung und Jung Ho-yeon tragen die koreanische Seite.
Jung Ho-yeon kennen die meisten aus Squid Game, wo sie 2021 aus dem Nichts kam und danach von Modelaufträgen zugeschüttet wurde. Das hier ist ihre erste große Kinorolle in Korea. Zo In-sung spielt Go Sung-ki, den Bruder des Polizeichefs. Hwang Jung-min hat in „Deliver Us from Evil“ und „Veteran“ gezeigt, dass er einen erschöpften Mann spielen kann, ohne ihn müde zu machen.
Hollywood macht diese Mischung nicht so. Wenn ein amerikanisches Studio internationale Stars in einen koreanischen Film setzt, sind das Gaststars mit zwei Szenen. Vier Namen dieser Größe deuten auf etwas anderes hin, und ich bin sehr gespannt, wie viel Raum sie in 160 Minuten tatsächlich bekommen.
Hinter der Kamera steht Hong Kyung-pyo, und an dieser Stelle wurde ich beim Lesen der Credits richtig aufmerksam. Er hat „Parasite“ fotografiert, davor „Burning“ und „Snowpiercer“. Die Musik schreibt Michael Abels, der für Jordan Peele „Get Out“ und „Nope“ vertont hat. Ein koreanischer Kameramann mit Goldener-Palme-Erfahrung und ein amerikanischer Komponist aus dem sozialkritischen Horror: Das ist keine zufällige Kombination, das ist eine Ansage über den Ton, den dieser Film treffen will.
In Cannes ging der Saal auseinander
Die Weltpremiere lief am 17. Mai 2026 im Wettbewerb der 79. Filmfestspiele von Cannes. Die Reaktionen dort waren gespalten, und das ist bei Na Hong-jin fast schon Tradition. Stand heute stehen bei Rotten Tomatoes 77 Prozent aus 44 Kritiken, der Metascore liegt bei 68 aus 19 Bewertungen.
Die Spannweite dahinter ist das Interessante. IGN vergab 90 Punkte, IndieWire 33. Solche Ausschläge kenne ich sonst nur von Filmen, die eine harte formale Entscheidung treffen und sie durchziehen. Bei „The Wailing“ war es 2016 ähnlich, und der Film gilt heute als Klassiker seines Jahrzehnts. Ich lese solche Zahlen deshalb eher als Einladung denn als Warnung.
In den USA bringt Neon den Film am 9. September 2026 heraus, also einen Monat vor dem deutschen Start. Wer bis Oktober keine Ruhe hat, sollte ab Anfang September vorsichtig durch die sozialen Netze laufen. Bei einem Film, dessen ganze erste Hälfte auf einer Fehleinschätzung beruht, ist ein einziger Satz zu viel schon zu viel.
Der Cast auf einen Blick, koreanisch und international
- Hwang Jung-min als Go Bum-seok, Polizeichef von Hope Harbor
- Zo In-sung als Go Sung-ki, sein Bruder
- Jung Ho-yeon spielt die Beamtin Lim Sung-ae. Erste große Kinorolle nach Squid Game.
- Alicia Vikander als J’aur
- Michael Fassbender als Ma’veyyo. Die beiden standen zuletzt 2016 gemeinsam vor der Kamera.
- Taylor Russell als Ai’dovor
- Cameron Britton spielt Va’migere
- Um Mun-suk als Yang-bae
Was mich vor dem 8. Oktober nervös macht
160 Minuten sind lang. „The Wailing“ lief 156 Minuten und hat jede davon gebraucht, aber der Film hatte auch nur einen Handlungsstrang und ein Dorf. Hier kommen eine internationale Ebene und ein Budget dazu, das gesehen werden will. Meine Sorge ist, dass die zweite Hälfte dem Geld hinterherläuft.
Die zweite Sache: Filmstarts beschreibt, dass der Film nach etwa 60 Minuten eine unerwartete Wendung nimmt. Ich mag Wendungen, ich mag sie nur nicht, wenn sie der Ausstieg aus einem Ton sind, der gerade funktioniert. Wie das ausgeht, weiß ich erst im Oktober. Bis dahin gilt: Wer diese Art von koreanischem Kino mag, sollte sich den Termin markieren. Wer bis dahin Nachschub braucht, findet ihn bei Train to Busan, in unserer Liste Filme wie Parasite und in den Archiven für Science-Fiction-Filme und Dramen.
Die aktuellen Kritikerwerte stehen bei Rotten Tomatoes, die koreanischen Startzahlen hat Screen Daily aufgeschlüsselt.
Erwartungen vor dem Start
keine WertungNa Hong-jin hat zehn Jahre geschwiegen und meldet sich mit dem teuersten Film zurück, den Korea je gedreht hat. Das macht niemand aus Versehen.— vorab eingeschätzt von SeoulScreen
✅ Darauf freuen wir uns
- Erster Na-Hong-jin-Film seit The Wailing 2016
- Weltpremiere im Wettbewerb von Cannes
- Jung Ho-yeon in ihrer ersten großen Kinorolle nach Squid Game
- Der schnellste Kinostart des Jahres in Korea
❓ Das macht uns nervös
- 160 Minuten mit einem Budget, das gesehen werden will
- Die Wendung nach rund einer Stunde kann den Ton kippen
- Vier internationale Stars in einem koreanischen Dorf ist eine riskante Mischung
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