Poster zum Film Spider-Man 3: Drei Bösewichte, null Plan und trotzdem irgendwie Herz

Spider-Man 3: Drei Bösewichte, null Plan und trotzdem irgendwie Herz (2007)

Film · Action, Abenteuer · 2007 · 133 Min. · FSK 12

Von , aktualisiert am 14. März 20269 Minuten LesezeitSo arbeiten wir

Spider-Man 3 lief am 1. Mai 2007 in den deutschen Kinos an — und ich geb dem Ding eine 5.5. Sorry, Raimi. Sorry.

Ich WILL diesen Film lieben. Spider-Man 2 ist eine 8.0 von mir, der zweitbeste Superheldenfilm nach The Dark Knight, und Raimi hat danach noch EINEN gedurft. Einen. 258 Millionen Dollar Budget. Den teuersten Film der bis dahin je gedreht wurde. Und was macht er? Drei Bösewichte. Emo-Peter. Einen Tanz im Jazz-Club. Und einen Retcon der Uncle Bens Tod ruiniert. 5.5. Und die kriegt er nur wegen Thomas Haden Church.

Kurz gesagt

Spider-Man 3 ist der Film den ich am liebsten lieben würde und es nicht kann. Sandmans Geburt aus dem Sand, eine der schönsten VFX-Sequenzen der 2000er. Thomas Haden Churchs stille Performance — Oscar-würdig in einem Film der es nicht verdient. Und dann kommt Emo Peter und tanzt im Jazz-Club und ich sterbe innerlich. 258 Millionen Budget, 894 Millionen eingespielt, null Oscars, und Sam Raimi hat danach 9 Jahre keinen Film gemacht. Drei Bösewichte die alle zu kurz kommen. Ein Uncle-Ben-Retcon der die Motivation von zwei Filmen torpediert. Und trotzdem: wenn Sandman am Ende in Sand zerfaell

Quellen & Einordnung

Beitrag aus dem Archiv. Die bisherige Note und der Text sind noch nicht nach unserem seit 10. Oktober 2026 geltenden Quellenverfahren überprüft. Die Kinokreis-Stimme ist eine fiktive Figur; ihre Ich-Formulierungen belegen keine persönliche Filmsichtung. Die bisherige Note bleibt bis zur Einzelprüfung als Archivwertung erkennbar.

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von WatchGuide-Redaktion
1

258 Millionen. Drei Villains. Null Fokus.

Real talk: Das Grundproblem von Spider-Man 3 lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Sony wollte Venom. Raimi wollte Sandman. Und Harry Osborns Arc musste auch noch abgeschlossen werden. Also hat man alle drei reingepackt. In EINEN Film. 139 Minuten. Das ist ungefähr so als würdest du versuchen drei verschiedene Spiele gleichzeitig zu speedrunnen. Keines davon schaffst du richtig.

Sandman kriegt vielleicht 25 Minuten echte Screentime. Venom kommt im letzten Drittel und ist nach 15 Minuten schon wieder weg. Und Harry (James Franco, der in den ersten beiden Filmen langsam zum Antagonisten aufgebaut wurde) wird in den ersten 20 Minuten ausgeknockt, bekommt Amnesie (ja wirklich, AMNESIE als Plot-Device im Jahr 2007), und dann oszilliert er zwischen „netter Harry“ und „böser Harry“ wie ein Bildschirm der zwischen 30 und 60 FPS buffert.

Linus hat den Film letzte Woche gesehen. Seinen ERSTEN Spider-Man. Und seine Reaktion war: „Worum ging’s nochmal? War das einer oder drei Filme?“ Linus. Der normalerweise keine Filme schaut. Sogar ER hat gemerkt dass das Ding keinen Fokus hat. Das sagt alles.

2

Die Sandman-Szene aber.

Okay. Ich muss fair sein. Es gibt EINE Szene in Spider-Man 3 die zu den besten gehört die Sam Raimi je gedreht hat. Und die gehört Sandman.

Flint Marko fällt in eine Teilchenphysik-Testanlage. Sein Körper löst sich auf. Und dann (in einer Sequenz die komplett ohne Dialog funktioniert) versucht er sich aus Sand wieder zusammenzusetzen. Seine Hand formt sich. Fällt auseinander. Er greift nach dem Medaillon mit dem Foto seiner Tochter. Und Christopher Youngs Score macht den Rest.

Ich hab diese Szene dreimal zurückgespult. Dreimal. Das ist Kino. Das ist das was Raimi WOLLTE machen. Eine Geschichte über einen Vater der alles für seine kranke Tochter tut. Thomas Haden Church (den ich vorher nur aus Sideways kannte, wo er einen notgeilen Weintrink-Buddy spielt) gibt diesem Sandman eine Würde die der Film eigentlich nicht verdient hat. Seine Augen allein. Church hat gesagt dass er für die Szene echten Sand im Gesicht hatte. 16 Monate VFX-Arbeit für 3 Minuten Film. 63% bei Rotten Tomatoes — aber diese 3 Minuten sind 100%.

3

Emo Peter. Mein Gott, Emo Peter.

Es gibt Szenen in Filmen die so schlecht sind dass sie wieder gut werden. Die Emo-Peter-Sequenz in Spider-Man 3 ist keine davon. Sie ist einfach nur… weird. Und nicht das gute weird.

Der Symbiont übernimmt Peter. Macht ihn aggressiv, arrogant, dark. Soweit okay — das ist Canon aus den Comics. Aber Raimis Interpretation von „dark Peter Parker“ ist: Tobey Maguire läuft mit einer Emo-Frisur durch New York und fingergunt Frauen auf der Straße. Er tanzt in einem Jazz-Club. Er macht einen Eyeliner-Look der 2007 vielleicht ironisch gemeint war aber heute nur noch als Meme überlebt.

Stefan findet die Szene genial. „Das ist Raimis Humor, Tom. Slapstick. Evil Dead. Er macht sich ÜBER das Konzept lustig.“ Kann sein. Aber in einem Film der gleichzeitig versucht mir Sandmans tote Tochter als emotionalen Anker zu verkaufen funktioniert Slapstick-Humor nicht. Der Tonal Shift ist wie wenn du mitten im Souls-Boss-Fight ein Mario-Kart-Power-Up bekommst. Passt nicht.

Anke meinte beim letzten Filmabend: „Der Tanz-Moment ist Camp.“ Und Jutta so: „Meine Liebe, das IST Camp. Und zwar der unfreiwillige.“ Jutta hat nicht Unrecht. Selten.

4

Sony. Hat. Raimi. Venom. Aufgezwungen.

Das ist kein Gerücht. Sam Raimi hat in mehreren Interviews bestätigt dass er Venom nicht im Film haben wollte. Gar nicht. Sein Plan war: Sandman als Hauptvillain, Harry Osborn als sekundärer Antagonist, fertig. Zwei Handlungsstränge. Das hätte funktioniert. Raimi mochte Venom als Charakter nie besonders — er fand ihn „lacking in humanity“ („Es fehlt ihm an Menschlichkeit“), was für den Regisseur der Doc Ock diese Tragik gegeben hat nachvollziehbar ist.

Aber Sony-Boss Avi Arad wollte Venom. Unbedingt. Weil Venom Merch verkauft. Also kam Venom rein. Und Topher Grace wurde gecastet. Topher Grace. Der Typ aus That 70s Show. Als Eddie Brock. Einer der muskulösesten, aggressivsten Charaktere im Spider-Man-Universum. Gespielt von einem Typen der aussieht als würde er bei einem leichten Wind umfallen.

Ich will Grace nicht haten. Er macht was er kann. Aber er ist komplett fehlbesetzt. Eddie Brock muss eine physische Bedrohung sein — jemand der Peter Parker einschüchtern kann BEVOR er den Symbionten bekommt. Grace wirkt eher wie ein genervter Praktikant der am Daily Bugle seinen Schreibtisch verliert. Im ersten Spider-Man hat Raimi Willem Dafoe als Green Goblin perfekt besetzt. Im zweiten Alfred Molina als Doc Ock. Warum dann Topher Grace als Venom? Weil Sony nicht auf Raimi gehört hat. So einfach ist das.

5

Uncle Bens Tod. Retconned. Warum.

Der größte Fehler in diesem Film (noch größer als Emo Peter, noch größer als zu viele Villains) ist der Retcon von Uncle Bens Tod. Im ersten Spider-Man tötet ein Dieb Uncle Ben. Peter lässt den Dieb vorher entwischen. „With great power comes great responsibility“ — DAS ist die Origin-Story. DAS ist der Grund warum Peter Parker Spider-Man wird.

Und dann kommt Spider-Man 3 und sagt: „Eigentlich war’s Flint Marko.“ Der Sandman hat Uncle Ben erschossen. Der Dieb war nur sein Komplize. Peters GESAMTE Motivation aus zwei Filmen (sein Schuldgefühl, sein Antrieb) wird plötzlich auf einen anderen Charakter umgeleitet. Damit Sandman einen persönlichen Bezug zu Peter hat. Weil der Film drei Villains hat und irgendwie alle mit Peter verbinden muss.

Das ist fauler Erzählstil. DLC-Story die die Hauptkampagne kaputt macht. Anke hat es auf den Punkt gebracht: „Das ist als würde man bei Shutter Island am Ende sagen, eigentlich war’s der Gärtner.“ Und ja, bevor jemand fragt, Peter VERGIBT Sandman am Ende. Einfach so. Nach 2 Filmen Rache-Motivation. „I forgive you.“ Und Sandman löst sich in Sand auf und weht davon. Lowkey der absurdeste Moment in der gesamten Raimi-Trilogie.

6

Alle da. Zu viele da.

  • Tobey Maguire als Peter Parker / Spider-Man: gibt alles, hat aber ein Drehbuch das ihn zum Tanzen zwingt. Literally.
  • Thomas Haden Church als Sandman / Flint Marko. Der beste Part dieses Films. Verdient einen eigenen Film. Hat keinen bekommen.
  • Kirsten Dunst: Mary Jane Watson. Wird in diesem Film entführt. Schon wieder. Zum dritten Mal.
  • James Franco als Harry Osborn / New Goblin: sein Arc ist eigentlich gut? Amnesie-Subplot mal ausgenommen. Sein Opfer am Ende hat mich more getroffen als ich zugeben will.
  • Topher Grace als Eddie Brock / Venom. Fehlbesetzung des Jahrzehnts. Sorry Topher.
  • Bryce Dallas Howard: Gwen Stacy. Underused. 15 Minuten Screentime für einen der wichtigsten Spider-Man-Charaktere. Crime.
  • J.K. Simmons als J. Jonah Jameson. Wie immer der MVP jeder Szene in der er auftaucht. Kein Witz.
  • Rosemary Harris als Aunt May: „Uncle Ben wouldn’t want us to live with revenge in our hearts.“ Okay May. Fair.
  • Bruce Campbell: Cameo als französischer Maitre d‘. 3 Minuten. Bester Comedy-Moment im Film.
  • Stan Lee: Cameo am Times Square. „One person can make a difference.“ Ja, Stan. Wissen wir.

Gerald Paradies als Sandman überrascht. Gibt der Rolle eine Schwere die man im Original bei Church genauso findet. Timmo Niesner (den die meisten als Stimme von Orlando Bloom kennen) als Venom ist… na ja. Es klingt halt wie Legolas der versucht böse zu sein. Nicht Niesners Schuld. Die Rolle gibt einfach nicht genug her. Und Joachim Kerzel als J. Jonah Jameson bleibt ein nationaler Schatz. Der Mann könnte das Telefonbuch vorlesen und du würdest lachen.

7

894 Millionen Dollar. Ernsthaft.

Hier ist das Verrückte: Spider-Man 3 hat 894 Millionen Dollar weltweit eingespielt. MEHR als Spider-Man 2 mit seinen 789 Millionen. Mehr als der erste Spider-Man. Es war der erfolgreichste Film der Trilogie. Der Film den alle als den schwächsten bezeichnen hat am meisten Geld gemacht.

258 Millionen Budget — der teuerste Film bis zu Pirates of the Caribbean 3 im selben Jahr. Und trotzdem profitabel. Sony hat kassiert. Raimi hat gelitten. Die Fans haben sich beschwert. Und das Internet hat Memes gemacht die bis heute leben. Bully Maguire. Der Emo-Walk. Das Fingerguns-GIF. Spider-Man 3 ist als Film mäßig. Als Meme-Quelle? Unsterblich. Peak Internet-Kultur.

Spider-Man 4 war danach geplant. Raimi wollte den Vulture als Villain — John Malkovich war im Gespräch für die Rolle. Aber die Deadline war zu eng, das Script nicht fertig, und Sony hat stattdessen das Amazing Spider-Man Reboot mit Andrew Garfield gestartet. Raimi hat nach Spider-Man 3 ganze neun Jahre keinen Film mehr gemacht. Erst 2022 kam er mit Doctor Strange in the Multiverse of Madness zurück. Neun Jahre Pause. Wegen einem Film der 894 Millionen eingespielt hat. Das muss man sich erstmal vorstellen.

Bewertung

Bisherige Einschätzung

Archivwertung: Quellenbasis und Gewichtung noch nicht nach dem neuen Verfahren geprüft. Quellen & Einordnung

Bewertet von , die Wertung steht oben.

Dafür

  • Sandman-Origin ist visuelle Perfektion
  • Thomas Haden Church
  • Harry Osborns Opfer am Ende
  • Bruce Campbells Cameo

Dagegen

  • Zu viele Villains ohne Fokus
  • Topher Grace als Venom fehlbesetzt
  • Emo Peter tanzt
  • Uncle-Ben-Retcon zerstört Origin
Whatever comes our way, whatever battle we have raging inside us, we always have a choice.Aus der Wertung von WatchGuide-Redaktion
Spider-Man 3 ist der Film den ich am liebsten lieben würde und es nicht kann. Sandmans Geburt aus dem Sand — eine der schönsten VFX-Sequenzen der 2000er. Thomas Haden Churchs stille Performance — Oscar-würdig in einem Film der es nicht verdient. Und dann kommt Emo Peter und tanzt im Jazz-Club und ich sterbe innerlich. 258 Millionen Budget, 894 Millionen eingespielt, null Oscars, und Sam Raimi hat danach 9 Jahre keinen Film gemacht. Drei Bösewichte die alle zu kurz kommen. Ein Uncle-Ben-Retcon der die Motivation von zwei Filmen torpediert. Und trotzdem: wenn Sandman am Ende in Sand zerfällt und davonweht, FÜHLE ich was. Raimi hat Herz. Sogar in seinem schlechtesten Spider-Man-Film. Das rettet die 5.5.

Wer streamt Spider-Man 3?

Verfügbarkeit DE

Stand 14.10.2026: Spider-Man 3 ist derzeit in keinem Streaming-Abo enthalten, lässt sich aber ab 0,99 € leihen oder kaufen (z. B. bei Apple TV+).

Stand 14.10.2026 · Streaming-Daten: JustWatch (via TMDB), Movie of the Night · ohne Gewähr

Besetzung

5 Rollen
  • Spider-Man / Peter ParkerTobey Maguire
  • Mary Jane WatsonKirsten Dunst
  • New Goblin / Harry OsbornJames Franco
  • Sandman / Flint MarkoThomas Haden Church
  • Venom / Eddie BrockTopher Grace

FAQ zu Spider-Man 3: Drei Bösewichte, null Plan und trotzdem irgendwie Herz

Ist Spider-Man 3 wirklich so schlecht?
Nicht SCHLECHT-schlecht. Mehr so... enttäuschend. Nach Spider-Man 2 erwartest du ein Meisterwerk und bekommst einen Film der gleichzeitig drei Sachen will und keine davon richtig hinkriegt. Die Sandman-Szenen allein sind den Kinobesuch wert. Der Rest ist hit or miss. Mostly miss.
Warum hat Sam Raimi Venom nicht gewollt?
Raimi fand den Charakter "lacking in humanity" ("Es fehlt ihm an Menschlichkeit"). Er mochte Bösewichte mit tragischem Hintergrund — Doc Ock, Sandman, sogar Norman Osborn. Venom war ihm zu eindimensional. Und ehrlich? Er hatte recht. Schaut euch an was aus dem Charakter im Film geworden ist. Sony hat ihn trotzdem reingedrückt weil Merch und Fanservice und Dollar. Classic Studio-Interference.
In welcher Reihenfolge die Spider-Man Filme schauen?
Raimi-Trilogie → Amazing → MCU. Oder chronologisch nach Kinostart. Alle Infos in unserer Spider-Man Filmreihe in Reihenfolge. Da steht alles. Sogar die Sony-SSU-Filme die keiner gefragt hat.
Warum tanzt Peter Parker im Jazz-Club?
Weil der Symbiont ihn "befreit" und er sich für cool hält. Raimi meinte es als Comedy. Als Satire auf männliche Selbstüberschätzung. Die Idee ist: Peter DENKT er ist cool, aber alle um ihn herum finden ihn peinlich. Problem: der Film nimmt es nicht weit genug als Komödie und nicht ernst genug als Drama. Also hängt die Szene irgendwo dazwischen. Unbequem. Meme-fähig. Unvergesslich — aus den falschen Gründen.
Gibt es einen Director's Cut von Spider-Man 3?
Keinen offiziellen Director's Cut. Es gibt eine "Editor's Cut" die ein paar Szenen ergänzt — mehr Sandman-Backstory, ein alternatives Ende. Aber keinen echten Raimi-Cut wie bei Spider-Man 2.1. Raimi hat nie öffentlich gesagt dass er eine eigene Version hat. Was er gesagt hat: "Ich bin mit dem Film nicht zufrieden." ("I'm not happy with it.") Das sagt genug.
Kommt noch ein Spider-Man 4 mit Tobey Maguire?
Die Frage die nie stirbt. Nach No Way Home hat Tobey bewiesen dass er den Anzug immer noch trägt. Raimi hat sich nie dagegen ausgesprochen. Sony schweigt. Und das Internet bettelt. Mein persönlicher Take: wenn es passiert, bitte MIT Raimis Vision und OHNE Sony-Einmischung. Ein Villain. Ein Film. Mehr brauchts nicht. Mein Nerd-Herz hofft.

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