Die Kritik
von FilmSchneiderAb dem 19. Juni 2026 schickt Uwe Boll mit „Citizen Vigilante“ einen Mann mit zu viel Geld und null Vertrauen ins Rechtssystem auf einen privaten Rachefeldzug, gespielt von Armie Hammer.
Ich sag es vorweg: Bei Boll bin ich vorbelastet. Aber ein Antiheld, der Verbrecher jagt und nebenbei zum Social-Media-Phänomen wird, holt mich trotzdem ab. Und Hammer steht zum ersten Mal seit Jahren wieder ganz vorne im Bild. Das will ich mir ansehen, allein um zu wissen, was da passiert.
Uwe Boll. Der Name ist eine Warnung.
Boll hat Anfang der 2000er Filme wie „House of the Dead“ und „Alone in the Dark“ gedreht, die bis heute als Schulbeispiel für misslungene Videospiel-Verfilmungen gelten. 2006 forderte er fünf Kritiker zum Boxkampf in den Ring und schlug sie der Reihe nach. Mit so einem Vorleben gehe ich in keinen seiner Filme ohne dicke Skepsis.
Das ist keine Pose. Ich brauch bei einem Thriller keine große Erklärung, ich brauch Handwerk. Und Handwerk war bei Boll über zwanzig Jahre lang das, was am häufigsten fehlte. Trotzdem sitze ich hier und schreibe über seinen neuen Film, also hat er irgendwas richtig gemacht beim Ankündigen.
Trotzdem klebt die Prämisse an mir
Sanders ist ein reicher US-Geschäftsmann in Zagreb, der ein Immobilienimperium erbt und sich zum maskierten Selbstjustiz-Rächer macht. Er nimmt sich Gewalttäter, Vergewaltiger und korrupte Richter vor, die das System laufen ließ. 89 Minuten lang. Genau diese Sorte ambivalenter Antiheld ist die Figur, an der ich kleben bleibe, auch wenn die Verpackung wackelt.
Mich erinnert das an den zusammenbrechenden Normalbürger in Falling Down, nur mit dickerem Geldbeutel und Kapuze. Ob Boll diese moralische Grauzone wirklich aushält oder gleich in plakative Action kippt, ist für mich die ganze Frage. Bei „Citizen Vigilante“ steht und fällt alles damit, ob das Drehbuch der Figur einen echten Riss gönnt. Boll kann Tempo, das hat er nie verlernt. Was er selten konnte, ist eine Figur so zu schreiben, dass ihr Zorn weh tut statt nur zu knallen. Genau da entscheidet sich, ob Sanders ein Mensch wird oder eine Pose mit Maske bleibt.
Der Film hieß mal „The Dark Knight“. Dann rief Warner an.
Boll nannte das Projekt zuerst tatsächlich „The Dark Knight“, nach dem Alias, das sich Hammers Figur im Film gibt. Warner Bros. schickte 2025 eine Unterlassungsaufforderung, im April 2025 wurde umbenannt. Gedreht wurde von Ende Januar bis Anfang April 2025 in Kroatien, Kameramann war Mathias Neumann. Solche Anekdoten erzählen oft mehr über einen Film als jeder Trailer.
Armie Hammer, zurück im Zentrum
Hammer war nach den Vorwürfen Anfang 2021 aus großen Produktionen verschwunden und von Agentur wie Projekten fallen gelassen worden. „Citizen Vigilante“ ist seine erste echte Hauptrolle seit diesem Bruch. Quiver Distribution bringt den Film am 19. Juni 2026 in ausgewählte Kinos und digital heraus. Ob das Comeback trägt, hängt für mich komplett an dieser einen Performance.
Das ist der eigentliche Grund, warum ich hinschaue. Ein Schauspieler, der jahrelang weg war, in einer Rolle, die ihn als wütenden Außenseiter inszeniert: Da steckt eine Spannung drin, die der Film selbst gar nicht erfinden muss. Variety bestätigte den Quiver-Deal beim Filmmarkt in Berlin, nachzulesen bei Variety.
Was der Trailer verspricht, und was mich misstrauisch macht
Der Trailer verkauft einen harten Rachethriller mit Costas Mandylor als Interpol-Mann Henry, der Sanders zur Strecke bringen soll. Mandylor kennt man als Hoffman aus fünf „Saw“-Filmen, der Mann weiß, wie man eiskalt wirkt. Mein altes Problem bleibt: Bolls Hang zu Gewalt, unter der kein Drehbuch liegt. Bei 89 Minuten ist wenig Platz für Fehler.
Wer dieses Rächer-Kino mag, kennt die Messlatte. John Wick hat gezeigt, wie man Selbstjustiz mit Stil und klarer Choreografie erzählt, und The Punisher hat dem Ganzen eine Seele gegeben. An solchen Maßstäben wird sich Boll messen lassen müssen, ob ihm das passt oder nicht.
Was mir am Setup trotzdem gefällt: Der virale Ruhm der Figur ist kein Beiwerk, sondern Teil des Problems. Ein Rächer, der gefilmt und geteilt wird, verliert die Kontrolle über die eigene Geschichte. Wenn Boll diesen Gedanken ernst nimmt, hat „Citizen Vigilante“ eine Idee, die über billige Selbstjustiz-Fantasie hinausreicht. Wenn nicht, bleibt ein lauter Genrefilm mit gutem Aufhänger. Ich tippe vor dem Start auf gar nichts und lasse mich überraschen.
Wer hier vor der Kamera steht
- Armie Hammer als Sanders, der Erbe, der zum maskierten Rächer wird. Sein erstes großes Comeback.
- Costas Mandylor als Interpol-Chef Henry. Wer ihn als Hoffman aus der „Saw“-Reihe kennt, ahnt den Tonfall.
- Neb Chupin spielt Pierre
- Vjekoslav Katušin als Mafia-Boss, gedreht komplett in Kroatien mit lokalem Ensemble
- Lennart Betzgen als Rick, dazu Benjamin Schnau als Jack, beides kleinere Rollen im Umfeld von Sanders
Und Deutschland? Boll sagt, hier läuft er nicht.
Boll hat öffentlich erklärt, der Film werde in Deutschland faktisch ausgebremst, er spricht von Ärger rund um die FSK-Einstufung und nennt das Zensur. Ein regulärer deutscher Kinostart ist bislang nicht belegt. Für den 19. Juni 2026 gilt darum erstmal nur der Start in Nordamerika, in ausgewählten Kinos und digital über Quiver Distribution.
Ob das echte Behördenwillkür ist oder cleveres Lärmmachen eines Regisseurs, der Streit immer schon als Marketing verstanden hat, kann ich von hier aus nicht sagen. Boll und der laute Konflikt gehören seit zwanzig Jahren zusammen. Ich nehme die Sperr-Behauptung deshalb mit derselben Skepsis wie seine Filme. Bestätigt ist bisher nur, was Quiver für Nordamerika angekündigt hat: Start am 19. Juni 2026, Kino und digital. Alles Weitere zum deutschen Markt bleibt offen, und ich trage hier bewusst keine Gerüchte als gesicherte Fakten vor, weder in die eine noch in die andere Richtung.
Das Urteil
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungBewertet von FilmSchneider — eine Person, ein begründetes Urteil.
Dafür
- Ambivalenter Antiheld im Graubereich
- Armie Hammers Comeback nach Jahren
- Kompakte 89 Minuten, kein Aufgeblähter Stoff
Dagegen
- Uwe Bolls schwache Trefferquote seit 2000
- Gefahr von Gewalt ohne Drehbuch darunter
- Deutscher Start völlig unklar
Besetzung
FAQ zu Citizen Vigilante: Uwe Boll lässt Armie Hammer Jagd auf Verbrecher machen
Wann startet Citizen Vigilante?
Was treibt diesen maskierten Rächer eigentlich an?
Warum ist Armie Hammer hier so ein Thema?
Hat der Film wirklich mal "The Dark Knight" geheißen?
Lohnt sich der Film für Uwe-Boll-Skeptiker?
Wo kann ich ähnliche Rache-Geschichten sehen?
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