Episode II ist ein Film der in zwei komplett verschiedene Hälften zerfällt. Die eine Hälfte (Obi-Wans Detektiv-Story, Kamino, Jango Fett, die Arena auf Geonosis) ist guter bis großartiger Star Wars. Die andere Hälfte (Anakin und Padme auf Naboo, Sand-Dialoge, Romantik ohne Chemie) ist schwer zu ertragen. George Lucas hat eine galaktische Tragödie erzählen wollen und die politischen Teile funktionieren sogar, aber seine Liebes-Dialoge sind so hölzern dass man Christopher Lees aristokratische Eleganz und Ewan McGregors trockenen Humor braucht um den Film über Wasser zu halten. John
Quellen & Einordnung
Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.
Trailer
Unsere Einordnung
von WatchGuide-Redaktion2002. Ich war sechs. Die Welt war noch in Ordnung.
Ich hab den Film nicht im Kino gesehen, das muss ich direkt sagen. Ich war sechs Jahre alt, mein Vater hatte Episode I auf DVD und ich hab die Podracing-Szene bestimmt fünfzig Mal geschaut. Episode II kam dann irgendwann später in mein Leben, so mit zehn oder elf, und es war, real talk, der Film, der mich zum Star-Wars-Fan gemacht hat. Nicht Episode IV. Nicht Empire Strikes Back. Sondern Angriff der Klonkrieger.
Warum? Weil ich Yoda mit einem Lichtschwert kämpfen gesehen hab. Und wenn du zehn bist und Yoda plötzlich durch die Luft flippt wie ein grüner Gummiball auf Speed, dann ist dein Gehirn für immer gebraten. In dem Moment hat Star Wars mich gekriegt. Unwiderruflich. Auch wenn der Film drumherum… naja.
George Lucas und das Problem mit Liebesszenen
115 Millionen Dollar Budget. George Lucas auf dem Regiestuhl, was bedeutet: Er hat die volle kreative Kontrolle und niemand traut sich ihm zu sagen, dass seine Romantik-Dialoge klingen wie von einem Drittklässler geschrieben der zum ersten Mal ein Gedicht für seine Klassenkameradin verfasst. Ich übertreibe? Nein.
„Ich mag keinen Sand. Er ist grob und rau und irritierend. Nicht so wie du.“
Leute. LEUTE. Das ist ein Satz der in einem Film steht der 653 Millionen Dollar eingespielt hat. Roger Ebert hat in seiner Kritik geschrieben, er hätte in dem ganzen Film keine einzige erinnerungswürdige Dialogzeile gehört. Und dann nimmt er als Ausnahme genau DIESEN Sand-Satz („I hadn’t heard that before“, hat er geschrieben. Trocken wie Tatooine). Ebert hat dem Film 2 von 4 Sternen gegeben und er hatte verdammt nochmal Recht. Zumindest was den Dialog angeht.
Stefan hat mal gesagt, Lucas sei ein Visionär der nicht mit Schauspielern reden kann. Das ist die fairste Zusammenfassung die ich je gehört hab.
Hayden. Lass uns über Hayden reden.
Hayden Christensen bekommt seit über zwanzig Jahren Hass für diesen Film ab und ich werde nicht so tun als wäre seine Performance makellos gewesen. War sie nicht. Aber, und das ist der Hügel, auf dem ich sterbe: Das ist nicht seine Schuld.
Schau dir an was der Mann zu arbeiten hatte. Sein Charakter soll ein emotionaler Teenager sein der zwischen Arroganz und Unsicherheit schwankt, der sich in eine Frau verliebt die fünf Jahre älter ist und gleichzeitig politisch kompetenter als er je sein wird, und der langsam in Richtung dunkle Seite driftet. Das ist ein INSANE Character Arc für einen Film. Das ist sowas wie ein Endgame-Boss auf Level 15 angehen. Du bist unterlevelt, du hast die falsche Ausrüstung, und der Boss hat Mechaniken die du noch nicht kennst.
Natalie Portman (und das sage ich mit allem Respekt für eine Schauspielerin, die einen Oscar gewonnen hat) sieht in ihren Szenen mit Hayden aus, als würde sie lieber ihre Steuererklärung machen. Null Chemie. Absolute null. Die beiden stehen vor der Kulisse von Naboo, einem der schönsten Orte die je für einen Film designt wurden, und ich fühl weniger Romantik als beim Sortieren meiner LEGO-Kiste. Da könnte ich im Episode I Review von den gleichen Problemen reden, aber in Episode I war die Romantik wenigstens kein Hauptfokus.
Obi-Wan Kenobi macht einen komplett anderen Film. Und der ist GUT.
Hier wird es wild. Denn während Anakin und Padme auf Naboo den cringe-igsten Side Quest der Filmgeschichte durchlaufen, macht Ewan McGregor da drüben seinen eigenen Film. Und DIESER Film? Dieser Film ist krass.
Obi-Wan ermittelt. Wie ein Detektiv. Er geht zu Dexter Jettster in so eine Retro-Diner-Kneipe (lowkey mein Lieblings-Worldbuilding im ganzen Film), er findet raus dass ein Planet aus den Jedi-Archiven gelöscht wurde (eine richtig starke Mystery-Prämisse), und landet auf Kamino.
Kamino. Regen. Endlose Ozeane. Weiße Klon-Fabriken. Temuera Morrison als Jango Fett mit diesem absoluten Kaltbluetigkeits-Vibe. Das ist KINO. Das ist der Star-Wars-Film den ich will. Wenn mich jemand fragt warum ich Episode II verteidige, zeige ich ihm die Kamino-Sequenz und sage: deswegen.
Die Verfolgungsjagd durch das Asteroidenfeld mit den Seismic Charges? Dieses BWOOOOOOM wenn die Ladung detoniert und für eine halbe Sekunde komplette Stille herrscht bevor der Bass einsetzt? Ben Burtt, der Sound Designer, hat damit einen der ikonischsten Soundeffekte der Filmgeschichte erschaffen. Ich hab das Geräusch als Handy-Klingelton gehabt. Drei Jahre lang.
Die Arena auf Geonosis. Oder: Warum dieser Film trotzdem existieren darf.
Das letzte Drittel von Episode II ist ein komplett anderer Film als die ersten zwei Drittel. Es ist als hätte jemand Lucas von seinem Romantik-Drehbuch weggezogen und gesagt: Junge, mach mal Krieg.
Die Geonosis-Arena. Drei Monster gegen Anakin, Padme und Obi-Wan, angekettet wie in einem römischen Kolosseum. Dann kommen die Jedi. DUTZENDE Jedi. Mace Windu mit lila Lichtschwert und diesem Samuel-L.-Jackson-Blick der sagt „I dare you“. Das ist fan service auf dem höchsten Level und ich bin absolut hier dafür.
Anke hat den Film letztes Jahr zum ersten Mal komplett gesehen. Sie kannte vorher nur die Original-Trilogie und meinte danach: „Die letzten vierzig Minuten sind großartig. Die ersten neunzig sind eine Zumutung.“ Und ich konnte ihr nicht widersprechen.
Yoda gegen Dooku. 2002. Mein Gehirn hat sich verabschiedet.
Christopher Lee als Count Dooku. Der Mann war 80. ACHTZIG. Und er spielt einen Sith Lord mit einer Eleganz die mich an die alten Final-Fantasy-Villains erinnert. Dooku hat diesen aristokratischen Boss-Fight-Energy, so ein „ich bin besser als du und wir wissen es beide“ Vibe, und das macht ihn zu einem unterschätzten Antagonisten.
Aber dann. DANN. Yoda zieht sein Lichtschwert.
62% auf Rotten Tomatoes, der niedrigste Score aller Star-Wars-Hauptfilme außer Episode I. 56% Audience Score. Und trotzdem: Als Yoda in diesem Kino anfing zu kämpfen, sind die Leute aufgesprungen. 2002. Die Kinos haben getobt. Das war kein Film mehr, das war ein Event.
Jutta aus unserem Kinokreis hat mal erzählt, dass sie Episode II bei der Premiere im CineStar gesehen hat und dass der Saal bei der Yoda-Szene so laut war, dass sie zehn Sekunden lang nichts gehört hat. Zehn Sekunden purem Jubel. Für einen 66 Zentimeter großen CGI-Charakter.
Die Politik. Ja, auch darüber muss ich reden.
Lucas wollte zeigen wie eine Demokratie stirbt. Das ist ambitioniert. Das ist based. Und es funktioniert, aber nicht so, wie Lucas es sich vorgestellt hat.
Palpatine manipuliert den Senat, Jar Jar gibt ihm Notstandsvollmachten (historische Parallele zu 1933, falls das nicht klar war, und nein das ist KEIN Zufall), und die Klonarmee die niemand bestellt hat marschiert am Ende in Formation auf ein Schiff. Es ist ein düsteren Ende für einen Sommerblockbuster. Und es ist cleverer als Leute ihm zugestehen.
Das Problem: Lucas erzählt das alles durch Senat-Szenen in denen Leute in komischen Roben stehen und über Handelsföderationen reden. Das ist der legislativer-Prozess-Simulator den niemand bestellt hat. Es ist wichtig für die Story, ja. Aber es ist auch der Punkt an dem mein Kumpel Linus immer einschläft. Buchstäblich. Er pennt weg. Jedes Mal.
Was The Clone Wars später draus gemacht hat
Ich sag das jetzt und es ist vielleicht kontrovers: Die Clone-Wars-Serie von Dave Filoni hat Episode II retroaktiv besser gemacht. Filoni hat Charaktere wie Ahsoka Tano und Rex genommen und die Klonkriege in etwas verwandelt was emotional resoniert. Er hat Anakins Abstieg in die dunkle Seite so erzählt wie Lucas es im Film WOLLTE aber nicht geschafft hat.
Wenn du Die letzten Jedi als den kontroversesten Star-Wars-Film siehst: nein. Episode II hat den Grundstein gelegt. Dieser Film hat die Fangemeinde gespalten bevor es zum Internet-Sport wurde sich über Star Wars zu streiten.
John Williams. Immer. IMMER.
Was Episode II rettet, neben den Action-Szenen und Obi-Wans B-Plot, ist der Soundtrack. „Across the Stars“ ist eines der schönsten Liebesthemen das John Williams je geschrieben hat. Es ist tragisch, es ist episch, es erzählt die Liebesgeschichte BESSER als der Film selbst. Wenn du die Augen schließt und nur die Musik hörst, ist Anakin und Padmes Romanze plötzlich herzzerreißend. Mach die Augen auf und du siehst den Sand-Dialog, und alles ist wieder kaputt.
Williams war 70 als er diesen Score geschrieben hat. Der Mann liefert. Egal was Lucas ihm als Film hinlegt.
Ähnliche Filme die das Gleiche besser oder schlechter machen
Wenn dich die Space-Opera reizt, schau dir Solo: A Star Wars Story an. Der hat ähnliche Probleme mit dem Mittelteil, ist aber insgesamt runder. Episode VII macht Nostalgie besser, fehlt aber der Mut den Lucas für die Prequels hatte. Und wer wissen will wie man epische Schlachten MIT emotionaler Tiefe inszeniert: Avengers: Infinity War hat 2018 gezeigt wie das geht. Für mehr Sci-Fi-Abenteuer gibt es unsere Kategorien Science Fiction und Abenteuer.
Besetzung von Star Wars: Episode II
- Hayden Christensen als Anakin Skywalker
- Natalie Portman als Padme Amidala
- Ewan McGregor als Obi-Wan Kenobi
- Christopher Lee als Count Dooku / Darth Tyranus
- Samuel L. Jackson als Mace Windu
- Frank Oz als Yoda (Stimme)
- Ian McDiarmid als Kanzler Palpatine / Darth Sidious
- Temuera Morrison als Jango Fett
- Daniel Logan als junger Boba Fett
- Jimmy Smits als Bail Organa
- Anthony Daniels als C-3PO
- Kenny Baker als R2-D2
Bewertung
Bisherige EinschätzungArchivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung
Bewertet von WatchGuide-Redaktion, die Wertung steht oben.
Der schwächste Star Wars hat trotzdem Momente, die kein anderes Franchise hinkriegt: Seismic Charges, Yoda flippt aus, Kamino im Regen. Aber diese Romantik-Szenen, Alter.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Wer streamt Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger?
Verfügbarkeit DEStand 18.10.2026: Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger läuft im Abo bei Disney+, mit deutscher Synchronfassung. Leihen oder Kaufen geht ab 3,99 €.
Stand 18.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr
Besetzung
5 Rollen- Anakin SkywalkerHayden Christensen
- Obi-Wan KenobiEwan McGregor
- Padmu00e9 AmidalaNatalie Portman
- Count DookuChristopher Lee
- Mace WinduSamuel L. Jackson


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