Der Seriencheck
von FilmSchneiderRooster bekommt von mir im WatchGuide-Kinokreis 6,9 von 10 für die erste Staffel mit zehn Folgen. Steve Carell spielt den Bestsellerautor Greg Russo so zurückgenommen, dass die ruhigen Gespräche zwischen Vater und Tochter das Beste an der Serie sind. Die Campus-Satire drumherum bleibt dagegen zahm, und manche Pointe stammt hörbar aus einer älteren Comedy-Schule.
Für wen lohnt sich das? Für alle, die bei Bill Lawrence den Wechsel aus Albernheit und Wärme suchen und mit einer Serie leben können, die eher freundlich als scharf ist. Wer eine bissige Satire auf den Hochschulbetrieb erwartet, wird enttäuscht. In Deutschland lief Rooster ab dem 9. März 2026 bei HBO Max, eine Folge pro Woche bis zum Finale am 11. Mai. Die Folgen sind zwischen 30 und 34 Minuten lang und auch in deutscher Fassung abrufbar.
Ein Vater, der sich einen Grund zum Bleiben sucht
Greg Russo schreibt erfolgreiche Urlaubskrimis um einen Privatdetektiv namens Rooster. Ans Ludlow College in Neuengland kommt er offiziell für eine Lesung, tatsächlich aber wegen seiner Tochter Katie (Charly Clive). Sie unterrichtet dort Kunstgeschichte, und ihr Mann Archie (Phil Dunster), selbst Professor am College, hat sie gerade für die Studentin Sunny (Lauren Tsai) verlassen. Collegepräsident Walter Mann (John C. McGinley) bietet Greg an, ein Semester als Writer in Residence zu bleiben. Danielle Deadwyler spielt die Lyrikprofessorin Dylan Shepard. Entwickelt haben die Serie Bill Lawrence und Matt Tarses, den Auftakt hat Jonathan Krisel inszeniert.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Diese Ausgangslage ist ein Vorwand. Greg ist nicht wegen der Literatur da, sondern weil er nicht weiß, wie man einer erwachsenen Tochter beisteht, ohne sich aufzudrängen. Die Serie ist immer dann gut, wenn sie genau diese Unsicherheit ernst nimmt, und deutlich schwächer, wenn sie sie mit Campus-Gags überdeckt.
Carell spielt leiser als die Serie um ihn herum
Carell hat in seiner Karriere oft den Mann gespielt, der den Raum mit sich selbst füllt. Hier tut er das Gegenteil. Greg hört zu, zögert, sagt das Falsche und merkt es. Rotten Tomatoes fasst die Kritikerstimmen mit Carells beruhigendem Spiel und Danielle Deadwylers überschwänglicher Unterstützung zusammen, und das deckt sich mit meinem Eindruck: Deadwyler bringt die Energie, die Carell bewusst zurückhält. Charly Clive als Katie ist die Entdeckung der Staffel, weil sie ihrem Vater nicht einfach böse ist, sondern ihn gleichzeitig braucht und loswerden will.
Wo ich weniger überzeugt bin, ist die Figurenentwicklung. Oliver Armknecht schreibt bei film-rezensionen.de, Greg mache in den Folgen, die er vorab sah, kaum eine Entwicklung durch, die Figuren wüchsen einem aber mit der Zeit ans Herz. Beides stimmt. Für mich kippt das an der Stelle, an der die Serie Gregs Annäherung an Katie zu oft zurücksetzt, damit die nächste Folge sie noch einmal erzählen kann. Eine Entscheidung, die eine Figur wirklich verändert, ist dann nicht verdient, sondern verschoben.
Wo die Comedy aus einer anderen Zeit kommt
Die härteste Kritik kommt von Aramide Tinubu in Variety. Sie nennt die Serie vorhersehbar und den Humor überholt. Als Beispiel führt sie an, dass Greg eine Studentin mit einer „Moby Dick“-Anspielung als weißen Wal bezeichnet, was prompt zu Vorwürfen wegen Bodyshaming führt. Ihr Urteil über das ständige Hin und Her zwischen Archie und Katie und über die Hochschulpolitik als Nebenstrang teile ich in Teilen. Die Szenen mit dem College-Apparat sind die, in denen Rooster am meisten nach Pflichtprogramm aussieht.
John C. McGinley als Walter Mann rettet davon einiges. Wer ihn aus Scrubs kennt, bekommt hier eine gedämpftere Variante desselben Typs: ein Mann, der seine Macht genießt und sie nie ganz ausspielt. Das ist Lawrence-Handwerk, und es funktioniert.
Meine Note im Vergleich
Meine 6,9 liegt etwas unter dem, was die Kritik insgesamt sagt. Bei Rotten Tomatoes sind 88 Prozent von 57 Kritiken positiv, das Publikum liegt mit 76 Prozent niedriger. Metacritic kommt auf 68 von 100 aus 29 Kritiken, die Spanne reicht von IGN mit 100 bis Variety mit 40. Armknecht vergibt 7 von 10. Werte abgerufen am 1. Oktober 2026. Unsere WatchGuide-Empfehlung zu Rooster: anschauen, wenn einem Shrinking und Ted Lasso gefallen haben, und dabei mit weniger Fallhöhe rechnen. Wer Carell vor allem als Michael Scott aus The Office liebt, findet hier eine leisere, ältere Version dieses Talents.
Am 1. Oktober 2026 von der Vorschau zur Kritik mit Wertung der ersten Staffel ausgearbeitet.
Bewertung
Watcher-Score · redaktionelle EinzelwertungDafür
- Steve Carell spielt Greg leise und genau
- Charly Clive als Tochter zwischen Bedürfnis und Abwehr
- John C. McGinley als Collegepräsident
- Danielle Deadwyler bringt die Energie, die Carell zurückhält
Dagegen
- Gregs Annäherung an Katie wird zu oft zurückgesetzt
- Die Hochschulpolitik wirkt wie Pflichtprogramm
- Einige Pointen stammen aus einer älteren Comedy-Schule
Rooster ist immer dann gut, wenn die Serie Gregs Unsicherheit gegenüber seiner Tochter ernst nimmt, und deutlich schwächer, wenn sie sie mit Campus-Gags überdeckt.Aus der Wertung von FilmSchneider
Wer streamt Rooster?
Verfügbarkeit DEStand 16.08.2026: Rooster läuft im Abo bei Max, mit deutscher Synchronfassung.
Stand 16.08.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Staffeln & Folgen
aus der WatchGuide-DatenbankS1Staffel 1· 10 Folgen · ab März 2026▾
Trailer
Besetzung
FAQ zu Rooster: Carell spielt leise, die Campus-Satire bleibt zahm
Wo läuft Rooster in Deutschland?
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